Bergsport und Naturschutz. Aktuelle Entwicklungen und Aktivitäten

Bergsport und Naturschutz

Das SAC-Ressort Umwelt ist u.a. mit der Aufgabe betraut, im Spannungsfeld Natursport–Naturschutz–freier Zugang an der Sicherung eines naturverträglichen Bergsports für die Zukunft mitzuarbeiten. Aufgaben, Konflikte und Themen in diesem Bereich nehmen zu, Lösungen zu finden, entspricht oft einer Gratwanderung zwischen wichtigen Schutzanliegen und genauso wichtigen bergsportlichen Nutzungsbedürfnissen. Hier einige aktuelle Beispiele.

Zum Themenbereich « Freizeit und Sport in Natur und Landschaft » wurde in den letzten Jahren der Ruf nach einer zentralen Informationsplattform im Internet laut. Gleichzeitig wuchs das Bedürfnis, auf nationaler Ebene alle Akteure besser zu vernetzen, um den Infor-mations- und Erfahrungsaustausch zu verbessern, den Wissenstransfer zu er-

Foto: Archiv SAC DIE ALPEN 4/2004

leichtern und sich anbahnende Konflikte frühzeitig zu erkennen.

Nationale Koordination und Information Kontakte mit den Mitarbeitern des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL, Abt. Natur und Landschaft, führten zu einer Projektgruppe mit Vertretern des BUWAL, des Bundesamtes für Sport BASPO, von Swiss Olympic und des SAC. Die von ihr erarbeiteten Konzepte für eine « Internetplattform » und eine « Nationale Koordinationsgruppe » wurden dann an einem nationalen Expertenworkshop im Januar ca. 50 Vertretern aus den Bereichen Natursport, Tourismus, Natur- und Landschaftsschutz präsentiert. Gleichzeitig knüpfte das BUWAL enge Kontakte zu seinem Pendant in Deutschland, das bereits an einer entsprechenden Internetseite www.natursportinfo.de arbeitet und für eine Kooperation offen war: Die Internetseite soll, auf die spezi-fisch schweizerischen Bedürfnisse ausgerichtet, erweitert werden. Der SAC mit seinen zahlreichen Natursportarten kann in diesem Projekt wertvolle Erfahrungen einbringen und gleichzeitig auch seine bergsportlichen Interessen vertreten.

Naturverträgliche Wintertouren Das Konfliktpotenzial zwischen den intensivierten winterlichen Sportaktivitäten wie Schneeschuhwandern, Skitourengehen oder « Freeriden » und den Bedürfnissen der alpinen Tierwelt nach Ruhe und Ungestörtheit wird immer grösser und alarmiert die Wildschutz-vertreter vermehrt. Der SAC als Bergsportverband, der die natursportlichen Aktivitäten grundsätzlich begrüsst und fördert, hat sich präventiv engagiert: Mit dem Projekt « Naturverträgliche Wintertouren » sollen Schneeschuhwanderer und Skitourengeher für die Bedürfnisse der winterlichen Tierwelt sensibilisiert werden und die richtigen Verhaltensweisen kennen. 1 Auch wenn das Projekt dieses Jahr abgeschlossen werden soll, bleibt die Aktualität bestehen, wie die Kontakte mit den Wildschutzvertretern zeigen. Deshalb wird versucht, das Ganze breiter abzustützen. Auf internationaler Ebene wurde im Rahmen des Club Arc Alpin, CAA, dieses Wintertouren-Faltblatt in vier Sprachen übersetzt und alpenweit eingesetzt.

Das in diesem Projekt erworbene Know-how konnte in der Zusammenarbeit mit dem WWF im Projekt « Pandaction Snowdays » eingebracht werden. Damit sollen junge « Freerider » für die Sicherheit ( Lawinen ) und die winterliche Natur ( Störung von Tieren ) sensibilisiert und auf altersgerechte Art mit einigen einfachen Grundregeln bekannt gemacht werden. Ferner wirkten wir aktiv an der Erarbeitung von Umweltrichtlinien für Skitourenwettkämpfe mit. Schutzgebiete auf Skitourenkarten Sportliche Nutzer müssen gut, umfassend und aktuell über Schutzbestimmungen und allfällige Einschränkungen informiert werden. Als Beispiel dafür steht unsere Initiative bei den Skitourenkarten: Seit gut zehn Jahren sind in den Skitourenkarten 1:50 000 « Wild- und Waldschongebiete » rot eingefärbt. 2 Dazu findet sich der Hinweis, dass in diesen Gebieten « jegliches Begehen und Befahren untersagt » ist. Als 1999 eine Skitourengruppe wegen Befahrens eines Schutzgebietes im Engadin saftig gebüsst wurde, fragten sich viele Skitouristen und Schneeschuhwandernde: Stimmt das wirklich? Auf welchen Rechtsgrundlagen beruhen diese Angaben? Sind die Angaben auf den Skitourenkarten vollständig? Kann ich mich darauf verlassen, dass alle rechtsgültigen Schutzgebiete eingetragen sind?

Tatsächlich ist es heute so, dass die Schutzgebiete auf den 27 Skitourenkarten teilweise sehr verschieden ausgewie-

1 Vgl. ALPEN 2/2003, 3/2002, 1/2001, 2/2000 2 In den neuesten Skitourenkarten ist diese Färbung braun, weil Rot für die Steilheitssignatur verwendet wird.

Bergsport, unsere Kernaktivität, steht zunehmend unter dem kritischem Blick des Naturschutzes. Schwyberg Konfliktlösung heisst Verhandeln mit Zeit und Geduld.

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sen sind. Dies liegt einerseits an der unterschiedlichen Rechtslage in den Kantonen und andererseits an der ungleichen Umsetzung der Richtlinien durch die verantwortlichen Kartenredaktoren bei der Überarbeitung der Kartenblätter. Auf Wunsch von SAC-Sektio-nen und des BUWAL hat das Ressort Umwelt eine Neukonzipierung der Schutzgebietseinträge auf Skitourenkarten lanciert. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern von Swiss Ski 3, swiss topo ( ehem. Bundesamt für Landestopographie ), Kartenredaktoren, SAC-Res-sort Umwelt und BUWAL, hat sich drei Ziele gesetzt: Anstreben einer einheitlichen Praxis beim Bearbeiten durch die Kartenredaktoren, soweit das die unterschiedliche rechtliche Situation in den Kantonen zulässt, die Rechtsunsicher-heit beseitigen und Informationen über Regelungen und die rechtliche Situation ermitteln. 4

Klettern versus Naturschutz im Basler Jura 5

Beim Klettern war es ebenfalls die starke und breitensportliche Entwicklung in den Neunzigerjahren, die teilweise zu grossen Konflikten mit dem Naturschutz führte. Hier ging und geht es weniger um Prävention als um akute Konfliktlö-sungen, was viel Engagement, Zeit und Geduld erfordert. Auch wenn die Arbeit in erster Linie von Vertretern der Kletterer und des SAC vor Ort geleistet wird, ist der Zentralverband ebenfalls stark involviert.

Heute interessieren sich breitere Kreise – von der Forschung über die Gemeinden bis zu den Medien – für diese Thematik, reden und gestalten mit, was neue Anforderungen mit sich bringt. So wurde es nötig, sich in Arbeits- und Konsultationsgruppen einzubringen, die überall an den neuen Waldentwick-lungsplänen arbeiten 6, oder laufende

3 Der Skiverband Swiss Ski ist hauptverantwortlich für die Produktion der Skitourenkarten. 4 Die dazu notwendige enge Zusammenarbeit mit den Kantonen wird derzeit aufgebaut. Konkre-ter wird über das Projekt später berichtet. 5 Über dieses Spannungs- und Arbeitsfeld wurde in den ALPEN schon mehrfach berichtet, vgl. u.a. 6/2003, 5/2002, 10/2001. 6 Die Waldentwicklungspläne WEP sind ein Instrument des neuen Waldgesetzes. U.a. fordert dieses die Ausscheidung eines bestimmten Anteils an Waldreservaten. Solche werden bevorzugt um Felsgebiete ausgeschieden, da dort die Standort-vielfalt hoch ist und die Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.

Forschungsarbeiten kritisch zu verfolgen. Zudem muss die Basis, also die aktiven Kletterer, laufend informiert und überzeugt werden, damit sie die getroffenen Vereinbarungen einhalten. Neue Schwierigkeiten bringt die starke Entwicklung des Boulderns mit sich, denn Boulderer sind eine eigenständige und ziemlich « verschworene » Gruppe, die weder im SAC noch sonst wo organisiert sind. Dazu kommt der Trend zu Klettersteigen, die zwar als ( Bau-)Werke dem normalen Baubewilligungsverfahren unterliegen, das generelle Spannungspo-tenzial mit Schutzvertretern trotzdem erhöhen. So ist auch im Bereich Klet-tern-Naturschutz in den nächsten Jahren kaum mit einer Beruhigung zu rechnen.

Fazit Von den zahlreichen boomenden Natursportarten ist der Bergsport, der vom SAC gefördert wird, ein wichtiger Teil. Zunehmend geraten alle diese Aktivitäten von Seiten des Naturschutzes unter Druck. Ein Engagement des SAC zur Reduktion von Konflikten ist deshalb nötiger denn je, geht es doch um die Zukunft unserer Kernaktivität, des Bergsports. Dabei braucht es zwei « Stand-beine », nämlich die Prävention – durch Information, Sensibilisierung, Verpflichtung, Lenkung, Ausbildung – und die Konfliktlösung. Das Engagement des Ressorts Umwelt zu diesen Themen ist denn auch zum bedeutendsten Anteil seiner Arbeit geworden und bringt es öfter an die Grenzen seiner personellen Möglichkeiten. a

Jürg Meyer, Umweltbeauftragter Ausbildung von Tourenanbie-tern und Tourenleitern – eine Methode der Prävention Fo to :A rc hi v Jür g M ey er DIE ALPEN 4/2004

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