Brauns Patrick. Die Berge rufen. Alpen, Sprachen, Mythen

Verlag Huber, Frauenfeld 2002. Fr. 28.80

Der Autor beklagt in der Einführung zu seiner Sammlung von Kurzgeschichten über Namen und Sprachen im Alpenraum das Fehlen einer Gesamtdarstellung der Sprachen und eines Lexikons der Bergnamen. Auf den 126 Seiten im Taschenbuchformat stellt er uns eine begrenzte und eher zufällige Reihe von Bergnamen vor und erklärt diese in blumigen Sätzen. Dabei wirft er jeweils auch einen Seitenblick auf die namengleichen Nachbarn des Berges und auf Erhebungen mit gleichen oder ähnlichen Namen. Etwas zu kurz kommen die noch präsenten keltischen Wurzeln vieler Flurnamen.

Im zweiten Teil befasst sich der Autor mit den Sprachen, wobei seine Vorliebe für den lateinischen Sprachraum hervortritt. Bemerkenswert sind die Bemerkungen über den franko-provenzali-schen und okzitanischen Sprachraum. Interessant wäre, etwas über den Unterschied zwischen einer geschriebenen und einer nur gesprochenen Sprache – und deren Zukunftschancen – zu erfahren. Insgesamt könnte das Büchlein ein amüsanter Begleiter auf einer Tourenwoche werden.

Bernhard Rudolf Banzhaf, Saas Fee

Klöppel Renate Der Pass

Roman. Rotbuch Verlag, Hamburg 2002. Fr. 35.90

« Würde ich den Pass ebenso wenig erreichen wie andere Ziele in meinem Leben, die mir noch viel wichtiger gewesen waren ?» Die Ich-Erzählerin Anne schafft den gut 5300 m hohen Pass im Annapur-na-Massiv, mit allerletzter Kraft freilich, höhenkrank, von zwei Sherpas gerettet. Dann wartet sie unten im Dorf in der Lodge auf Rainer, den Zufallsbekannten und späteren Geliebten während des Trekkings. Und wie er da ist, wird sie erfahren, was sie schon geahnt hat: Dass er der Vater der Tochter ihrer Jugendfreun-din ist, mit der sie im « Deutschen Herbst » in terroristische Handlungen verstrickt war. Und deren Tod sie miterlebt, wenn nicht gar mitverschuldet hat. Schlüsselstellen: bergsportlich, politisch, persönlich. Renate Klöppel verknüpft sie, zeigt Schritt um Schritt ein fremdbe-stimmtes ( Frauen- ) Leben. Annapurna meets Mogadischu – und was diese Begegnung für Folgen haben kann. « Ich liess es geschehen, dass alles wieder auftauchte wie ein Berg zwischen Wolkenfetzen, der – gerade noch den Blicken verborgen – jetzt, wo der Wind die Schleier vertrieben hatte, mächtig und erdrückend vor mir stand .» a

Daniel Anker, Bern

Tra Confine e Cielo

Wir sind unterwegs!

5. Juli 2002: Startschuss zum Trekking « Tra Confine e Cielo » 1 im südlichsten Zipfel der Schweiz. Anwesend sind zahlreiche Persönlichkeiten, vor allem aus der Welt der Politik. Dieses Trekking, das am 8. September zu Ende geht, ist der Tessiner Beitrag zum internationalen Jahr der Berge.

In der Region Terri: schwarzer Schiefer, weisser Kalk und Granit nebeneinander und ineinander Fo to s:

El y Ri va 1 Vgl. DIE ALPEN 7/2002, S. 49 DIE ALPEN 8/2002

Vom Ausgangspunkt Chiasso machten sich Alpinisten jeden Alters und jeder Orientierung auf die ersten Kilometer eines Weges, der sie über die unzähligen Pfade führen wird, die den Grenzen des Tessins entlangführen. Die Sonne zeigte sich nicht, ganz im Gegenteil: Dicke Wolken verhüllten den ganzen Tag über den Himmel. Die Wanderschar liess sich aber nicht verdriessen. Ein an Unterricht und Entdeckungen reicher Tag erwartete sie. Während der 46 Tage des Trekkings begegnen die Teilnehmer nämlich immer wieder Experten, die ihnen die Besonderheiten der Region vorstellen. Die Spezialisten, die am 5. Juli an der Arbeit waren, lenkten die Aufmerksamkeit der Gruppe auf seltene Blumen, einmalige geologische Formationen, Fossilien oder die « Nevere », die für die südlichen Voralpen typischen Konstruktionen, in denen man die fürs Käsen bestimmte Milch kühl aufbewahren konnte – gleichsam Vorläufer des Kühlschranks.

Im Zeichen der Freundschaft Fast 1500 Personen nehmen am Trekking teil.. " " .Von den rund 40, die in Chiasso am Start waren, werden nur zwei die ganzen 300 Kilometer ablaufen. Es sind verschiedene Etappen mit wechselnder Teilnehmerschaft vorgesehen. Eines der Ziele dieser grossen Veranstaltung ist denn auch, den Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, Kontakte zu knüpfen, sei es untereinander, mit den Experten oder mit den Leuten, die man dies- und jenseits der Grenze unterwegs antrifft. Und so wurden denn bereits am ersten Tag neue Bekanntschaften geschlossen oder alte erneuert.

Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade « Tra Confine e Cielo » bietet auch eine Variante für Alpinisten. Zusammen mit Bergführern folgen sie einer schwierigeren Route über Grate und Gipfel und durch Fels. Es hat also für jeden Geschmack etwas. Am Ende des ersten Tages trafen sich dann aber alle in Pra-bello, wo sie eine feine Überraschung erwartete: ein Apéro mit Brot und Käse, spendiert von der angrenzenden Gemeinde. Und dann ein neuer Tag, neue Etappe, neue Erkenntnisse und neue Experten, die den Wanderern die unendlichen Facetten des Lebensraums Berge näher bringen werden. a

Mario Maccanelli, Lugano ( ü ) Eines der Ziele auf diesem Trekking: Pizzo Gaglianera vom Valdraus aus gesehen Der Cassina-Baggio-Gletscher, wo im Vordergrund ein Gletschersee am Entstehen ist. Diese Region ist topografisch äusserst interessant und bietet zahllose Wandermöglichkeiten.

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