Berge verbinden. 2002 ist das internationale Jahr der Berge (IYM)

Berge verbinden!

Das internationale UNO-Jahr der Berge ( IYM ) betrifft die Schweiz und den SAC ganz besonders. Eine Vielzahl von Anlässen und Projekten, die von internationaler Ebene bis zu den SAC-Sektionen reichen, sollen das Bewusstsein für die Berggebiete der Welt, für deren Chancen und Probleme schärfen und eine verstärkte internationale Solidarität und Zusammenarbeit fördern.

Es begann in Rio'92 Die UNO deklariert schon seit längerem für jedes Jahr ein bestimmtes Thema als Brennpunkt. Letztes Jahr fand das « Jahr der Freiwilligenarbeit » statt, ebenfalls ein Thema, welches für den SAC zentral ist. 2 Über die Wirkung solcher Themen-jahre mag man geteilter Meinung sein. Eine verstärkte Bewusstseinsbildung der jeweils damit verbundenen Menschen und Körperschaften ist jedoch immer gegeben – und das kann ja schon sehr viel sein!

Das IYM ist eine Folgeaktion des Erdgipfels von Rio de Janeiro 1992. Im damals verabschiedeten Grundsatzdo-kument zur globalen nachhaltigen Entwicklung, der « Agenda 21 », wurde vor allem auf Initiative aus der Schweiz das Kapitel 13 « Managing Fragile Ecosys-tems: Sustainable Mountain Development » 3 aufgenommen. Die Schweiz hat sich anschliessend im Folgeprozess nach Rio stark für diesen Bereich engagiert. Gebirgsräume, fragile Ökosysteme Gebirge – assoziieren wir damit nicht als Erstes zeitlose felsige Bastionen, leblos, unverrückbar? Genauer besehen ist das Gegenteil der Fall: Gebirge sind in ständigem Wandel begriffen, sind fragile Ökosysteme, welche auf veränderte Umweltbedingungen stark reagieren. Sie sind wichtige globale « hot spots » der Artenvielfalt ( und der Landschaftsvielfalt !), sie sichern die Wasservorräte und andere Ressourcen der Menschheit und beherbergen, nicht zuletzt, ein grosses kulturelles Erbe. 4 Sie machen fast ein Viertel

der Landoberfläche aus.

Die Berggebiete stehen weltweit unter hohem Druck: Entwaldung, Übernutzung ( etwa durch Wassernutzung, Tourismus ), Verbauung, Erosion, Gletscherschwund sind Stichworte dazu. Gleichzeitig haben Klimaveränderungen in Gebirgen schnellere und stärkere Auswirkungen als in Flachländern.

Kirgistan und die Ziele des IYM Die Initiative für das IYM kam aus einem Bergland Zentralasiens, welches gerne als « die Schweiz Asiens » bezeichnet wird: Kirgistan. Es gibt Parallelen zur Schweiz, zuallererst der hohe Anteil an Berggebieten: etwa 50% Kirgisiens liegen über 2500 m, das meiste davon im grössten Gebirgszug, dem Tien Shan mit seinem Kulminationspunkt Pik Pobedy, 7439 m. Es gibt aber auch sehr grosse Unterschiede, besonders in Bezug auf die schwierige wirtschaftliche und soziale Situation Kirgistans.

Wichtigste Anlässe zum IJB 2002 ( Auswahl )

International 6.–1O.5. High Summit 2002, Videokonferenz an den höchsten Bergen der Welt 29.–31.5. Internat. Conference on the Role of Women in the Mountains; Chambéry, F 1.–3O.6. Mountains and Environment: 10 Jahre nach Rio; Courmayeur, I 2.–11.9. RIO +10: Weltgipfel zur nachhaltigen Entwicklung; Johannesburg, Südafrika. www.johannesburg2002.ch Schweiz 21.3. Internationaler Tag des Waldes: Wald und Gebirge 11.8. Alpenweite Höhenmahnfeuer-Aktion: Feuer in den Alpen ( www.feuerindenalpen.org ) August Aktionswoche Montblanc: www.mountainwilderness.org 14./15.9. Internationaler Bergschutztag der UIAA 12.–19.9. CIPRA-Jahresfachtagung: Die Rolle der NGO in Berggebieten; Liechtenstein ( www.cipra.org ) 23.–29.9. AlpenForum: Die Natur der Alpen; Alpbach, Tirol, AU 29.1O.–4.11. Bishkek Global Mountain Summit; Kirgistan SAC / Alpinismus März 2002 Mount Everest Golden Jubilee Celebrations 8.6. SAC-Abgeordnetenversammlung: Verabschiedung der neuen Richtlinien « Bergsport und Umwelt » 27.7.–11.8. UIAA-Weltjugend-Exkursion durch die Alpen 26.7.–4.8 Interkulturelle Alpendurchquerung « La Svizzera esiste », Kulturkommission SAC Infos auf dem Internet: * www.mountains2002.org: Die offizielle internationale Homepage des IJB 2002; mit internatio- nalem Kalender und vielen Links zu nationalen Seiten * www.mtnforum.org: Hintergründe, Dokumente, Vernetzung zu Fragen der Berggebiete * www.cipra.org: Nachhaltige Entwicklung im Alpenraum allgemein * www.alpinestudies.unibe.ch: Agenda für Anlässe in der Schweiz Die Berge sorgen für Begegnungen zwischen den Kulturen. Bergsteiger und Guru im Gharwal Himal.

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Ha sle r DIE ALPEN 1/2002

Das IYM zielt in erster Linie darauf ab, das Bewusstsein für Gebirgsökosysteme, ihre Bedeutung und Gefährdung, sowie für das kulturelle Erbe ihrer Bewohner zu fördern. Es möchte Aufmerksamkeit auf Berggebiete und ihre Bewohner lenken, welche unter Armut, Marginalisierung oder Konflikten leiden. Es ist deshalb kein Wunder, dass der Anstoss zu einem IYM von Kirgistan mit seinen vielfältigen Herausforderungen kam.

Die internationale Dimension Die offizielle Eröffnung des IYM erfolgte am 11. Dezember 2001 in New York. Im Lauf des Jahres findet eine grosse Zahl von internationalen Kongressen und Anlässen statt. 5 Von grosser Bedeutung – nicht nur für die Berggebiete, sondern für die nachhaltige Entwicklung allgemein – wird der Erdgipfel Rio +10 im September in Johannesburg sein. In den sammenhalt ermöglichen? Der Zentralvorstand beschloss, laufende Projekte unter das « Dach » des IYM zu stellen und in diesem Zusammenhang zu kommunizieren. 9 Deswegen werden auch im Verlaufe dieses Jahres immer wieder Beiträge in dieser Zeitschrift in den Kontext des IYM gestellt – jeweils sofort sichtbar am Logo. Einzig die Kulturkommission wagt sich an ein eigenes Projekt: eine interkul-turelle Gebirgsdurchquerung vom Val Müstair bis zur Expo. 02, unter dem herausfordernden Titel « La Svizzera esiste ». 10

In den Sektionen soll das IYM leben In vielen Sektionsbulletins wurde schon auf das IYM verwiesen, und in etlichen Sektionen werden auch Anlässe dazu geplant. Eine Übersicht über alle diese Vorhaben ist zurzeit bei uns nicht vorhanden – was vielleicht auch nicht so wichtig ist, denn Hauptsache ist, dass

Alpenstaaten soll unter anderem die Alpenkonvention als Musterinstrument einer gebirgsbezogenen supranationalen Zusammenarbeit gefördert werden. In diesem Kontext ist zu wünschen und zu hoffen, dass der Schweiz eine internationale Blamage mit der Rückweisung der Alpenkonventionsprotokolle in der Frühjahrssession des Parlamentes erspart bleibt. 6

Was läuft in der Schweiz? Die Koordination der Aktivitäten zum IYM liegt auf Bundesebene beim ARE und DEZA. 7 Das Budget ist extrem bescheiden, und der Bund selbst lanciert keine eigenen grösseren Projekte. Im Sinne der Subsidiarität und des Föderalismus überlässt er den Kantonen, Regionen und Gemeinden das Feld. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung 8 besteht leider eine eher unklare und verwirrende Vielfalt von diversen Initiativen und Projekten ohne viel übergreifende Koordination, sodass hier wenig Konkretes vorgestellt werden kann. Vieles wurde zudem zeitlich sehr knapp vor dem Beginn des Jahres 2002 in Angriff genommen. Der Kasten Seite 26 gibt eine Übersicht über die wichtigsten schon feststehenden Anlässe, welche auch für Sie als Mitglied oder für eine Sektion interessant sein könnten.

Aktivitäten des SAC-Zentralverbands « Berge verbinden !» Das könnte doch auch das dauernde Motto des SAC sein! Ist es nicht die Bergwelt und das Bergsteigen, welches über alle bestehenden Differenzen und Unterschiede hinweg im SAC letztlich immer wieder den Dialog, das Verständnis und den Zu-

Landschaft in Kirgistan. Dieses Land, das früher zur Sowjetunion gehörte, gab die Initialzündung zum internationalen Jahr der Berge.

Brennholzgewinnung in den Bergwäldern Nepals: Die Ressourcen vieler Gebirgsräume sind unter Druck, nicht zuletzt durch den Tourismus.

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Ha sle r Fo to :A rc hi v Jür g M ey er 1 Zugleich wurde 2002 auch als internationales Jahr des Ökotourismus deklariert. Darauf wird in diesem Beitrag nicht eingegangen, doch versteht sich von selbst, dass Tourismus und seine ökologischen Aspekte auch in vielen Berggebieten eine zentrale Rolle spielen. 2 Vgl. DIE ALPEN 12/2001, Seiten 15–19. 3 « Unterhalt empfindlicher Ökosysteme: nachhaltige Entwicklung in Berggebieten. » Die Texte des Kapitels 13 sind auf dem Internet abrufbar unter www.igc.apc.org/habitat/agenda21. 4 Vgl. DIE ALPEN 12/1998, Seite 47. 5 Aktuelle Infos auf www.mountains2002.org. 6 Über die aktuelle Situation in Bezug auf die Alpenkonvention wird ein Beitrag erscheinen. 7 ARE: Bundesamt für Raumentwicklung; DEZA: Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit. 8 Ende November 2001. 9 Eine Übersicht über diese SAC-Projekte ist im Internet einsehbar unter www.sac-cas.ch/club/ projekte 10 Über Details dieses Projektes werden die Sektionen und SAC-Mitglieder über diverse Kanäle noch orientiert.

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Aus dem Clubleben

Vita del club

Vie du club

sich die Sektionen selbst dem Thema dieses Jahres stellen! Auf der SAC-Home-page ist jedoch eine Plattform zum IYM bereit, wo der Zentralverband auch über Anlässe, welche die Sektionen uns melden, informiert: www.sac-cas.ch/club/ projekte.. " " .Vielleicht regt das die eine oder andere Sektion an, auch mit einer Aktion das Bewusstsein für die Bedeutung des Berggebietes an ihre Mitglieder heranzutragen.

Bedeutung für den SAC Die wichtigste Botschaft des IYM an Sie als SAC-Mitglieder sollte sein: Die Berge sind weit mehr als Projektionsfläche für unsere Bergsteigerträume, sie sind Le-bens-, Natur-, Kultur- und Wirtschaftsraum. Mit allen diesen Aspekten hat sich der SAC seit eh und je auch aktiv auseinander gesetzt – und soll es auch in Zukunft tun! a

Jürg Meyer, Beauftragter für das Ressort Schutz der Gebirgswelt Ein Bergbauer mäht eine Wiese: Eines der Ziele des internationalen Jahrs der Berge ist es, das Bewusstsein für die besonderen Probleme des Berggebiets zu schaffen, z.B. auch für diejenigen der Berglandwirtschaft in den Alpen.

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