52. Filmfestival in Trento. Im Banne des K2

52. Filmfestival in Trento

Im Jahre 1954 gelang den Italienern Lacedelli und Compagnoni die Erstbesteigung des K2. Das 52. Filmfestival Trento stand ganz im Zeichen dieses Jubiläums. 1 Zahlreiche Filme älteren und neueren Datums widmeten sich diesem Berg und seiner wechselvollen Geschichte.

Die meteorologischen Verhältnisse in der ersten Maiwoche konnten für die Veranstalter des Festivals nicht günstiger sein: ungewohnt tiefe Temperaturen, anhaltende Regenfälle und Schnee bis 600 Meter. Obwohl ein Eisenbahner-streik manchem die Anreise erschwerte, war der Andrang beachtlich. Das interessierte Publikum rekrutierte sich aus allen Alterssegmenten, auffallend aber der relativ grosse Anteil an aktiven Alpinisten. Trento und das benachbarte Rovereto scheinen sich zu einem kulturellen Mekka für Bergbegeisterte zu entwickeln. Kurz vor Festivalbeginn schloss die einzigartige und viel beachtete Ausstellung « Mythos Berg » im Museo di Arte Moderna in Rovereto.

K2 – der rote Faden Vor 50 Jahren erreichte eine italienische Expedition erstmals den Gipfel des K2. Dies und der Umstand, dass der Besteigung bis heute ein eher bitterer Nachgeschmack in Form eines endlosen Zwistes zwischen einigen Protagonisten anhaftet, sorgten für den roten Faden. Der Wettbewerb mit 58 Filmen wurde durch viele Retrospektiven über die Bemühungen am K2 angereichert, die sowohl für Auflockerung sorgten als auch eine Klammerfunktion ausübten. Zahlreiche Begleitprogramme wie Bücherausstel-lung, Lesungen, Symposien, Podiumsgespräche waren ebenfalls von den Pioniertaten und der unbewältigten Geschichte zwischen den Erstbesteigern und Walter Bonatti 2 geprägt. Letzterer wartete mit einem weiteren Buch – K2, La Verità – zum Thema auf.

Unterschiedliche Qualitätsansprüche Das Festival ist in den letzten Jahren stark gewachsen, das Angebot an Filmen beträchtlich. So kann es auch nicht verwundern, dass die Qualität der einzelnen Produktionen recht unterschiedlichen Kriterien folgt. Neben grossartigen Filmen gab es auch Streifen mit belanglosen Themen, schlechter Bildqualität, konfu-sen Drehbüchern. Auch das Bemühen, erfolgreiche Produktionsmuster zu kopieren, mag punktuell zu einer gewissen Verflachung geführt haben. Die wirklich guten Produktionen ragen ebenso stark heraus wie der K2 im Karakorum.

Das einst so familiäre und als grossartiger Treffpunkt geschätzte Bergfilmfestival leidet unter der zunehmenden Dezentralisierung. Die Filme werden an unterschiedlichsten Orten parallel gezeigt, was das Zusammensein unter Gleichgesinnten stark beeinträchtigt. Für einige Rahmenveranstaltungen, vor allem für das K2-Symposium, waren viel

1 Ergänzende Informationen im Internet unter www.mountainfilmfestival.trento.it 2 Unmittelbar vor dem Gipfelerfolg am K2 passierten nie ganz geklärte Dinge zwischen den Erstbesteigern Compagnoni und Lacedelli einerseits und Bonatti und Hunza Mahdi andererseits, die Streit und Prozesse nach sich zogen. Vgl. auch S. 20 in dieser Ausgabe.

Die noch lebenden Mitglieder der Erstbesteiger-Expedition des K2 von 1954 ohne den aus Protest fern gebliebenen Walter Bonatti: ( v.l. ) Achille Compagnoni, Lino Lacedelli, Erich Abram und Bruno Zanettin. Der Moderator Reinhold Messner hatte das Quartett auf die Bühne geholt, gab ihm aber keine Gelegenheit zu Ausführungen – sicher aus einer gewissen Angst vor weiteren Auseinandersetzungen dieser endlosen Geschichte.

Foto: Christine Kopp Die Piazza del Duomo in Trento Fo to :C hr ist ine Kopp DIE ALPEN 7/2004

zu kleine Säle vorgesehen. Vielen Bergsteigern wurde die Teilnahme aus Platzgründen verunmöglicht.

Die Preisträger Die Jury, der auch der Schweizer Fulvio Mariani angehörte, fand die Perlen, die die Preise verdienen. In der Kategorie Alpinismus wurde der Film « Touching the Void » von Kevin Macdonald ( GB ) mit dem « Goldenen Enzian » des CAI und der Stadt Trento ausgezeichnet. Dieser Film ist mit seinen 106 Minuten zwar eher lang, erzählt aber in fesselnder Form und einer gelungenen Mischung von Dokumentation und Drama die Geschichte der britischen Alpinisten Simpson und Yates. Die Jury bezeichnete dieses Werk als richtungsweisend für die Zukunft des Bergfilms.

Als bester Bergfilm erhielt « Au Sud des Nuages » des Schweizers Jean-François Amiguet den « Goldenen Enzian » der Stadt Bozen. Darin wird prägnant und gut verständlich gezeigt, dass eine Reise in die Ferne schliesslich zu einer Reise zu sich selbst wird. a

Bernhard Rudolf Banzhaf, Saas-Fee Im Banne des K2: das Festival und die Begleitprogramme Fo to :B er nh ar d R.

Ba nz ha f

Feedback