Der 5. Grad beim Holzfeuer

Die Wärme eines Holzfeuers ist eine der ältesten Energieformen, die der Mensch nutzt. Die einfachsten Formen werden noch immer genutzt, sei es für das Braten einer Servelat oder einfach zum Drumherum-Sitzen. Wer aber die Herausforderung liebt, kann mit einem Holzfeuer viel mehr erreichen als nur das Knacken der Scheiter. Um einen hohen Wirkungsgrad und eine minimale Abgasbelastung zu erzielen, braucht es moderne Ofen und die richtige Bedienung.

Ein Helikopter fliegt einen Ster Holz von einem Bergwald zu einer 1000 Meter höher liegenden SAC-Hütte. Dort wird das Holz gespalten und auf Beigen geschichtet. Während des Winters legen müde Tourengänger die bereitliegenden Scheiter in den Herd und entfachen ein wohliges Feuer. Eine warme Hütte und ein dampfendes Nachtessen sorgen für zufriedene Gemüter. Dass dabei häufig weniger als die Hälfte der möglichen Nutzwärme tatsächlich im Raum bleibt, wissen meist nur wenige. Wenn man an die hohen Kosten für den Transport, die benötigte Zusatz-energie und die Lärmbelastung denkt, so bedeutet dies sicher für viele Bergfreunde eine Herausforderung.

Die « Schwierigkeitsgrade » beim Feuern mit Holz Zwischen dem Klettern und dem Heizen mit Holz bestehen Parallelen: Ergebnisse werden nur erzielt, wenn Vorbedingungen wie Ausrüstung und das Vorhandensein von bestimmten Fertigkeiten erfüllt sind. Die Schwierigkeitsgrade beim Klettern sind bekannt, weniger jene für das erfolgreiche Feuern mit Holz:

1. Grad: ein beliebiges Feuer im Freien. Abgesehen von wenig Papier und einem Zündholz braucht es nur trockenes Holz; Wärmeertrag sehr niedrig.

2. Grad: ein Feuer im Gartenche-minée zum Grillieren. Dank der vorhandenen einfachen Ausrüstung wird die Wärme besser zusammengehalten; Wärmeertrag niedrig.

3. bis 4. Grad: Kochherd oder Einzelofen. Das Heizgerät erlaubt einen kontrollierten Abbrand, der Wärmeertrag hängt stark von der richtigen Bedienung ab. Bessere Kenntnisse der Handhabung führen deshalb bei der gleichen Ausrüstung zu einem deutlich besseren Ergebnis. Entsprechend ist der Wärmeertrag befriedigend bis gut ( 40 bis 60% Wirkungsgrad ). Dieser Gerätetyp wird in den meisten SAC-Hütten eingesetzt.

5. Grad: Kochherd oder Einzelofen mit einfacher Nachverbrennung. Die räumliche Zweiteilung des Abbrands in das bekannte Feuerloch und in eine Nachbrennkammer bildet das Schlüsselelement für eine Verbrennung, die modernen Ansprüchen genügt. Der Wärmeertrag ist entsprechend hoch ( 70 bis 80% ). Diese Technik ist bei Kochherden und Einzelöfen noch nicht stark verbreitet.

Wer beim Heizen den 5. Grad beherrscht, erzeugt nicht so viel Rauch.

6. Grad: Holzvergaser-Zentralhei-zungen oder -Speicheröfen. Die Technik der Nachverbrennung ist so perfektioniert, dass abgesehen vom Anfeuern kaum mehr sichtbarer Rauch entsteht. Für den kontrollierten Abbrand wird eine Spitzenausrüstung ( Ventilator, Steuerung ) benötigt Der Wärmeertrag erreicht Spitzenwerte ( um 90% ). In Speicheröfen ( z.. " " .B. Kachelöfen ) kann dies durch normierte Einsätze erreicht werden. Derartige Geräte werden nur vereinzelt in SAC-Hütten eingesetzt.

7. Grad und höher: Feinheiten, die eine entsprechend ausgeklügelte Technik erfordern. Dazu gehören Restwärmenutzung des warmen Heizkessels, Regelung mit Lambda-sonde oder die Absenkung der Rauchgastemperatur. Der Wärmeertrag kann bei optimaler Anwendung noch leicht gesteigert werden ( über 90% ).

SAC-Hütten: meist 3. bis 4. Grad In fast allen SAC-Hütten stehen herkömmliche Kochherde und Einzelöfen, die eine durchschnittliche Ener-gieausbeute ermöglichen. Bei wenig genutzten Hütten lohnt es sich auch kaum, teure Ofen zu installieren. Be- Unterschiedlicher Nutzwärmewert eines verbrannten Holzscheites C^'.TerCheminéeofen Kochherd Stückholzkessel Speicherofen wartete Hütten mit einer starken Frequenz hingegen können mit verbesserten Geräten den Holzverbrauch deutlich senken. Das heutige Angebot auf dem Markt befriedigt aber nur teilweise: Heizkessel mit Holzver-gasertechnik gibt es zwar von über einem Dutzend Anbieter, auch Norm-einsätze für grosse Speicheröfen werden ebenfalls mehrere angeboten. Wer jedoch einen technisch hochwertigen Einzelofen sucht, kann nur auf eine sehr beschränkte Auswahl zurückgreifen. Nur-Kochherde mit einer kompletten Nachverbrennung sind auf dem Markt noch gar nicht erhältlich.

Steigerung um 1 Grad dank richtiger Bedienung Der 5. Grad des Holzheizens ist mit den heute verbreiteten Geräten in den SAC-Hütten kaum erreichbar, es sei denn, jemand widme sich mit all seinen Kenntnissen und genügend Zeit dem wärmenden Feuer. Es ist jedoch schon viel gewonnen, wenn man die Ausbeute von 40% auf 60% steigern und damit den Holzverbrauch um einen Drittel vermindern kann. Doch wie kann dies erreicht werden?

Folgende Empfehlungen sind den meisten bekannt: Nur trockenes Holz verbrennen, genügend Anfeuerholz benützen, die Luftzufuhr vollständig öffnen.

Weniger bekannt sind folgende Tips:

1. Bevor einem Herd Wärme entzogen wird, muss das ganze Gerät aufgeheizt sein. Kalte Pfannen des- halb erst dann aufsetzen, wenn die Kochplatte ganz heiss ist.

2. Flammendes Feuer nie drosseln; in einem normalen Kochherd ist die Temperatur der Flamme immer zu niedrig, das Schliessen der Luftklap-pen bewirkt eine zusätzliche Verschlechterung. Nur wenn ein Herd direkt an das Kamin angeschlossen ist und das Feuer zu stark lodert, kann der kaminseitige Schieber behutsam betätigt werden.

3. Feuer nur in der Glutphase verlängern. Gerade in SAC-Hütten wird das Feuer gerne « gehütet », indem regelmässig etwas Holz nachgelegt wird. Brennt das Feuer voll, so entsteht meist zuviel Wärme, deshalb wird es gedrosselt. Das beste Resultat wird erreicht, wenn man eine erste Periode mit hohem Wärmebedarf erst dann abschliesst, wenn nurmehr Glut vorhanden ist. Dann kann man alle Züge schliessen, so dass die Glut während einiger Stunden bleibt. Erst dann soll ein neues starkes Feuer gestartet werden.

Zusätzliche Informationen können dazu beitragen, die Qualität der Holzfeuerung zu verbessern. Wer den Wärmeertrag eines Ofens zum 5. oder 6. Grad steigern möchte, findet in der Zeitschrift anfeuern1 weitere Hinweise und Empfehlungen. Hohe Schwierigkeitsgrade bei der Holzheizung kennen keine Altersgrenze!

Beat von Wyl, Giswil 1 UTAS AG ( Hrsg ): anfeuern. Erscheint vierteljährlich, Verlag anfeuern, Brünigstr. 64, 6074 Giswil; Jahresabonnement Fr. 18. Aus demselben Holzscheit, das im offenen Kamin ( Cheminée ) verbrannt wird, kann in effizienteren Feuerungsanlagen ein Mehrfaches der im offenen Kaminfeuer erzielten Nutzwärme gewonnen werden: Dasselbe Holzscheit gibt im fachgerecht bedienten Kochherd bereits die fünffache Nutzwärme ab usw.

c n.

Offenes Cheminée

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