119. Bachtel-Réunion. Traditionsreiches Treffen über der Nebelgrenze

119. Bachtel-Réunion

Seit 1887 lassen 13 Sektionen das Jahr gemeinsam auf dem Bachtel im Zürcher Oberland einläuten. Neben Musik und einem feinen Mittagessen werden kameradschaftliche Kontakte über Sektionsgrenzen gepflegt, aber auch Geschichtliches aus den Regionen dargeboten.

Oben Sonne, unten Nebel. So zeigt sich das Wetter am zweiten Januarsonntag 2006 auf 1115 m ü. M. auf dem Bachtel im Zürcher Oberland. Mit einem Alpenpanorama vom Säntis bis zum Pilatus. Im Saal des Bachtel-Restaurants steht auf einem Tisch ein hölzernes Weber-schiffli, auf einem anderen ein hölzernes Boot und auf einem dritten ein hölzerner « Hegel », ein Sackmesser. Daneben finden sich Wimpel mit leicht verbliche-nem SAC-Logo und Sektionsnamen wie Hoher Rohn, Uto und Bachtel. Um 11.30 Uhr ist jeder Stuhl besetzt.

Traditionsreich

Wie immer am ersten oder zweiten Sonntag im Januar findet hier die traditionsreiche Bachtel-Réunion statt. Die Veranstaltung geht auf das Jahr 1887 zurück, als sich die Sektionen Tödi und Bachtel erstmals trafen. Mit den Jahren hat sich der Teilnehmerkreis auf 13 Sektionen 1 erweitert. Die Réunion findet in diesem Jahr nun bereits zum 119. Mal statt – nicht ganz selbstverständlich, drohte sie vor einigen Jahren fast einzugehen. Ein Organisationskomitee 2 mit Prächtiges « Bachtel»-Winter-wetter mit freiem Blick über das Nebelmeer mit einer Obergrenze von ca. 800 Metern. Aussicht vom Bachtel-Turm gegen SW auf die Zentralschweizer und Berner Alpen. Links unten das Gasthaus Bachtel-Kulm, 1115 m Erwin Ochsner an der Spitze verhalf ihr zu neuem Leben – erfolgreich. « 90 statt der angemeldeten 80 SAC-Kameraden sind da », verkündet Ochsner bei der Begrüssung – nachdem er sich mit einer Kuhglocke Gehör im vollen Saal verschafft hat. Auch die Glocke gehört wie Wimpel und Holzmodelle zum Réunion-Inventar, das während des Jahres in einer Kiste im Estrich des Gasthauses lagert. Nicht mehr gepflegt wird hingegen die Réunion-Tradition, Anekdoten von anderen Sektionen an die Öffentlichkeit zu bringen, die lieber verschwiegen worden wären. Nach der Rede konnte sich dann die angegriffene Sektion jeweils mit einer Gegenrede rechtfertigen. Seit einigen Jahren stellen stattdessen die Sektionen ihre Heimat vor, in den vergangenen Jahren berichteten ein « Glet-scher-Puur » von seinem Leben im Toggenburg und die Sektion Tödi über den Glarner Ziger.

Süsse Bölle – verschollener Zinnkrug

In diesem Jahr ist die Reihe an der Sektion Randen. Die als « Böllenländer » bekannten Schaffhauser haben denn auch gleich für jeden eine Zwiebel mitgebracht – in einer süssen Version notabene. Geschenke waren übrigens auch früher üblich: Randen-Sektionspräsident Rolf Haug fand im Archiv den Hinweis, dass seine Sektion am 8. Januar 1938 einen 2-Liter-Zinnkrug auf den Bachtel mitgenommen hatte. Wo sich dieser heute befindet, ist jedoch unklar. « Böse Zungen behaupten, dass der Zinnkrug nie angekommen ist », sagt Haug. OK-Präsident Ochsner hat denn auch « nur » ein in Schaffhausen hergestelltes hölzernes Wappen aus dem Jahr 1940 gefunden, dem verschollenen Zinnkrug will er noch nachgehen.

Mit Eugen Winzeler hat die Sektion Randen zudem einen Heimatdichter und -autor mitgebracht. Erst mit 72 Jahren hat er begonnen, Geschichten und Gedichte über sein Leben « ennet dem Rhein » zu schreiben. Inzwischen hat der knapp 80-Jährige bereits zwei Büchlein veröffentlicht. 3 Auf dem Bachtel trägt Winzeler in seinem Schaffhauser Dialekt Geschichten und Gedichte über Laus-bubenstreiche, seine Familie und – alters-gemäss – seine Hexenschussqualen vor.

Das Munotglöcklein

Auch musikalisch werden die SAClerinnen und SACler in den Kanton Schaffhausen geführt. Der mit einigen SAClern verstärkte Männerchor aus Meilen singt von « herrlichem Weinland, sonniger Heimat und funkelndem Wein ». Nach dem feinen Mittagessen des neuen Bach-telwirtes stimmen alle zu Ehren der Schaffhauser Sektion Randen ins Lied vom Munotglöcklein ein. Diese kleine Glocke wird noch heute vom Munot-turmwächter jeden Abend um neun Uhr geläutet, früher das Zeichen zum Schliessen der Stadttore und Wirtshäuser. Auf dem Bachtel in Liedform als kameradschaftlicher Einstieg ins Bergsteigerjahr 2006. a Regula Sieber, Zürich 1 Auf dem Bachtel versammeln sich Mitglieder der Sektionen Am Albis, Bachtel, Baldern, Einsiedeln, Hoher Rohn, Hörnli, Manegg, Randen, Rinsberg, Thurgau, Toggenburg, Tödi, Uto. 2 Diesem OK gehören Bruno Angst, Sektion Rinsberg, Peter Frei, Sektion Thurgau, und Hermann Inglin, Sektion Bachtel, an. 3 Die Geschichten von Eugen Winzeler sind gesammelt in « Vo Baarze und drumume ».

Musikalische Umrahmung mit dem Jodelduo Hanny Jaquet und Ruedi Schumacher Der rührige OK-Präsident Erwin Ochsner von der SAC-Sektion Bachtel Heimatdichter Eugen Winzeler las Geschichten « aus seinem Leben ennet dem Rhein » vor.

Foto: eg Fotos: Regula Sieber

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