Ardito Stefano. Die Eroberung der Giganten

Von der Erstbesteigung des Montblanc bis zum Freeclimbing, C. J. Bucher Verlag, München 2000. Fr. 128.–

Ein rundum gewichtiges Werk: Grösse und Gewicht, Text, Bild und Gestaltung, und nicht zuletzt der Preis. Bücher zur Geschichte des Bergsteigens gibt es ein paar; dasjenige von Ardito ist nicht das beste, dafür das schönste. Über 500 Farb-und Schwarzweissabbildungen mit genauen Legenden – eine gigantische Arbeit. Und dann erst die Bilder: Helden von einst mit tollen neuen Farbaufnahmen vom Gebirge, wo sie ihre Taten vollbrachten. Der Text ist lebendig geschrieben, gut gegliedert. Wer die Tour durch das 320-seitige Werk hinter sich hat, wird viel erlebt haben und viel mehr wissen. Als Nachschlagewerk ( mit dem Index ) gehört das 36 3 26 cm messende Buch ebenfalls ins Gestell ( wenn es Platz hat ). Einige brüchige Stellen finden sich allerdings auch: Da ist zum Beispiel von den ersten Bergen die Rede, die bestiegen wurden – und gezeigt werden coole Eis-und Felskletterer am Montblanc. Der Titlis, erster Gletschergipfel der Westalpen, ging freilich vergessen. Oder: Zu Recht wird auf die epochale Durchsteigung des Dru-Nordcouloirs ausführlich hingewiesen – das Bild dazu fehlt. Dafür sieht man immer wieder den Mont Maudit und den Montblanc du Tacul, aber Finsteraarhorn, Piz Bernina, Ortler, Grossglockner, alles durchaus alpine Giganten, sind weder im Bild noch Text ansprechend vertreten. Anderes Beispiel: zu viel Dolomiten, zu wenig Wilder Kaiser. Wahrscheinlicher Grund für diesen Mangel: Von den bleichen Bergen lagen bessere, ungewöhnlichere Farbfotos vor. Dass Eiger und Mönch einmal seitenverkehrt abgebildet sind, kann passieren, dass aber Frauen-, Ski- und Winteralpinismus weitgehend fehlen, stört den positiven Gesamteindruck. a

Daniel Anker, Bern

Feedback