Auftakt zur ersten Skialpinismus-WM-Saison. Mehr Schlagkraft durch Reorganisation

Mehr Schlagkraft durch Reorganisation

Auftakt zur ersten Skialpinismus-WM-Saison

Es ist nicht einfach, auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Die technische Leitung der Schweizer Skialpi-nismus-Wettkämpfe und des Swiss Teams waren bisher in den Händen einer einzigen Person. Ab diesem Winter werden die beiden Aufgaben getrennt. Nach dem Willen der Ad-hoc-Kommission des SAC sollen damit mehrere Ziele erreicht werden.

Claude Défago sprach für DIE ALPEN mit den beiden Verantwortlichen der ab sofort separat betreuten Bereiche. Philippe Bonnet, der Chef Technik der Schweizer Skialpinismus-Wettkämpfe, setzt sich dafür ein, dass die Rennen für die Teilnehmenden attraktiver und populärer werden. Man wird eine Kom-munikationskampagne starten, um die Rennen besser bekannt zu machen. Für Raphy Frossard, den Nationaltrainer, geht es darum, dass das Swiss Team die hervorragenden Resultate der vergangenen Saison bestätigt, denn in diesem Winter findet zum ersten Mal eine WM statt, und zwar Ende Januar in Serre-Chevalier ( F ).

Für die Volksläufer DIE ALPEN: Philippe Bonnet, Sie sind einer der Organisatoren der Trophée du Muveran, manchmal auch Wettkämpfer, und jetzt stehen Sie an der Spitze einer technischen Kommission, die aus Sportlern und Führern zusammengesetzt ist. Welches sind Ihre Erwartungen?

Philippe Bonnet: Unser Ziel wird sein, den Sport und die Rennen in der Schweiz weiterzuentwickeln, nachdem dieser Bereich jetzt vom Swiss Team getrennt sind. Wir können so den sportlichen Charakter der Rennen beibehalten, aber gleichzeitig auch die so genannten Volksläufer integrieren. Für die Entwicklung des Skialpinismus ist dies unerlässlich. Die Kommission wird den Vorteil haben, dass sie sich dank des Gedankenaus-tauschs mehr der Reflexion widmen kann.

Was heisst « populär »?

Auf jeden Fall nicht, die Rennen zu verändern, denn auf der technischen Ebene geht die Entwicklung in die richtige Richtung. Zum Beispiel die Reduktion der Höhendifferenzen für Frauen und Junioren. Andererseits wollen wir unsere Rennen mit einer Werbekampagne besser bekannt machen. Wir müssen zudem die Wettkämpfer dazu bringen, zu reisen und damit auch einmal eine andere Gegend des Landes kennen zu lernen. Wir stellen fest, dass sie dies nur selten tun. Im Schweizer Cup ist im Übrigen das Niveau der Läufer in den letzten Jahren gestiegen, und das könnte

Die Trophée des Gastlosen, die zum Schweizer Cup zählt, findet am 17. Februar statt. Im letzten Winter genossen die Wettkämpfer grossartiges Wetter und ein tolles Rennen.

Fotos: Gérard Berthoud Philippe Bonnet, der neue Chef Technik der Schweizer Wettkämpfe, möchte die Rennen in der Schweiz mit einer Werbekampagne bekannter machen.

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die Volksläufer entmutigen. Muss man deshalb die Startfelder trennen? Weniger lange, aber ebenso schöne Rennen anbieten? Darüber gilt es nachzudenken.

Letzte Saison wurde die Hexenbesentechnik verboten, und die breiten Ski wurden für obligatorisch erklärt. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Die Sache ging sehr gut über die Bühne. Alle Organisatoren sind sich darüber einig – inklusive ich, der ich zu den Skeptikern gehörte. Bleibt nur noch, die Reaktion der Patrouille des Glaciers abzuwarten und zu analysieren, die nicht diesem Reglement untersteht. Sie wird ein Zeichen setzen.

Der Wettkampfkalender des Schweizer Cups scheint eher knapp gehalten. Sieben Rennen, das ist ein guter Rhythmus. Dazu kommen die Rennen ausserhalb der Ägide des SAC, zum Beispiel die Patrouille des Glaciers; sie kommt etwas früh in diesem Jahr und beeinflusst unseren Kalender.

Die Junioren kommen wieder auf das Teamrennen zurück. Warum nicht auch die Juniorinnen? Das Einzelrennen für Junioren 1 ( 16 bis 18 Jahre ) wird in der Tat wieder als Teamrennen ausgeschrieben. Das heisst im Alter von 16 bis 20 Jahren wird wieder in Mannschaften gelaufen. Es entspricht mehr dem Geist unseres Sports. Bei den Juniorinnen sind leider noch zu wenig Läuferinnen am Start, deshalb laufen sie weiterhin einzeln.

Es wird auch zwei Einzelrennen geben. Zeichnet sich hier eine Entwicklung ab? Diese Entwicklung zeichnet sich im Ausland ab, aber unser Ziel ist es, pro Saison nur ein Einzelrennen im Programm zu haben. Dieses Jahr führten besondere Umstände zu dieser Doublette ( Tête de Balme und Valerette ). Wir hoffen, diese Überschneidung in Zukunft zu vermeiden.

Es ist festzustellen, dass das Reglement in Bezug auf das Material strengere Kontrollen und auch Strafen vorsieht.

Es ist nutzlos, ein Reglement und Kontrollen zu haben, aber keine Strafen. Obschon selten betrogen wird, gab es dennoch einige Läufer, die Gewicht sparten, indem sie einen Teil des obligatorischen Materials nicht einpackten, zum Beispiel Sicherheitsausrüstung. Auf die Windjacke oder eine Überlebensdecke zu verzichten, kann aber bei einem Unfall schwere Konsequenzen haben.

Rücksichtslosigkeit gegenüber der Umwelt wird ebenfalls bestraft.

Das wird im Ausland bereits gemacht. Wer unterwegs ein Schokoladepapier fallen lässt, wird mit Strafminuten belegt. In der Schweiz stellen wir noch keinen Missbrauch fest, aber mit den Strafen reagieren wir auf eine aus Umwelt-schutzkreisen geäusserte Sorge.

In den Reglementen der verschiedenen Rennen, die ( endlich !) harmonisiert werden sollen, wird der Helm « empfohlen ». Warum?

Wir fahren in einer wilden Umgebung Ski, wo Felsen und Bäume stehen.

Kalender 2002

Schweizer Cup 12. Januar Trophée de la Tête de Balme Trient ( VS ) 3. Februar Valerette Altiski 2000 Choëx ( VS ), Einzelrennen 17. Februar Trophée des Gastlosen Charmey ( FR ) 1O. März Diamir-Race Diemtigtal ( BE ) 17. März Trophée des Dents-Blanches Champéry ( VSSchweizer Meisterschaft 7. April Trophées du Muveran Les Plans/Bex ( VD ) 14. April Trofeo di Bivio Bivio ( GR ) Open 3. März Patrouille de la Maya St-Martin ( VS ) 24. März Défi des Faverges Montana ( VS ) 25.–27. April Patrouille des Glaciers Zermatt–Verbier ( VS ) Weltmeisterschaft 23.–27. Januar Frankreich Serre-Chevalier Europacup 6. Januar Frankreich 24. März Andorra 16. Februar Österreich 31. März Griechenland 3. März Spanien 14. April Italien Nocturnes Diese Rennen finden am Abend auf Pisten statt. Sie werden über eine geringe Höhendifferenz ( 400 bis 1000 m ) ausschliesslich bergauf ausgetragen. Sie ermöglichen einen ersten Einstieg in die Sportart. Sie sind für alle Teilnehmenden offen, die über Tourenski und Felle verfügen. 28. Dezember 01 Morgins ( VS)* 15. Februar 02 Leysin ( VD ) 18. Januar 02 Mayens-de-Riddes ( VS)* 22. Februar 02 Thyon–Les Collons ( VS ) 25. Januar 02 La Berra ( FR)* 8. März 02 Vercorin ( VS)* 1. Februar 02 Moléson ( FR ) 15. März 02 Les Mosses ( VD ) 8. Februar 02 Château-d'Œx ( VD)* Die Rennen mit einem * gehören zur Challenge Romand. Weitere Auskünfte auf der Geschäftsstelle SAC in Bern oder der Internetseite www.cssa.ch Im Rahmen des Schweizer Cup stehen diesmal sieben Rennen auf dem Programm, und erstmals wird in Frankreich auch eine Weltmeisterschaft durchgeführt.

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Wir steigen mit den Ski auf dem Rucksack in Couloirs auf. Da kann schnell etwas passieren. Ein Schnee- oder Eisblock kann abbrechen. Der Helm ist ein zusätzliches Sicherheitselement für Fahrer und Organisatoren. Zudem ist der Helm – ein Modell, wie es die Mountainbiker tragen – in keiner Weise störend. Der Beweis wurde in Italien und Frankreich erbracht, wo er manchmal obligatorisch ist.

Noch ein Wort zu den Nocturnes, den Nachtrennen mit einfachen Aufstiegen auf der Piste mit wenig Höhenunterschied. Können diese als Promotionsrennen verstanden werden?

Das sind sie eigentlich nicht, sondern es sind Sprintrennen, und zwar sehr schnelle. Wenn es Promotionsrennen wären, müssten sie mehr auf Herrn und Frau Jedermann zugeschnitten sein. Dann müssten die Teilnehmer auch zu den Skialpinismus-Rennen in den Bergen hinüberwechseln. Da ist auch noch ein grosser Informationsaufwand nötig. Treffpunkt Serre-Chevalier DIE ALPEN: Raphy Frossard, mit einem Europameistertitel bei den Frauen und dem Sieg im Europacup bei den Männern – sind die Schweizer in der kommenden Saison « l' Equipe à battre »?

Raphy Frossard: Allerdings, und das macht unsere Aufgabe sicher nicht leichter. Letzte Saison haben wir im ersten Rennen in Gavarnie die Überraschung geschafft. Uns hatte man gar nicht auf der Rechnung. Der Sieg ebnete Jef Cuennet und Heinz Blatter den Weg zum Europa-cupsieg. Man konnte sehen, dass ihre Aufgabe anschliessend schwieriger war. Bei den Damen wird man leider das Duo Catherine Mabillard/Sandra Zimmerli nicht mehr in Aktion sehen. Letztere musste die internationale Tätigkeit aufgeben.

Heisst das, die Saison wird schwieriger? Nicht nur deswegen, sondern auch, weil neue Nationen auf der Tour antreten. Man erwartet insbesondere eine italienische Nationalmannschaft. Allerdings können wir auf einen bedeutenden Bestand an guten Läufern zurückgreifen. Die Generation der 25- bis 28-Jährigen – das ideale Alter für die Sportart – drängt mit aller Macht nach vorn mit Athleten, um die uns andere Länder beneiden. Auch die nächste, noch jüngere Welle ist sehr leistungsstark. Wir haben sehr schöne Jahre vor uns. Andere Länder haben keinen solchen Nachwuchs.

In dieser Saison wird erstmals eine WM ausgetragen.

Das beweist die Entwicklung des Skialpinismus unter dem Dach der UIAA ( Union Internationale des Associations Alpinistes ). 16 Länder und 20 Verbände sind Mitglied der Unterorganisation ISMC ( International Council for Ski Moutaineering Competitions ). Wettkämpfe finden auch in Afrika, in Südamerika und Asien statt. Daher ist es nur logisch, wenn auch Welttitelkämpfe durchgeführt werden. Bei der ersten Ausgabe werden sie allerdings stark europäisch geprägt sein.

Sie wird in Frankreich stattfinden.

Ja, und zwar vom 23. bis 27. Januar in einem Skiort mit gutem Ruf, in Serre-Chevalier. Die Rennen ( ein Team- und

Fo to s:

Gé ra rd Be rt ho ud DIE ALPEN 12/2001

ein Einzelrennen ) stehen unter dem Patronat des berühmtesten Skifahrers dieser Gegend, Luc Alphand. Es wird ein Zusammentreffen des alpinen Skilaufs und des Skialpinismus.

Was erwarten Sie von den Wettkämpfen? In allen Kategorien, auch bei den Jungen, können wir Medaillen erwarten. Die vorgesehenen Strecken sind relativ kurz, aber rhythmisch und technisch. Wir werden uns um diesen Aspekt kümmern müssen, denn die Technik war noch nie unsere Stärke.

Die WM findet zu Beginn der Saison statt. Wird sie nicht dem Europacup die Schau stehlen?

Für uns auf jeden Fall nicht, denn wir haben einen Titel zu verteidigen. Wir werden auch mit jüngeren Läufern antreten, damit sie Erfahrung sammeln können. Wir fahren deshalb hoch motiviert nach Spanien, Andorra, Griechenland und Italien.

Sie müssen auf einige ausgezeichnete Athleten verzichten. Warum das?

Wir haben nicht die Mittel eines eigentlichen Sportverbandes. Unsere Läufer engagieren sich persönlich sehr stark, deshalb sind sie in ihrer Wahl eingeschränkt. Einige setzen sich andere Ziele als diejenigen des Swiss Teams, das sich auf die internationalen Einsätze konzentriert. Andere wollen in ihrem Beruf vorankommen. Wir bedauern das, aber es ist halt so.

Fehlen dem Swiss Team wirklich die Mittel?

Nicht nur dem Swiss Team, sondern der ganzen Bewegung des Skialpinismus in der Schweiz. Wir geniessen zwar die grosse Unterstützung des SAC, aber das reicht nicht. Es gelingt uns einfach nicht, Sponsoren zu finden. Haben Sie gewusst, dass das Swiss Team die ganze internationale Saison mit einem Budget von weniger als 40 000 Franken bestreitet? Da liegt unser Hauptproblem. Wir suchen Lösungen, aber im Moment müssen wir ständig improvisieren. In der Öffentlichkeit macht man sich Gedanken über Eishockeyspieler, die fünf Stunden im Car unterwegs sind. Unsere Athleten übernachten zweimal im Bus, wenn sie ins Ausland fahren!

Sie sind eher pessimistisch?

Nein, überhaupt nicht. Wir stehen zwar materiellen Problemen gegenüber, aber unser Reichtum sind die Athleten. In allen Kategorien gehören sie zu den Besten. Sie werden uns viel Freude bereiten. Die Organisation auf der Ebene Nachwuchs wird mit den Erfolgen wachsen. Vergessen wir auch nicht die Arbeit, die mit den Jüngsten ( 16 bis 20 Jahre ) geleistet wurde. Drei Ausbildungszentren sind an der Arbeit. Jeder Jugendliche, ob in der JO oder nicht, kann dort mit kompetenten Leitern die Sportart kennen lernen. Wer mehr wissen will, wende sich an eine SAC-Sektion oder an die Geschäftsstelle in Bern. a

Claude Défago, Monthey ( ü ) Dem von Naturschutzkreisen geäusserten Wunsch entsprechend, wird erstmals ein den heutigen Umweltvorstellungen widersprechendes Verhalten geahndet: Ein fallen gelassenes Stück Schokoladepapier kostet Strafminuten.

Das Rennen Ovronnalpski findet in diesem Winter nicht statt. Der Kalender des Schweizer Cups wurde ausgedünnt. Es stehen nur noch sieben statt neun Rennen auf dem Programm.

Der Valerette Altiski 2000, ein zum Schweizer Cup zählendes Rennen, das früher Trophée de Valerette genannt wurde, steht am 3. Februar auf dem Programm.

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