Alles andere als sicher

Obgleich die Diskussion über Atomenergie in der Zeitschrift «Die Alpen» eigentlich fehl am Platz ist, möchte ich den Leserbrief nicht unkommentiert stehen lassen. Anhand der Schweizer Krebsstatistik 1983–2007 habe ich vor einiger Zeit abgeschätzt, wie viele Todesopfer in der Schweizer Bevölkerung aufgrund zusätzlicher Krebserkrankungen zu verzeichnen sind. Von 1988 bis 2007 sind etwa 1500 Personen zusätzlich an Schilddrüsenkrebs erkrankt und 250 gestorben. Während die zusätzlichen Fälle von Schilddrüsenkrebs eindeutig von radioaktivem Jod aus Tschernobyl verursacht wurden, ist bei den anderen Krebsarten die genaue Ursache schwer zuzuordnen. Vorsichtig geschätzt sind von 1988 bis 2007 in der Schweiz jährlich 100 Personen an den Folgen von Tschernobyl gestorben, wobei die Anzahl Todesfälle kontinuierlich zunahm und jetzt zwischen 150 und 200 Personen pro Jahr liegen dürfte (6 Todesopfer pro TWh AKW-Strom in der Schweiz). In diesen Zahlen sind weder die Kosten des Uranabbaus noch der Aufbereitung und Anreicherung, geschweige denn der Entsorgung oder Wiederaufarbeitung enthalten.

Ferner ist es so, dass die Versicherungen aus gutem Grund die Risiken der Kernenergie nicht versichern. Ein Totalschaden eines Schweizer Atomkraftwerks würde im dicht besiedelten Wirtschaftsraum des Mittellandes Schäden jenseits einer Billion Franken verursachen. Die Schweiz ginge an den Folgekosten zwangsläufig bankrott. Bisher wurde weltweit ein Totalschaden pro 3500 Betriebsjahre von Kernkraftwerken gebaut. Die fünf Schweizer AKW sollen je 45–50 Jahre laufen. Die Wahrscheinlichkeit eines Totalschadens beträgt somit etwa 1:15! Das ist schlicht und einfach russisches Roulette und macht klar, warum Versicherungen atomare Risiken ausschliessen.

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