102. Etzelzusammenkunft. Wetterprognosen und Bergsport

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Wetterprognosen und Bergsport

102. Etzelzusammenkunft

Am ersten Dezembersonntag 2005 wanderten rund 80 SACler aus über zehn Sektionen des Zürichseegebie-tes und der Zentralschweiz 1 auf den Etzel zur traditionellen Zusammenkunft. Den Schwerpunkt bildete ein Referat zu « Wetterprognosen in den Alpen ».

Für den 4. Dezember 2005 hatte die SAC-Sektion Hoher Rohn auf den 1098 m hohen Aussichtsberg oberhalb Pfäffikon am Zürichsee zur traditionellen über-regionalen Etzelzusammenkunft eingeladen. Und traditionellerweise kommen einige von zu Hause weg zu Fuss.

Wetter – allgemein gültiges Thema

« Liebe Bergsteiger, was haltet ihr vom heutigen Wetter ?» Mit dieser Frage leitete Caspar Sträuli, Präsident der gastgebenden Sektion Hoher Rohn, zum traditionellen Referat über. Eine Frage, bei deren Antwort alle mitreden können und doch niemand alles weiss. Das Wetter beschäftigt alle, fordert aber – wie Caspar Sträuli zu Recht bemerkte – vor allem Bergsportler heraus. Besonders in der Schweiz mit ihren Bergen und den typischen wechselnden Wetterlagen sind ständige Flexibilität im Handeln und Denken wichtig. Entsprechend schwierig ist die genaue Vorhersage der Wetterentwicklungen.

Wetterprognosen in der Schweiz

Für den Gastreferenten Daniel Gerstgrasser, Meteorologe bei MeteoSchweiz, macht aber gerade diese Wetterwechsel-haftigkeit seine Arbeit, das Erstellen von Wetterprognosen bei MeteoSchweiz, spannend. Für einen Wetterbericht mit Gültigkeit von maximal 24 Stunden verfügt ein Meteorologe über verschiedene Hilfsmittel. Der Meteosat8, ein Satellit in 1 Vertreten waren die Sektionen Zimmerberg, Am Albis, Uto, Rinsberg, Bachtel, Hörnli, Zindelspitz, Einsiedeln, Baldern, Tödi und Hoher Rohn.

Kleine und mittelgrosse Quellwolken, Cumulus humilis und mediocris, in der Silvretta: Im Sommer gehört diese Wolkenart zu einem Schönwettertag wie der Schnee im Winter zu den Bergen. Diese an und für sich harmlosen Quellwolken zeigen im rechten Bildteil bereits erste Ansätze einer stärkeren Entwicklung. Eine weitere Beobachtung lohnt sich, denn in einigen Stunden könnten erste Gewitterwolken entstehen.

Flockig aussehende Schäfchenwolken, Altocumulus floccus: Ist der Morgenhimmel mit solchen Wolkenbällchen geschmückt, so weist dies auf eine instabil geschichtete Atmosphäre hin. Mit einer ziemlich hohen Wahrscheinlichkeit bilden sich im Tagesverlauf über den Alpen Quellwolken und nachfolgend Gewitter.

Türmchenförmige Quellwolke in mittlerer Höhe, Altocumulus castellanus: Auch diese Wolken, benannt nach den Türmchen auf alten Schlössern, bedeuten für den Alpinisten oftmals nichts Gutes. Entdeckt man sie am Morgen oder am Vormittag, so muss im Tagesverlauf mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 70% mit einem Gewitter gerechnet werden. Föhnstimmung über der Zentralschweiz: Blick vom Etzel gegen SSW. Zur Rechten die markanten Berggestalten der beiden Mythen Foto: eg Foto: Daniel Gerstgr asser Foto: Ruedi Wyss Foto: Ruedi Wyss 36 000 km Höhe, liefert alle 15 Minuten Bilder, die Wolken und deren Verlagerungen in unterschiedlichen Schichten zeigen. Diese anschaulichen Satellitenbilder erlauben dem Meteorologen eine schnelle Übersicht über die momentane Wetterlage in einem grösseren Gebiet. Anhand des Niederschlagradars kann er weiter die Verlagerungsrichtung von Niederschlagsgebieten wie beispielsweise Gewitterzellen verfolgen. Zusätzlich liefert das Messnetz der MeteoSchweiz die wichtigsten Wetterbeobachtungen, die für eine Prognose gebraucht werden. Dieses Messnetz besteht aus über 100 automatischen Stationen, die alle 10 Minuten Messwerte wie Wind, Temperatur, Feuchte, Druck und Niederschlag festhalten. Weiter gehören dazu 30 Stationen mit Augenbeobachtungen, die vor allem Wolken und die Sicht melden, sowie 25 Klimastationen und ca. 370 Nieder-schlagsmessstationen. Für eine alpine Wetterprognose mit bis zu zehn Tagen Gültigkeit steht dem Meteorologen ein Computermodell mit einem engmaschigen Gitternetz zu Verfügung. Dieses berechnet verschiedene meteorologische Karten, in denen u.a. der Luftdruck, die Feuchte oder die Nieder-schlagverteilung für die Folgetage eingetragen sind. Der Meteorologe muss nun diese Wetterkarten miteinander vergleichen, die Zuverlässigkeit der Berechnungen abschätzen und schliesslich daraus seine Prognose ableiten.

Vom « Quellwölklein » zum Gewitter

Beim Aufenthalt in alpinem Gelände ist es jedoch selbstverständlich, dass man sich nicht nur auf die Prognosen verlassen sollte, sondern auch selber Beobach- Erwartungsvolle Spannung im grossen Saal des Etzel-Gast-hauses vor dem Referat « Wetterprognosen in den Alpen » von Daniel Gerstgrasser von MeteoSchweiz Gewitterwolken in verschiedenen Entwicklungsstadien: Der Blick nach Süden vom Gipfel des Alvier, 2343 m, im Sarganserland zeigt eine « Wolkenfami-lie », deren Alter von links nach rechts abnimmt. Der Amboss in der Bildmitte gehört zu einer ausgewachsenen Gewitterwolke. Diese ist allerdings auf der Alpensüdseite in etwa 150 Kilometern Entfernung entstanden, in der näheren Umgebung hat die Quell-wolkenentwicklung noch nicht eingesetzt.

Blumenkohlwolke mit vereister Kappe, Cumulonimbus capilla-tus: Die Wolke im oberen Bildteil ist bereits im Vereisungs-stadium – fransiges Aussehen –, was bedeutet, dass die Nieder-schlagsproduktion schon eingesetzt hat. In den nächsten Minuten wird in der Nähe des Fotografen ein kurzer Regenschauer niedergehen.

Foto: eg Foto: Daniel Gerstgr asser Foto: Daniel Gerstgrasser tungen anstellt. 2 Daniel Gerstgrasser empfahl, die verschiedenen Quellwolken stets im Auge zu behalten, weist doch frühmorgendlich auftretende flockige oder türmchenförmige Bewölkung in den mittleren Schichten 3 auf eine instabil geschichtete Atmosphäre hin. Grosse Aufmerksamkeit sollten Bergsportler den so genannten Blumenkohlwolken schenken. Bei dieser Wolkenart ist besonders dann, wenn sie in ihrem oberen Teil unscharfe, ausgefranste Ränder aufweist und sich ein Amboss zu bilden beginnt, mit Niederschlag in Form von Regen oder sogar Hagel zu rechnen. 4

Gemütliches Beisammensein

Dieses interessante und lehrreiche Referat regte an, über eigene Erfahrungen zu berichten. Aber dann ging man schliesslich zum geselligen Teil der Zusammenkunft weiter. An weihnachtlich geschmückten Tischen kamen die vom Marschieren und Zuhören hungrig gewordenen SACler in den Genuss der traditionellen Bernerplatte. Zum Auskosten der Wiedersehensfreude sowie des gemütlichen Beisammenseins unter Freunden und SAC-Kameraden blieb schliesslich noch der ganze Nachmittag. Was die Etzelbezwinger vom Wetter hielten – diese Antwort blieben sie Caspar Sträuli schuldig. Sicher war jedoch, dass dieser Sonntag den anwesenden SAClern dank Föhnlage ein einmaliges Panorama bescherte und zu einem winterlichen Abstieg einlud. a Viviane Burkhalter, Bern 2 Literatur zur Meteorologie: Albisser Peter: Wetterkunde für Wanderer und Bergsteiger, SAC-Verlag 2003; Walker Andreas: Zeichen am Himmel, Birkhäuser Verlag, Basel 1997; Liljequist G. H., Cehak K.: Allgemeine Meteorologie, Vieweg-Verlag 1990 3 Bewölkung der mittleren Schicht befindet sich in einer Höhe zwischen 2500 und 5000 m. 4 Wer sich im Internet über das Wetter informieren möchte, findet zuverlässige Prognosen für die Schweiz auf www.meteoschweiz.ch, www.nzz.ch/ wetter oder www.alpenverein.at.

Regenschauer über dem Walensee: Eine Gewitterwolke hat das in ihr enthaltene Wasser « losgelassen », an den Churfirsten sind schöne Fallstreifen zu sehen. Mit einem Regenschauer oder Gewitter ist immer auch ausfliessende Kaltluft verbunden, manchmal in Form von Sturmböen.

Foto: Daniel Gerstgrasser

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