Aufstieg und Absturz - ein alpinistisches Drama

Ferdinand Hodler und die Weltausstellung 1894 Die monumentalen Gemälde « Aufstieg » und « Absturz », von Ferdinand Hodler für die Weltausstellung 1894 in Antwerpen gemalt, werden endgültig der Vergessenheit entrissen: Eine Ausstellung im Schweizerischen Alpinen Museum Bern und ein umfassender Katalog präsentieren die aufschlussreichen Ergebnisse eines soeben abgeschlossenen Forschungsprojekts über die vor 65 Jahren erworbenen Gemälde.

Den beiden je 28 m2 grossen Diora-mengemälden « Aufstieg » und « Absturz » des grossen Schweizer Malers Ferdinand Hodler war eine wechsel-und auch rätselhafte Geschichte beschieden. 1916 sind sie sogar in sieben Ausschnitte zerlegt worden, die sich auf die zwölf Personen der beiden dargestellten Seilschaften kon- nem speziell gebauten Annex des erneut gezeigten « Panorama des Alpes Suisses » plaziert werden.

Grosspanoramen und Dioramen als Attraktion Das Diorama als dynamische Weiterentwicklung des statischen Rundbildes, des Panoramas, wurde 1822 in Paris vorgestellt. Gemäss seiner Bezeichnung ( dia = hindurch, horama = sehen, Schau ) wurde es durch wechselnde, farbige Beleuchtung und zweiseitige, teils transparente Bemalung der Leinwand belebt. Später kamen noch bewegliche Teile, akustische Einrichtungen, Windmaschinen, echte Bäche, Bergblumen oder Jodler dazu, um so die « illusion totale » anzustreben. Nach 1850 war die Vermarktung von Panoramen und Dioramen üblich geworden.

Ein erfolgloses Wagnis Hodler musste bewusst sein, dass er sich mit der Annahme dieses Auftrags auf ein schwieriges Terrain begab, wurden doch solche Präsentationen nicht dem Kunstbereich, sondern dem Vergnügungsbereich zugeordnet - Hodlers Dioramen waren in Antwerpen tatsächlich im Vergnü-gungssektor ausgestellt. Trotzdem schien es für Hodler und auch für andere Künstler wie Giovanni Segantini oder Giovanni Giacometti reizvoll, Eingangspavillon des « Panorama des Alpes Suisses » auf dem Gelände der Weltausstellung Antwerpen 1894. Darauf ist die Beschriftung « Cyclorama / Panorama des Alpes Suisses / Peinture gigantesque Ascension et terrible Catastrophe/ La Jungfrau 4236 m. Le Mönch 4173 m, L' Eiger.../Glaciers/ Neiges éternelles/ Torrents et cascades ».

Alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen grosse Panoramen und Dioramen als Gegenstand der Kunst neu zu lancieren.

Der Zyklus mit den geplanten Gemälden « Aufstieg », « Absturz » und dem dritten, schliesslich nicht ausgeführten, « Auffindung der Leichen » war für die damalige Zeit eine heikle, bildlich tabuisierte Thematik, die der Nicht-Kunst zugeordnet wurde. Sie war bisher nur von vereinzelten Illustratoren dargestellt worden. Die monumentale Grösse und das entsetzliche Thema sollten eine Debatte in Gang bringen. Der erhoffte Erfolg blieb aber aus. Verhängnisvoll war, dass die Fachwelt die malerischen Qualitäten der Gemälde gar nicht beachtete. Der Ort der Präsentation und die sensationelle Thematik hafteten wie ein « Makel der Minderwertigkeit » an den Bildern, die bestenfalls der Bühnenbildnerkunst zugeordnet wurden.

Das weitere Schicksal der Gemälde Wegen ihrer Erfolglosigkeit wurden die Dioramen 1896 an der Landesausstellung in Genf nicht mehr gezeigt, sondern zum Verkauf angeboten. Sie gerieten daraufhin lange Zeit in Vergessenheit. Eine gewisse Beachtung fanden sie 1912 an der Dresdener Kunstausstellung und 1916 im Kunsthaus Zürich. Diese Anerkennung erfolgte aber zu spät. Hodler erinnerte sich offenbar nicht gern an den Misserfolg dieser wegen ihrer Grösse unverkäuflichen Werke und hatte kurz zuvor die Einwilligung zum Aufteilen in Fragmente gegeben.

SAC als treibende Kraft des Ankaufs Von 1927 an waren die Fragmente von Hodlers Dioramen zum Verkauf angeboten. Die Beurteilungen in der damaligen Hodlerliteratur blockierten aber die Nachfrage. Es war dann hauptsächlich das Verdienst des damaligen SAC-Publikationenchefs Hans Raschle, dass Bewegung in die Verkaufsverhandlungen kam. Eine Sammlung bei SAC-Mitgliedern erbrachte 3000 Franken, und die Abgeordnetenversammlung 1934 bewilligte 15000 Franken zum Erwerb von drei Gemälden; die vier andern wurden von der Gottfried-Keller-Stiftung erworben. Der SAC beabsichtigte, sie für das neuerbaute Schweizerische Alpine Museum in Bern zu sichern.

Zwei Figurenausschnitte aus dem Diorama « Absturz » 1894, Öl auf Leinwand, Dioramenfragment 326x160 cm; Bergführer und Alpinist im Kampf mit den Elementen Lawine und Steinschlag. Die Details zeigen die Qualität der Grossgemälde.

Da aber kein geeigneter Raum zur gesamthaften dioramaartigen Präsentation der Gemälde vorhanden war, wurden die Gemälde im Kunstmuseum Bern deponiert. Sein Direktor schlug vor, sie in rekonstruierter Form im Kunstmuseum auszustellen. Dieser Plan wurde aber nie realisiert, doch waren die Gemälde viele Jahre lang im Treppenhaus ausgestellt. SAC-Mitglieder genossen damals als « Mitbesitzer » der Gemälde sogar Gratiseintritt ins Kunstmuseum Bern!

« Ferdinand Hodler und die Weltausstellung 1894 » Ort:

Schweizerisches Alpines Museum Dauer:

25. Juni bis 31. Oktober 1999 Öffnungszeiten:

Mo 14 bis 17 Uhr Di bis So 10 bis 17 Uhr Katalog:

Der reich illustrierte Katalog ist beim Schweizerischen Alpinen Museum Bern, Tel. 031/ 351 04 34, erhältlich. Alle Ausstellungstexte sind auch in Französisch abgefasst.

Eintritt:

Fr. 5., SAC-Mitglieder Fr. 3- Plakatentwurf mit Detail aus « Absturz » für das « Grand Cyclorama des Alpes Suisses » 1893/94, Bleistift. Farbstift und Feder mit schwarzer Tusche, 36,. " " 2 X24 cm, bezeichnet oben « Exposition Universelle d' Anvers 1894/Grand Cyclorama des Alpes Suisses », unten « Grand prix d' honneur/Chicago 1893 » Neue Präsentation in Original-anordnung und Erforschung Seit den Fünfzigerjahren drohten die Werke im Depot erneut in Vergessenheit zu geraten. Erst 1993 ermöglichte ein Umbau des Schweizerischen Alpinen Museums die Präsentation der sieben Fragmente in Ori-ginalanordnung im neugeschaffenen Hodlersaal.

1998 begann eine aussergewöhnliche Gemeinschaftsarbeit. Im Rahmen von Lehrveranstaltungen am Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern erforschten Assistenten und fortgeschrittene Studierende Litera-tur- und andere Quellen. In intensiver Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Alpinen Museum entstanden ein spannendes Ausstellungskonzept und ein reichhaltiger Katalog. Erstmals werden damit Hodlers Gemälde zur Weltausstellung 1894 und ihre Geschichte umfassend vorgestellt - ein weiterer Schritt zur Aufarbeitung und Würdigung der grossen Leistungen Ferdinand Hodlers und seines bedeutenden Beitrags an die Kunst der Moderne.

Forschungsergebnisse Neben vielen neuen Zusammenhängen und interessanten Details liefern die Katalogautoren auch Belege, dass die Dioramen als konsequenter Teil des damaligen Werks und der künstlerischen Entwicklung von Ferdinand Hodler zu betrachten sind. Sie befreien die Gemälde damit vom früher erhobenen Vorwurf der reinen Dokumentations- und Schausteller-malerei.

Hodler, jede Anlehnung an Illustrationen vermeidend, hat einen kulissenhaften Hintergrund gewählt und in ihn die Figuren eingefügt. Den Bergsteigerfiguren kommt eine herausragende Stellung zu. Die vorbereitenden Zeichnungen zeigen den Weg zur Ausarbeitung der ein- Offizielles Plakat der Weltausstellung 1894

MAY-NOVEMBER

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Navigation and Trade Military Arts, zelnen Figuren. Eine Anlehnung an die bekannte illustratorische Darstellung von Gustave Doré zum Matter-horn-Drama von 1865 ist kaum festzustellen.

Inhalte der Ausstellung Die attraktive Ausstellung umfasst zwei Teile. Im Mittelpunkt stehen Hodlers Dioramen-Ölgemälde « Aufstieg » und « Absturz » in neuer Beleuchtung und mit neuen optischen Einblicken. Besonders spannend ist der Vergleich mit 18 erstmals zusammen mit den Gemälden präsentierten Originalentwürfen.

Der zweite Teil veranschaulicht die Geschichte des Auftrags, die Arbeitsweise Hodlers und die Weltausstellung in Antwerpen. Auf einem Bildschirm kann man verfolgen, wie weit es gelungen ist, die Dioramen wieder farbig in ihrer originalen Erscheinung zu rekonstruieren.

Urs Kneubühl, SAM

/issenschaft ind Bergwelt

Scienza e mondo alpino cience et montagne

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Die Materie Schnee, die einen ständigen, vor allem thermisch bedingten Veränderungsprozess durchläuft, ist äusserst komplex. Mit konventionellen Temperaturmessgeräten ( Thermometer, Thermoelemente, Widerstandsthermometer usw. ) können in vielen Situationen diese Vorgänge nur ungenügend erfasst werden. Die berührungslos messende Thermografie hingegen liefert zwei-dimensionale Bilder mit einer hohen Auflösung, die je nach Objektdistanz Temperaturwerte im Millimeter-Ab-stand aufzeigen. Es lassen sich auch problemlos dynamische Vorgänge darstellen, indem die Bilder im Se-kundenintervall aufgenommen werden. Und wie bei den Landeskarten gilt auch hier: je höher der Informationsgehalt betreffend eines Objekts, desto grösser der Nutzen für jene Anwender, die Auskünfte im Detail haben wollen.

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