100 Jahre SAC-Retter. Informationstag in Grindelwald

100 Jahre SAC-Retter

1901 befasste sich der SAC als Gesamtclub auf Antrag der Sektion Bern erstmals mit alpiner Rettung und Prävention ( vgl. ALPEN 4/2000 ). 100 Jahre später zeigt eine Rettungsdemonstration in Grindelwald, was Retten im 21. Jahrhundert heisst.

Im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums der SAC-Rettung fand Ende Mai in Grindelwald ein Medien- und Behördentag statt. Mit dem Ziel, die Arbeit der SAC-Retter breiten Kreisen bekannt zu machen, zeigte die Rettungszone 6 – stellvertretend für alle andern Retter – in der wilden Grindelwaldner Gletscherschlucht, was der Rettungsalltag heute beinhaltet: Flächensuch-Hündin Kira spürte nach kurzer Zeit den « verirrten » Wanderer auf. Der auf der Tanne festsitzende Hängegleiterpilot wurde von einem Spezialisten alsbald aus seiner unbehaglichen Lage befreit. Auch der in einem Kabel verfangene Deltasegler hatte dank der Hilfe der SAC-Retter bald wieder Boden unter seinen Füssen. Gerettet wurden der in der schäumenden Weissen Lütschine « verunfallte » Canyonaut ebenso beeindruckend wie der in Not geratene Bergsteiger in den Felsen über der Schlucht. Wie viel technisches Material bei Rettungen zum Einsatz kommt, zeigte die Demonstration des Dreibeins für Gletscherspaltenrettungen. Nur zu erahnen war die Präzisionsarbeit bei der Rega-Helikopter-Rettung mit Longline in einer Wand des Eigermassivs: Der « abgestürzte » Bergsteiger, als kleiner Punkt erkennbar, wurde nach kurzer Zeit an der langen Leine aus der Wand herausgeflogen – das Beispiel für die Partnerschaft in der Rettungsarbeit.

Ein Jahrhundert lang Rettung Als nach Mitte des 19. Jh. Bergsteigen als Sport ausgeübt wurde, weigerte sich die öffentliche Hand, bei Unfällen Hilfe zu leisten. Der SAC nahm deshalb ab 1901 auf Gesamtclubebene die Hilfeleistung und Rettung verunglückter Alpinisten, vorab seiner Mitglieder, selber an die Hand. Gleichzeitig engagierte er sich aber auch in der Prävention. So fand sich im Antrag der Sektion Bern u.a. die Forderung nach « auffälligen Plakaten mit Aufstellung der Gefahren des Hochgebirges, der wichtigsten bergsteigerischen Regeln und der ersten Hilfe bei Unglücksfällen ».

Im Jahr 2000 belief sich der Einsatz der rund 2500 SAC-Retter – eingeteilt in neun regionale Zonen und 102 über die ganze Schweiz verteilten Rettungsstationen – auf 18 000 Manntage. Und sie rückten in mehr als 9 von 10 Fällen für Nicht-Clubmitglieder aus. Dass dieser als Milizsystem kostengünstig geführte « Service Public » auf die Unterstützung

Medientag aus Anlass des Jubiläums 100 Jahre SAC-Retter: Adriano Censi ( r. ), Ressortleiter Rettung im ZV, konnte an die 70 Behörden- und Medienvertreter in Grindelwald begrüssen; daneben ZV-Präsident Franz Stämpfli und Rega-Vertreter Walter Stünzi.

Demonstration Gletscher-spaltenrettung mit Hilfe des Dreibeins bei nicht unbedingt typischem Retterwetter Rettungsdemonstration eines in einem Kabel « verunfallten » Gleitschirmfliegers vor der eindrucksvollen Kulisse der Grindelwaldner Gletscherschlucht.

DIE ALPEN 7/2001

der öffentlichen Hand angewiesen ist, um die grossen Aufgaben wahrnehmen zu können, zeigten die Ausführungen der Rettungskommissionsmitglieder.

Retten heute – und morgen Zu Beginn der alpinen Rettung waren die Einsätze meist hart, dauerten lange und waren nur beschränkt möglich, da technische Hilfsmittel fehlten. Als nach dem Zweiten Weltkrieg das Stahlseilgerät aufkam, wurden Rettungseinsätze auch in grossen Wänden möglich. Vergleichbar revolutionär war dann der Einsatz von Rettungshelikoptern in den Sechzigerjahren.

Die neuen Trends im Bergsport werden auch künftig grosse Anforderungen an die Retter, ihre Ausbildung und an das zu beschaffende Material stellen. Das Engagement des SAC wird, wie in seinem Leitbild festgehalten, im neuen « Rettungsjahrhundert » weitergeführt. a

Margrit Sieber

Feedback