15 Jahre «Arbeitsgruppe Expertisen bei Bergunfällen». Experten und Gutachter am gleichen Seil

bei Bergunfällen ».

Experten

und Gutachter

am gleichen Seil

Vor gut 15 Jahren wurde die « Arbeits- gruppe Expertisen bei Bergunfällen » gegründet. Damit entstand ein Binde- glied zwischen der praktischen und juristischen Seite bei der Beurteilung von Bergunfällen.

Der Schweizer Alpen-Club ( SAC ), der Schweizerische Bergführerverband ( SBV ), das Bundesamt für Sport ( BASPO ) mit Jugend und Sport ( J+S ) sowie die Zent- rale Gebirgskampfschule Andermatt ( ZGKS ) sind die in der Ausbildung in alpintechnischen Belangen führenden Organisationen in der Schweiz. Auf- merksam und professionell begleiten sie die Entwicklung der alpinen Sportarten und koordinieren die Ausbildung und das Gebirgsrettungswesen; grosses Ge- wicht wird dabei auf die Schulung von Bergführern, Tourenleitern und Seil- schaftsführern hinsichtlich ihrer Verant- wortung und Sorgfaltspflicht gelegt.

Trotzdem ereignen sich leider immer wieder Unfälle im Gebirge, die gerichtli- che Untersuchungen und Versiche- rungsverfahren nach sich ziehen.

Gründung nach Urteil Im Frühjahr 1987 bestätigte das Bundes- gericht die Verurteilung eines Kurslei- ters sowie eines Bergführers im Falle ei- nes sommerlichen Lawinenunglücks mit schwerer Körperverletzung. Das Urteil löste in Fachkreisen Besorgnis aus, weil die gerichtliche Beurteilung nur auf Grund der vermeintlichen Erfahrung der Untersuchungsbehörden und ohne Beizug eines Fachexperten für berg- und führungstechnische Belange stattfand. Dies gab noch im gleichen Jahr den Anstoss für die Gründung der « Arbeits- gruppe für Expertisen bei Bergunfällen » durch die erwähnten Vereinigungen. In den folgenden Jahren suchte man kompetente Experten und bildete sie aus. Als Erstes wurden die in der Berg- führerausbildung leitenden Vertreter der Gebirgskantone zusammengerufen.

Dazu gesellten sich die Ausbildungsleiter des SAC, von J+S und der Armee sowie weitere Spezialisten aus Bereichen wie Lawinen, Trendsportarten oder Material.

Seit 1993 ist das SLF mit Beobachtersta- tus eingebunden. Die gutachterischen Aufgaben sind aufeinander abgestimmt, indem die Arbeitsgruppe ihre Beurtei- lung auf die führungstechnischen Aspekte beschränkt und das SLF in sei- nen nivologischen Gutachten auf füh- rungstechnische Probleme aufmerksam macht, diese aber nicht selbst bearbeitet.

Heute, nach 15 Jahren, sind ausge- wählte Gebirgsspezialisten in der Gruppe, die sich in der Ausbildung oder auf einem Spezialgebiet durch besondere Kompe- tenz ausweisen. Dank einer kontinuier- lichen Weiterbildung – von Juristen und erfahrenen Gerichtsvertretern unter- stützt – hat die Gruppe einen bemer- kenswerten Stand erreicht. Nach zahlrei- chen Expertisen ist die Kompetenz der Gutachter heute in Gerichtskreisen und bei Versicherungsinstituten anerkannt.

Die Arbeitsgruppe verfügt über ein Netz von qualifizierten Experten, die Fragen bei alpinen Unfällen auch in Trend- sportarten beurteilen können. Leitung der Gruppe Eine Kerngruppe aus Vertretern der Trägerschaft leitet die über dreissigköp- fige Expertengruppe. Sie befasst sich mit Anfragen, mit der Aus- und Weiterbil- dung der Experten und mit der Vermitt- lung von Expertisen in straf- und zivil- rechtlichen Sachen sowie in Versiche- rungsverfahren. Zudem pflegt sie Kon- takte mit den umliegenden Alpenlän- dern, da auch Bergführer- und Alpin- Die führenden Organisationen in der alpin- technischen Ausbildung in der Schweiz sind der SAC, der SBV, das BASPO ( mit J+S ) sowie die Zentrale Gebirgskampfschule in Andermatt ( ZGKS ). Bei der Schulung wird grosses Gewicht auf Fragen der Verantwor- tung und der Sorg-faltspflicht gelegt ( im Aufstieg zum Tödi über den Bifertenfirn ).

Anstoss zur Gründung der « Arbeitsgruppe Expertisen bei Bergunfällen » gab die Verurteilung eines Kursleiters sowie eines Bergführers nach einem sommerlichen Lawinenunglück im Jahr 1987 ( Abstieg vom Vrenelisgärtli, Glärnisch ).

Fotos: Christine Kopp

D I E A L P E N 7 / 2 0 0 3 organisationen aus Österreich, Deutsch- land und Frankreich am Erfahrungsaus- tausch interessiert sind und ähnliche Gruppen nach dem Schweizer Muster gebildet haben.

Das wichtigste Arbeitsinstrument bil- den die aufbereiteten Akten der durch Experten behandelten Fälle. Diese sind vertraulich und anonymisiert. Von den heute zur Verfügung stehenden 37 abge- schlossenen Fällen ( im Durchschnitt zwei bis drei Gutachten pro Jahr ) sind 18 als Fallbeispiele aufbereitet. Experten und Personen, die ein besonderes Inte- resse geltend machen können ( Bergfüh- rer, Juristen, Studenten usw. ), erhalten eine Liste und auf Bestellung die Fallbei- spiele bei der Geschäftsstelle des SAC oder beim Vorsitzenden der AG 1. Zur- zeit sind sechs Straf- und sieben Versiche- rungsverfahren mit Expertisen hängig. Regelmässige Weiterbildung Alle zwei bis drei Jahre wird eine mehr- tägige Weiterbildung durchgeführt. Diese Tagungen dienen der Auffrischung der rechtlichen Grundlagen, dem Infor- mationsaustausch und der Analyse von Fallbeispielen im Gelände zusammen mit Vertretern der Untersuchungsbe- hörden und Fachjuristen. So fand im November 2001 eine gemeinsame Ar- beitstagung der Experten mit Vertretern der kantonalen Justiz- und Untersu- chungsbehörden sowie mit namhaften Juristen und Bergführern aus dem In- und Ausland statt. Der Gedankenaus- tausch in einer ungewohnten Umge- bung förderte das gegenseitige Verständ- nis: Richter, Staatsanwälte, Versiche- rungsexperten und Bergführer bewegten sich gemeinsam an einem Seil, was be- wies, dass man sich sehr wohl einer ge- meinsamen Verantwortung bewusst sein kann, auch wenn jeder eine ganz unter- schiedliche Rolle erfüllen muss. Ausblick Die Gruppenarbeit sowie die Diskussio- nen mit den ausländischen Kollegen an der Expertentagung 2001 haben gezeigt, dass im Bereich Begleitung und Unter- stützung ein Handlungsbedarf auf schweizerischer und europäischer Ebene besteht. Eine Ausdehnung der Tätigkei- ten im Bereich psychologische Beglei- tung durch spezialisierte Bergführer und Tourenleiter wird zusammen mit dem SAC und dem BASPO diskutiert. Es ist an der Zeit, diese Bestrebungen in der Schweiz zu koordinieren und mit den umliegenden Alpenländern abzustim- men. a C h r i s t i n e K o p p, U n t e r s e e n 1 Kontaktstellen: Vorsitz Andreas Schild, Ittigen-strasse 19, 3063 Ittigen, oder Geschäftsstelle des SAC, Monbijoustrasse 61, Postfach, 3000 Bern 23, Hans Jaggi. Das Adressverzeichnis und Informationen über die AG können über die Homepage des SAC ( www.sac-cas.ch ) oder des SBV ( www.4000plus.ch ) abgerufen werden.

Im Bereich Begleitung und Unterstützung nach einem Bergunfall besteht ein Hand- lungsbedarf auf europäischer Ebene, der international koordi- niert werden muss ( im Aufstieg zu den Dômes de Miage im Montblanc-Gebiet ). Aufnahme aus der Bergführerausbildung ( Lawinenteil ); die Ausdehnung der Tätigkeiten im Bereich psychologische Beglei- tung durch spezialisierte Bergführer und Tourenleiter wird zusammen mit dem SAC und dem BASPO diskutiert.

Im Gebirge ereignen sich immer wieder Unfälle, die gerichtliche Untersuchungen und Versiche-rungsverfahren nach sich zie- hen; die « Arbeitsgruppe Expertisen bei Bergunfällen » dient als Bindeglied zwischen Prakti-kern und Juristen ( Aufstieg einer Skitourengruppe im Frühling zur Grünhornlücke im Berner Oberland ).

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