Alpine Rettung 2005. Kletterunfälle zugenommen

Kletterunfälle zugenommen

Alpine Rettung 2005

Mehr Einsätze und deutlich mehr gerettete Personen kennzeichnen das Berichtsjahr 2005. Zugenommen haben neben den Unfällen in Fun-sportarten vor allem auch solche beim Klettern.

Im Berichtsjahr 2005 wurden von den SAC-Rettern 466 Einsätze geleistet, was 14% mehr sind als im Vorjahr. Die Zahlen von 2005 liegen wiederum über dem langjährigen Durchschnitt. Zugenommen hat auch die Zahl der Geretteten: Die 691 Personen entsprechen einer Zunahme von 17% gegenüber dem Vorjahr.

Einsatzarten

Weitaus am meisten Einsätze wurden durch die Rettungsspezialisten Helikopter ( RSH ) ausgeführt. Dies sind meist nur kurze Einsätze, was sich auf die Zahl der verrechneten Stunden auswirkt: Die 172 Einsätze generierten 755 Einsatzstunden, also gut vier Stunden pro Einsatz. Unverändert zum Vorjahr blieb die Zahl der Suchaktionen: SAC-Rettungs-kolonnen mussten 113 Mal ausrücken, was sich in 4685 Einsatzstunden niederschlug. In die Rubrik « Andere Einsätze » fallen die bergsportfremden Rettungen wie bei der « Jagd », bei « Pilzsuchen », bei « Flugzeugabsturz », bei « voralpinem Wandern ». Manche Einsätze sind präventiv, werden doch mit ihnen Unfälle verhindert, wie die Rettung infolge Blockierungen oder Evakuationen. Der Anteil « Bergsportunfälle » im Verhältnis zu « Andere Notfälle » bewegt sich im normalen Verhältnis von ca. ¾ zu ¼.

Fallbeispiele: Blockierung und Tunnelrettung

Die andauernde Ausaperung der Firnfelder und Gletscher bietet zunehmend Probleme auch auf klassischen Routen. Das erfuhren drei Alpinisten, die im Sommer bei guten Bedingungen den Galletgrat aufs Doldenhorn in Angriff nahmen. Kurz vor dem Gipfel ist die Felsstufe seit einiger Zeit stark ausgeapert und nur mit viel Mühe mit einem Fixseil zu begehen. Einer der Bergsteiger schaffte dies nicht mehr und musste, trotz Hilfeversuchen seiner Kollegen, aufgeben. Die anderen stiegen in der Folge zur Doldenhorn-Hütte ab und konnten die Bergrettung alarmieren. Zusammen mit einem Rettungsspezialisten des SAC konnte die Rega den Unglücklichen nach mehrstündiger Wartezeit mit einer Windenaktion bergen.

Ein weiteres Beispiel zeigt, dass zwar die Berge eigentliches Ziel der Bergrettung sind, dass aber einzig die Rettungsstation des SAC die notwendige Ausrüstung für Rettungsarbeiten in grossen Tiefen besitzt. Freitagabend, 19 Uhr, Baustelle Transjurane, Raimeux-Tunnel: Fünf Bergarbeiter bleiben im Aufzug nach oben stecken – in einer Baustellen-kabine, die gerade Platz zum Stehen bietet. Um 21.50 Uhr erfolgt der Alarm über die Rega, um 22.30 Uhr treffen die SAC-Retter der Rettungsstation Moutier ein. Sie befinden sich vor einem senkrechten Loch mit etwa 6 m Durchmesser und vielen Kabeln und Schläuchen, die ins Fotos: Ar chiv SA C Anzahl Beteiligte und Rettungseinsätze Anzahl Einsätze nach Monaten Aufteilung der Einsatzstunden Bodenlose führen. Die Kabine steckt nicht sichtbar auf halber Höhe, ca. 120 m vom Ausstieg entfernt, fest. Mittels einer Umlenkung und der « guten alten Friedli-winde » können die Eingeschlossenen einer nach dem anderen aus ihrer misslichen Lage befreit werden.

Rettungstätigkeit in den Zonen

In der Zone 6, Berner Oberland und Berner Jura, ereigneten sich mehr Unfälle als in den Vorjahren. Ansonsten liegt die regionale Verteilung der Unfälle im langjährigen Mittel. Bestätigt hat sich die Tendenz, dass die meisten Geretteten aus Die medizinische Erstversorgung von Lawinenverschütteten ist immer auch ein Wettlauf gegen die Zeit. Übung mit Phantompuppe Das Element Wasser ist beim Canyoning nicht zu unterschätzen. SAC-Retter müssen sich gut darauf vorbereiten.

Anzahl Bergnotfälle und andere Notfälle Einsatz nach Zonen Nach Tätigkeit unterteilte Notfälle den bevölkerungsreichen Kantonen Zürich, Bern, St. Gallen und Aargau stammen. Einzig das Tessin als bevölke-rungsschwacher Kanton rangiert weit vorne. Am meisten Ereignisse stammten aus den Gebirgskantonen Bern, Graubünden und Tessin. Der Kanton Bern verzeichnete eine Zunahme der Einsätze von 21% gegenüber dem Vorjahr. Einsätze im grenznahen Ausland erfolgten wie im Vorjahr hauptsächlich im Bergell ( italienische Seite ) und im Raum Genf.

Besorgnis erregend: Kletterunfälle

Gingen die Bergsportunfälle bei den Hochtouren zurück, stiegen die Kletterunfälle markant und jene der Variantenskifahrer ebenfalls an. Besonders die hohe Zahl von Kletterunfällen wirft Fragen auf: Waren die nicht optimalen Schnee- und Firnverhältnisse schuld, dass mehr Bergsportler klettern gingen? Oder hat das Hochgebirge wegen der zunehmenden Ausaperung an Attraktivität eingebüsst? Es gibt keine Angaben über die Anzahl Sportler, die in den Bergen unterwegs sind, und die ausgeübten Tätigkeiten. Die Alpine Rettung SAC kann nur aufgrund der Beobachtungen zusammen mit den Rettungspartnern die nötigen Vorkehrungen treffen und die Retter auf die Trends hin zielgerichtet ausbilden.

Prävention notwendig

Der Anteil der geretteten SAC-Mitglieder inkl. JO – total 84 Personen – liegt mit 12% erneut über dem langjährigen Mittel. Diese Zunahme erfolgt ungefähr in dem Mass, wie der SAC an Mitgliedern wächst. Die Sicherheit der Mitglieder und der Bergsteiger im Allgemeinen ist eine der Hauptaufgaben des SAC. Die Bergrettung handelt im Sinne der Verunfallten, die beauftragten Verbände und Institutionen sind aber für die Prävention zuständig.

Die Bergrettung ist mit steigenden Kosten sowie erhöhten Anforderungen an Ausbildung und Material konfrontiert. Zudem wird eine rasche Rettung wagemutiger Freizeitsportler von diesen als selbstverständlich betrachtet. Diese gehen in jeden Lawinenhang und in jede Felswand – und erwarten dasselbe von der SAC-Rettung. Verstärkt wird diese Tendenz durch die weit verbreiteten Handys. Sie können die Reaktionszeit zwischen Unfall und Alarm verkürzen, vermitteln aber oft eine trügerische Sicherheit, denn noch liegt im Gebirge keine umfassende Abdeckung vor. a Hans Jaggi, Arbeitsgruppe Statistik SAC

Sicherheits- und Rettungskurs in Moutier

Der 41. Kurs für Sicherheit und Rettung im Gebirge, organisiert vom SAC-Rettungsposten Moutier, findet am Wochenende vom 3O. 9./1. 1O. 2006 statt. Der Kurs ist in drei Gruppen aufgeteilt ( Bergführer, Sportklettern, klassisches Bergsteigen ) und richtet sich nach den vorhandenen Rettungskenntnissen ( Anfänger, gewisse Erfahrung, Erfahrene ). Unterrichtsthe-men sind u.a. Rettung aus der Wand, technische Aspekte zum Abstieg mit Verletzten, kontrollierter Sturz, Flaschenzug. In den Kurskosten von Fr. 10O.– sind Mahlzeiten und Übernachtung inbegriffen.

Anmeldeformulare und weitere Auskünfte: Raymond Monnerat, Courtine 48, 2740 Moutier, Tel. P 032 493 30 41, G 032 493 66 55 ( Choucas Sport, Moulin 11, 2740 Moutier ); Rettungschef Pierre Juillerat, Jolimont 23, 2740 Moutier, Tel. P 032 493 35 15; Renée Studer, rue des Lilas 2, 2800 Delémont, Tel. P 032 422 68 17, E-Mail studer.renee(at)bluewin.ch a Gem. Mtlg. ( ü ) Windenbergung auf dem Blüemlisalphorn Foto: D. Hunziker Foto: P. Kühni Der Herbst 2005 machte mit einer beständigen Schönwetterperiode wett, was im Sommer gefehlt hatte. Herbststimmung in den Bergeller Bergen

Keine absolute Sicherheit

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