Auch Hunde müssen für die Berge trainieren Mit meinem Hund in den Bergen (1. Teil)

Als idealer Wanderbegleiter sollte auch der Hund Freude an den Bergen haben. Ein paar Tipps zur Auswahl, zur Vorbereitung und zum Training.

«Sobald ich mir die Bergjacke überziehe, bricht meine Hündin in Begeisterung aus; sie weiss: Es geht los zum Wandern», amüsiert sich der Freiburger Mattia Corti, Besitzer einer achtjährigen Australischen Schäferhündin. Ob Hirtenhund, Terrier, Mischling oder Rassetier: Gesunde Hunde lieben den Auslauf. Es gibt selten Hunde, die beim Anblick der Leine nicht anfangen, mit dem Schwanz zu wedeln. Hat man mit seinem Hund jedoch vor, in die Berge zu gehen, gibt es einiges zu klären, bevor man sich auf den Weg macht.

Sich nicht auf eine Rasse versteifen

Beim Kauf eines Hundes sollte man sich bewusst machen, welcher Typ von Berggänger man ist: «Ein Gelegenheitswanderer ist nicht darauf angewiesen, sich auf eine bestimmte Rasse von berggängigen Hunden einzuschränken», betont Diego Stornetta, Tierarzt aus Delémont, «ist man jedoch intensiver in den Bergen unterwegs, wählt man lieber ein Tier mit guten physischen Voraussetzungen, das den Anstrengungen gewachsen ist.»

Schäferhunde oder Jagdhunde sind dafür bekannt, solche strengeren Anforderungen zu meistern. «Es stimmt, dass ihre Grundeigenschaften recht ähnlich sind», meint Thomas Kessler, Veterinär aus Sion. «Das individuelle Verhalten kann jedoch sehr unterschiedlich sein. Deshalb liegt es nicht in unserem Interesse, die eine oder andere Rasse besonders als Wanderhund zu empfehlen.» Ob nun Rassehund oder nicht, Hunde können sich als sehr flink in den Bergen erweisen.

Besonders Grosse und Kleine haben Probleme

Anstatt sich auf eine bestimmte Rasse zu konzentrieren, geht es den Fachleuten eher um das Einkreisen eines Hundetyps mit bestimmten bergtauglichen Eigenschaften. Es gibt dabei drei essenzielle Kriterien. Für Dr. Kessler ist es die mittelgrosse Statur, die den Hund zum guten Wanderer macht: «Ein Tier mit einer Risthöhe von 45 bis 65 Zentimetern und einer guten Ausdauer ist agil und gross genug, um allerlei Hindernisse zu überwinden. Bei grösseren Tieren treten wegen ihres Gewichts schnell Gelenkschmerzen auf, und die kleinen Rassen haben oft Mühe, sich im steilen Gelände zu bewegen. Ich habe aber auch schon Yorkshire- oder Westieterrier gesehen, die sich hervorragend zwischen den Felsen bewegten.»

Ein zweites Kriterium bildet die Physiognomie der Schnauze. Laut Diego Stornetta «atmen Hunde mit einer gestreckten Schnauze besser als kurznasige Hunderassen (brachyce­phale Rassen). Mit einer abgeflachten Schnauze atmet es sich schlecht, das Tier ermüdet schneller und ist bei Hyperthermie im Nachteil.» Auch wenn sie es noch gerne wollten, würden Bulldoggen, Möpse und andere Pekinesen mit flacher Schnauze Probleme haben, ihrem Herrchen in den Bergen zu folgen.

Und schliesslich noch der dritte Punkt: das Fell. Es darf weder zu kurz noch zu lang sein, soll es den Hund doch genug vor der Kälte schützen, ohne ihn bei Hitze zu ersticken. Bei den meisten Hunden reguliert sich das Fell jedoch auf natürliche Weise und passt sich den Temperaturen an: Im Winter ist es dichter, und im Sommer lichtet es sich wieder.

Gesundheitszustand kennen

Ist der Hund erst einmal ausgewählt, sollte sein Training an seine Kapazitäten angepasst werden und mit den jeweiligen sportlichen Zielen übereinstimmen. Bevor man lange Bergwanderungen unternimmt, ist es wichtig, den Gesundheitszustand seines Tieres zu kennen. «Ein Tierarzt kann ­mögliche Probleme entdecken, die den Hund in seiner Laufkapazität einschränken könnten», betont Thomas Kessler, «ein Tier mit Herzproblemen zum Beispiel erträgt die Höhe weniger gut.» Der Sittener Tierarzt unterstreicht jedoch, dass ein gesunder Hund seinen Sauerstoffhaushalt besser regulieren könne als der Mensch, und ausserdem leide er nicht unter akuter Höhenkrankheit.

Die physischen Fähigkeiten sind von Hund zu Hund verschieden. «Man kann die Widerstandsfähigkeit seines Tieres bei einem schnellen Spaziergang oder einer Joggingrunde überprüfen», schlägt der Tierarzt vor, «normalerweise sollte der Hund dabei weniger schnell ermüden als sein Herrchen. Wenn es jedoch dazu kommt, dass er sich an einem Punkt sträubt weiterzugehen oder übermässig erschöpft ist, kann das an der mangelnden physischen Kondition liegen.»

Ausdauertraining wie für Menschen

Zu empfehlen wäre ein sukzessives Training: Zunächst täglich eine Stunde spazieren gehen und schliesslich zwei, bevor man sich zu einem Tagesausflug aufmacht. Die Anstrengung sollte stetig steigen. «Vor allem trägen Hunden oder solchen mit Übergewicht hilft graduelles Training, ihre Kondition zu verbessern und ihre Muskulatur zu stärken», meint Doktor Stornetta. «Eine allzu heftige Anstrengung hingegen kann gefährlich sein: Einen wenig trainierten Hund sollte man zum Beispiel nicht hinter dem Fahrrad herrennen lassen.» Nach dem Training braucht der Hund Erholungszeit und muss sich ausreichend ausruhen können. «Es kann vorkommen, dass er am nächsten Tag Muskelkater oder Gelenkschmerzen von der Anstrengung bekommt», warnt der Tierarzt. Vor einem erneuten Training solle man darum den Zustand seines Hundes beobachten. Und wie auch sein Herrchen die Füsse, können den Hund manchmal die Pfoten schmerzen. Spaziergänge auf weicherem Boden wie im Wald oder auf der Wiese sind eine gute Vorbereitung für die Pfoten. Sie ertragen dann rauere Oberflächen besser.

Verhalten des Hundes gut kennen

In den Bergen kann sich der Hund anders verhalten als im Alltag. «Seine Reaktionen sind verändert, weil die Umgebung eine andere ist», erklärt Laurence Robert, Hundetrainerin aus Court. «Ein Tier, das zu Hause friedlich ist, kann draussen aus Angst oder Sorge plötzlich seine aggressive Seite zeigen.» Ein Verhaltenstraining vermag, seine Ängste zu mindern und sie kalkulierbar zu machen. «Aber man kann vorher nicht mit Sicherheit sagen, ob es hilft. Bei einigen Hunden bleibt die Angst, und das damit verbundene Verhalten ist nicht zu ändern. Darum ist es wichtig, sein Tier und dessen Reaktionen gut zu kennen.»

Beim Hundetraining kann man das Rufen, das Gehen bei Fuss und angeleint wie auch die Grundbefehlsarten üben. «Ein zukünftiger Hundebesitzer verpflichtet sich, an einem Sensibilisierungskurs teilzunehmen, bevor er ein Tier bei sich aufnimmt», sagt Laurence Robert. Der neue Besitzer hat ein Jahr Zeit, um eine praktische Ausbildung in Begleitung seines Tieres zu absolvieren. Danach kann er weitere Kurse für Hundeerziehung besuchen, falls er das will. Für die Erziehung ihres dynamischen English Setter folgte die Genferin Suzanne Darbell diesem Rat: «Ich habe mit Ficelle acht Monate lang ein Hundetraining besucht. Es hat mir geholfen, meine Hündin besser zu verstehen und mit ihr eine Beziehung aufzubauen. Jetzt ist Ficelle gehorsam und man kann mit ihr ohne Leine spazieren gehen.»

Klar ist: Hundeerziehung braucht Zeit. Wer im Frühling ­einen Junghund kauft, wird mit ihm im ersten Sommer vielleicht noch keine einzige Bergtour machen können. Denn versucht man, einen Hund mit einem zu rigorosen Training zu neuem Verhalten zu zwingen, führt das nicht unbedingt zu Gehorsam. «Ich spreche hier lieber von einer Erziehung, die das natürliche Verhalten des Tieres respektiert», sagt Robert, «Es braucht Zeit und Aufwand, dem Hund beizubringen, wie er seine Emotionen kontrollieren kann. Man stösst dabei auch auf bestimmte Grenzen, die man akzeptieren muss. Ein Hund, der dem Wild nachrennt, wird das Wild immer jagen wollen und muss draussen immer an die Leine, um die Fauna nicht zu stören.»

In den Bergen muss ein Hund...

... Hindernisse mit Leichtigkeit überwinden und keine Angst davor zeigen. Wenn Hunde Höhenmeter nicht gewohnt sind, mögen sie weder die Höhe noch die Steilheit. Ein Tier, das mit schwierigem Gelände nicht vertraut ist, könnte sich weigern weiterzugehen und eine frühzeitige Rückkehr erzwingen.

... sich der Gefahren bewusst sein und darf sich nicht auf riskantes Gelände vorwagen (Überhänge, Geröllfelder, Löcher...). Der Besitzer läuft bei einer eventuellen Rettung aus einem derartigen Gelände Gefahr, selber zu verunfallen.

... aufs Wort gehorchen. Es ist wichtig, die Kontrolle über sein Tier unter keinen Umständen zu verlieren. Auf einen einfachen Ruf des Herrchens hin sollte der Hund sofort zurückkommen.

... angeleint ruhig gehen und ohne Leine zurechnungsfähiges Verhalten zeigen. Der Hund darf nicht aggressiv auftreten und nicht auf andere Wanderer losgehen, um sie zu verscheuchen. Er soll sich von Viehherden fernhalten und keinem Wild nachjagen. Daher ist es wichtig, seinen Hund während eines Spaziergangs immer im Auge zu behalten und die Distanz zu kennen, von der aus er nicht mehr folgsam ist.

Ratschläge von Henri Perriard, Hundetrainer aus La Verrerie/VD, und Thomas Kessler, Tierarzt aus Sion

Trainingstipps

Wie ein Sportler muss auch ein Hund seine physische Kondition und Ausdauer trainieren. Hier sind einige Tipps von Hundetrainern, wie man sein Tier auf die Anstrengungen vorbereiten kann:

1 Spazieren. Man kann mit einer Stunde in leichtem Gelände beginnen und dann die Dauer, Geschwindigkeit und Schwierigkeit sukzessive erhöhen, um schliesslich die anvisierte Berggängigkeit zu erreichen. Vor einer Tagestour kann man sich mit einer Joggingrunde von der guten physischen Verfassung des Hundes überzeugen.

2 Schwimmen.  Dies ist sehr hilfreich beim Muskelaufbau.

3 Agility-Kurse. Sie können die Hunde gut für die Berge vorbereiten. Im Kurs durchläuft der Hund unter Anweisung seines Herrchens einen Hindernisparcours. Dabei trainiert er sein Gleichgewicht, erfährt steiles Gelände und Höhe. Ziel: Ängste vor exponiertem Gelände abbauen.

4 Apportierspiele. Sie tragen generell zum Gehorsam, zum Vertrauensaufbau und zum Wohl des Hundes bei.

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