Darf man noch Bergtouren im Ausland machen? Pro: Kari Kobler

Das Thema Klimawandel ist in aller Munde. Auch Bergsportler kommen nicht darum herum, sich Gedanken zu machen. Darf man noch ins Flugzeug steigen, um eine Bergtour zu machen? Liegt ein Himalaya-Trekking, Bergsteigen in den Anden oder Skitouren in Norwegen noch drin? Wir haben Kari Kobler, Expeditionsleiter, und Kaspar Schuler, Co-Geschäftsleiter Cipra International, diese Fragen gestellt.

Stell dir vor, es gibt Millionen von Menschen, die auf Touristen warten, und keiner fährt oder fliegt mehr zu ihnen hin.

Bedrückend ist, dass eigentlich allein schon die Anwesenheit von Menschen dem Klima schadet. Die Welt ist kleiner geworden, seitdem wir reisen können, und fast alle reisen wir! Dass wir unsere Welt neu ordnen müssen, steht ausser Frage, doch wie und wann das geschehen soll, wird zur grössten Herausforderung der Zukunft der Menschheit werden. Und dass sich deshalb vor allem junge Menschen für die zwingende Veränderung der Welt einsetzen, ist wohl für jeden von uns nachvollziehbar.

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Reisen verbindet Menschen, und darum sollten Menschen weiterhin reisen dürfen!

Heute gibt jeder dem anderen die Schuld. Die einen bezeichnen die Kreuzfahrttouristen als die grossen Übeltäter. Die «Heiligen» prangern diejenigen an, die fliegen. Die Expeditionen der Gegenwart wiederum halten den Expeditionen von früher vor, dass sie Abfall und sogar Menschen an den hohen Bergen hinterlassen hätten. Also Schuldzuweisungen von einer Seite zur anderen. Doch Schuld und Verantwortung tragen wir alle, die überhaupt auf der Erde sind, und da stellt sich dann auch die grundsätzliche Frage: «Warum sind wir überhaupt hier?»

Und was spricht für das Reisen? Ein wichtiger Punkt ist die Arbeit, die durch das Reisen geschaffen wird. Unglaublich viele Menschen generieren ihren Lohn und das Auskommen der Familie über den Tourismus. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass dies einmal nicht mehr der Fall sein könnte. Ein Beispiel sei genannt: In Pakistan leben ganze Täler, Dörfer und Familien vom Einkommen der Expeditionen und Trekkings. Nepal ohne Tourismus ist gar nicht mehr vorstellbar.

Dann sei mal ein Punkt genannt, von dem niemand spricht: Wir in Europa haben seit sieben Jahrzehnten keinen Krieg mehr geführt. Obwohl wir jedes Jahr mehr Waffen herstellen. Warum? Vielleicht weil wir Menschen uns – durch das Reisen! – immer näherkommen und immer mehr Verständnis für unsere Nachbarn haben? Reisen verbindet Menschen, und darum sollten Menschen weiterhin reisen dürfen!

Kari Kobler ist Mitbegründer von Kobler & Partner, einem der führenden Expeditionsunternehmen in der Schweiz. 1985 machte er das Bergführerdiplom und sammelte darauf die ersten Erfahrungen als Expeditionsleiter. Bis heute hat er unzählige Expeditionen in Asien und Südamerika geleitet, darunter 19 Everest-Expeditionen. Selbst stand er sechsmal auf dem Mount Everest und auf weiteren Achttausendern wie dem K2, dem Broad Peak und dem Gasherbrum.

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