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Canyoning - ein harmloses Abenteuer?

Unfälle mangels Risikobewusst-sein Wer in Fels und Eis steigt oder klettert, weiss, dass er sich in gefährlichem Terrain bewegt. Beim Canyoning, dem neuen Erlebnissport in Fels und Wasser, scheint ein grundlegendes Risikobewusst-sein hingegen noch wenig verbreitet zu sein. Dies zeigt sich in Form von fehlenden Sicherheitsvorkehrungen, was immer wieder zu Unfällen führt. Besonders auffällig ist dies bei den sportlichen Hauptattraktionen des Canyoning, dem Springen und Rutschen.

Der Mangel an Risikobewusstsein ist um so bemerkenswerter, als in der Schlucht nicht nur die Gefahren des alpinen Bergsports präsent sind, sondern mit dem Wildwasser neue und gewichtige Risikoelemente hinzukommen. Das strömende Wasser schafft ein Gelände mit speziellen Schwierigkeiten, die den Charakter des gesamten Abstiegs oftmals entscheidend prägen. Viele, die sich auf eine Canyoning-Tour begeben, sind mit diesem Umfeld gar nicht oder ungleich weniger vertraut als mit dem Alpingelände, das vom Bergsteigen oder Klettern her gut bekannt ist.

Die Unerfahrenheit in unbekanntem Gelände führt aber nicht etwa zu einem besonders vorsichtigen und besonnenen Verhalten. Im Gegenteil, immer wieder lässt sich in Schluchten ein von Sorglosigkeit bis hin zur Risikofreude getragenes Vorgehen beobachten; auch in Ländern, in denen Canyoning recht populär ist. Unfälle bleiben nicht aus, von denen die meisten dem Gefahrenbereich des Wassers zuzuordnen sind.

Unterkühlung, Gruppengrösse und Wasserkraft

Unterkühlungsgefahr durch mangelhafte Bekleidung Der beständige Kontakt mit dem kalten Wasser der Schlucht birgt die grosse Gefahr der Unterkühlung. Sie ist auch im Hochsommer präsent, da das Schluchtwasser in Gebirgsgegenden oder bei Quellspeisung permanent sehr niedrige Temperaturen aufweist. Auch ausserhalb des Wassers ist es in den meist tief eingeschnittenen und schattigen Schluchten recht kühl. Zudem verstärkt der Wind durch den sogenannten « Wind-chill-Effekt » die Auskühlung.

Ein zuverlässiger Kälteschutz ist daher ein unabdingbarer Ausrüstungsbestandteil, der aber häufig stark vernachlässigt wird. Ein schlecht angepasster Neoprenanzug beispielsweise reduziert den Wärmeerhalt des Körpers wegen des ständig stattfindenden Wasseraustauschs drastisch. Weitgehend unterschätzt wird auch der Kälteschutz von Händen, Fussen An heiklen Abseilstellen, besonders in Wassernähe, hat die Selbstsicherung oberste Priorität; Barranco de la Foz de la Canal, spanische Zentralpyrenäen.

und Kopf. Bedenkt man, dass über diese Körperpartien grosse Mengen der Körperwärme abgestrahlt werden, sind Füsslinge, Handschuhe und Kapuze aus Neopren unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände. Eine Auskühlung des Körpers erfolgt schleichend und ist in der Schlucht nur sehr schwer wieder rückgängig zu machen. Schon die ersten Folgen einer sich im Anfangsstadium befindenden Auskühlung wie Kältezittern, Kräfte-schwund und Koordinationsprobleme führen zu gravierenden Sicherheits-defiziten, die den weitern Abstieg zu einer hochriskanten Unternehmung machen.

Gruppengrösse Die Gefahr der Unterkühlung ist in grossen Gruppen ungleich stärker ausgeprägt als in Kleingruppen, in denen die Teilnehmer nahezu ständig in Aktion bleiben. Nicht erst an Problemstellen oder schwierigen Passagen, sondern auch schon an einfachen Abseilstellen entstehen lange Wartezeiten, wenn sich Gruppen von 15 bis 20 Personen in der Schlucht bewegen. Auf stark frequentierten Touren sind regelrechte Staus unausweichlich; fehlen dann trockene Plätze und muss im Wasser gewartet werden, steigt das Risiko starker Auskühlung rapid an, wenn nicht durch eine adäquate Bekleidung vorgesorgt wird.

Die Gruppengrösse beeinflusst auch die Dauer des Abstiegs. Die Ab- Solche Ballettkunststücke auf der Felsbahn sind äusserst riskant und beinhalten grosse Verletzungsgefahr; Gondoschlucht im Wallis.

stiegszeit ist ein zentraler Sicherheitsaspekt, der bei unerwarteten Vorfällen entscheidend werden kann. Muss etwa aufgrund eines überraschenden Wetterumschwungs mit drohendem Gewitter schnellstmöglich abgestiegen werden, bildet eine grosse Gruppe ein gewaltiges Hemmnis. Wenn dann in der bedrohlich werdenden Situation das Sicherheitsverhalten vernachlässigt wird - was vor allem bei unerfahrenen Leuten zu erwarten ist-, kann es rasch zur Potenzie-rung von Unfallgefahren kommen.

Fehleinschätzung der Wasserkraft Massige Wasserführung auf einer Schluchttour täuscht viele über das Gefahrenpotential hinweg, das schon bei etwas grösseren Wassermassen markant steigt. Vermag das strömende Wasser in einer Schlucht schon bei geringeren Mengen eine enorme Wucht und Dynamik zu entwickeln, potenzieren sich diese an charakteristischen Punkten des Schluchtgeländes wie Wasserfällen, Engestellen, Verblockungen.

Mangelndes Risikobewusstsein als Folge mangelnden Wissens um die Kraft und das gefährliche Strömungs-verhalten des Wassers führt immer wieder zu Unfällen mit meist tödlichem Ausgang. Oft liegt auch die Ursache in einer Fehleinschätzung der noch verkraftbaren Wassermenge, wobei Unerfahrenheit, Leichtsinn und technische Selbstüberschätzung zusammenspielen. Wertrotz bedrohlicher Wetterlage oder bei bereits aufziehendem Gewitter « schnell » noch in eine Schlucht einsteigt, begibt sich « sehenden Auges » in akute Gefahr. Nur wenige können sich konkret vorstellen, was sich in einer Schlucht abspielt, wenn ein heftiger Platzregen niedergeht, der binnen kürzester Zeit den Pegel gewaltig ansteigen lässt, und die tosenden Wassermassen alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt

Abseilen kein Kinderspiel

Korrekt ausgeübt ist das Abseilen in der Schlucht eine attraktive Fortbewegungsart. Dies bestätigen auch viele Anfänger, die zum ersten Mal selbständig abseilen: Der Genuss am gebremsten Fall ist unverkennbar. Dabei wird aus der raschen Erlernbar-keit leider oft allzuschnell der Fehl-schluss gezogen. Abseilen sei eine technisch leichte und locker hand-habbare Sache. Aus den ersten Ab-seilerfahrungen resultiert dann rasch der Wunsch nach Steigerung des Erlebnisses, zum Beispiel durch Überwindung hoher Abbruche oder von Wasserfällen.

Unterschätzung der « Schluchtatmosphären Die Fehleinschätzung der Technik wie der eigenen Fähigkeiten kann dazu führen, dass die Risiken, die beim Abseilen in solch problematischem Gelände auftreten, als gering erachtet oder gar nicht in Betracht gezogen werden. Dazu kommt ein psychologisch/emotionaler Aspekt, den gerade Anfänger unterschätzen: Unbekanntes Schluchtgelände kann in einer ungewohnten Situation unversehens zu einer angsteinflössen-den Kulisse werden, in der weniger Routinierte falsch reagieren oder auf Grund ihrer Anspannung elementare Sicherheitsregeln vergessen.

Prädestiniert für solches Fehlverhalten ist das Abseilen im Wasserfall. Die Aufmerksamkeit gilt sowohl der emotional anrührenden Umgebung als auch der sicheren Bewältigung der neuartigen Anforderungen. Dies allein kann schon manchen überfordern, so dass die Konzentration auf das elementare technische Sicher-heitsverhalten, das bei Erfahrenen längst automatisiert ist, nachlässt. Ein an sich harmloses Ereignis wie eine kleine Wasserdusche, ein Ausrutscher oder kräftiger Wasserdruck auf den Körper usw. können schliesslich die Konzentration so auf die Bewältigung dieses Punkts richten, dass entscheidende Fehler gemacht werden.

Das Springen in Naturbecken ist ein grosses Vergnügen, es setzt aber zwingend die Abklärung der Sprungbedingun-gen voraus; Canyon du Foron, Haute-Savoie.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen Abseilmanöver im wilden Wasser: Eine Blockierung des Achters kann hochge-fährlich werden, weshalb hier kategorisch nur mit « Schnelle Achter-Position » abgeseilt werden darf; Barranco de Literola, spanische Zentralpyrenäen.

Gefahr des Blockierens Blockierungen des Abseilachters etwa durch eingezogene Gegenstände oder den gefürchteten Anker-stichknoten können im Wasserfall fatale Folgen nach sich ziehen. Anfänger reagieren panisch, da sie auf diese Situation nicht vorbereitet sind und Mittel sowie Techniken zur Lösung der Blockierung nicht kennen oder nicht beherrschen. Mehrfach ist es dabei schon zum Ertrinken am Seil gekommen, weil der Abseilende im Wasserfall festhing und sich nicht zu befreien wusste.

eines Schluchtabstiegs gemessen wird. Viele bewerten dies als das ultimative Erlebnis, sozusagen als « high-lights » des emotionalen Gewinns, den ein Schluchtabstieg bringt. Gleichzeitig konzentrieren sich hier die Unfälle mit zum Teil sehr schweren Verletzungen. Dabei handelt es sich praktisch nie um echte Risikosituationen, sondern in den allermeisten Fällen schlicht um das Missachten fundamentaler Sicherungsbedingun-gen. Erst durch dieses grundlegende Fehlverhalten werden an sich leicht vermeidbare Gefahren virulent. Erfahrungsgemäss müssen drei Punkte beachtet werden, um diesem Fehlverhalten nicht zu erliegen.

Erste Devise: gesicherte Sprung-bedingungen!

Bei jeder Sprung- und Rutschaktion ist die Beschaffenheit des Schluchtgeländes bestimmend für die sorgfältige Absicherung. Die charakteristischen Gefahrenmomente wie nasser Fels, schwierig oder heikel erreichba-

Kernproblem: Springen und Rutschen

Das Kernproblem sind aber das Springen und Rutschen, also die vorrangig favorisierten Aktivitäten, an denen meist auch das sportliche Abenteuer Das Abseilen im Wasserfall verlangt neben ausgereifter Seiltechnik eine gute Einschätzung der Wasserströmung; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

re Ausgangspunkte, Untiefen, Hindernisse und kritische Wasserströ-mungen im Becken sind für das angemessene Vorgehen zu erfassen und richtig zu beurteilen. Tritt über das sichere Springen oder Rutschen in einen Pool der geringste Zweifel auf, gibt es nur eine Konsequenz: Einer der Gruppe muss abseilen und die Bedingungen im Becken prüfen.

In der Praxis wird oft genug umgekehrt verfahren: Der Wunsch zum Springen oder Rutschen führt zur Einschätzung, « dass es schon geht » -trotz unübersehbarer zweifelhafter Bedingungen wie Wassertrübung, luftiges Prallwasser, fragwürdige Tiefe und knappe Raumverhältnisse. Einzige « Sicherheit » ist häufig die Tatsache, dass es sich um eine bekannte, häufig oder erst vor kurzem absolvierte Sprungstelle handelt. Schluchten sind jedoch steter Erosion ausgesetzt. Zu jeder Zeit können sich ausgebrochene Felsblöcke, Stämme oder Äste unter Wasser ablagern, unabhängig von Hochwasser oder starkem Niederschlag. Ein kürzlich noch taugliches Sprungbecken bietet daher keinerlei Gewähr, dass man wieder die gleichen Bedingungen antrifft.

Zweite Devise: Korrekte Selbsteinschätzung!

Verblockungen, rutschiges Terrain, Fliesswasser usw. schaffen ein Gelände, das den Zugang oder den Absprung weiter erschwert. Die richtige Sprung- oder Rutschhaltung wird stark vom sicheren Ausgangspunkt beeinflusst. Ein unkontrollierter Absprung oder Abgang in einer Felsrinne ist im Moment, wo der Körper in Bewegung kommt, nur noch schwer auszugleichen. Schon bei Höhen über 3 m kann ein missratenes Eintauchen ernste Verletzungen nach sich ziehen. Soll bei heikler Beschaffenheit der Umgebung gesprungen werden, muss die entsprechende Stelle durch ein Seilgeländer oder ein Fixseil abgesichert sein, um dem Springer eine optimale Ausgangslage zu verschaffen.

Besondere Vorsicht ist beim Abseilen geboten, wenn im Becken turbulente Strömungen vorherrschen; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

Auf diese Vorkehrungen wird häufig selbst dann noch verzichtet, wenn nicht nur der Absprung durch das Gelände kompliziert wird, sondern auch der Auftreffpunkt im Becken exakt erwischt werden muss. Treffen bei Sprüngen beide Bedingungen zusammen, verlangt diese technisch anspruchsvolle Herausforderung Erfahrung und versierte Sprungtechnik.

Von zentraler Bedeutung für den verantwortungsvollen Umgang mit den Gefahren ist die realistische Selbsteinschätzung der persönlichen technischen Fähigkeiten. Resultiert daraus ein Verzicht auf eine Sprung-oder Rutschpassage, so ist das unbedingt richtig und muss in jedem Fall bis zuletzt möglich sein, d.h., es muss immer eine gesicherte Abfahrt am Seil geboten werden, damit ein Teilnehmer sich überhaupt sicherheits-orientiert verhalten kann.

Dritte Devise: Risikobewusstsein statt Mut zum Risiko!

Der schlechteste Ratgeber für eine verantwortliche Selbsteinschätzung ist der Gruppendruck. Durch Zuspruch und Aufforderung der andern wird häufig eine situationsgerechte Einschätzung erschwert. Prekär wird der Erwartungsdruck, wenn die persönliche Überforderung mit falscher Sicherheit überspielt und anstelle des Risikobewusstseins sogenannter Mut zum Risiko verlangt wird. Nicht « Spielverderber » sein wollen, wenn andere auf unbeschwert machen, ist die gefährlichste « Konsequenz » aus der Einschätzung, dass die subjektiven Fähigkeiten der Situation nicht entsprechen.

Draufgängertum Zweifelsohne sind Springen und Rutschen ein herausragendes Erlebnis, bei dem sich der spielerische und sportliche Reiz mit dem faszinierenden Naturambiente der Schlucht verbindet. Doch diese Attraktionen werden oft genug in draufgängerischer Manier auf die Spitze getrieben, als sei das Schluchtgelände ein gut versicherter Erlebnispark. Die Suche nach dem Nervenkitzel mündet in die waghalsigsten Manöver, indem etwa Felsrinnen im Stehen oder bäuchlings mit dem Kopf voraus abgerutscht werden. An die Stelle von Risikokon-trolle tritt Risikofreude, die sich bis zum gegenseitigen Überbieten bei « Mutproben » aufschaukeln kann. In solchen Situationen Nein zu sagen, ist ein ganz wichtiger Teil des sicher-heitsbewussten Verhaltens.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen

Fragwürdigem Image vorbeugen

SZum erschreckend naiven Sicher- 5 heitsbewusstsein, das in den Schluch-^ ten immer wieder anzutreffen ist, trägt auch das Image dieses Sports ° bei. Canyoning wird als « ultimatives ^m Abenteuer voller Nervenkitzel » defi-26 niert, das leicht und schnell zu verwirklichen ist: Ein wenig Kondition, Mut und allenfalls Schwimmkennnt-nisse - und schon ist das Abenteuer perfekt. Die Frage ist berechtigt, ob nicht durch das Vorgaukeln von Leichtigkeit und Sicherheit die Entstehung eines realistischen Risikobe-wusstseins und des daran orientierten Verhaltens verbaut wird, zumal auch noch hochgeschraubte Erwartungen an das Abenteuer « Schlucht » gestellt werden.

Die mangelhafte Kenntnis oder die Fehleinschätzung der spezifischen Gefahren beim Canyoning spielen bei vielen Unfällen eine entscheidende Rolle. Umfassende Informationen, die die zentralen Gefahrenquellen und den verantwortlichen Umgang damit ansprechen, können da Abhilfe schaffen. Nur wer für die Risiken beim Canyoning sensibilisiert ist, bemüht sich um das wünschenswerte Sicherheitsbewusstsein. Roger Büdeler, Hamburg

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Canyoning - ein harmloses Abenteuer?

Unfälle mangels Risikobewusst-sein Wer in Fels und Eis steigt oder klettert, weiss, dass er sich in gefährlichem Terrain bewegt. Beim Canyoning, dem neuen Erlebnissport in Fels und Wasser, scheint ein grundlegendes Risikobewusst-sein hingegen noch wenig verbreitet zu sein. Dies zeigt sich in Form von fehlenden Sicherheitsvorkehrungen, was immer wieder zu Unfällen führt. Besonders auffällig ist dies bei den sportlichen Hauptattraktionen des Canyoning, dem Springen und Rutschen.

Der Mangel an Risikobewusstsein ist um so bemerkenswerter, als in der Schlucht nicht nur die Gefahren des alpinen Bergsports präsent sind, sondern mit dem Wildwasser neue und gewichtige Risikoelemente hinzukommen. Das strömende Wasser schafft ein Gelände mit speziellen Schwierigkeiten, die den Charakter des gesamten Abstiegs oftmals entscheidend prägen. Viele, die sich auf eine Canyoning-Tour begeben, sind mit diesem Umfeld gar nicht oder ungleich weniger vertraut als mit dem Alpingelände, das vom Bergsteigen oder Klettern her gut bekannt ist.

Die Unerfahrenheit in unbekanntem Gelände führt aber nicht etwa zu einem besonders vorsichtigen und besonnenen Verhalten. Im Gegenteil, immer wieder lässt sich in Schluchten ein von Sorglosigkeit bis hin zur Risikofreude getragenes Vorgehen beobachten; auch in Ländern, in denen Canyoning recht populär ist. Unfälle bleiben nicht aus, von denen die meisten dem Gefahrenbereich des Wassers zuzuordnen sind.

Unterkühlung, Gruppengrösse und Wasserkraft

Unterkühlungsgefahr durch mangelhafte Bekleidung Der beständige Kontakt mit dem kalten Wasser der Schlucht birgt die grosse Gefahr der Unterkühlung. Sie ist auch im Hochsommer präsent, da das Schluchtwasser in Gebirgsgegenden oder bei Quellspeisung permanent sehr niedrige Temperaturen aufweist. Auch ausserhalb des Wassers ist es in den meist tief eingeschnittenen und schattigen Schluchten recht kühl. Zudem verstärkt der Wind durch den sogenannten « Wind-chill-Effekt » die Auskühlung.

Ein zuverlässiger Kälteschutz ist daher ein unabdingbarer Ausrüstungsbestandteil, der aber häufig stark vernachlässigt wird. Ein schlecht angepasster Neoprenanzug beispielsweise reduziert den Wärmeerhalt des Körpers wegen des ständig stattfindenden Wasseraustauschs drastisch. Weitgehend unterschätzt wird auch der Kälteschutz von Händen, Fussen An heiklen Abseilstellen, besonders in Wassernähe, hat die Selbstsicherung oberste Priorität; Barranco de la Foz de la Canal, spanische Zentralpyrenäen.

und Kopf. Bedenkt man, dass über diese Körperpartien grosse Mengen der Körperwärme abgestrahlt werden, sind Füsslinge, Handschuhe und Kapuze aus Neopren unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände. Eine Auskühlung des Körpers erfolgt schleichend und ist in der Schlucht nur sehr schwer wieder rückgängig zu machen. Schon die ersten Folgen einer sich im Anfangsstadium befindenden Auskühlung wie Kältezittern, Kräfte-schwund und Koordinationsprobleme führen zu gravierenden Sicherheits-defiziten, die den weitern Abstieg zu einer hochriskanten Unternehmung machen.

Gruppengrösse Die Gefahr der Unterkühlung ist in grossen Gruppen ungleich stärker ausgeprägt als in Kleingruppen, in denen die Teilnehmer nahezu ständig in Aktion bleiben. Nicht erst an Problemstellen oder schwierigen Passagen, sondern auch schon an einfachen Abseilstellen entstehen lange Wartezeiten, wenn sich Gruppen von 15 bis 20 Personen in der Schlucht bewegen. Auf stark frequentierten Touren sind regelrechte Staus unausweichlich; fehlen dann trockene Plätze und muss im Wasser gewartet werden, steigt das Risiko starker Auskühlung rapid an, wenn nicht durch eine adäquate Bekleidung vorgesorgt wird.

Die Gruppengrösse beeinflusst auch die Dauer des Abstiegs. Die Ab- Solche Ballettkunststücke auf der Felsbahn sind äusserst riskant und beinhalten grosse Verletzungsgefahr; Gondoschlucht im Wallis.

stiegszeit ist ein zentraler Sicherheitsaspekt, der bei unerwarteten Vorfällen entscheidend werden kann. Muss etwa aufgrund eines überraschenden Wetterumschwungs mit drohendem Gewitter schnellstmöglich abgestiegen werden, bildet eine grosse Gruppe ein gewaltiges Hemmnis. Wenn dann in der bedrohlich werdenden Situation das Sicherheitsverhalten vernachlässigt wird - was vor allem bei unerfahrenen Leuten zu erwarten ist-, kann es rasch zur Potenzie-rung von Unfallgefahren kommen.

Fehleinschätzung der Wasserkraft Massige Wasserführung auf einer Schluchttour täuscht viele über das Gefahrenpotential hinweg, das schon bei etwas grösseren Wassermassen markant steigt. Vermag das strömende Wasser in einer Schlucht schon bei geringeren Mengen eine enorme Wucht und Dynamik zu entwickeln, potenzieren sich diese an charakteristischen Punkten des Schluchtgeländes wie Wasserfällen, Engestellen, Verblockungen.

Mangelndes Risikobewusstsein als Folge mangelnden Wissens um die Kraft und das gefährliche Strömungs-verhalten des Wassers führt immer wieder zu Unfällen mit meist tödlichem Ausgang. Oft liegt auch die Ursache in einer Fehleinschätzung der noch verkraftbaren Wassermenge, wobei Unerfahrenheit, Leichtsinn und technische Selbstüberschätzung zusammenspielen. Wertrotz bedrohlicher Wetterlage oder bei bereits aufziehendem Gewitter « schnell » noch in eine Schlucht einsteigt, begibt sich « sehenden Auges » in akute Gefahr. Nur wenige können sich konkret vorstellen, was sich in einer Schlucht abspielt, wenn ein heftiger Platzregen niedergeht, der binnen kürzester Zeit den Pegel gewaltig ansteigen lässt, und die tosenden Wassermassen alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt

Abseilen kein Kinderspiel

Korrekt ausgeübt ist das Abseilen in der Schlucht eine attraktive Fortbewegungsart. Dies bestätigen auch viele Anfänger, die zum ersten Mal selbständig abseilen: Der Genuss am gebremsten Fall ist unverkennbar. Dabei wird aus der raschen Erlernbar-keit leider oft allzuschnell der Fehl-schluss gezogen. Abseilen sei eine technisch leichte und locker hand-habbare Sache. Aus den ersten Ab-seilerfahrungen resultiert dann rasch der Wunsch nach Steigerung des Erlebnisses, zum Beispiel durch Überwindung hoher Abbruche oder von Wasserfällen.

Unterschätzung der « Schluchtatmosphären Die Fehleinschätzung der Technik wie der eigenen Fähigkeiten kann dazu führen, dass die Risiken, die beim Abseilen in solch problematischem Gelände auftreten, als gering erachtet oder gar nicht in Betracht gezogen werden. Dazu kommt ein psychologisch/emotionaler Aspekt, den gerade Anfänger unterschätzen: Unbekanntes Schluchtgelände kann in einer ungewohnten Situation unversehens zu einer angsteinflössen-den Kulisse werden, in der weniger Routinierte falsch reagieren oder auf Grund ihrer Anspannung elementare Sicherheitsregeln vergessen.

Prädestiniert für solches Fehlverhalten ist das Abseilen im Wasserfall. Die Aufmerksamkeit gilt sowohl der emotional anrührenden Umgebung als auch der sicheren Bewältigung der neuartigen Anforderungen. Dies allein kann schon manchen überfordern, so dass die Konzentration auf das elementare technische Sicher-heitsverhalten, das bei Erfahrenen längst automatisiert ist, nachlässt. Ein an sich harmloses Ereignis wie eine kleine Wasserdusche, ein Ausrutscher oder kräftiger Wasserdruck auf den Körper usw. können schliesslich die Konzentration so auf die Bewältigung dieses Punkts richten, dass entscheidende Fehler gemacht werden.

Das Springen in Naturbecken ist ein grosses Vergnügen, es setzt aber zwingend die Abklärung der Sprungbedingun-gen voraus; Canyon du Foron, Haute-Savoie.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen Abseilmanöver im wilden Wasser: Eine Blockierung des Achters kann hochge-fährlich werden, weshalb hier kategorisch nur mit « Schnelle Achter-Position » abgeseilt werden darf; Barranco de Literola, spanische Zentralpyrenäen.

Gefahr des Blockierens Blockierungen des Abseilachters etwa durch eingezogene Gegenstände oder den gefürchteten Anker-stichknoten können im Wasserfall fatale Folgen nach sich ziehen. Anfänger reagieren panisch, da sie auf diese Situation nicht vorbereitet sind und Mittel sowie Techniken zur Lösung der Blockierung nicht kennen oder nicht beherrschen. Mehrfach ist es dabei schon zum Ertrinken am Seil gekommen, weil der Abseilende im Wasserfall festhing und sich nicht zu befreien wusste.

eines Schluchtabstiegs gemessen wird. Viele bewerten dies als das ultimative Erlebnis, sozusagen als « high-lights » des emotionalen Gewinns, den ein Schluchtabstieg bringt. Gleichzeitig konzentrieren sich hier die Unfälle mit zum Teil sehr schweren Verletzungen. Dabei handelt es sich praktisch nie um echte Risikosituationen, sondern in den allermeisten Fällen schlicht um das Missachten fundamentaler Sicherungsbedingun-gen. Erst durch dieses grundlegende Fehlverhalten werden an sich leicht vermeidbare Gefahren virulent. Erfahrungsgemäss müssen drei Punkte beachtet werden, um diesem Fehlverhalten nicht zu erliegen.

Erste Devise: gesicherte Sprung-bedingungen!

Bei jeder Sprung- und Rutschaktion ist die Beschaffenheit des Schluchtgeländes bestimmend für die sorgfältige Absicherung. Die charakteristischen Gefahrenmomente wie nasser Fels, schwierig oder heikel erreichba-

Kernproblem: Springen und Rutschen

Das Kernproblem sind aber das Springen und Rutschen, also die vorrangig favorisierten Aktivitäten, an denen meist auch das sportliche Abenteuer Das Abseilen im Wasserfall verlangt neben ausgereifter Seiltechnik eine gute Einschätzung der Wasserströmung; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

re Ausgangspunkte, Untiefen, Hindernisse und kritische Wasserströ-mungen im Becken sind für das angemessene Vorgehen zu erfassen und richtig zu beurteilen. Tritt über das sichere Springen oder Rutschen in einen Pool der geringste Zweifel auf, gibt es nur eine Konsequenz: Einer der Gruppe muss abseilen und die Bedingungen im Becken prüfen.

In der Praxis wird oft genug umgekehrt verfahren: Der Wunsch zum Springen oder Rutschen führt zur Einschätzung, « dass es schon geht » -trotz unübersehbarer zweifelhafter Bedingungen wie Wassertrübung, luftiges Prallwasser, fragwürdige Tiefe und knappe Raumverhältnisse. Einzige « Sicherheit » ist häufig die Tatsache, dass es sich um eine bekannte, häufig oder erst vor kurzem absolvierte Sprungstelle handelt. Schluchten sind jedoch steter Erosion ausgesetzt. Zu jeder Zeit können sich ausgebrochene Felsblöcke, Stämme oder Äste unter Wasser ablagern, unabhängig von Hochwasser oder starkem Niederschlag. Ein kürzlich noch taugliches Sprungbecken bietet daher keinerlei Gewähr, dass man wieder die gleichen Bedingungen antrifft.

Zweite Devise: Korrekte Selbsteinschätzung!

Verblockungen, rutschiges Terrain, Fliesswasser usw. schaffen ein Gelände, das den Zugang oder den Absprung weiter erschwert. Die richtige Sprung- oder Rutschhaltung wird stark vom sicheren Ausgangspunkt beeinflusst. Ein unkontrollierter Absprung oder Abgang in einer Felsrinne ist im Moment, wo der Körper in Bewegung kommt, nur noch schwer auszugleichen. Schon bei Höhen über 3 m kann ein missratenes Eintauchen ernste Verletzungen nach sich ziehen. Soll bei heikler Beschaffenheit der Umgebung gesprungen werden, muss die entsprechende Stelle durch ein Seilgeländer oder ein Fixseil abgesichert sein, um dem Springer eine optimale Ausgangslage zu verschaffen.

Besondere Vorsicht ist beim Abseilen geboten, wenn im Becken turbulente Strömungen vorherrschen; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

Auf diese Vorkehrungen wird häufig selbst dann noch verzichtet, wenn nicht nur der Absprung durch das Gelände kompliziert wird, sondern auch der Auftreffpunkt im Becken exakt erwischt werden muss. Treffen bei Sprüngen beide Bedingungen zusammen, verlangt diese technisch anspruchsvolle Herausforderung Erfahrung und versierte Sprungtechnik.

Von zentraler Bedeutung für den verantwortungsvollen Umgang mit den Gefahren ist die realistische Selbsteinschätzung der persönlichen technischen Fähigkeiten. Resultiert daraus ein Verzicht auf eine Sprung-oder Rutschpassage, so ist das unbedingt richtig und muss in jedem Fall bis zuletzt möglich sein, d.h., es muss immer eine gesicherte Abfahrt am Seil geboten werden, damit ein Teilnehmer sich überhaupt sicherheits-orientiert verhalten kann.

Dritte Devise: Risikobewusstsein statt Mut zum Risiko!

Der schlechteste Ratgeber für eine verantwortliche Selbsteinschätzung ist der Gruppendruck. Durch Zuspruch und Aufforderung der andern wird häufig eine situationsgerechte Einschätzung erschwert. Prekär wird der Erwartungsdruck, wenn die persönliche Überforderung mit falscher Sicherheit überspielt und anstelle des Risikobewusstseins sogenannter Mut zum Risiko verlangt wird. Nicht « Spielverderber » sein wollen, wenn andere auf unbeschwert machen, ist die gefährlichste « Konsequenz » aus der Einschätzung, dass die subjektiven Fähigkeiten der Situation nicht entsprechen.

Draufgängertum Zweifelsohne sind Springen und Rutschen ein herausragendes Erlebnis, bei dem sich der spielerische und sportliche Reiz mit dem faszinierenden Naturambiente der Schlucht verbindet. Doch diese Attraktionen werden oft genug in draufgängerischer Manier auf die Spitze getrieben, als sei das Schluchtgelände ein gut versicherter Erlebnispark. Die Suche nach dem Nervenkitzel mündet in die waghalsigsten Manöver, indem etwa Felsrinnen im Stehen oder bäuchlings mit dem Kopf voraus abgerutscht werden. An die Stelle von Risikokon-trolle tritt Risikofreude, die sich bis zum gegenseitigen Überbieten bei « Mutproben » aufschaukeln kann. In solchen Situationen Nein zu sagen, ist ein ganz wichtiger Teil des sicher-heitsbewussten Verhaltens.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen

Fragwürdigem Image vorbeugen

SZum erschreckend naiven Sicher- 5 heitsbewusstsein, das in den Schluch-^ ten immer wieder anzutreffen ist, trägt auch das Image dieses Sports ° bei. Canyoning wird als « ultimatives ^m Abenteuer voller Nervenkitzel » defi-26 niert, das leicht und schnell zu verwirklichen ist: Ein wenig Kondition, Mut und allenfalls Schwimmkennnt-nisse - und schon ist das Abenteuer perfekt. Die Frage ist berechtigt, ob nicht durch das Vorgaukeln von Leichtigkeit und Sicherheit die Entstehung eines realistischen Risikobe-wusstseins und des daran orientierten Verhaltens verbaut wird, zumal auch noch hochgeschraubte Erwartungen an das Abenteuer « Schlucht » gestellt werden.

Die mangelhafte Kenntnis oder die Fehleinschätzung der spezifischen Gefahren beim Canyoning spielen bei vielen Unfällen eine entscheidende Rolle. Umfassende Informationen, die die zentralen Gefahrenquellen und den verantwortlichen Umgang damit ansprechen, können da Abhilfe schaffen. Nur wer für die Risiken beim Canyoning sensibilisiert ist, bemüht sich um das wünschenswerte Sicherheitsbewusstsein. Roger Büdeler, Hamburg

oies eì sites nouveaux

Canyoning - ein harmloses Abenteuer?

Unfälle mangels Risikobewusst-sein Wer in Fels und Eis steigt oder klettert, weiss, dass er sich in gefährlichem Terrain bewegt. Beim Canyoning, dem neuen Erlebnissport in Fels und Wasser, scheint ein grundlegendes Risikobewusst-sein hingegen noch wenig verbreitet zu sein. Dies zeigt sich in Form von fehlenden Sicherheitsvorkehrungen, was immer wieder zu Unfällen führt. Besonders auffällig ist dies bei den sportlichen Hauptattraktionen des Canyoning, dem Springen und Rutschen.

Der Mangel an Risikobewusstsein ist um so bemerkenswerter, als in der Schlucht nicht nur die Gefahren des alpinen Bergsports präsent sind, sondern mit dem Wildwasser neue und gewichtige Risikoelemente hinzukommen. Das strömende Wasser schafft ein Gelände mit speziellen Schwierigkeiten, die den Charakter des gesamten Abstiegs oftmals entscheidend prägen. Viele, die sich auf eine Canyoning-Tour begeben, sind mit diesem Umfeld gar nicht oder ungleich weniger vertraut als mit dem Alpingelände, das vom Bergsteigen oder Klettern her gut bekannt ist.

Die Unerfahrenheit in unbekanntem Gelände führt aber nicht etwa zu einem besonders vorsichtigen und besonnenen Verhalten. Im Gegenteil, immer wieder lässt sich in Schluchten ein von Sorglosigkeit bis hin zur Risikofreude getragenes Vorgehen beobachten; auch in Ländern, in denen Canyoning recht populär ist. Unfälle bleiben nicht aus, von denen die meisten dem Gefahrenbereich des Wassers zuzuordnen sind.

Unterkühlung, Gruppengrösse und Wasserkraft

Unterkühlungsgefahr durch mangelhafte Bekleidung Der beständige Kontakt mit dem kalten Wasser der Schlucht birgt die grosse Gefahr der Unterkühlung. Sie ist auch im Hochsommer präsent, da das Schluchtwasser in Gebirgsgegenden oder bei Quellspeisung permanent sehr niedrige Temperaturen aufweist. Auch ausserhalb des Wassers ist es in den meist tief eingeschnittenen und schattigen Schluchten recht kühl. Zudem verstärkt der Wind durch den sogenannten « Wind-chill-Effekt » die Auskühlung.

Ein zuverlässiger Kälteschutz ist daher ein unabdingbarer Ausrüstungsbestandteil, der aber häufig stark vernachlässigt wird. Ein schlecht angepasster Neoprenanzug beispielsweise reduziert den Wärmeerhalt des Körpers wegen des ständig stattfindenden Wasseraustauschs drastisch. Weitgehend unterschätzt wird auch der Kälteschutz von Händen, Fussen An heiklen Abseilstellen, besonders in Wassernähe, hat die Selbstsicherung oberste Priorität; Barranco de la Foz de la Canal, spanische Zentralpyrenäen.

und Kopf. Bedenkt man, dass über diese Körperpartien grosse Mengen der Körperwärme abgestrahlt werden, sind Füsslinge, Handschuhe und Kapuze aus Neopren unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände. Eine Auskühlung des Körpers erfolgt schleichend und ist in der Schlucht nur sehr schwer wieder rückgängig zu machen. Schon die ersten Folgen einer sich im Anfangsstadium befindenden Auskühlung wie Kältezittern, Kräfte-schwund und Koordinationsprobleme führen zu gravierenden Sicherheits-defiziten, die den weitern Abstieg zu einer hochriskanten Unternehmung machen.

Gruppengrösse Die Gefahr der Unterkühlung ist in grossen Gruppen ungleich stärker ausgeprägt als in Kleingruppen, in denen die Teilnehmer nahezu ständig in Aktion bleiben. Nicht erst an Problemstellen oder schwierigen Passagen, sondern auch schon an einfachen Abseilstellen entstehen lange Wartezeiten, wenn sich Gruppen von 15 bis 20 Personen in der Schlucht bewegen. Auf stark frequentierten Touren sind regelrechte Staus unausweichlich; fehlen dann trockene Plätze und muss im Wasser gewartet werden, steigt das Risiko starker Auskühlung rapid an, wenn nicht durch eine adäquate Bekleidung vorgesorgt wird.

Die Gruppengrösse beeinflusst auch die Dauer des Abstiegs. Die Ab- Solche Ballettkunststücke auf der Felsbahn sind äusserst riskant und beinhalten grosse Verletzungsgefahr; Gondoschlucht im Wallis.

stiegszeit ist ein zentraler Sicherheitsaspekt, der bei unerwarteten Vorfällen entscheidend werden kann. Muss etwa aufgrund eines überraschenden Wetterumschwungs mit drohendem Gewitter schnellstmöglich abgestiegen werden, bildet eine grosse Gruppe ein gewaltiges Hemmnis. Wenn dann in der bedrohlich werdenden Situation das Sicherheitsverhalten vernachlässigt wird - was vor allem bei unerfahrenen Leuten zu erwarten ist-, kann es rasch zur Potenzie-rung von Unfallgefahren kommen.

Fehleinschätzung der Wasserkraft Massige Wasserführung auf einer Schluchttour täuscht viele über das Gefahrenpotential hinweg, das schon bei etwas grösseren Wassermassen markant steigt. Vermag das strömende Wasser in einer Schlucht schon bei geringeren Mengen eine enorme Wucht und Dynamik zu entwickeln, potenzieren sich diese an charakteristischen Punkten des Schluchtgeländes wie Wasserfällen, Engestellen, Verblockungen.

Mangelndes Risikobewusstsein als Folge mangelnden Wissens um die Kraft und das gefährliche Strömungs-verhalten des Wassers führt immer wieder zu Unfällen mit meist tödlichem Ausgang. Oft liegt auch die Ursache in einer Fehleinschätzung der noch verkraftbaren Wassermenge, wobei Unerfahrenheit, Leichtsinn und technische Selbstüberschätzung zusammenspielen. Wertrotz bedrohlicher Wetterlage oder bei bereits aufziehendem Gewitter « schnell » noch in eine Schlucht einsteigt, begibt sich « sehenden Auges » in akute Gefahr. Nur wenige können sich konkret vorstellen, was sich in einer Schlucht abspielt, wenn ein heftiger Platzregen niedergeht, der binnen kürzester Zeit den Pegel gewaltig ansteigen lässt, und die tosenden Wassermassen alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt

Abseilen kein Kinderspiel

Korrekt ausgeübt ist das Abseilen in der Schlucht eine attraktive Fortbewegungsart. Dies bestätigen auch viele Anfänger, die zum ersten Mal selbständig abseilen: Der Genuss am gebremsten Fall ist unverkennbar. Dabei wird aus der raschen Erlernbar-keit leider oft allzuschnell der Fehl-schluss gezogen. Abseilen sei eine technisch leichte und locker hand-habbare Sache. Aus den ersten Ab-seilerfahrungen resultiert dann rasch der Wunsch nach Steigerung des Erlebnisses, zum Beispiel durch Überwindung hoher Abbruche oder von Wasserfällen.

Unterschätzung der « Schluchtatmosphären Die Fehleinschätzung der Technik wie der eigenen Fähigkeiten kann dazu führen, dass die Risiken, die beim Abseilen in solch problematischem Gelände auftreten, als gering erachtet oder gar nicht in Betracht gezogen werden. Dazu kommt ein psychologisch/emotionaler Aspekt, den gerade Anfänger unterschätzen: Unbekanntes Schluchtgelände kann in einer ungewohnten Situation unversehens zu einer angsteinflössen-den Kulisse werden, in der weniger Routinierte falsch reagieren oder auf Grund ihrer Anspannung elementare Sicherheitsregeln vergessen.

Prädestiniert für solches Fehlverhalten ist das Abseilen im Wasserfall. Die Aufmerksamkeit gilt sowohl der emotional anrührenden Umgebung als auch der sicheren Bewältigung der neuartigen Anforderungen. Dies allein kann schon manchen überfordern, so dass die Konzentration auf das elementare technische Sicher-heitsverhalten, das bei Erfahrenen längst automatisiert ist, nachlässt. Ein an sich harmloses Ereignis wie eine kleine Wasserdusche, ein Ausrutscher oder kräftiger Wasserdruck auf den Körper usw. können schliesslich die Konzentration so auf die Bewältigung dieses Punkts richten, dass entscheidende Fehler gemacht werden.

Das Springen in Naturbecken ist ein grosses Vergnügen, es setzt aber zwingend die Abklärung der Sprungbedingun-gen voraus; Canyon du Foron, Haute-Savoie.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen Abseilmanöver im wilden Wasser: Eine Blockierung des Achters kann hochge-fährlich werden, weshalb hier kategorisch nur mit « Schnelle Achter-Position » abgeseilt werden darf; Barranco de Literola, spanische Zentralpyrenäen.

Gefahr des Blockierens Blockierungen des Abseilachters etwa durch eingezogene Gegenstände oder den gefürchteten Anker-stichknoten können im Wasserfall fatale Folgen nach sich ziehen. Anfänger reagieren panisch, da sie auf diese Situation nicht vorbereitet sind und Mittel sowie Techniken zur Lösung der Blockierung nicht kennen oder nicht beherrschen. Mehrfach ist es dabei schon zum Ertrinken am Seil gekommen, weil der Abseilende im Wasserfall festhing und sich nicht zu befreien wusste.

eines Schluchtabstiegs gemessen wird. Viele bewerten dies als das ultimative Erlebnis, sozusagen als « high-lights » des emotionalen Gewinns, den ein Schluchtabstieg bringt. Gleichzeitig konzentrieren sich hier die Unfälle mit zum Teil sehr schweren Verletzungen. Dabei handelt es sich praktisch nie um echte Risikosituationen, sondern in den allermeisten Fällen schlicht um das Missachten fundamentaler Sicherungsbedingun-gen. Erst durch dieses grundlegende Fehlverhalten werden an sich leicht vermeidbare Gefahren virulent. Erfahrungsgemäss müssen drei Punkte beachtet werden, um diesem Fehlverhalten nicht zu erliegen.

Erste Devise: gesicherte Sprung-bedingungen!

Bei jeder Sprung- und Rutschaktion ist die Beschaffenheit des Schluchtgeländes bestimmend für die sorgfältige Absicherung. Die charakteristischen Gefahrenmomente wie nasser Fels, schwierig oder heikel erreichba-

Kernproblem: Springen und Rutschen

Das Kernproblem sind aber das Springen und Rutschen, also die vorrangig favorisierten Aktivitäten, an denen meist auch das sportliche Abenteuer Das Abseilen im Wasserfall verlangt neben ausgereifter Seiltechnik eine gute Einschätzung der Wasserströmung; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

re Ausgangspunkte, Untiefen, Hindernisse und kritische Wasserströ-mungen im Becken sind für das angemessene Vorgehen zu erfassen und richtig zu beurteilen. Tritt über das sichere Springen oder Rutschen in einen Pool der geringste Zweifel auf, gibt es nur eine Konsequenz: Einer der Gruppe muss abseilen und die Bedingungen im Becken prüfen.

In der Praxis wird oft genug umgekehrt verfahren: Der Wunsch zum Springen oder Rutschen führt zur Einschätzung, « dass es schon geht » -trotz unübersehbarer zweifelhafter Bedingungen wie Wassertrübung, luftiges Prallwasser, fragwürdige Tiefe und knappe Raumverhältnisse. Einzige « Sicherheit » ist häufig die Tatsache, dass es sich um eine bekannte, häufig oder erst vor kurzem absolvierte Sprungstelle handelt. Schluchten sind jedoch steter Erosion ausgesetzt. Zu jeder Zeit können sich ausgebrochene Felsblöcke, Stämme oder Äste unter Wasser ablagern, unabhängig von Hochwasser oder starkem Niederschlag. Ein kürzlich noch taugliches Sprungbecken bietet daher keinerlei Gewähr, dass man wieder die gleichen Bedingungen antrifft.

Zweite Devise: Korrekte Selbsteinschätzung!

Verblockungen, rutschiges Terrain, Fliesswasser usw. schaffen ein Gelände, das den Zugang oder den Absprung weiter erschwert. Die richtige Sprung- oder Rutschhaltung wird stark vom sicheren Ausgangspunkt beeinflusst. Ein unkontrollierter Absprung oder Abgang in einer Felsrinne ist im Moment, wo der Körper in Bewegung kommt, nur noch schwer auszugleichen. Schon bei Höhen über 3 m kann ein missratenes Eintauchen ernste Verletzungen nach sich ziehen. Soll bei heikler Beschaffenheit der Umgebung gesprungen werden, muss die entsprechende Stelle durch ein Seilgeländer oder ein Fixseil abgesichert sein, um dem Springer eine optimale Ausgangslage zu verschaffen.

Besondere Vorsicht ist beim Abseilen geboten, wenn im Becken turbulente Strömungen vorherrschen; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

Auf diese Vorkehrungen wird häufig selbst dann noch verzichtet, wenn nicht nur der Absprung durch das Gelände kompliziert wird, sondern auch der Auftreffpunkt im Becken exakt erwischt werden muss. Treffen bei Sprüngen beide Bedingungen zusammen, verlangt diese technisch anspruchsvolle Herausforderung Erfahrung und versierte Sprungtechnik.

Von zentraler Bedeutung für den verantwortungsvollen Umgang mit den Gefahren ist die realistische Selbsteinschätzung der persönlichen technischen Fähigkeiten. Resultiert daraus ein Verzicht auf eine Sprung-oder Rutschpassage, so ist das unbedingt richtig und muss in jedem Fall bis zuletzt möglich sein, d.h., es muss immer eine gesicherte Abfahrt am Seil geboten werden, damit ein Teilnehmer sich überhaupt sicherheits-orientiert verhalten kann.

Dritte Devise: Risikobewusstsein statt Mut zum Risiko!

Der schlechteste Ratgeber für eine verantwortliche Selbsteinschätzung ist der Gruppendruck. Durch Zuspruch und Aufforderung der andern wird häufig eine situationsgerechte Einschätzung erschwert. Prekär wird der Erwartungsdruck, wenn die persönliche Überforderung mit falscher Sicherheit überspielt und anstelle des Risikobewusstseins sogenannter Mut zum Risiko verlangt wird. Nicht « Spielverderber » sein wollen, wenn andere auf unbeschwert machen, ist die gefährlichste « Konsequenz » aus der Einschätzung, dass die subjektiven Fähigkeiten der Situation nicht entsprechen.

Draufgängertum Zweifelsohne sind Springen und Rutschen ein herausragendes Erlebnis, bei dem sich der spielerische und sportliche Reiz mit dem faszinierenden Naturambiente der Schlucht verbindet. Doch diese Attraktionen werden oft genug in draufgängerischer Manier auf die Spitze getrieben, als sei das Schluchtgelände ein gut versicherter Erlebnispark. Die Suche nach dem Nervenkitzel mündet in die waghalsigsten Manöver, indem etwa Felsrinnen im Stehen oder bäuchlings mit dem Kopf voraus abgerutscht werden. An die Stelle von Risikokon-trolle tritt Risikofreude, die sich bis zum gegenseitigen Überbieten bei « Mutproben » aufschaukeln kann. In solchen Situationen Nein zu sagen, ist ein ganz wichtiger Teil des sicher-heitsbewussten Verhaltens.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen

Fragwürdigem Image vorbeugen

SZum erschreckend naiven Sicher- 5 heitsbewusstsein, das in den Schluch-^ ten immer wieder anzutreffen ist, trägt auch das Image dieses Sports ° bei. Canyoning wird als « ultimatives ^m Abenteuer voller Nervenkitzel » defi-26 niert, das leicht und schnell zu verwirklichen ist: Ein wenig Kondition, Mut und allenfalls Schwimmkennnt-nisse - und schon ist das Abenteuer perfekt. Die Frage ist berechtigt, ob nicht durch das Vorgaukeln von Leichtigkeit und Sicherheit die Entstehung eines realistischen Risikobe-wusstseins und des daran orientierten Verhaltens verbaut wird, zumal auch noch hochgeschraubte Erwartungen an das Abenteuer « Schlucht » gestellt werden.

Die mangelhafte Kenntnis oder die Fehleinschätzung der spezifischen Gefahren beim Canyoning spielen bei vielen Unfällen eine entscheidende Rolle. Umfassende Informationen, die die zentralen Gefahrenquellen und den verantwortlichen Umgang damit ansprechen, können da Abhilfe schaffen. Nur wer für die Risiken beim Canyoning sensibilisiert ist, bemüht sich um das wünschenswerte Sicherheitsbewusstsein. Roger Büdeler, Hamburg

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Canyoning - ein harmloses Abenteuer?

Unfälle mangels Risikobewusst-sein Wer in Fels und Eis steigt oder klettert, weiss, dass er sich in gefährlichem Terrain bewegt. Beim Canyoning, dem neuen Erlebnissport in Fels und Wasser, scheint ein grundlegendes Risikobewusst-sein hingegen noch wenig verbreitet zu sein. Dies zeigt sich in Form von fehlenden Sicherheitsvorkehrungen, was immer wieder zu Unfällen führt. Besonders auffällig ist dies bei den sportlichen Hauptattraktionen des Canyoning, dem Springen und Rutschen.

Der Mangel an Risikobewusstsein ist um so bemerkenswerter, als in der Schlucht nicht nur die Gefahren des alpinen Bergsports präsent sind, sondern mit dem Wildwasser neue und gewichtige Risikoelemente hinzukommen. Das strömende Wasser schafft ein Gelände mit speziellen Schwierigkeiten, die den Charakter des gesamten Abstiegs oftmals entscheidend prägen. Viele, die sich auf eine Canyoning-Tour begeben, sind mit diesem Umfeld gar nicht oder ungleich weniger vertraut als mit dem Alpingelände, das vom Bergsteigen oder Klettern her gut bekannt ist.

Die Unerfahrenheit in unbekanntem Gelände führt aber nicht etwa zu einem besonders vorsichtigen und besonnenen Verhalten. Im Gegenteil, immer wieder lässt sich in Schluchten ein von Sorglosigkeit bis hin zur Risikofreude getragenes Vorgehen beobachten; auch in Ländern, in denen Canyoning recht populär ist. Unfälle bleiben nicht aus, von denen die meisten dem Gefahrenbereich des Wassers zuzuordnen sind.

Unterkühlung, Gruppengrösse und Wasserkraft

Unterkühlungsgefahr durch mangelhafte Bekleidung Der beständige Kontakt mit dem kalten Wasser der Schlucht birgt die grosse Gefahr der Unterkühlung. Sie ist auch im Hochsommer präsent, da das Schluchtwasser in Gebirgsgegenden oder bei Quellspeisung permanent sehr niedrige Temperaturen aufweist. Auch ausserhalb des Wassers ist es in den meist tief eingeschnittenen und schattigen Schluchten recht kühl. Zudem verstärkt der Wind durch den sogenannten « Wind-chill-Effekt » die Auskühlung.

Ein zuverlässiger Kälteschutz ist daher ein unabdingbarer Ausrüstungsbestandteil, der aber häufig stark vernachlässigt wird. Ein schlecht angepasster Neoprenanzug beispielsweise reduziert den Wärmeerhalt des Körpers wegen des ständig stattfindenden Wasseraustauschs drastisch. Weitgehend unterschätzt wird auch der Kälteschutz von Händen, Fussen An heiklen Abseilstellen, besonders in Wassernähe, hat die Selbstsicherung oberste Priorität; Barranco de la Foz de la Canal, spanische Zentralpyrenäen.

und Kopf. Bedenkt man, dass über diese Körperpartien grosse Mengen der Körperwärme abgestrahlt werden, sind Füsslinge, Handschuhe und Kapuze aus Neopren unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände. Eine Auskühlung des Körpers erfolgt schleichend und ist in der Schlucht nur sehr schwer wieder rückgängig zu machen. Schon die ersten Folgen einer sich im Anfangsstadium befindenden Auskühlung wie Kältezittern, Kräfte-schwund und Koordinationsprobleme führen zu gravierenden Sicherheits-defiziten, die den weitern Abstieg zu einer hochriskanten Unternehmung machen.

Gruppengrösse Die Gefahr der Unterkühlung ist in grossen Gruppen ungleich stärker ausgeprägt als in Kleingruppen, in denen die Teilnehmer nahezu ständig in Aktion bleiben. Nicht erst an Problemstellen oder schwierigen Passagen, sondern auch schon an einfachen Abseilstellen entstehen lange Wartezeiten, wenn sich Gruppen von 15 bis 20 Personen in der Schlucht bewegen. Auf stark frequentierten Touren sind regelrechte Staus unausweichlich; fehlen dann trockene Plätze und muss im Wasser gewartet werden, steigt das Risiko starker Auskühlung rapid an, wenn nicht durch eine adäquate Bekleidung vorgesorgt wird.

Die Gruppengrösse beeinflusst auch die Dauer des Abstiegs. Die Ab- Solche Ballettkunststücke auf der Felsbahn sind äusserst riskant und beinhalten grosse Verletzungsgefahr; Gondoschlucht im Wallis.

stiegszeit ist ein zentraler Sicherheitsaspekt, der bei unerwarteten Vorfällen entscheidend werden kann. Muss etwa aufgrund eines überraschenden Wetterumschwungs mit drohendem Gewitter schnellstmöglich abgestiegen werden, bildet eine grosse Gruppe ein gewaltiges Hemmnis. Wenn dann in der bedrohlich werdenden Situation das Sicherheitsverhalten vernachlässigt wird - was vor allem bei unerfahrenen Leuten zu erwarten ist-, kann es rasch zur Potenzie-rung von Unfallgefahren kommen.

Fehleinschätzung der Wasserkraft Massige Wasserführung auf einer Schluchttour täuscht viele über das Gefahrenpotential hinweg, das schon bei etwas grösseren Wassermassen markant steigt. Vermag das strömende Wasser in einer Schlucht schon bei geringeren Mengen eine enorme Wucht und Dynamik zu entwickeln, potenzieren sich diese an charakteristischen Punkten des Schluchtgeländes wie Wasserfällen, Engestellen, Verblockungen.

Mangelndes Risikobewusstsein als Folge mangelnden Wissens um die Kraft und das gefährliche Strömungs-verhalten des Wassers führt immer wieder zu Unfällen mit meist tödlichem Ausgang. Oft liegt auch die Ursache in einer Fehleinschätzung der noch verkraftbaren Wassermenge, wobei Unerfahrenheit, Leichtsinn und technische Selbstüberschätzung zusammenspielen. Wertrotz bedrohlicher Wetterlage oder bei bereits aufziehendem Gewitter « schnell » noch in eine Schlucht einsteigt, begibt sich « sehenden Auges » in akute Gefahr. Nur wenige können sich konkret vorstellen, was sich in einer Schlucht abspielt, wenn ein heftiger Platzregen niedergeht, der binnen kürzester Zeit den Pegel gewaltig ansteigen lässt, und die tosenden Wassermassen alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt

Abseilen kein Kinderspiel

Korrekt ausgeübt ist das Abseilen in der Schlucht eine attraktive Fortbewegungsart. Dies bestätigen auch viele Anfänger, die zum ersten Mal selbständig abseilen: Der Genuss am gebremsten Fall ist unverkennbar. Dabei wird aus der raschen Erlernbar-keit leider oft allzuschnell der Fehl-schluss gezogen. Abseilen sei eine technisch leichte und locker hand-habbare Sache. Aus den ersten Ab-seilerfahrungen resultiert dann rasch der Wunsch nach Steigerung des Erlebnisses, zum Beispiel durch Überwindung hoher Abbruche oder von Wasserfällen.

Unterschätzung der « Schluchtatmosphären Die Fehleinschätzung der Technik wie der eigenen Fähigkeiten kann dazu führen, dass die Risiken, die beim Abseilen in solch problematischem Gelände auftreten, als gering erachtet oder gar nicht in Betracht gezogen werden. Dazu kommt ein psychologisch/emotionaler Aspekt, den gerade Anfänger unterschätzen: Unbekanntes Schluchtgelände kann in einer ungewohnten Situation unversehens zu einer angsteinflössen-den Kulisse werden, in der weniger Routinierte falsch reagieren oder auf Grund ihrer Anspannung elementare Sicherheitsregeln vergessen.

Prädestiniert für solches Fehlverhalten ist das Abseilen im Wasserfall. Die Aufmerksamkeit gilt sowohl der emotional anrührenden Umgebung als auch der sicheren Bewältigung der neuartigen Anforderungen. Dies allein kann schon manchen überfordern, so dass die Konzentration auf das elementare technische Sicher-heitsverhalten, das bei Erfahrenen längst automatisiert ist, nachlässt. Ein an sich harmloses Ereignis wie eine kleine Wasserdusche, ein Ausrutscher oder kräftiger Wasserdruck auf den Körper usw. können schliesslich die Konzentration so auf die Bewältigung dieses Punkts richten, dass entscheidende Fehler gemacht werden.

Das Springen in Naturbecken ist ein grosses Vergnügen, es setzt aber zwingend die Abklärung der Sprungbedingun-gen voraus; Canyon du Foron, Haute-Savoie.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen Abseilmanöver im wilden Wasser: Eine Blockierung des Achters kann hochge-fährlich werden, weshalb hier kategorisch nur mit « Schnelle Achter-Position » abgeseilt werden darf; Barranco de Literola, spanische Zentralpyrenäen.

Gefahr des Blockierens Blockierungen des Abseilachters etwa durch eingezogene Gegenstände oder den gefürchteten Anker-stichknoten können im Wasserfall fatale Folgen nach sich ziehen. Anfänger reagieren panisch, da sie auf diese Situation nicht vorbereitet sind und Mittel sowie Techniken zur Lösung der Blockierung nicht kennen oder nicht beherrschen. Mehrfach ist es dabei schon zum Ertrinken am Seil gekommen, weil der Abseilende im Wasserfall festhing und sich nicht zu befreien wusste.

eines Schluchtabstiegs gemessen wird. Viele bewerten dies als das ultimative Erlebnis, sozusagen als « high-lights » des emotionalen Gewinns, den ein Schluchtabstieg bringt. Gleichzeitig konzentrieren sich hier die Unfälle mit zum Teil sehr schweren Verletzungen. Dabei handelt es sich praktisch nie um echte Risikosituationen, sondern in den allermeisten Fällen schlicht um das Missachten fundamentaler Sicherungsbedingun-gen. Erst durch dieses grundlegende Fehlverhalten werden an sich leicht vermeidbare Gefahren virulent. Erfahrungsgemäss müssen drei Punkte beachtet werden, um diesem Fehlverhalten nicht zu erliegen.

Erste Devise: gesicherte Sprung-bedingungen!

Bei jeder Sprung- und Rutschaktion ist die Beschaffenheit des Schluchtgeländes bestimmend für die sorgfältige Absicherung. Die charakteristischen Gefahrenmomente wie nasser Fels, schwierig oder heikel erreichba-

Kernproblem: Springen und Rutschen

Das Kernproblem sind aber das Springen und Rutschen, also die vorrangig favorisierten Aktivitäten, an denen meist auch das sportliche Abenteuer Das Abseilen im Wasserfall verlangt neben ausgereifter Seiltechnik eine gute Einschätzung der Wasserströmung; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

re Ausgangspunkte, Untiefen, Hindernisse und kritische Wasserströ-mungen im Becken sind für das angemessene Vorgehen zu erfassen und richtig zu beurteilen. Tritt über das sichere Springen oder Rutschen in einen Pool der geringste Zweifel auf, gibt es nur eine Konsequenz: Einer der Gruppe muss abseilen und die Bedingungen im Becken prüfen.

In der Praxis wird oft genug umgekehrt verfahren: Der Wunsch zum Springen oder Rutschen führt zur Einschätzung, « dass es schon geht » -trotz unübersehbarer zweifelhafter Bedingungen wie Wassertrübung, luftiges Prallwasser, fragwürdige Tiefe und knappe Raumverhältnisse. Einzige « Sicherheit » ist häufig die Tatsache, dass es sich um eine bekannte, häufig oder erst vor kurzem absolvierte Sprungstelle handelt. Schluchten sind jedoch steter Erosion ausgesetzt. Zu jeder Zeit können sich ausgebrochene Felsblöcke, Stämme oder Äste unter Wasser ablagern, unabhängig von Hochwasser oder starkem Niederschlag. Ein kürzlich noch taugliches Sprungbecken bietet daher keinerlei Gewähr, dass man wieder die gleichen Bedingungen antrifft.

Zweite Devise: Korrekte Selbsteinschätzung!

Verblockungen, rutschiges Terrain, Fliesswasser usw. schaffen ein Gelände, das den Zugang oder den Absprung weiter erschwert. Die richtige Sprung- oder Rutschhaltung wird stark vom sicheren Ausgangspunkt beeinflusst. Ein unkontrollierter Absprung oder Abgang in einer Felsrinne ist im Moment, wo der Körper in Bewegung kommt, nur noch schwer auszugleichen. Schon bei Höhen über 3 m kann ein missratenes Eintauchen ernste Verletzungen nach sich ziehen. Soll bei heikler Beschaffenheit der Umgebung gesprungen werden, muss die entsprechende Stelle durch ein Seilgeländer oder ein Fixseil abgesichert sein, um dem Springer eine optimale Ausgangslage zu verschaffen.

Besondere Vorsicht ist beim Abseilen geboten, wenn im Becken turbulente Strömungen vorherrschen; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

Auf diese Vorkehrungen wird häufig selbst dann noch verzichtet, wenn nicht nur der Absprung durch das Gelände kompliziert wird, sondern auch der Auftreffpunkt im Becken exakt erwischt werden muss. Treffen bei Sprüngen beide Bedingungen zusammen, verlangt diese technisch anspruchsvolle Herausforderung Erfahrung und versierte Sprungtechnik.

Von zentraler Bedeutung für den verantwortungsvollen Umgang mit den Gefahren ist die realistische Selbsteinschätzung der persönlichen technischen Fähigkeiten. Resultiert daraus ein Verzicht auf eine Sprung-oder Rutschpassage, so ist das unbedingt richtig und muss in jedem Fall bis zuletzt möglich sein, d.h., es muss immer eine gesicherte Abfahrt am Seil geboten werden, damit ein Teilnehmer sich überhaupt sicherheits-orientiert verhalten kann.

Dritte Devise: Risikobewusstsein statt Mut zum Risiko!

Der schlechteste Ratgeber für eine verantwortliche Selbsteinschätzung ist der Gruppendruck. Durch Zuspruch und Aufforderung der andern wird häufig eine situationsgerechte Einschätzung erschwert. Prekär wird der Erwartungsdruck, wenn die persönliche Überforderung mit falscher Sicherheit überspielt und anstelle des Risikobewusstseins sogenannter Mut zum Risiko verlangt wird. Nicht « Spielverderber » sein wollen, wenn andere auf unbeschwert machen, ist die gefährlichste « Konsequenz » aus der Einschätzung, dass die subjektiven Fähigkeiten der Situation nicht entsprechen.

Draufgängertum Zweifelsohne sind Springen und Rutschen ein herausragendes Erlebnis, bei dem sich der spielerische und sportliche Reiz mit dem faszinierenden Naturambiente der Schlucht verbindet. Doch diese Attraktionen werden oft genug in draufgängerischer Manier auf die Spitze getrieben, als sei das Schluchtgelände ein gut versicherter Erlebnispark. Die Suche nach dem Nervenkitzel mündet in die waghalsigsten Manöver, indem etwa Felsrinnen im Stehen oder bäuchlings mit dem Kopf voraus abgerutscht werden. An die Stelle von Risikokon-trolle tritt Risikofreude, die sich bis zum gegenseitigen Überbieten bei « Mutproben » aufschaukeln kann. In solchen Situationen Nein zu sagen, ist ein ganz wichtiger Teil des sicher-heitsbewussten Verhaltens.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen

Fragwürdigem Image vorbeugen

SZum erschreckend naiven Sicher- 5 heitsbewusstsein, das in den Schluch-^ ten immer wieder anzutreffen ist, trägt auch das Image dieses Sports ° bei. Canyoning wird als « ultimatives ^m Abenteuer voller Nervenkitzel » defi-26 niert, das leicht und schnell zu verwirklichen ist: Ein wenig Kondition, Mut und allenfalls Schwimmkennnt-nisse - und schon ist das Abenteuer perfekt. Die Frage ist berechtigt, ob nicht durch das Vorgaukeln von Leichtigkeit und Sicherheit die Entstehung eines realistischen Risikobe-wusstseins und des daran orientierten Verhaltens verbaut wird, zumal auch noch hochgeschraubte Erwartungen an das Abenteuer « Schlucht » gestellt werden.

Die mangelhafte Kenntnis oder die Fehleinschätzung der spezifischen Gefahren beim Canyoning spielen bei vielen Unfällen eine entscheidende Rolle. Umfassende Informationen, die die zentralen Gefahrenquellen und den verantwortlichen Umgang damit ansprechen, können da Abhilfe schaffen. Nur wer für die Risiken beim Canyoning sensibilisiert ist, bemüht sich um das wünschenswerte Sicherheitsbewusstsein. Roger Büdeler, Hamburg

oies eì sites nouveaux

Canyoning - ein harmloses Abenteuer?

Unfälle mangels Risikobewusst-sein Wer in Fels und Eis steigt oder klettert, weiss, dass er sich in gefährlichem Terrain bewegt. Beim Canyoning, dem neuen Erlebnissport in Fels und Wasser, scheint ein grundlegendes Risikobewusst-sein hingegen noch wenig verbreitet zu sein. Dies zeigt sich in Form von fehlenden Sicherheitsvorkehrungen, was immer wieder zu Unfällen führt. Besonders auffällig ist dies bei den sportlichen Hauptattraktionen des Canyoning, dem Springen und Rutschen.

Der Mangel an Risikobewusstsein ist um so bemerkenswerter, als in der Schlucht nicht nur die Gefahren des alpinen Bergsports präsent sind, sondern mit dem Wildwasser neue und gewichtige Risikoelemente hinzukommen. Das strömende Wasser schafft ein Gelände mit speziellen Schwierigkeiten, die den Charakter des gesamten Abstiegs oftmals entscheidend prägen. Viele, die sich auf eine Canyoning-Tour begeben, sind mit diesem Umfeld gar nicht oder ungleich weniger vertraut als mit dem Alpingelände, das vom Bergsteigen oder Klettern her gut bekannt ist.

Die Unerfahrenheit in unbekanntem Gelände führt aber nicht etwa zu einem besonders vorsichtigen und besonnenen Verhalten. Im Gegenteil, immer wieder lässt sich in Schluchten ein von Sorglosigkeit bis hin zur Risikofreude getragenes Vorgehen beobachten; auch in Ländern, in denen Canyoning recht populär ist. Unfälle bleiben nicht aus, von denen die meisten dem Gefahrenbereich des Wassers zuzuordnen sind.

Unterkühlung, Gruppengrösse und Wasserkraft

Unterkühlungsgefahr durch mangelhafte Bekleidung Der beständige Kontakt mit dem kalten Wasser der Schlucht birgt die grosse Gefahr der Unterkühlung. Sie ist auch im Hochsommer präsent, da das Schluchtwasser in Gebirgsgegenden oder bei Quellspeisung permanent sehr niedrige Temperaturen aufweist. Auch ausserhalb des Wassers ist es in den meist tief eingeschnittenen und schattigen Schluchten recht kühl. Zudem verstärkt der Wind durch den sogenannten « Wind-chill-Effekt » die Auskühlung.

Ein zuverlässiger Kälteschutz ist daher ein unabdingbarer Ausrüstungsbestandteil, der aber häufig stark vernachlässigt wird. Ein schlecht angepasster Neoprenanzug beispielsweise reduziert den Wärmeerhalt des Körpers wegen des ständig stattfindenden Wasseraustauschs drastisch. Weitgehend unterschätzt wird auch der Kälteschutz von Händen, Fussen An heiklen Abseilstellen, besonders in Wassernähe, hat die Selbstsicherung oberste Priorität; Barranco de la Foz de la Canal, spanische Zentralpyrenäen.

und Kopf. Bedenkt man, dass über diese Körperpartien grosse Mengen der Körperwärme abgestrahlt werden, sind Füsslinge, Handschuhe und Kapuze aus Neopren unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände. Eine Auskühlung des Körpers erfolgt schleichend und ist in der Schlucht nur sehr schwer wieder rückgängig zu machen. Schon die ersten Folgen einer sich im Anfangsstadium befindenden Auskühlung wie Kältezittern, Kräfte-schwund und Koordinationsprobleme führen zu gravierenden Sicherheits-defiziten, die den weitern Abstieg zu einer hochriskanten Unternehmung machen.

Gruppengrösse Die Gefahr der Unterkühlung ist in grossen Gruppen ungleich stärker ausgeprägt als in Kleingruppen, in denen die Teilnehmer nahezu ständig in Aktion bleiben. Nicht erst an Problemstellen oder schwierigen Passagen, sondern auch schon an einfachen Abseilstellen entstehen lange Wartezeiten, wenn sich Gruppen von 15 bis 20 Personen in der Schlucht bewegen. Auf stark frequentierten Touren sind regelrechte Staus unausweichlich; fehlen dann trockene Plätze und muss im Wasser gewartet werden, steigt das Risiko starker Auskühlung rapid an, wenn nicht durch eine adäquate Bekleidung vorgesorgt wird.

Die Gruppengrösse beeinflusst auch die Dauer des Abstiegs. Die Ab- Solche Ballettkunststücke auf der Felsbahn sind äusserst riskant und beinhalten grosse Verletzungsgefahr; Gondoschlucht im Wallis.

stiegszeit ist ein zentraler Sicherheitsaspekt, der bei unerwarteten Vorfällen entscheidend werden kann. Muss etwa aufgrund eines überraschenden Wetterumschwungs mit drohendem Gewitter schnellstmöglich abgestiegen werden, bildet eine grosse Gruppe ein gewaltiges Hemmnis. Wenn dann in der bedrohlich werdenden Situation das Sicherheitsverhalten vernachlässigt wird - was vor allem bei unerfahrenen Leuten zu erwarten ist-, kann es rasch zur Potenzie-rung von Unfallgefahren kommen.

Fehleinschätzung der Wasserkraft Massige Wasserführung auf einer Schluchttour täuscht viele über das Gefahrenpotential hinweg, das schon bei etwas grösseren Wassermassen markant steigt. Vermag das strömende Wasser in einer Schlucht schon bei geringeren Mengen eine enorme Wucht und Dynamik zu entwickeln, potenzieren sich diese an charakteristischen Punkten des Schluchtgeländes wie Wasserfällen, Engestellen, Verblockungen.

Mangelndes Risikobewusstsein als Folge mangelnden Wissens um die Kraft und das gefährliche Strömungs-verhalten des Wassers führt immer wieder zu Unfällen mit meist tödlichem Ausgang. Oft liegt auch die Ursache in einer Fehleinschätzung der noch verkraftbaren Wassermenge, wobei Unerfahrenheit, Leichtsinn und technische Selbstüberschätzung zusammenspielen. Wertrotz bedrohlicher Wetterlage oder bei bereits aufziehendem Gewitter « schnell » noch in eine Schlucht einsteigt, begibt sich « sehenden Auges » in akute Gefahr. Nur wenige können sich konkret vorstellen, was sich in einer Schlucht abspielt, wenn ein heftiger Platzregen niedergeht, der binnen kürzester Zeit den Pegel gewaltig ansteigen lässt, und die tosenden Wassermassen alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt

Abseilen kein Kinderspiel

Korrekt ausgeübt ist das Abseilen in der Schlucht eine attraktive Fortbewegungsart. Dies bestätigen auch viele Anfänger, die zum ersten Mal selbständig abseilen: Der Genuss am gebremsten Fall ist unverkennbar. Dabei wird aus der raschen Erlernbar-keit leider oft allzuschnell der Fehl-schluss gezogen. Abseilen sei eine technisch leichte und locker hand-habbare Sache. Aus den ersten Ab-seilerfahrungen resultiert dann rasch der Wunsch nach Steigerung des Erlebnisses, zum Beispiel durch Überwindung hoher Abbruche oder von Wasserfällen.

Unterschätzung der « Schluchtatmosphären Die Fehleinschätzung der Technik wie der eigenen Fähigkeiten kann dazu führen, dass die Risiken, die beim Abseilen in solch problematischem Gelände auftreten, als gering erachtet oder gar nicht in Betracht gezogen werden. Dazu kommt ein psychologisch/emotionaler Aspekt, den gerade Anfänger unterschätzen: Unbekanntes Schluchtgelände kann in einer ungewohnten Situation unversehens zu einer angsteinflössen-den Kulisse werden, in der weniger Routinierte falsch reagieren oder auf Grund ihrer Anspannung elementare Sicherheitsregeln vergessen.

Prädestiniert für solches Fehlverhalten ist das Abseilen im Wasserfall. Die Aufmerksamkeit gilt sowohl der emotional anrührenden Umgebung als auch der sicheren Bewältigung der neuartigen Anforderungen. Dies allein kann schon manchen überfordern, so dass die Konzentration auf das elementare technische Sicher-heitsverhalten, das bei Erfahrenen längst automatisiert ist, nachlässt. Ein an sich harmloses Ereignis wie eine kleine Wasserdusche, ein Ausrutscher oder kräftiger Wasserdruck auf den Körper usw. können schliesslich die Konzentration so auf die Bewältigung dieses Punkts richten, dass entscheidende Fehler gemacht werden.

Das Springen in Naturbecken ist ein grosses Vergnügen, es setzt aber zwingend die Abklärung der Sprungbedingun-gen voraus; Canyon du Foron, Haute-Savoie.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen Abseilmanöver im wilden Wasser: Eine Blockierung des Achters kann hochge-fährlich werden, weshalb hier kategorisch nur mit « Schnelle Achter-Position » abgeseilt werden darf; Barranco de Literola, spanische Zentralpyrenäen.

Gefahr des Blockierens Blockierungen des Abseilachters etwa durch eingezogene Gegenstände oder den gefürchteten Anker-stichknoten können im Wasserfall fatale Folgen nach sich ziehen. Anfänger reagieren panisch, da sie auf diese Situation nicht vorbereitet sind und Mittel sowie Techniken zur Lösung der Blockierung nicht kennen oder nicht beherrschen. Mehrfach ist es dabei schon zum Ertrinken am Seil gekommen, weil der Abseilende im Wasserfall festhing und sich nicht zu befreien wusste.

eines Schluchtabstiegs gemessen wird. Viele bewerten dies als das ultimative Erlebnis, sozusagen als « high-lights » des emotionalen Gewinns, den ein Schluchtabstieg bringt. Gleichzeitig konzentrieren sich hier die Unfälle mit zum Teil sehr schweren Verletzungen. Dabei handelt es sich praktisch nie um echte Risikosituationen, sondern in den allermeisten Fällen schlicht um das Missachten fundamentaler Sicherungsbedingun-gen. Erst durch dieses grundlegende Fehlverhalten werden an sich leicht vermeidbare Gefahren virulent. Erfahrungsgemäss müssen drei Punkte beachtet werden, um diesem Fehlverhalten nicht zu erliegen.

Erste Devise: gesicherte Sprung-bedingungen!

Bei jeder Sprung- und Rutschaktion ist die Beschaffenheit des Schluchtgeländes bestimmend für die sorgfältige Absicherung. Die charakteristischen Gefahrenmomente wie nasser Fels, schwierig oder heikel erreichba-

Kernproblem: Springen und Rutschen

Das Kernproblem sind aber das Springen und Rutschen, also die vorrangig favorisierten Aktivitäten, an denen meist auch das sportliche Abenteuer Das Abseilen im Wasserfall verlangt neben ausgereifter Seiltechnik eine gute Einschätzung der Wasserströmung; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

re Ausgangspunkte, Untiefen, Hindernisse und kritische Wasserströ-mungen im Becken sind für das angemessene Vorgehen zu erfassen und richtig zu beurteilen. Tritt über das sichere Springen oder Rutschen in einen Pool der geringste Zweifel auf, gibt es nur eine Konsequenz: Einer der Gruppe muss abseilen und die Bedingungen im Becken prüfen.

In der Praxis wird oft genug umgekehrt verfahren: Der Wunsch zum Springen oder Rutschen führt zur Einschätzung, « dass es schon geht » -trotz unübersehbarer zweifelhafter Bedingungen wie Wassertrübung, luftiges Prallwasser, fragwürdige Tiefe und knappe Raumverhältnisse. Einzige « Sicherheit » ist häufig die Tatsache, dass es sich um eine bekannte, häufig oder erst vor kurzem absolvierte Sprungstelle handelt. Schluchten sind jedoch steter Erosion ausgesetzt. Zu jeder Zeit können sich ausgebrochene Felsblöcke, Stämme oder Äste unter Wasser ablagern, unabhängig von Hochwasser oder starkem Niederschlag. Ein kürzlich noch taugliches Sprungbecken bietet daher keinerlei Gewähr, dass man wieder die gleichen Bedingungen antrifft.

Zweite Devise: Korrekte Selbsteinschätzung!

Verblockungen, rutschiges Terrain, Fliesswasser usw. schaffen ein Gelände, das den Zugang oder den Absprung weiter erschwert. Die richtige Sprung- oder Rutschhaltung wird stark vom sicheren Ausgangspunkt beeinflusst. Ein unkontrollierter Absprung oder Abgang in einer Felsrinne ist im Moment, wo der Körper in Bewegung kommt, nur noch schwer auszugleichen. Schon bei Höhen über 3 m kann ein missratenes Eintauchen ernste Verletzungen nach sich ziehen. Soll bei heikler Beschaffenheit der Umgebung gesprungen werden, muss die entsprechende Stelle durch ein Seilgeländer oder ein Fixseil abgesichert sein, um dem Springer eine optimale Ausgangslage zu verschaffen.

Besondere Vorsicht ist beim Abseilen geboten, wenn im Becken turbulente Strömungen vorherrschen; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

Auf diese Vorkehrungen wird häufig selbst dann noch verzichtet, wenn nicht nur der Absprung durch das Gelände kompliziert wird, sondern auch der Auftreffpunkt im Becken exakt erwischt werden muss. Treffen bei Sprüngen beide Bedingungen zusammen, verlangt diese technisch anspruchsvolle Herausforderung Erfahrung und versierte Sprungtechnik.

Von zentraler Bedeutung für den verantwortungsvollen Umgang mit den Gefahren ist die realistische Selbsteinschätzung der persönlichen technischen Fähigkeiten. Resultiert daraus ein Verzicht auf eine Sprung-oder Rutschpassage, so ist das unbedingt richtig und muss in jedem Fall bis zuletzt möglich sein, d.h., es muss immer eine gesicherte Abfahrt am Seil geboten werden, damit ein Teilnehmer sich überhaupt sicherheits-orientiert verhalten kann.

Dritte Devise: Risikobewusstsein statt Mut zum Risiko!

Der schlechteste Ratgeber für eine verantwortliche Selbsteinschätzung ist der Gruppendruck. Durch Zuspruch und Aufforderung der andern wird häufig eine situationsgerechte Einschätzung erschwert. Prekär wird der Erwartungsdruck, wenn die persönliche Überforderung mit falscher Sicherheit überspielt und anstelle des Risikobewusstseins sogenannter Mut zum Risiko verlangt wird. Nicht « Spielverderber » sein wollen, wenn andere auf unbeschwert machen, ist die gefährlichste « Konsequenz » aus der Einschätzung, dass die subjektiven Fähigkeiten der Situation nicht entsprechen.

Draufgängertum Zweifelsohne sind Springen und Rutschen ein herausragendes Erlebnis, bei dem sich der spielerische und sportliche Reiz mit dem faszinierenden Naturambiente der Schlucht verbindet. Doch diese Attraktionen werden oft genug in draufgängerischer Manier auf die Spitze getrieben, als sei das Schluchtgelände ein gut versicherter Erlebnispark. Die Suche nach dem Nervenkitzel mündet in die waghalsigsten Manöver, indem etwa Felsrinnen im Stehen oder bäuchlings mit dem Kopf voraus abgerutscht werden. An die Stelle von Risikokon-trolle tritt Risikofreude, die sich bis zum gegenseitigen Überbieten bei « Mutproben » aufschaukeln kann. In solchen Situationen Nein zu sagen, ist ein ganz wichtiger Teil des sicher-heitsbewussten Verhaltens.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen

Fragwürdigem Image vorbeugen

SZum erschreckend naiven Sicher- 5 heitsbewusstsein, das in den Schluch-^ ten immer wieder anzutreffen ist, trägt auch das Image dieses Sports ° bei. Canyoning wird als « ultimatives ^m Abenteuer voller Nervenkitzel » defi-26 niert, das leicht und schnell zu verwirklichen ist: Ein wenig Kondition, Mut und allenfalls Schwimmkennnt-nisse - und schon ist das Abenteuer perfekt. Die Frage ist berechtigt, ob nicht durch das Vorgaukeln von Leichtigkeit und Sicherheit die Entstehung eines realistischen Risikobe-wusstseins und des daran orientierten Verhaltens verbaut wird, zumal auch noch hochgeschraubte Erwartungen an das Abenteuer « Schlucht » gestellt werden.

Die mangelhafte Kenntnis oder die Fehleinschätzung der spezifischen Gefahren beim Canyoning spielen bei vielen Unfällen eine entscheidende Rolle. Umfassende Informationen, die die zentralen Gefahrenquellen und den verantwortlichen Umgang damit ansprechen, können da Abhilfe schaffen. Nur wer für die Risiken beim Canyoning sensibilisiert ist, bemüht sich um das wünschenswerte Sicherheitsbewusstsein. Roger Büdeler, Hamburg

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Canyoning - ein harmloses Abenteuer?

Unfälle mangels Risikobewusst-sein Wer in Fels und Eis steigt oder klettert, weiss, dass er sich in gefährlichem Terrain bewegt. Beim Canyoning, dem neuen Erlebnissport in Fels und Wasser, scheint ein grundlegendes Risikobewusst-sein hingegen noch wenig verbreitet zu sein. Dies zeigt sich in Form von fehlenden Sicherheitsvorkehrungen, was immer wieder zu Unfällen führt. Besonders auffällig ist dies bei den sportlichen Hauptattraktionen des Canyoning, dem Springen und Rutschen.

Der Mangel an Risikobewusstsein ist um so bemerkenswerter, als in der Schlucht nicht nur die Gefahren des alpinen Bergsports präsent sind, sondern mit dem Wildwasser neue und gewichtige Risikoelemente hinzukommen. Das strömende Wasser schafft ein Gelände mit speziellen Schwierigkeiten, die den Charakter des gesamten Abstiegs oftmals entscheidend prägen. Viele, die sich auf eine Canyoning-Tour begeben, sind mit diesem Umfeld gar nicht oder ungleich weniger vertraut als mit dem Alpingelände, das vom Bergsteigen oder Klettern her gut bekannt ist.

Die Unerfahrenheit in unbekanntem Gelände führt aber nicht etwa zu einem besonders vorsichtigen und besonnenen Verhalten. Im Gegenteil, immer wieder lässt sich in Schluchten ein von Sorglosigkeit bis hin zur Risikofreude getragenes Vorgehen beobachten; auch in Ländern, in denen Canyoning recht populär ist. Unfälle bleiben nicht aus, von denen die meisten dem Gefahrenbereich des Wassers zuzuordnen sind.

Unterkühlung, Gruppengrösse und Wasserkraft

Unterkühlungsgefahr durch mangelhafte Bekleidung Der beständige Kontakt mit dem kalten Wasser der Schlucht birgt die grosse Gefahr der Unterkühlung. Sie ist auch im Hochsommer präsent, da das Schluchtwasser in Gebirgsgegenden oder bei Quellspeisung permanent sehr niedrige Temperaturen aufweist. Auch ausserhalb des Wassers ist es in den meist tief eingeschnittenen und schattigen Schluchten recht kühl. Zudem verstärkt der Wind durch den sogenannten « Wind-chill-Effekt » die Auskühlung.

Ein zuverlässiger Kälteschutz ist daher ein unabdingbarer Ausrüstungsbestandteil, der aber häufig stark vernachlässigt wird. Ein schlecht angepasster Neoprenanzug beispielsweise reduziert den Wärmeerhalt des Körpers wegen des ständig stattfindenden Wasseraustauschs drastisch. Weitgehend unterschätzt wird auch der Kälteschutz von Händen, Fussen An heiklen Abseilstellen, besonders in Wassernähe, hat die Selbstsicherung oberste Priorität; Barranco de la Foz de la Canal, spanische Zentralpyrenäen.

und Kopf. Bedenkt man, dass über diese Körperpartien grosse Mengen der Körperwärme abgestrahlt werden, sind Füsslinge, Handschuhe und Kapuze aus Neopren unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände. Eine Auskühlung des Körpers erfolgt schleichend und ist in der Schlucht nur sehr schwer wieder rückgängig zu machen. Schon die ersten Folgen einer sich im Anfangsstadium befindenden Auskühlung wie Kältezittern, Kräfte-schwund und Koordinationsprobleme führen zu gravierenden Sicherheits-defiziten, die den weitern Abstieg zu einer hochriskanten Unternehmung machen.

Gruppengrösse Die Gefahr der Unterkühlung ist in grossen Gruppen ungleich stärker ausgeprägt als in Kleingruppen, in denen die Teilnehmer nahezu ständig in Aktion bleiben. Nicht erst an Problemstellen oder schwierigen Passagen, sondern auch schon an einfachen Abseilstellen entstehen lange Wartezeiten, wenn sich Gruppen von 15 bis 20 Personen in der Schlucht bewegen. Auf stark frequentierten Touren sind regelrechte Staus unausweichlich; fehlen dann trockene Plätze und muss im Wasser gewartet werden, steigt das Risiko starker Auskühlung rapid an, wenn nicht durch eine adäquate Bekleidung vorgesorgt wird.

Die Gruppengrösse beeinflusst auch die Dauer des Abstiegs. Die Ab- Solche Ballettkunststücke auf der Felsbahn sind äusserst riskant und beinhalten grosse Verletzungsgefahr; Gondoschlucht im Wallis.

stiegszeit ist ein zentraler Sicherheitsaspekt, der bei unerwarteten Vorfällen entscheidend werden kann. Muss etwa aufgrund eines überraschenden Wetterumschwungs mit drohendem Gewitter schnellstmöglich abgestiegen werden, bildet eine grosse Gruppe ein gewaltiges Hemmnis. Wenn dann in der bedrohlich werdenden Situation das Sicherheitsverhalten vernachlässigt wird - was vor allem bei unerfahrenen Leuten zu erwarten ist-, kann es rasch zur Potenzie-rung von Unfallgefahren kommen.

Fehleinschätzung der Wasserkraft Massige Wasserführung auf einer Schluchttour täuscht viele über das Gefahrenpotential hinweg, das schon bei etwas grösseren Wassermassen markant steigt. Vermag das strömende Wasser in einer Schlucht schon bei geringeren Mengen eine enorme Wucht und Dynamik zu entwickeln, potenzieren sich diese an charakteristischen Punkten des Schluchtgeländes wie Wasserfällen, Engestellen, Verblockungen.

Mangelndes Risikobewusstsein als Folge mangelnden Wissens um die Kraft und das gefährliche Strömungs-verhalten des Wassers führt immer wieder zu Unfällen mit meist tödlichem Ausgang. Oft liegt auch die Ursache in einer Fehleinschätzung der noch verkraftbaren Wassermenge, wobei Unerfahrenheit, Leichtsinn und technische Selbstüberschätzung zusammenspielen. Wertrotz bedrohlicher Wetterlage oder bei bereits aufziehendem Gewitter « schnell » noch in eine Schlucht einsteigt, begibt sich « sehenden Auges » in akute Gefahr. Nur wenige können sich konkret vorstellen, was sich in einer Schlucht abspielt, wenn ein heftiger Platzregen niedergeht, der binnen kürzester Zeit den Pegel gewaltig ansteigen lässt, und die tosenden Wassermassen alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt

Abseilen kein Kinderspiel

Korrekt ausgeübt ist das Abseilen in der Schlucht eine attraktive Fortbewegungsart. Dies bestätigen auch viele Anfänger, die zum ersten Mal selbständig abseilen: Der Genuss am gebremsten Fall ist unverkennbar. Dabei wird aus der raschen Erlernbar-keit leider oft allzuschnell der Fehl-schluss gezogen. Abseilen sei eine technisch leichte und locker hand-habbare Sache. Aus den ersten Ab-seilerfahrungen resultiert dann rasch der Wunsch nach Steigerung des Erlebnisses, zum Beispiel durch Überwindung hoher Abbruche oder von Wasserfällen.

Unterschätzung der « Schluchtatmosphären Die Fehleinschätzung der Technik wie der eigenen Fähigkeiten kann dazu führen, dass die Risiken, die beim Abseilen in solch problematischem Gelände auftreten, als gering erachtet oder gar nicht in Betracht gezogen werden. Dazu kommt ein psychologisch/emotionaler Aspekt, den gerade Anfänger unterschätzen: Unbekanntes Schluchtgelände kann in einer ungewohnten Situation unversehens zu einer angsteinflössen-den Kulisse werden, in der weniger Routinierte falsch reagieren oder auf Grund ihrer Anspannung elementare Sicherheitsregeln vergessen.

Prädestiniert für solches Fehlverhalten ist das Abseilen im Wasserfall. Die Aufmerksamkeit gilt sowohl der emotional anrührenden Umgebung als auch der sicheren Bewältigung der neuartigen Anforderungen. Dies allein kann schon manchen überfordern, so dass die Konzentration auf das elementare technische Sicher-heitsverhalten, das bei Erfahrenen längst automatisiert ist, nachlässt. Ein an sich harmloses Ereignis wie eine kleine Wasserdusche, ein Ausrutscher oder kräftiger Wasserdruck auf den Körper usw. können schliesslich die Konzentration so auf die Bewältigung dieses Punkts richten, dass entscheidende Fehler gemacht werden.

Das Springen in Naturbecken ist ein grosses Vergnügen, es setzt aber zwingend die Abklärung der Sprungbedingun-gen voraus; Canyon du Foron, Haute-Savoie.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen Abseilmanöver im wilden Wasser: Eine Blockierung des Achters kann hochge-fährlich werden, weshalb hier kategorisch nur mit « Schnelle Achter-Position » abgeseilt werden darf; Barranco de Literola, spanische Zentralpyrenäen.

Gefahr des Blockierens Blockierungen des Abseilachters etwa durch eingezogene Gegenstände oder den gefürchteten Anker-stichknoten können im Wasserfall fatale Folgen nach sich ziehen. Anfänger reagieren panisch, da sie auf diese Situation nicht vorbereitet sind und Mittel sowie Techniken zur Lösung der Blockierung nicht kennen oder nicht beherrschen. Mehrfach ist es dabei schon zum Ertrinken am Seil gekommen, weil der Abseilende im Wasserfall festhing und sich nicht zu befreien wusste.

eines Schluchtabstiegs gemessen wird. Viele bewerten dies als das ultimative Erlebnis, sozusagen als « high-lights » des emotionalen Gewinns, den ein Schluchtabstieg bringt. Gleichzeitig konzentrieren sich hier die Unfälle mit zum Teil sehr schweren Verletzungen. Dabei handelt es sich praktisch nie um echte Risikosituationen, sondern in den allermeisten Fällen schlicht um das Missachten fundamentaler Sicherungsbedingun-gen. Erst durch dieses grundlegende Fehlverhalten werden an sich leicht vermeidbare Gefahren virulent. Erfahrungsgemäss müssen drei Punkte beachtet werden, um diesem Fehlverhalten nicht zu erliegen.

Erste Devise: gesicherte Sprung-bedingungen!

Bei jeder Sprung- und Rutschaktion ist die Beschaffenheit des Schluchtgeländes bestimmend für die sorgfältige Absicherung. Die charakteristischen Gefahrenmomente wie nasser Fels, schwierig oder heikel erreichba-

Kernproblem: Springen und Rutschen

Das Kernproblem sind aber das Springen und Rutschen, also die vorrangig favorisierten Aktivitäten, an denen meist auch das sportliche Abenteuer Das Abseilen im Wasserfall verlangt neben ausgereifter Seiltechnik eine gute Einschätzung der Wasserströmung; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

re Ausgangspunkte, Untiefen, Hindernisse und kritische Wasserströ-mungen im Becken sind für das angemessene Vorgehen zu erfassen und richtig zu beurteilen. Tritt über das sichere Springen oder Rutschen in einen Pool der geringste Zweifel auf, gibt es nur eine Konsequenz: Einer der Gruppe muss abseilen und die Bedingungen im Becken prüfen.

In der Praxis wird oft genug umgekehrt verfahren: Der Wunsch zum Springen oder Rutschen führt zur Einschätzung, « dass es schon geht » -trotz unübersehbarer zweifelhafter Bedingungen wie Wassertrübung, luftiges Prallwasser, fragwürdige Tiefe und knappe Raumverhältnisse. Einzige « Sicherheit » ist häufig die Tatsache, dass es sich um eine bekannte, häufig oder erst vor kurzem absolvierte Sprungstelle handelt. Schluchten sind jedoch steter Erosion ausgesetzt. Zu jeder Zeit können sich ausgebrochene Felsblöcke, Stämme oder Äste unter Wasser ablagern, unabhängig von Hochwasser oder starkem Niederschlag. Ein kürzlich noch taugliches Sprungbecken bietet daher keinerlei Gewähr, dass man wieder die gleichen Bedingungen antrifft.

Zweite Devise: Korrekte Selbsteinschätzung!

Verblockungen, rutschiges Terrain, Fliesswasser usw. schaffen ein Gelände, das den Zugang oder den Absprung weiter erschwert. Die richtige Sprung- oder Rutschhaltung wird stark vom sicheren Ausgangspunkt beeinflusst. Ein unkontrollierter Absprung oder Abgang in einer Felsrinne ist im Moment, wo der Körper in Bewegung kommt, nur noch schwer auszugleichen. Schon bei Höhen über 3 m kann ein missratenes Eintauchen ernste Verletzungen nach sich ziehen. Soll bei heikler Beschaffenheit der Umgebung gesprungen werden, muss die entsprechende Stelle durch ein Seilgeländer oder ein Fixseil abgesichert sein, um dem Springer eine optimale Ausgangslage zu verschaffen.

Besondere Vorsicht ist beim Abseilen geboten, wenn im Becken turbulente Strömungen vorherrschen; Canyon du Clevieux, Haute-Savoie.

Auf diese Vorkehrungen wird häufig selbst dann noch verzichtet, wenn nicht nur der Absprung durch das Gelände kompliziert wird, sondern auch der Auftreffpunkt im Becken exakt erwischt werden muss. Treffen bei Sprüngen beide Bedingungen zusammen, verlangt diese technisch anspruchsvolle Herausforderung Erfahrung und versierte Sprungtechnik.

Von zentraler Bedeutung für den verantwortungsvollen Umgang mit den Gefahren ist die realistische Selbsteinschätzung der persönlichen technischen Fähigkeiten. Resultiert daraus ein Verzicht auf eine Sprung-oder Rutschpassage, so ist das unbedingt richtig und muss in jedem Fall bis zuletzt möglich sein, d.h., es muss immer eine gesicherte Abfahrt am Seil geboten werden, damit ein Teilnehmer sich überhaupt sicherheits-orientiert verhalten kann.

Dritte Devise: Risikobewusstsein statt Mut zum Risiko!

Der schlechteste Ratgeber für eine verantwortliche Selbsteinschätzung ist der Gruppendruck. Durch Zuspruch und Aufforderung der andern wird häufig eine situationsgerechte Einschätzung erschwert. Prekär wird der Erwartungsdruck, wenn die persönliche Überforderung mit falscher Sicherheit überspielt und anstelle des Risikobewusstseins sogenannter Mut zum Risiko verlangt wird. Nicht « Spielverderber » sein wollen, wenn andere auf unbeschwert machen, ist die gefährlichste « Konsequenz » aus der Einschätzung, dass die subjektiven Fähigkeiten der Situation nicht entsprechen.

Draufgängertum Zweifelsohne sind Springen und Rutschen ein herausragendes Erlebnis, bei dem sich der spielerische und sportliche Reiz mit dem faszinierenden Naturambiente der Schlucht verbindet. Doch diese Attraktionen werden oft genug in draufgängerischer Manier auf die Spitze getrieben, als sei das Schluchtgelände ein gut versicherter Erlebnispark. Die Suche nach dem Nervenkitzel mündet in die waghalsigsten Manöver, indem etwa Felsrinnen im Stehen oder bäuchlings mit dem Kopf voraus abgerutscht werden. An die Stelle von Risikokon-trolle tritt Risikofreude, die sich bis zum gegenseitigen Überbieten bei « Mutproben » aufschaukeln kann. In solchen Situationen Nein zu sagen, ist ein ganz wichtiger Teil des sicher-heitsbewussten Verhaltens.

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen

Fragwürdigem Image vorbeugen

SZum erschreckend naiven Sicher- 5 heitsbewusstsein, das in den Schluch-^ ten immer wieder anzutreffen ist, trägt auch das Image dieses Sports ° bei. Canyoning wird als « ultimatives ^m Abenteuer voller Nervenkitzel » defi-26 niert, das leicht und schnell zu verwirklichen ist: Ein wenig Kondition, Mut und allenfalls Schwimmkennnt-nisse - und schon ist das Abenteuer perfekt. Die Frage ist berechtigt, ob nicht durch das Vorgaukeln von Leichtigkeit und Sicherheit die Entstehung eines realistischen Risikobe-wusstseins und des daran orientierten Verhaltens verbaut wird, zumal auch noch hochgeschraubte Erwartungen an das Abenteuer « Schlucht » gestellt werden.

Die mangelhafte Kenntnis oder die Fehleinschätzung der spezifischen Gefahren beim Canyoning spielen bei vielen Unfällen eine entscheidende Rolle. Umfassende Informationen, die die zentralen Gefahrenquellen und den verantwortlichen Umgang damit ansprechen, können da Abhilfe schaffen. Nur wer für die Risiken beim Canyoning sensibilisiert ist, bemüht sich um das wünschenswerte Sicherheitsbewusstsein. Roger Büdeler, Hamburg

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