117. Bachtel-Réunion. Kameradschaft, Tradition und Geschichte

117. Bachtel-Réunion

Die seit 1887 ohne Unterbruch stattfindende Bachtel-Réunion vereinigt 13 Réunionssektionen und ist damit das älteste SAC-Treffen dieser Grössenordnung. Die jeweils am zweiten Januarsonntag auf dem 1115 m hohen Bachtel im Zürcher Oberland stattfindende Réunion hat im Laufe ihrer Geschichte ihr Erscheinungsbild mehrmals geändert.

Bachtel und Etzel, die Gipfel-Treffpunkte der beiden traditionsreichsten SAC-Zusammenkünfte, liegen, vom Band des Zürichsees getrennt, in Luftlinie nur knapp 16 km voneinander entfernt. Trotz der geografischen Nähe und einem Teilnehmerfeld, zu dem auch ein paar Etzel-Sektionen gehören, verfügt die Bachtel-Réunion über ihren eigenen unverwechselbaren Charakter.

Einblick in die regionale Vielfalt Das Einzugsgebiet der auf dem Bachtel vertretenen Sektionen reicht vom Schaffhausischen über das gesamte Züribiet und erstreckt sich weiter über den Thurgau und das Toggenburg bis ins Glarnerland. Die diesen Raum kennzeichnende topografische Vielfalt und ihr reiches geschichtliches Erbe hat der Bachtel-Réunion in jüngster Zeit zu einem neuen thematischen Schwerpunkt verholfen. Initiiert vom Réunions-OK unter Präsident Erwin Ochsner steht das Treffen auf dem Bachtel deshalb heute auch im Zeichen einer Rückbesinnung auf die sehr unterschiedlichen regionalen Entwicklungen und ihre geschichtlichen Wurzeln. Dabei wird jeweils auf humoristische Art über die Charaktermerkmale einer Heimatregion der Réunionssektionen berichtet. Diesmal war es Peter Schönenberger, bekannt als « Gletscher-Puur » ( Bauer ), der mit dem Toggenburg das Gebiet einer weiteren Réunionssek-tion vorstellte. 1

Der « Gletscher-Puur » erzählt Das Toggenburg mit seinem überaus bewegten Relief, seinen tief eingeschnittenen Tälern und stotzigen Hängen war immer eine karge Region, wo nur hartes Arbeiten das Überleben sichern konnte. Dies galt in besonderem Masse für den Bauernstand. « Gletscher-Puur » Peter Schönenberger hat seine Kindheit in einem Heimetli verbracht, das weder über fliessendes Wasser noch über Elektrizität verfügte und wo der Boden so steil war, dass « die Katze mit der gefangenen Maus hindersi den Berg hinunter musste, damit es sie nicht überstellte ». Zwischen den Worten, die die Härte des damaligen Bauerntums aufleben liessen, wurde eine gewisse Melancholie spürbar. Heute sei das Bauern hektisch geworden, man habe keine Zeit mehr für den anderen, Theorie und Bürokratie seien bestimmend. « Alles will besprochen sein » und – ironisch – « mit dem Genossenschaftsverwalter bringts jede Kuh zu hohem Alter ». In dem in gereimter Form vorgetragenen Schlussteil vom « füürige Puur », dem überflüssigen Bauern,wies Peter Schönenberger darauf hin, dass jeden Tag zehn Bauern ihre Arbeit aufgeben. Heute ist selbst der Bergbauer zum Betriebsver-walter geworden, eingespannt in ein Netzwerk von Gesetzen, Hygienevorschriften und x-fach formalisierten Auflagen. Den Bauern braucht es immer weniger. Der Rückblick auf die früheren – sicher schwierigen – Zeiten zeigte noch eine andere Welt: « Man hat gelebt mit der Natur, hat noch nichts gewusst vom füürige Puur. »

Geselliger Ausklang Bachtel-Sektionspräsident Urs Schulthess forderte in seinem Schlusswort die Teilnehmer auf, Zweitmitgliedschaften bei kleineren Sektionen zu erwerben. Damit liessen sich einerseits kameradschaftliche Verbindungen über die Sektionsgrenzen hinweg knüpfen, anderseits

1 An der 115. Bachtel-Réunion war das Glarnerland ( Sektion Tödi ) vorgestellt worden.. " " .Vgl.ALPEN 3/02, S. 24/25 Die Zentralschweizer und Berner Alpen mit der Eiger-Nordwand ( etwas rechts der Bildmitte ) von der Bachtel-Aussichtsterrasse aus. In der Fortsetzung des See-damms von Rapperswil liegt die bewaldete Hügelkuppe des Etzels.

Fo to :eg DIE ALPEN 3/2004

bringe dies den betreffenden Sektionen auch eine zusätzliche Unterstützung. Im Weiteren stellte Urs Schulthess das neue von Hans Nussberger gezeichnete Alpen-Panorama vor, das die Aussicht vom Bachtel-Fernmeldeturm über einen Winkel von knapp 180° zeigt. 2 Darbietungen des mit ein paar SAClern verstärkten Männerchors Meilen umrahmten den Anlass und begleiteten Mittagessen und kameradschaftliche Gespräche, bis ein zunehmend stürmisch werdender Südwestwind zum Aufbruch mahnte. a

Etienne Gross

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