24 Mal schneller als Usain Bolt DER FELDSANDLÄUFER

Hast du schon einmal am Wegesrand oder im Sand von Gletschervorfeldern den wunderschönen Feld-Sandlauf­käfer bemerkt? Dieses Insekt, dessen schillernde Karosserie aus Smaragdgrün, Elfenbein und irisierendem Rubinrot mit Sicherheit alle Fans von The Fast an the Furious vor Neid erblassen lässt? Wahrscheinlich nicht, und das aus zwei Gründen: Es bewegt sich dermas­sen schnell, dass ich es schon mehrmals aus den Augen verloren habe, wenn es losgespurtet ist. Dazu kommt, dass die meisten Menschen über die Welt der Insekten generell nicht viel wissen.

Schon beim Schlüpfen aus dem Ei ist der Laufkäfer schnell, dabei ist er erst eine Larve! Sie versteckt sich in einem schmalen, schachtartigen Erdloch, dessen Grösse sie laufend ihrem Wachstum anpasst. Mit ihren sechs Augen und den zarten Tasthärchen liegt sie auf der ­Lauer und greift sich jede verfügbare Beute in ihrer Nähe.

Ausgewachsen benutzen die Sandläufer ihre langen, sich verjüngenden Beine, um blitzschnell den Vögeln zu entkommen oder Beute zu fangen. Sie rennen so schnell, dass sie unterwegs immer wieder Stopps einlegen, anscheinend um überhaupt zu sehen, was um sie herum passiert.

Oder rennt das Insekt so schnell, um möglichst viel in sein allzu kurzes Leben reinpacken zu können? Die Frage ist nicht von der Hand zu weisen. Denn ein erfolgreiches Käferleben ist in der Tat ein kurzes Leben. Nach dem Liebe­machen stirbt das Männchen, nach dem Eierlegen das Weibchen. Bestenfalls vergehen zwischen der Geburt und dem Tod einige Monate, wenn es schlecht läuft, einige Jahre. Das ist zum Beispiel in höheren Lagen der Fall, wo warme Jahreszeiten und Phasen mit reichlichem Nahrungsangebot von langen Wartezeiten unterbrochen werden. Sich möglichst schnell reproduzieren und dann die Nahrung den Nachkommen überlassen: Was für ein Schicksal. Die eigenen Interessen jenen des Kollektivs unterordnen: Das ist es vielleicht, was hinter dem Erfolgsgeheimnis der Insekten steckt.

Wir leben zwar auf dem gleichen Planeten, aber die Welt der Insekten ist oft nicht leicht zu begreifen. Vier Fünftel der momentan bekannten Tierwelt soll aus Insekten bestehen, weltweit sind sie ein wesentlicher Teil fast aller Nahrungspyramiden. Und doch kennen wir wahrscheinlich weniger als 2% ihrer Arten. Die Erfolgsgeschichte der Insekten hat vor 400 Millionen Jahren begonnen und scheint unaufhaltsam und mit zunehmendem Tempo voranzuschreiten.

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