100 Jahre SAM würdig gefeiert. Hoher Geburtstag – unsichere Zukunft

Hoher Geburtstag – unsichere Zukunft

100 Jahre SAM würdig gefeiert

Rund 450 Gäste versammelten sich für die 100-Jahr-Feier des Schweizerischen Alpinen Museums SAM. Ein dichtes Programm mit Ansprachen, umrahmt von kulturellen Höhenpunkten, war vorbereitet. Trotzdem mochte keine wirkliche Feststimmung aufkommen, denn die Zukunft des Museums ist noch immer unsicher.

« Für einige sind 100 Jahre nicht genug, für andere sind 100 Jahre zu viel. » So eröffnete Paul Messerli, Präsident des Stif-tungsrats des Schweizerischen Alpinen Museums, SAM, am 2. Mai 2005 im Kornhaus Bern die Hundertjahrfeier. In seiner Rede ging er auf die finanziellen Schwierigkeiten des Museums ein – und ein drohendes Schreckensszenario: die Schliessung des Museums, wenn bis 2008 keine Finanzierungslösungen gefunden werden können. Nicht eingelöst wurde das Versprechen der Stadt Bern, bis zur 100-Jahr-Feier einen Entscheid in Bezug auf ihre finanzielle Unterstützung zu fällen. 1 So war die Stimmung eher gedämpft, trotz des abwechslungsreichen Festprogramms, das vom Tambouren- und Pfei-fenverein Staldenried eröffnet wurde.

« Das SAM gehört zu Bern »

Den Reigen der Festredner als Vertreter der Stiftungsträger eröffnete der Berner Stadtpräsident, Alexander Tschäppät. Im Zentrum seiner Ansprache standen die Geschichte des Alpinen Museums und seine enge Beziehung zur Stadt – der am meisten erwartete Teil. Der Berner Stadtpräsident gab sich zuversichtlich: « Das SAM gehört zu Bern, weiterhin und sicher !» Während sich die Rede von Tschäppät vor allem auf das Museum und seine Geschichte kon- Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz überbrachte anstelle von Bundesrat Joseph Deiss die Grüsse des Bundes-rats, der sich ein Museum wünscht, « das uns zeigen muss, wie wir Menschen mit den und nicht gegen die Alpen leben können ».

Übergabe des SAC-Kultur-preises an das SAM. Der Check steckt symbolhaft in einem Eisklumpen: ( v. l. ) SAC-Zentralpräsident Franz Stämpfli, SAM-Stif-tungsratspräsident Paul Messerli und SAM-Direk-tor Urs Kneubühl zentrierte, stellte die Berner Regierungsrätin Dora Andres die Alpen in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen, deren Entwicklung, aber auch Verletzbarkeit: Um den Menschen zu zeigen, wie sie richtig zu handeln hätten, brauche es das Alpine Museum.

Auch Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz, die für den verhinderten Bundesrat Joseph Deiss eingesprungen war, sprach sich für die Alpen und ihr Museum aus. Das SAM müsse zeigen, « wie wir Menschen mit und nicht gegen die Alpen leben können ». Es solle sich keinesfalls nur auf das Bewahren dessen, was einmal war, beschränken, sondern sich auch um die Zukunft des Alpenraums kümmern.

Der 100-jährige Pate

« Es gab eine Zeit, da hatten die Menschen Angst vor den Bergen. Heute haben die Berge Angst vor den Menschen. » Diese markanten Worte kamen vom Bergliebhaber Georges Pellaton: rüstig, vital, seit langem Mitglied der Berner SAC-Sektion, noch selber Holz hackend, wie der Direktor des SAM, Urs Kneubühl, dem Publikum mitteilte – und ebenfalls 100-jährig! Es sei eine grosse Ehre für das Museum, einen Zeitgenossen empfangen zu dürfen, der darüber hinaus zu den Top-Ten-Paten des Museums gehöre. 2 Und auf die Frage, woher es komme, dass er, Georges Pellaton, immer noch so rüstig sei, kam dessen klare Antwort: « Dank der Berge !» Bis ins Geburtsjahr des SAM, 1905, ging Markus Keusen, Präsident der Berner SAC-Sektion, zurück, um zusammen mit Urs Kneubühl die verschiedenen Etappen des Museums und dessen Leiter zu würdigen. Gleichzeitig warf Urs Kneubühl auch einen Blick auf die Zukunft des SAM, das wieder zum bedeutendsten Museum der alpinen Kultur in Europa werden soll. 3

Vierblättriges Kleeblatt oder SAC: zwei Szenarien

« Es war einmal... ein Bauer, der besass eine Wiese mit vielen bunte Pflanzen. Doch der Bauer hatte nur eines im Kopf: Er wollte ein vierblättriges Kleeblatt finden. Als er es endlich entdeckte, pflegte und hegte er es und vergass dabei alle anderen Pflanzen. Eine nach der anderen ging ein. Das Kleeblatt aber gedieh und entwickelte sich in voller Pracht. Doch irgendwie konnte sich der Bauer nicht darüber freuen. Da stand er vor seiner pflanzenleeren Wiese, die zwar ein wunderbares Kleeblatt in der Mitte aufwies, jedoch kläglich aussah. » Als eine andere Variante dieses Märchens führte SAC-Zentralpräsident Franz Stämpfli in seiner Rede den SAC an, der auf die Vielfalt setze wie Bergsportart, Umwelt, Tourismus, Rettung, Publikation von Büchern und alpine Kultur. Dies mache seinen Erfolg aus: Der SAC zählt heute rund 110 000 Mitglieder und ist dadurch in der Lage, den jährlichen Betriebsbeitrag an das SAM um 30% zu erhöhen. Franz Stämpfli empfahl denn auch der Kultur-stadt Bern, das SAC-Szenario dem Klee-blattszenario vorzuziehen.

SAC-Kulturpreis für SAM

Seit 1992 verleiht die SAC-Kulturkom-mission regelmässig einen Kulturpreis in der Höhe von 10 000 Franken für bedeutende wissenschaftliche oder kulturelle Leistungen. Zum Jubiläum und in Würdigung der grossen Arbeit wurde der diesjährige Kulturpreis dem SAM verliehen. Zentralpräsident Franz Stämpfli überreichte den Check auf einer Torten-platte, nicht etwa zusammen mit einer Torte. Nein, der Preis steckte in einem Eisklumpen – frisch hergebracht aus den Alpen! a Adrien Rihs ( ü ) 1 Der Gemeindrat der Stadt Bern hat inzwischen entschieden, das SAM in den beiden nächsten Jahren mit einem gleich hohen Betrag wie 2003 zu unterstützen. 2 Jedem Fenster der Süd- und der Nordfassade des Museumsgebäudes hat das SAM einen Bergnamen zugeordnet. Mit einer Spende an das Museum kann man die Patenschaft eines der Fenster übernehmen. Georges Pellaton hat sich für das Berg-fenster « Tödi » entschieden. 3 Vgl. DIE ALPEN, 4/2005, S. 54.

« Um den Menschen zu zeigen, wie sie richtig zu handeln hätten, braucht es ein Alpines Museum », betonte die Berner Regierungsrätin Dora Andres, auch als Vertreterin der Stiftungsträger. Auf die Geschichte des SAM ging der Präsident der SAC-Sektion Bern, Markus Keusen, ein.

Mit « Das SAM gehört zu Bern » beendete der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät seine Rede.

Ein wahrhaftiger Zeitgenosse des SAM: Georges Pellaton, der, wie das Museum, dieses Jahr seinen hundertsten Geburtstag feiern konnte Fotos: Dieter Spinnler

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