26 Mal Spitze Auf die höchsten Punkte aller Kantone

26 Mal Spitze

Alle Schweizer Kantone zu besuchen, kann auf verschiedene Arten geschehen. Beispielsweise in 26 Tagen, verteilt auf zwei Jahre, in jedem Kanton aus eigener Kraft den höchsten Punkt besteigen. Ein Bericht von zwei um die 26 Jahre alten SACler.

Wie für irgendeine Tour versorgten wir uns mit den notwendigen Informationen, nur dass wir dies u.a. im Alpinen Museum vornahmen und über fast dem ganzen Satz der Schweizer Landeskarten und Tourenführern brüteten. Unsere Route sollte uns von Bern in den Jura, über Basel in die Ostschweiz und durch die Alpen Richtung Westen führen. Ausgerüstet mit guten Tourenrädern, im Gepäck Bergsteigerausrüstung sowie Koch- und Biwakmaterial radelten wir los Richtung Chasseral. Als im Frühling noch die Ski dazukamen, gabs dann mehr als 65 kg. Voll unterschätzt hatten wir die ersten « flachen » Etappen: Der Höhenmesser zeigte am Abend jeweils mehr als 2000 kumulierte Höhenmeter. Willkommen war der Disziplinenwechsel von Radeln zu Bergsteigen, sowohl mental als auch für die beanspruchten Muskelpartien.

14 Tage und 17 Gipfel

Als wir nach einer Woche die Tschiervahütte erreichten, hatten wir bereits zwölf Kantonshöchstpunkte geschafft. Ganz unterschiedliche von St. Chrischona/BS mit 522 m bis zum Bös Fulen/SZ mit 2802 m. Ein Höhepunkt stand uns mit der Überschreitung des Piz Bernina/GR, 4049 m, über den Biancograt bevor. Der geplante Ruhetag in Pontresina wurde aber gleich gestrichen und eine Königsetappe an die andere gereiht: Ringel-spitz/SG, 3248 m, Rheinwaldhorn/TI, 3402 m, Tödi/GL, 3614 m, und zum Abschluss der ersten 14 Tage der Rossberg/ ZG, 1680 m. In Luzern rief der Arbeitgeber, und wir mussten unterbrechen.

« Roadtrains »

Der langen Fussmärsche überdrüssig, beschlossen wir, die Bergschuhe gegen die Skitourenausrüstung einzutauschen. Nach einigen Tests konnten wir das Ma- terial zufrieden stellend auf dem Fahrrad und dem Anhänger unterbringen. Die ungläubigen Blicke der Passanten riefen uns die Einmaligkeit unserer « Road-trains » täglich in Erinnerung.

In einem Sanitätszimmer einer Seilbahnstation verbrachten wir die Nacht, um uns auf den vermeintlich schwierigsten Kantonshöhepunkt vorzubereiten: Rotstöckli/NW, 2901 m. Darüber wussten wir lediglich, dass uns eine Kletterei im 5. Schwierigkeitsgrad in einem äusserst brüchigen Fels erwarten werde. Mit Sack und Pack auf der noch unter einer Schneedecke liegenden Grimselpasshöhe, 2165 m Auf dem Rheinwaldhorn, der höchsten Erhebung des Tessins. Blick Richtung Bündner Alpen Unterwegs zum Bös-Fulen, 2802 m, dem höchsten Punkt des Kantons Schwyz Fotos: A. und U. Guggisber g Welche Überraschung, als wir Fixseile vorfanden. Wir schafften den Gipfel, am gleichen Tag auch noch den Titlis/OW, 3238 m, um dann vom Brünigpass noch spätabends in Richtung Brienzer Rot-horn/LU, 2349 m, aufzubrechen. Und dies bescherte uns die grösste Enttäu- schung: eine 40° steile Flanke, 65 cm durchnässter Schnee – es war zu gefährlich, wir mussten unverrichteter Dinge auf einem Wanderweg umkehren! Der Gipfel wurde dann vier Monate später im Herbst bestiegen.

Höchst unterschiedliche Witterungsbedingungen

Auf den Ski, das Fahrrad stossend und den Anhänger auf dem Rücken, kämpften wir uns den Grimselpass hoch. Wie überrascht waren wir, als wir in der Dunkelheit auf der Passhöhe den bewirteten « Grimselblick » antrafen. So hatten wir zwar fünf Kilogramm Esswaren vergeblich mitgeschleppt, durften aber die folgenden drei Nächte in einem richtigen Bett und nicht in einer Schneehöhle verbringen. Den Gipfel des Dammastock/ UR, 3630 m, mussten wir mit dem GPS suchen, hingegen belohnte uns das Finsteraarhorn/BE, 4274 m, nach orkanartigen Winden und Schneefall auf dem Weg zur Finsteraarhornhütte mit herrlicher Aussicht. Der dritte Teil unserer speziellen Schweizer Reise führte uns ein Jahr später auf den allerhöchsten Punkt, die Dufourspitze/VS, 4636 m. Danach gings nur noch steil hinunter zum höchsten Punkt von Genf, Les Arles, 516 m. Einmal mehr erlebten wir, wie die Schweiz ganz unterschiedlichen Wetterverhältnissen ausgesetzt ist. Mussten wir am Vanil Noir/FR, 2389 m, umkehren, um bei den Fahrrädern Skischuhe und Schneeschaufeln zu holen, hörten wir etwas später am Murtensee die Bemerkung: « Schau, die haben die Wasserski auf dem Velo !» Nach 57 605 Höhenmetern, 1929 km mit dem Fahrrad, 307 km zu Fuss oder mit Ski und 26 Tagen – verteilt auf zwei Jahre – erreichten wir den Bundesplatz in Bern im Bewusstsein, dass uns mit jedem Kanton zumindest eine « höchste » Erinnerung verbindet. a Urs und Adrian Guggisberg, Bern 1 1 Weitere Informationen und Bilder der Tour unter www.to-adi.ch/top2top Blick von der Monte-Rosa-Hütte: ( v. l. ) Liskamm, Castor und Grenzgletscher im Abendlicht Die letzten Meter auf der neuen Route zum Gipfelgrat der Dufourspitze, 4634 m Schweizer Karte mit den höchsten Erhebungen jedes Kantons und dem « Besteigungs- verlauf ». Während zweier Jahre wurden die höchsten Punkte aus « eigener Kraft » angegangen.

Zeichnung: zvg/A. und U. Guggisber g

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