Alpenvereinsjahrbuch von DAV, ÖAV, AVS: Berg '98

Die Faszination der Alpen für Fotografen und Bergsteiger ist ungebrochen: Der Hell-Dunkel-Kontrast zwischen Granitfelsen und ewigem Eis, die harten, fast grafisch wirkenden Strukturen des Gletscherabbruchs, gleissend weiss sich hinziehende Schneefelder, der Blick in geheimnisvolle Wolkenformationen, die Sonne als feuerroter Ball, der die Gipfel in orange-goldenes, unwirkliches Licht taucht; dann das Leben inmitten dieser abweisenden, scheinbar lebensfeindlichen Natur, zuerst die Tierwelt vom Steinbock bis zur Biene, darauf der Mensch, zum einen symbolhaft als bärtiger Alphirt im Edelweiss-hemd, zum andern als Besucher, als Bergsteiger - vor dem Aufbruch, auf steilem, überwächtetem Grat, am eis-verkrusteten Gipfelkreuz, am Fixseil in der Granitwand oder am Stahlseil der Helikopterwinde.

Zu all diesen Bildern die Gedanken und Empfindungen des Menschen, der sich hineinwagt - allen guten Ratschlägen von « denen da unten » zum Trotz -, der sich wieder finden will, indem er hinaufsteigt auf seinen ersten Berg und dann oben weder Triumph noch Glücksgefühl empfindet, sondern nur einen Gedanken hat: « Ach, wäre ich doch schon wieder unten !» Walter Meli philosophiert: « Was ist es, das uns nie Ruhe finden lässt? Vielleicht die Sehnsucht nach Frieden, Freiheit und ungestörter Harmonie? Oder brauchen wir ganz einfach Ablenkung vom Stress des Alltags? Sportliche Betätigung? Oder wollen wir mit unsern Leistungen einfach nur uns selber etwas beweisen? Wohl ist es von allem ein bisschen. Und für mich persönlich ist es noch die Herausforderung, Erlebtes in Bilder umzusetzen und an andere weiterzugeben !» Walter Meli hat sich mit dem Phänomen « Faszination Alpen » in seinem gleichnamigen breitformatigen Bildband auf rund 180 Seiten, teilweise in doppelseitigen Aufnahmen, begleitet von kurzen Texten, auseinandergesetzt.

Peter Donatsch, Maienfeld

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Alpenvereinsjahrbuch von DAV, ÖAV, AVS: Berg'98 Bergverlag Rudolf Rother, München. Fr. 37- Das Alpenvereinsjahrbuch, eine Institution für Alpinisten und Bergfreunde, widmet seinen Gebietsschwer-punkt den Kitzbühler Alpen. Dazu kommen zahlreiche Reportagen und Essays, die ein weites Spektrum des Alpinismus abdecken. Die Themen reichen von der Verstrickung der Alpenvereine mit dem Nationalsozialismus bis zu Gedanken zur Zukunft des Bergsteigens. Aus der englischen Literatur stammt ein Aufsatz über das Verhältnis zwischen Bergsteigern und einheimischer Kultur im Himalayagebiet. Und liegen auch Welten dazwischen, so ist der Beitrag aus dem Oetztal mit der ähnlichen Thematik gar nicht so verschieden. PeterDonatsch, Maienfeld

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