147. Abgeordnetenversammlung (AV) Neue Sektion, Frauen, Umwelt

Schwerpunkte der AV in Grindelwald waren das laufende Projekt «Frauen im SAC» und das Projekt « Alpenlandschaft Zukunft ». Bei letzterem sprach sich die AV für eine einjährige Pilotphase aus. Neben der Wahl zweier neuer ZV-Mitglieder genehmigte die AV zudem mit viel Applaus die Ehrenmitgliedschaft Werner Munters. Der Tag endete mit einem rauschenden Zentralfest auf dem Männlichen, organisiert von der Sektion Grindelwald.

96 Sektionen reisten an die Abgeordnetenversammlung ( AV ), am Ende gingen 97 zufrieden aus dem Saal. Denn die 234 Stimmberechtigten an der AV in Grindelwald feierten nicht nur das 100-jährige Bestehen der gastgebenden Sektion, sie waren auch Geburtshelfer einer neuen Sektion – jener von La Neuveville.

Diese 1938 gegründete Untersektion der Sektion Biel sah sich in den vergangenen Jahren mit einem starken Mitglie-derwachstum konfrontiert. Sie ist alleine von 2002 bis 2007 praktisch auf die doppelte Grösse gewachsen und zählt heute 226 Mitglieder. Um rascher und effizienter auf die eigenen Bedürfnisse eingehen zu können, stellte sie nun den Antrag auf Eigenständigkeit, den die AV annahm. Damit besteht der SAC nun aus 112 Sektionen – und Eric Treuthardt wurde kurzerhand Sektionspräsident. 1

100 Jahre ist es auch her, dass der SAC die Frauen aktiv ausschloss. 2 Erst 1979 einigten sich die Männer an der AV in Thun, die Frauen wieder aufzunehmen. Vor dem Hintergrund dieses Jubiläums hat der ZV eine Gender-Analyse in Auftrag gegeben. Sie soll unter anderem klären, wie seine Angebote von den beiden Geschlechtern genutzt werden und wie künftig mehr Frauen für Funktionärs-aufgaben auf Sektionsebene motiviert werden können. Dazu befragt die Fachhochschule Nordostschweiz zurzeit sechs Testsektionen. 3 Dass die Frauen ebenso das Recht haben, sich alpinistisch zu betätigen, wie die Männer, bestreitet heute kaum jemand. Doch als Edda G., Alpinistin von 1907, in einem feinsinnigen 1-Frauen-Stück nach der Mittagspause zwei imaginäre Herren auf den Gipfel führt, scheint der eine oder andere Schlagabtausch doch nicht so verstaubt. So kontert sie: « Aber Dottore, Gleichheit zwischen den Geschlechtern heisst doch nicht, dass Frauen besser sind als Männer oder dass sie weicher, offener, verbindlicher, sozialer sind; sondern dass es Frauen genauso wie Männern zusteht, hart, ehrgeizig, asozial und unsensibel zu sein. » Neben solch kämpferischen Tönen gab es aber auch versöhnlichere: So wurde Yvette Vaucher spontan für ihre alpinistischen Leistungen beschenkt, hatte sie doch unter anderem 1966 die Eiger- Nordwand als erste Frau durchstiegen. Zudem gratulierte der ZV-Präsident Veronica Meyer für eine ausserordentliche Leistung. Als erste Schweizerin hat sie die « Seven Summits », also den jeweils höchsten Gipfel jedes Kontinentes, bestiegen.

Neben dem Schwerpunkt « Frauen im SAC » beschloss die AV einstimmig, in den kommenden drei Jahren drei weitere Themen intensiv zu verfolgen: Der SAC soll stärker als Bergsportverband positioniert und die italienischen und französischen Mitglieder verstärkt einbezogen werden. Zudem sollen die finanziellen Reserven weiterhin mindestens 25% eines Jahresumsatzes betragen. Ebenfalls einstimmig angenommen wurden Jahresbericht, -rechnung, -budget und die Mehrjahresplanung. 1 Offiziell besteht die Sektion erst ab ihrer Gründungsversammlung, diese folgt noch. 2 Ausführlicher Beitrag dazu ab S. 28 3 Befragt werden die Sektionen St. Gallen, Piz Terri, Engelberg, Baldern, Baselland, Les Diablerets.

Etwas mehr Spannung in der Luft lag am Nachmittag, machte sich das drohende Gewitter doch auch indirekt im Saal bemerkbar. Zur Abstimmung kam nämlich das Umweltprojekt « Alpenlandschaft Zukunft ». Zum ersten Mal an der Präsidentenkonferenz 2006 vorgestellt, bewegte es seither die Gemüter in vielen Sektionen. Dementsprechend viele Votanten plädierten für oder gegen eine Annahme. Fernziel des Projektes ist der Erhalt unverbauter Hochgebirgslandschaften im Schweizer Alpenraum. Damit alle Sektionen und der Zentralverband am selben Strick ziehen können, soll innert dreier Jahre eine Karte der Schweiz erstellt werden. Auf dieser würden alle Berggebiete oberhalb der Baumgrenze markiert, die der SAC als schützenswert erachtet. Vorgesehen ist, dass die Sektionen im regionalen Dialog diese Schutzgebiete definieren. Neben ihrer Funktion als interne Richtschnur würde eine solche Karte gegenüber anderen Institutionen und Partnern Klarheit und Transparenz schaffen, erklärte Christian Gysi, Ressortleiter Umwelt. Der Dialog unter den Sektionen sei zudem ein weiteres wichtiges Ziel des mit rund 270 000 Franken veranschlagten Projektes.

Mehrere Sektionen vermerkten positiv, dass sich der SAC mit einer solchen Karte als kompetenter Partner in Fragen der alpinen Umwelt etablieren könnte, andere sahen im Prozess zumindest die Chance des Dialoges. Und das sei besser, als die Faust im Sack zu machen. Die Befürchtung, dass die Karte ein Papiertiger mit geringer Wertschöpfung bleibt, äusserten nicht nur einige Zentralschweizer Sektionen. Sie hatten bereits an der PK 2006 eine starke Überarbeitung des Projektes gefordert ( siehe ALPEN 11/06 ). Geäussert wurde auch die Skepsis vor zu viel Reglementierung und davor, dass weitere Einschränkungen im Berggebiet wirtschaftliche Einbussen nach sich ziehen würden. Schauspielerin Esther Uebel-hart alias Edda G. entlockte dem Publikum immer wieder Lacher auf ihrem von Vorurteilen gepflasterten Frauenweg zum Gipfel.

« Marketing ist heute ein fester Bestandteil des SAC, und das freut mich », sagte ein bewegter Michael Caflisch. Als jüngstes Mitglied des Zentralvorstandes trat er statutengemäss nach acht Jahren zurück. Unter der Leitung des scheidenden Ressortleiters Marketing/Logistik war nicht nur der Internetauftritt mehrmals modernisiert worden. Er hatte massgeblichen Anteil an der Einführung des Hüttenmarketings und der Familienmitgliedschaft. Als Nachfolger im Ressort Marketing wählte die AV den Glarner Fridolin Brunner. Ebenfalls neu im ZV ist Philippe Choffat, der von Michael Caflisch das Ressort Logistik und von Gabi Huber das Ressort Finanzen übernimmt. Sie hatte dieses ad interim geführt. Die bisherigen ZV-Mitglieder Leo Condrau, Daniel Suter, Christian Gysi, Catherine Borel und Christian Cotting wurden für eine zweite Amtsperiode bestätigt. Mit zehn Mitgliedern ist der ZV nun wieder komplett.

Der SAC ist zudem um ein besonderes Mitglied reicher. Werner Munter, weltweit bekannter Lawinenexperte, erhielt die Ehrenmitgliedschaft. Der inzwischen pensionierte Forscher wurde insbesondere für seine aussergewöhnlichen Leistungen im Bereich der alpinen Technik und Sicherheit geehrt. So ist es ihm zu verdanken, dass sich die 333-Reduk-tionsmethode bei der Beurteilung der Lawinensicherheit durchgesetzt hat ( siehe auch S. 23 ).

Als Vorboten des Zentralfestes und der Jubiläumsfeier der Sektion Grindelwald amteten an der AV einige in- und ausländische Gäste. So lockerten die Grussbot-schaften der Präsidenten des deutschen, italienischen und slowenischen Alpenvereins den Ablauf der AV auf. Doch im Gegensatz zur am Ende heiteren Stimmung im Saal brauten sich draussen die Wolken zu einem kräftigen Gewitter zusammen. Statt also den Sunset-Apéro auf der Terrasse des Männlichen zu geniessen, drängten sich SACler, Honorationen und Ehrengäste im Bergrestaurant zwischen den Tischen. Die gute Laune liess sich aber kaum jemand der rund 500 Gäste verderben. Musikalische Unterhaltung, ein 4-Gang-Menü und dazwischen ein Regenbogen über dem ganzen Lütschental – eine würdige Feier für ein so rüstiges und dennoch rühriges Geburtstagskind.

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