Bergführerausbildungsmodul «Alpine Natur und Umwelt». Bergführer als Naturlehrer?

Bergführer als Naturlehrer?

Im Rahmen der seit diesem Jahr neu angelegten modularen Bergführerausbildung führte das SAC-Ressort Umwelt mit externen Partnern im Juni erstmals das obligatorische einwöchige Modul « Alpine Natur und Umwelt » durch. Dieser « Meilenstein » in der Ressort-Ausbildungsarbeit wird sich auch auf die Zusammenarbeit von SAC und SBV in Umweltfragen auswirken.

Im Leitbild des schweizerischen Bergführerverbandes SBV ist der « Bergführer als Naturlehrer » verankert. Bisher lag es weitgehend am Interesse und an der Initiative des einzelnen Führers, sich das Know-how anzueignen und das Wissen in der Praxis umzusetzen. Ein Grossteil der Bergführer kannten und kennen aber die alpine Natur, ihren « Arbeitsplatz » also, selbst nach langen Berufsjah-ren erstaunlich schlecht.

Breite Ausbildung gefordert

Auch das Berufsbild des Bergführers unterliegt einem Wandel: Wollen junge Führer im engen Markt bestehen, wird von ihnen eine breite Ausbildung und hohe Professionalität verlangt. Das Beherrschen des « Grundhandwerks », des Führens am Berg, allein reicht nicht mehr. Es braucht Kenntnisse in Marketing, Betriebsführung, Kommunikation, Gruppendynamik, Recht – und eben auch in Natur- und Umweltkunde. Gerade im Bereich Natur/Umwelt macht sich Konkurrenz bemerkbar, und zwar durch die Wanderleiterausbildungen. Ein Wanderleiter mit der vom Kanton Wallis angebotenen Ausbildung beispielsweise hat eine mehrwöchige Auseinandersetzung mit Theorie, Praxis und selbstständiger Arbeit im Bereich alpine Natur, Umwelt und Kultur hinter sich!

Modul « Alpine Natur und Umwelt »

Dieser neuen Situation hat der SBV bei der Bergführerausbildung Rechnung getragen. Im Rahmen des modernen modularen Ausbildungslehrganges wird das Thema « Alpine Natur und Umwelt » in einem einwöchigen Intensivkurs im ersten oder zweiten Kandidatenjahr vermittelt. Die Erarbeitung und Durchführung dieses Moduls hat der SBV dem Umweltbeauftragten des SAC, Jürg Meyer, und der Biologin/Bergführerin Barbara Leuthold Hasler anvertraut. 1

Ende Juni 2003 wurde das erste Modul 2

auf der Fafleralp im Lötschental erfolgreich mit 46 Teilnehmern durchgeführt. 3

Weil bei diesem ersten Mal sich nur ein Teil der Kandidaten für eine Teilnahme im ersten Jahr entschlossen hatte, konnte der SBV den Kurs auch ausgebildeten Bergführern anbieten. 4 Zusammen mit dem eintägigen Abstecher auf die Alpennordseite ( Sunnbühl–Gasterntal ) 5 bot das hintere Lötschental ein breites Spektrum in Bezug auf Landschaft, Geologie, Glaziologie, Flora und Fauna.

Ziel erreicht?

In einer Woche ein breites Grundwissen zur alpinen Natur und Umwelt zu vermitteln, ist nicht möglich. Nach dieser Intensivwoche haben aber vorbereitete und engagierte Teilnehmer 6 eine gute Grundlage, um sich themenspezifisch oder auch auf breiter Basis weiterzubilden, sei es durch eigene praktische Anwendung, sei es durch « learning by doing » oder durch spezifische Weiterbildung. Für viele werden erst die regelmässigen Begegnungen mit den alpinen Lebensräumen während ihrer zukünftigen Führungsarbeit das im Modul

1 Für die Leitung des französischsprachigen Teils konnte der Biologe/Bergführer Bertrand Gentizon gewonnen werden. 2 Der Modul-Kurzbeschrieb kann auf der SAC-Geschäftsstelle angefordert werden. 3 Von den 46 Teilnehmern waren 24 Kandidaten, 20 ausgebildete Bergführer und 2 anderweitige Teilnehmer; 35 waren Deutschschweizer und 11 Romands. 4 Dank einer grosszügigen Unterstützung durch die Stiftung « Save the Mountains » konnten diese Teilnehmer von stark reduzierten Kurskosten profitieren. 5 Die Romands führten einen Abstecher in ihre nähere Umgebung, das Unter- und Mittelwallis, durch. 6 Offizielle Kursunterlage waren die beiden Bücher « Lebenswelt Alpen » und « Alpen Aktiv », die als Referenz des anzustrebenden Wissensniveaus der Bergführer dienten.

Erlebnis-Pädagogik: auf der Suche nach Natur-Kostbarkei-ten, um die leeren Diarähmchen zu füllen für die Diashow « Natur live » Das Lötschental, ein idealer und leicht erreichbarer « Natur-Lehr-raum » Fo to s:

Ar chi v J. M ey er DIE ALPEN 10/2003

Sport- und Wettkampfklettern

Arrampicata libera e di competizione

Escalade libre / Compétition

« Alpine Natur und Umwelt » Gelernte aufblühen lassen. Wird das Thema in der regelmässigen Fortbildung der Bergführer auf qualitativ hoch stehendem Niveau Eingang finden wie etwa beim Waadtländer Bergführerverein, kann das Ziel « jeder Bergführer auch ein alpiner Naturlehrer » realistisch anvisiert werden.

Wichtige Zusammenarbeit

Für das Ressort Umwelt des SAC ist es erfreulich, dass ihm der SBV dieses Modul anvertraute, denn in Umweltfragen bestehen zwischen SAC und SBV durchaus Positionsunterschiede. Da ist die Versuchung gross, der anderen Seite allein mit Schlagwörtern oder Vorurteilen zu begegnen – im Umweltbereich eine leider verbreitete Unsitte. Dieser Kurs ist denn auch eine Plattform für kontroverse, aber sachliche Diskussionen. Erst diese machen es möglich, sich gegenseitig besser kennen zu lernen und dadurch Vorurteile abzubauen. Und nicht zuletzt ist er ein positives Element der sachbezo-genen Zusammenarbeit zwischen den beiden Verbänden, die sich zuweilen etwas schwer tun miteinander.

Kurs auch für SAC-Tourenleiter?

Das Kursmodul « Alpine Natur und Umwelt » steht grundsätzlich allen offen, auch interessierten SAC-Mitgliedern, Sektions-Umweltbeauftragten oder Tourenleitern – freie Plätze vorausgesetzt. Bereits im allerersten Kurs waren zwei Gast-Teilnehmerinnen dabei. Angestellt werden auch Überlegungen, den Kurs ab und zu separat für ein erweitertes Publikum anzubieten. a

Jürg Meyer, Umweltbeauftragter SAC Gemeinsames Staunen über Gletschereis

men davon, irgendwann einmal eine Route in dieser « Grotte » zu klettern.

Wettkampf Schwierigkeitsklettern In der Elite-Kategorie, die in diesem Jahr durch die leistungsstarken Mitglieder der Jugend-A-Nationalmannschaft erweitert wurde, werden sowohl bei den Damen wie auch bei den Herren Kletterleistungen auf absolutem Weltklasseniveau erwartet. Zu favorisieren sind dabei ganz klar die Zürcherin Alexandra Eyer und der Jurassier Cédric Lachat, die in dieser Saison mit verschiedenen internationalen Topresultaten auf sich aufmerksam machten.

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