Bedeutung der Berggebiete

Empfindliche Lebensräume von globaler Bedeutung Was haben Gebirge mit globalen Entwicklungen zu tun? Spielen sie nicht nur regional eine Rolle? Sind Gebirge spezielle Ökosysteme? Sind länderüberschreitende Vorgehen - wie etwa die Alpenkonvention -wirklich notwendig?

Im vorliegenden Beitrag umreissen die Autoren die Bedeutung des Kapitels 13 « Umgang mit empfindlichen Ökosystemen - nachhaltige Entwicklung der Berggebiete » der 1992 in Rio unterzeichneten « Agenda 21 ».

Es ist uns allen bekannt, dass in den Schweizer Alpen die Quellen bedeutender Flüsse liegen, dass wir in unseren Alpen eine einmalige und vielfältige Pflanzen- und Tierwelt antreffen, dass alljährlich Tausende von Besuchern in die Alpen gelockt werden und dass sich die Gletscher in beängstigender Weise zurückziehen.

Sind dies nur alpenspezifische oder gar nur typisch schweizerische Phänomene? Wohl kaum, wie ein Blick über unsere Grenzen hinweg auf andere Gebirge dieser Welt und eine Rückschau auf die Umweltkon-ferenz von Rio zeigt.

Die Rio-Konferenz: Geburtsstunde der Berggebietsagenda Im Juni 1992 fand die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung ( UNCED ) in Rio de Janeiro statt. Das wichtigste Resultat dieser Konferenz ist die von 181 Staaten unterzeichnete Agenda 21. Das Dokument basiert auf einem umfassenden Konsens, dass es eine men-schenwürdige Zukunft auf dem Globus geben kann, aber eben nur eine partnerschaftliche - « a common future ». Die Beachtung ökologischer Aspekte ist dabei von zentraler Bedeutung. Für diesen gemeinsamen Weg ins 21. Jahrhundert zeigt sie die drängenden Probleme auf, formuliert Lösungsgrundsätze und Ziele und schlägt Handlungsmaximen vor. Die Verantwortung für die Weiter- gang mit Wasser friedvoll zu gestalten und die Ressource langfristig sinnvoll zu nutzen? Eines ist klar: Die Sorge um die Bewirtschaftung der Wasserressourcen beginnt in den Bergen der Welt!

Biodiversität Neue Kartierungen haben die überragende Bedeutung der Gebirge, insbesondere in den feuchten Tropen und Subtropen, für die globale Biodiversität eindrücklich belegt ( vgl. Karte S. 49 ). Aber auch die Pyrenäen, der Apennin und die Alpen zeigen einen grösseren Reichtum als die umliegenden Tiefländer. Die Berge sind somit Schlüsselregionen für die Arten-erhaltung.

Erholung Die Verstädterung der Weltbevöl-kerung nimmt ständig zu. Was wir in den Alpen erleben, dürfte sich in vielen Gebirgen der anderen Kontinente, natürlich in reich differenzierter Weise, wiederholen und zahlreiche Konflikte um die Erhaltung oder Nutzung der Ressourcen im Gebirge auslösen.

Klimaänderungen Der drastische Rückgang vieler Gletscher weist deutlich darauf hin, wie empfindlich alpine Ökosysteme infolge ihrer vertikalen Stufung und ihrer zahlreichen ökologischen Grenz- und Übergangsbereiche auf Klimaänderungen reagieren ( vgl. Abb. S. 49 ). Gletscher, Wald- und Vegetationszonen sind be; anders sensible Indikatoren, die Ressourcen Wasser, Biodiversität und Erholungsraum ( Skitourismus ) mit all ihren ökologischen und ökonomischen Konsequenzen werden in hohem Masse be- 0.

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R 270 Jahreswasserbilanz Europas: der dominante Einfluss der Alpen in der Ab-flussbilanz kommt deutlich zum Ausdruck.

Schutz der Gebirgswelt Foto'Jungfraubahnen Gebirge sind auch wichtig als Erholungsraum; Jungfraujoch, « Top of Europe » troffen. Die Bedeutung reicht weit über die Grenzen der Bergregionen hinaus, wenn wir an die Wasserversorgung denken.

Solche Themen haben eine globale Bedeutung und betreffen sowohl Hoch- als auch Tiefländer: Prozesse im Gebirge wirken sich auf die Tiefländer aus, Situationen im Tiefland wirken auf das Hochland zurück. Eine durch nationale und regionale Grenzen geprägte Sicht muss deshalb überwunden und die Verantwortung gemeinsam wahrgenommen werden.

War Rio für die Gebirge ein Erfolg?

Anlässlich der Rio-Konferenz wurde das Gebirgskapitel noch als eher marginales Element der Agenda 21 betrachtet. Es brauchte noch einmal fünf Jahre, nämlich bis zur Konferenz « Rio+5 » ( 1997 ) in New York, bis die Botschaft von den Gebirgen als entscheidende Ressourcenräume für das nächste Jahrhundert erfolgreich übermittelt werden konnte. Trotz- dem wurden seit 1992 von verschiedener Seite zahlreiche, erfolgreiche Initiativen gestartet; nur einzelne davon seien kurz erwähnt:

- Die FAO als für das Gebirgskapitel verantwortliche UN-Organisation hat ein intensives Informationspro-gramm gestartet und in allen Kontinenten Regierungskonferenzen organisiert, um die politischen Behörden in Entwicklungs- und Industriestaaten auf die Bedeutung der Gebirge und ihrer Ressourcen aufmerksam zu machen.

- Im Jahr 1995 wurde in Lima mit schweizerischer Finanzierung ein globales « Mountain-Forum » für Nicht-Regierungsorganisationen gegründet. Im Vordergrund stehen ein enger Austausch von Erfahrungen und gegenseitiges Lernen über Kontinente hinweg.

- Durch Initiativen von For-schungsseite wurden weltweit verschiedene Einzelprojekte, aber auch grössere Programme mit entsprechender regionaler Zusammenarbeit in Gebirgsregionen ins Leben gerufen.

Diese Initiativen sind sehr positiv, aber noch nicht ausreichend: Jetzt steht die Aufgabe bevor, die Erkenntnisse auf politischer Ebene und konkret im Rahmen von Feldprojekten umzusetzen.

Führungsrolle der Schweiz Die Schweiz mit ihrer reichhaltigen Erfahrung in Gebirgsfragen hat eine internationale Verpflichtung und Verantwortung wahrgenommen: Die Aufnahme des Kapitels 13 in die Agenda 21 anlässlich der Rio-Konferenz erfolgte auf ihre Initiative. Das Engagement geht weiter in Form personeller Unterstützung der FAO für die weltweiten Koordinationsauf-gaben der Gebirgsprogramme. Auch auf europäischer Ebene kommt der Schweiz eine wichtige Rolle zu, indem die Akademie der Naturwissenschaften die Initiative zur Koordination der Forschungsaktivitäten aller Alpenländer übernommen und der Schweizerische Nationalfonds unsere Forschungskompetenz in Gebirgspro-blemen durch nationale Programme in eine Spitzenposition gebracht hat.1 Diese internationale Führungsposi- Gebirge als Zonen hoher Biodiversität: Artenvielfalt in Zentral- und Südamerika. Zonen der Artenvielfalt ( DZ ), Angaben in Anzahl Arten pro 10 ' ." " .000 km2 DZ 1 ( 5000) tion im Rahmen der UNO wäre ohne die kontinuierliche und besonders auf die Gebirge der Entwicklungsländer ausgerichtete Unterstützung durch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit ( DEZA ) nicht möglich geworden.

Ein Blick in die Zukunft Auf Vorschlag Kirgisiens ist 2002 als UNO-Jahr der Gebirge in Diskussion. 2002 findet aber auch die nächste Evaluationskonferenz zur Agenda 21 und damit zum Gebirgskapitel Rio+10 statt. Dieser Anlass sollte uns jetzt schon veranlassen, darüber nachzudenken, wie wir unsere Verantwortung für die Gebirge der Welt und unsere Solidarität mit ihren Bewohnern besser wahrnehmen kön- nen. Umwelt und Entwicklung - insbesondere in Bergregionen - ist ein Leitthema, dem die Schweiz und der SAC2 auch in Zukunft verpflichtet sein müssen.

Thomas Hofer und Andri Bisaz, Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit ( DEZA ); Prof. Dr. Bruno Messerli, geographisches Institut, Uni BernDie informativen Übersichtsbroschüren Mountains of the World: Challenges for the 2 V Century bzw. Water Towers for the 21st Century und das grundlegende Buch Mountains of the World - a Global Priority sowie weitere Informationen sind erhältlich beim Center for Development and Environment ( CDE ), Geographisches Institut, Hallerstrasse 12, 3012 Bern, Fax 031/631 85 44 2 Mit der aktiven Beteiligung am Projekt « Modellregion Göschenen - eine Zukunft für Mensch und Berg », versucht der SAC, dieser Verpflichtung nachzukommen ( J. Meyer, Beauftragter für den Schutz der Gebirgswelt ).

c a Empfindliche Reaktion alpiner Ökosysteme auf Klimaänderungen: Die Moränen und das Gletschervorfeld des Morteratschgletschers ( Oberengadin ) lassen den Gletscherrückzug seit der Mitte des letzten Jahrhunderts klar erkennen.

Agenda 21, Kapitel 13 « Umgang mit empfindlichen Ökosystemen - nachhaltige Entwicklung der Berggebiete » - die Kernaussage:

Gebirge sind wichtige Quellen von Wasser, Energie und Biodiversität. Weiter sind sie Quelle von Schlüsselressourcen wie mineralische Rohstoffe, Forst- und Land-wirtschaftsprodukte und Erholung. Als bedeutende Grossökosysteme, die die komplexe und vernetzte Ökologie unseres Planeten repräsentieren, sind Gebirge wesentlich für das Überleben des globalen Ökosystems.

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alpine Geschichte, Cultur, Erzählungen

Storia, cultura, letteratura alpina

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ìt littérature alpines

Der « Wellenschlick » Nach der Publikation seines Klemmknotens, des Prusikknotens, im Dezember 1931 erhielt Prusik von Otto Fiedler aus Zürich die Mitteilung, dass ein ähnlicher, als « Wellenschlick » bezeichneter Knoten von Schweizer Monteuren verwendet werde. Aus der Stellungnahme Prusiks in der Österreichischen Alpenzei-tung1 geht hervor, dass nur der spätere Kreuzklemmknoten gemeint gewesen sein konnte. Somit ist es Fiedler, der sich die ersten Verdienste um die Einführung dieses Knotens in den Alpinismus erworben hat. Welche Ausführungsform bzw. Belastungsrichtung des Knotens die Monteure benutzten, wurde von Prusik nicht angegeben.

Bilgeris « Kreuzknoten » Georg Bilgeri aus Bregenz, Erfinder der Steigbügelmethode zur Spaltenbergung, war von Prusiks Selbst-rettungstechnik wenig begeistert und stellte in seiner Kritik2 unter anderm fest, dass derartige Knoten keineswegs neu, sondern im Segelsport schon lange in Verwendung wären. Er bezog sich dabei auch auf einen Knoten, den er « Kreuzknoten » nannte. Drei Ausführungsformen dieses

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