Auf Schneetour mit kommerziellen Anbietern. SAC-Ressort Umwelt

Auf Schneetour mit kommerziellen Anbietern

Das SAC-Projekt « Naturverträgliche Wintertouren » geht in die vierte Saison. Eine Umfrage unter fünf kommerziellen Tourenanbietern bestätigt, dass mit einer weiteren Zunahme des Schneeschuhwanderns sich auch das Konfliktpotenzial vergrössern wird. Sie machen Vorschläge zur Weiterführung des SAC-Projekts und berichten von ihren Erfahrungen mit einer naturverträglichen Touren-praxis.

Die fünf befragten Unternehmen « Berg&Tal » ( B&T ), « Bergpunkt » ( BP ), « Höhenfieber » ( HF ), « Per Pedes Bergferien » ( PPB ) und « WeitWandern » ( WW ) 1

haben mit ihren Angeboten schon immer mehr als « nur » den Berg vermitteln wollen. Entsprechend sind ihre Antworten auf die Frage, was ihnen die Bergwelt und Bergnatur bedeuten. So ist für B&T « die Natur unsere Unternehmensgrund-lage. Mit diesem uns kostenlos zur Verfügung stehenden Umfeld müssen wir sehr behutsam und achtungsvoll umgehen. » Für BP ist « die alpine Natur Spielplatz, Schulzimmer und Lehrstoff zugleich. Sie wirkt auf uns oft beruhigend und klärend, zwischendurch herausfordernd, manchmal beängstigend – wir lieben sie !» HF ist sich klar, dass « die Natur unser höchstes Gut, auch unser ‹Ar-beitsraum› ist, weshalb wir bestrebt sind,

1 Die entsprechenden Homepages der Anbieter sind: Berg&Tal: www.bergundtal.ch; Bergpunkt: www.bergpunkt.ch; Höhenfieber: www.hoehenfieber.ch; Per Pedes Bergferien: www.ppb.ch; WeitWandern: www.weitwandern.ch 2 Gemeint sind die vom SAC angebotenen Ta-gesseminare über die Winternatur und das angepasste Verhalten für Anbieter, Tourenleiter und Bergführer.

die Bergwelt zu schützen und zu erhalten. » Für PPB ist die Bergwelt « Erholung, Begegnung, Staunen, Geniessen. » Und WW macht klar, dass « die Bergwelt ein empfindlicher Lebensraum für die ansässigen Menschen, Tiere und Pflanzen ist. Wir dürfen ihre Schätze geniessen, müssen uns aber bewusst sein, dass wir nur Gäste sind und alles vermeiden müssen, was das Gleichgewicht stört. » Mit diesen Antworten bilden die Unternehmen jene Basis, auf der naturverträgliche Angebote allgemein gut gedeihen.

Schneeschuhwandern – Zunahme erwartet Vier der fünf Unternehmen gehen davon aus, dass sich das Schneeschuhwandern noch stark weiterentwickeln und ausbreiten wird, für WW « in den nächsten fünf Jahren ähnlich stürmisch wie bisher. Jeder Sommerwanderer ist ein potenzieller Schneeschuhgänger ». PP meint dazu, dass « die meisten für Schneeschuhlaufen geeigneten Landschaften bereits den Skiliften geopfert worden sind. Und da andere Gebiete durch den Vollzug der Schutzgesetze gesperrt werden, wird sich eine grosse Belastung auf einzelne Gebiete ergeben ». Und B&T gibt ein Beispiel: « Vor zehn Jahren waren wir der erste kommerzielle Anbieter, der sich auf der Schwarzwaldalp mit Schneeschuhen hat blicken lassen. Heute trampeln sich da die Leute beinahe gegenseitig tot. » Der SAC hat also bei der Lancierung dieses Sensibilisierungsprojekts die Situation richtig eingeschätzt, denn eine weitere Zunahme der Schneeschuhwanderer, die alle die « stille Winternatur » suchen, führt unausweichlich zu mehr Druck auf die Natur.

Nutzungskonflikt? Für die Anbieter können gewisse Nut-zungskonflikte im Spannungsfeld Natursport – Naturschutz entstehen. Gleichzeitig halten sie fest, dass der Mensch, auch jener auf sportlicher Tour, als Teil der Natur aufgefasst werden muss. Deshalb muss die Nutzung so ausgestaltet werden, « dass ein Gleichgewicht aller Beteiligten langfristig erhalten bleibt » ( BP ). Nach dem Motto « so wenig wie möglich – so viel wie notwendig » ( B&T ) sollen im Rahmen von Vereinbarungen und Verhaltensregeln die notwendigen Leitplanken gelegt werden. WW und PPB sind da noch eine Nasenlänge weiter: Sie haben in ihren Unternehmens-leitbildern ein Set von ganz konkreten Regeln für ihre Tourenangebote integriert wie etwa der Grundsatz, « eine bestimmte Route in der Regel nur einmal jährlich zu begehen » ( WW ) oder die Einhaltung des SAC-Wintertouren-Kodexes ( PPB ).

Verbesserungen möglich Alle fünf Anbieter sind der Ansicht, dass der SAC mit seinem Projekt bei ihnen praktisch « offene Türen » eingerannt habe. Positiv beurteilt wird die breite Sensibilisierung bei SAC-Mitgliedern und kommerziellen Anbietern, auch dank « handlichem Flyer und den SAC-Einführungskursen » 2, wie WW bemerkt. Als Verbesserung bzw. Weiterentwicklung vorgeschlagen wurde u.a. die Definition von spezifisch heiklen Gebieten, in denen entweder definierte Routen festgelegt oder mit Appellen ein Bege-hungsverzicht verbreitet werden soll. Gespräche zwischen Anbietern und Naturschützern sollen sinnlose Verbote vermeiden helfen. Beim Kauf von Schneeschuhen sollen Informationsblätter abgegeben werden, da « die privaten Einzelgänger die grösste Belastung für die Natur darstellen » ( PPB ). Für die zwischen Anbietern und Naturschutz laufenden Projekte sollten weitere Kreise involviert werden wie Politik, Jäger, BAZL ( Leicht-flieger ), Strassenverkehrsbehörden ( Of-froadmotorrad, Schneemobile ). Denn als ökologisch ausgerichteter und verantwortungsbewusster Wintertourenan-bieter « kommt man sich manchmal schon als Depp vor, wenn man wahrnimmt, was von anderer Seite sonst noch alles abgeht. » ( WW )

Vom Umsetzen in die Praxis Bei der Frage nach einem brancheneige-nen, überprüfbaren Label für die « Natur-

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verträglichkeit » der Angebote ganz allgemein analog etwa dem « Biolabel » in der Landwirtschaft gehen die Meinungen auseinander. Dies reicht von « gute Idee » über « grundsätzlich ja, sollte aber nicht notwendig sein » bis zur Ablehnung « da im Alltag kaum überprüfbar und damit ein Nonvaleur ».

Bei allen Anbietern werden die Gäste individuell durch den jeweiligen Gruppenführer an die sensible Winternatur herangeführt. Dies geschieht etwa durch aktives Beobachten von Tieren oder der bewussten und kommunizierten Routenwahl in einem bestimmten Korridor oder durch Hinweise auf den SAC-Kodex und dessen Verhaltensregeln. Weiter gehören dazu vorwiegend naturthematisch ausgerichtete Touren ( PPB ), das « Zeit haben zum Schauen, Horchen, Riechen » ( BP ) oder das bewusste Erleben der Tierwelt, aber mit « Meiden der sensibelsten Räume nach bestem Wissen » ( WW ).

Fazit aus unserer Sicht Die breite Unterzeichnung des SAC-Kodexes zeigt eine grundsätzliche Bereitschaft von professionellen Anbietern zur Rücksichtnahme gegenüber der Natur. Wie die Umfrage zeigt, hat das Projekt es noch nicht geschafft, ausserhalb des SAC eine breite Öffentlichkeit anzusprechen. Ob es an den diesbezüglichen Möglichkeiten oder am einzuschlagenden Weg liegt? Auf jeden Fall spielen wir diesen Ball auch an die Anbieter selbst zurück: Wenn sie den Kodex und die Regeln in ihrem Auftritt ansprechen und konsequent bei Wintertouren-angeboten mit den Gästen einen kleinen « Natur-Talk » einbauen, trägt dies wesentlich zu einer grösseren Sensibilisierung bei. Die Umfrage zeigte, dass letztlich der jeweilige Führer für die Naturvermittlung und die Naturverträg-lichkeit die Verantwortung trägt. Da deren Ausbildungsstand in Bezug auf die Natur erfahrungsgemäss unterschiedlich ist, sind entsprechende Investitionen wichtig.

Ob es sinnvoll ist, den Weg eines Labels oder einer Zertifizierung zu verfolgen, muss noch gut geprüft werden. Sicher ist, dass dies der SAC nicht allein initiieren kann. Die aktive Unterstützung von weiteren Verbänden, etwa dem Bergführerverband SBV, dem Verband Schweizer Bergsteigerschulen VBS, der Swiss Outdoor Association SOA und auch der Behörden, wäre unabdingbar. Denn der Wert einer Zertifizierung hängt direkt von ihrer breiten Akzeptanz und der praktischen Überprüfbarkeit ab. a

Jürg Meyer, Umweltbeauftragter SAC Intensives Naturerlebnis beim Schneeschuhwandern Schneeschuhparadies Hohgant – aber auch Lebensraum von Birk- und Auerhuhn Im winterlichen Wald ist klare Führung wichtig.

Fo to :W ei tWa nd er n Foto: Berg&Tal

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