Blicke auf Hochasien. Eine Ausstellung des Musée cantonal de géologie, Lausanne

Eine Ausstellung des Musée cantonal de géologie, Lausanne

Blicke auf Hochasien

Hochasien, eine Region, die seit jeher fasziniert, steht im Mittelpunkt einer sehr schönen Ausstellung im Musée cantonal de géologie in Lausanne. Anhand von topografischen Karten, Zeichnungen, Grafiken, Aquarellen, Fotos, Reiseerzählungen und wissenschaftlichen Berichten kann man die fesselnde Geschichte der Entdeckung der hochasiatischen Massive nachvollziehen.

Hochasien übte immer eine grosse Anziehungskraft aus. Auf Grund der geografischen Lage sind die Reisebedingun-gen sehr hart. Dennoch brachen vom 19. Jahrhundert an viele Europäer zur Entdeckung dieser noch unbekannten Gegenden auf.. " " .Abgesehen von den naturgegebenen Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt, musste man auch noch mit den politischen Spannungen rechnen, die durch die Gegensätze zwischen dem russischen und dem ( indo-)britischen Reich in dieser Region bestanden. Die Forscher, die zwischen 1820 und 1940 dieses Gebiet aufsuchten, verfolgten wissenschaftliche, aber z.T. auch politische Interessen. Ihre Reiseberichte, oft sehr lebendig und voller Anekdoten, gaben Touristen und Alpinisten den Anstoss, sich dorthin zu wagen. Der Blick der Abendländer auf Hochasien hat sich in diesem Jahrhundert der Erforschung stark gewandelt, und neue Karten füllen allmählich die weissen Flecken in den Atlassen. In den verschiedenen Sälen entdeckt der Besucher den romantischen Helden Victor Jacquemont, der 31-jährig in Bombay starb, dann die vier Schlagint-weit-Brüder, von denen drei Asien erkundeten, während der vierte die Verbindung von München aus sicherte, die Geologen Stoliczka und Griesbach aus Wien, die sowohl ethnologische als auch geologische Beobachtungen anstellten, und den russischen Oberst Prjevalski, der sich für Zoologie interessierte und seinen Namen einer Rasse von kleinen mongolischen Pferden verlieh. Der berühmte schwedische Forscher Sven Hedin unternahm zahlreiche Reisen nach

Yak-Karawane auf dem tibetischen Hochplateau ( Bonvalot, 1885 ) Ansicht von Dankhar ( Jacquemont 1841–44 ) Die vier Ratsmitglieder des Dalai-Lama ( Younghusband, 1910 ) Der Schweizer Geologe Augusto Gamser verkleidet als Mönch, damit er Tibet inkognito erkunden kann ( 1936 ).

Fo to s: zv g DIE ALPEN 5/2003

Asien, wobei er schöne, mit Zeichnungen und Fotos illustrierte Bücher verfasste, von denen man einen Teil bewundern kann. Der englische Diplomat in Indien Younghusband leitete vier Expeditionen zum Mount Everest, die alle scheiterten.. " " .Aurel Stein entdeckte und erforschte zahlreiche archäologische Fundstellen.

Auch die Frauen fehlten bei den Reisen nicht. In den Anfängen der Fotografie wurden sie wegen ihrer Geduld geschätzt, als das Posieren für ein Bild bis zu einer halben Stunde dauerte! Erwähnenswert ist weiter das niederländische Forscherpaar Philips Christiaan und Jenny Visser-Hooft, an deren Expedition die Schweizer Rudolf Wyss, Geologe, und Franz Lochmatter, Bergführer, teilnahmen.

Zwischen den beiden Kriegen brachte eine Expedition die Deutschen Trinkler und De Terra mit dem Schweizer Walter Bosshard, Reporter und Fotograf, zusammen; von ihm ist eine Serie hochstehender Fotografien ausgestellt. Weitere im Himalaya aufgenommene Bilder sind jene von Jules Jacot-Guillarmod, einem Arzt und Forscher aus La Chaux-de-Fonds, der Präsident der Sektion Diablerets des SAC war.

Wir schliessen mit der ersten Schweizer Geologieexpedition in den Himalaya von 1936 mit Arnold Heim und Augusto Gansser. Die Arbeit der beiden Geologen wird mit Blumenzeichnungen und Fotos illustriert.

« Blicke auf Hochasien » ist eine Ausstellung reich an Emotionen, die vor allem all jene interessieren wird, die sich für die Geschichte dieses Erdteils und seine unbekannten Gegenden interes-sieren. a

Annelise Rigo, Leysin ( ü )

Allgemeine Informationen

Ort: Musée cantonal de géologie, Espace Arlaud, Pl. de la Riponne, Lausanne Zeit: Vom 28. März bis zum 27. Juli 2003; Mi–Fr 12 bis 18 Uhr; Sa–So 11 bis 17 Uhr; Mo–Di geschlossen Führungen: Um 17 Uhr ( Dauer ca. 1 Std. ) an den Mittwochen 4., 11., 18., 25. Juni 2003 Auskünfte: Tel. 021 692 44 70, Internet www.sst.unil.ch/musee Katalog: Ein von A. Baud, Ph. Forêt und S. Gorshenina geschriebener und reich illustrierter Katalog ist im Espace Arlaud und im Geschäft des Palais de Rumine erhältlich; Preis Fr. 49.– Prinz Heinrich von Orleans fotografiert die ersten Tibeter, denen er begegnet. ( Bonvalot, 1892 ) Bergführer auf seinem Kamel ( Prjevalski, 1893 ) DIE ALPEN 5/2003

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