Camp Krim

Ein Ausbildungslager für Jugendleiter des Österreichischen Alpenvereins rundet das Programm ab. Es dürfte interessante Einblicke in eine etwas andere Ausbildungskultur bieten, die speziell Wert auf pädagogische Gesichtspunkte legt.1 Die Lager-kosten liegen meist bei ca. 300 Franken ohne Reisekosten. Eine Spur Abenteuer ist garantiert.

Der SAC fördert den internationalen Jugendaus-tausch und organisiert auch UIAA-Lager in der Schweiz; Teilnehmer des UIAA-Lagers 1998 in Graubünden im Aufstieg zum Radüner Rothorn.

Detaillierte Informationen erhältst du bei Markus Ruff, Jugendbeauftragter des SAC, Tel. 031/370 18 3O. Hier kannst du dich auch anmelden. Jürg Schweizer, SAC-Vertreter in der UIAA-Jugendkommission 1 Der Besuch dieses Ausbildungslagers führt nicht zur J+S-Leiter-Anerkennung

Grosses Angebot: UIAA-Jugendlager 1999

Was WBÊBÊ Winterzauber 13.21. März 1999 Oberallgäu, Deutschland 18-25 J.

Skitouren 27. März-3. April 1999 Walliser Alpen 17-22 J.

Sportklettern 11.18. Juli 1999 Imst, Österreich 14-17 J.

Familienbergsteigen 2.7. August 1999 Julische Alpen, Slowenien 5-10 J.

Work&Climb 5.13. Sept. 1999 Griechenland 17-25 J.

Klettern 2O.27.Sept. 1999 Krim, Ukraine 17-25 J.

Jugend leiterausbildum 3 3.11. Juli 1999 Gesäuse, Österreich 20-30 J.

Camp Krim

UIAA-Herbstlager 1998 in der Ukraine Badam - badam - badam: Dieses wohlbekannte Geräusch begleitet uns während der nächsten 18 Stunden auf unserer Rückreise von der Halbinsel Krim nach Kiew. Damit bleibt genügend Zeit, um auf ein Abenteuer zurückzublicken.

Umsteigen in Kiew Vor 10 Tagen waren wir in Kiew gelandet und standen etwas verloren in der Ankunftshalle - wer kann schon Ukrainisch? -, als uns ein älterer Mann beim ersten Mal mit « Austria, Austria ?» und bei der zweiten Runde mit « Switzerland, Switzerland Mountaineering ?» fragend ansprach. In der Folge stellte sich der ältere Herr als Präsident des ukrainischen Alpenvereins und zugleich Organisator des Internationalen Kletterlagers auf der Krim heraus. Nicht alle verstanden die anschliessenden Informationen über den Weiterverlauf der Reise genau gleich; aber schliesslich ging es in unterschiedlich alten und in verschiedenen Fahrstilen gelenkten Autos zum Bahnhof von Kiew, wo noch weitere Lagerteilnehmer zu uns stiessen. Mit 16 Personen war dann die Gruppe aus Westeuropa komplett.

Minibar à la Ukraine Badam - badam - badam: Im Sitz-, Schlaf- und Esszug reisten wir weiter nach Simferopol auf der Halbinsel Krim. Ein Erlebnis war die « Minibar à la Ukraine »: Hielt der Zug an einer Station, um beispielsweise die Lokomotive zu wechseln, stand ein halber Frischmarkt auf dem Perron bereit: Tomaten, Wurst, Käse, Fisch und Brot wurden für unser Nachtessen ins Abteil gereicht.

Unglaublich, aber traditionell In Batiliman, ganz im Süden der Halbinsel Krim, wurden wir von unsern ukrainischen Bergführern und Gastgebern herzlich empfangen. Nach dem lang ersehnten und erstaunlich warmen Bad im Schwarzen Meer machten wir in verschiedenen kleinen Häuschen Bekanntschaft mit den superweichen Betten und mit « fliegenden kleinen Dingern ».

Nach dem Frühstück am andern Morgen, das mehr einem kalten Mittagessen glich, wurden wir von den « Locals » in die spannende und überraschende Seil- und Sicherungstechnik eingeweiht. Staunend beobachteten wir, wie der erste, der für uns eine Route toprope einrichten wollte, gesichert wurde. Das zu sichernde Seil nur mit den blossen Fingern zu halten, wurde uns als « normal » und « als alte Tradition » vorgestellt, und Abendstimmung am Foros-Massiv « bei der ersten Seillänge wird er und darf er nicht stürzen. » Trotzdem waren wir in sichern Händen, und bei uns wussten sie auch, wie der VP-Sicherungsknoten zu bedienen ist.

Nachbarliche Freundschaftsspiele Amüsante Geschichten erlebten wir mit unsern « Nachbarn », einem Armeeposten, der offenbar die See zu überwachen hatte. Auf dem Weg zum Strand hatten wir jeweils einen Kontrollposten zu passieren. Beim ersten Mal mussten wir mit der Zeichensprache verständlich machen, dass wir zum Schwimmen wollten. Die guten Beziehungen gediehen in der Folge so weit, dass sie uns über Training am ersten Tag mit dem Ziel, die ukrainischen Bewertungen in den Griff zu bekommen Jugend-Infos,Berichte,Aktivitäten a < Lautsprecher mitteilten, wenn ihr Volleyballfeld für ein gemeinsames Spiel zur Verfügung stand. Keine unserer Gruppen hatte übrigens je eine Chance, gegen sie zu gewinnen. Ob sie jeweils der Hunger zum Sieg trieb, habe ich nicht herausgefunden. Auf jeden Fall gingen sie immer nach Spielende zum Nachtessen.

Ungewohnte Informationspraxis Die eigentlichen Klettertage im Kushkaya- und Aya-Massif, bei denen wir mehrere Seillängen kletterten, waren genauso spannend wie die Vorbereitungen im Camp. Fast niemand wusste jeweils, wie der nächste Tag aussehen würde; wer mit wem klettern und was für Routen man uns vorsetzen werde, ob nur Sportklet-tertraining oder eine eigentliche Tour oder eine Kombination davon vorgesehen sei. Trotz reger Diskussionen unter den Leitern verstanden wir nichts, begriffen aber jeweils trotzdem, was geplant wurde. Ähnlich war es beim Klettern. Auf Schwierigkeitsgrade verzichteten wir in der Folge ganz, da sie weder in UIAA-noch in französischer Skala angegeben wurden. Zu den Überraschungen gehörte die wunderbare Aussicht von den 400 m hohen Kalkfelsen aufs Meer ebenso wie die Bandschlingen, die wir anfänglich einsammelten, bis wir merkten, dass sie als Wegmarkierung dienten.

Um vielfältige Erfahrungen reicher Nicht nur die Erinnerungen an das tolle Abschiedsfest oder an die verschiedenen Ausflüge habe ich von diesem Lager mitgenommen. Ich habe auch erfahren, was es heisst, in einem Land zu leben, in dem weder Staat noch Bevölkerung viel Geld besitzen. Wir erlebten auch die für uns ganz unbekannte Versorgungssitua-tion: Ausser Brot in kioskähnlichen Läden, Früchten und Gemüse beim Strassenverkauf und - beim Weiter-suchen - noch Buchweizen, Reis und dem Allernötigsten fand sich praktisch nichts. Die Gastgeber und Führer, die sich voll für das Lager einsetzten, verstanden es, uns trotz der äusserst knappen Mittel unvergessliche Erlebnisse zu bieten. Bewundernswert!

Roland Jung, Urswil

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