Der Bücherberg tief im Untergrund Die Zentralbibliothek des SAC in Zürich ist für alle da

Gestelle voller Bergbücher von den ersten Berichten bis zum jüngsten Führer, dazu Karten, Panoramen, Zeitschriften und Drucksachen: Die SAC-Zentralbibliothek in Zürich ist eine Fundgrube sondergleichen.

Das war knapp: Mit 32 gegen 31 Stimmen beschloss die 27. Abgeordnetenversammlung des SAC am 13. Oktober 1890, dass die neue SAC-Zentralbibliothek als Depositum nicht in die Stadtbibliothek Bern, sondern in die Stadtbibliothek Zürich aufgenommen werden soll. Dort ist die Büchersammlung seither im fünften Untergeschoss untergebracht, nur heisst die Bibliothek in Zürich heute Zentralbibliothek.

Unzählige kleine und grosse Kostbarkeiten

Und was ist in der Zentralbibliothek des SAC zu finden? Sie umfasst aktuelle Führer und Zeitschriften zum Wandern und Klettern, zum Mountainbiking und Gleitschirmfliegen, über Klettersteige, Hoch- und Skitouren, ja über alle bergsportlichen Aktivitäten. Schwerpunkte bilden die Schweizer Berge sowie die Ost- und Westalpen ganz allgemein. Weitere Bergsportgebiete in Europa sowie Gebirge der ganzen Welt sind vertreten. Darüber hinaus finden sich Fachbücher zu verschiedenen Themenbereichen – etwa zu Lawinenkunde, Höhenmedizin, Ernährung im Bergsport und Geschichte des Alpinismus – sowie Alpinliteratur und Bildbände. Die Hauptsprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch.

Doch es gibt noch mehr in der Zentralbibliothek des SAC. Da ist etwa die einmalige Sammlung von Panoramen. Im vergangenen Jahr wurden 167 Ansichten und 51 Panoramen der Sammlung Müller-Wegmann erschlossen und auf den Plattformen www.e-manuscripta.ch und www.e-rara.ch online gestellt. Umfassend ist auch die Sammlung alter Karten. Und dann finden sich da schier unzählige kleine und grosse Kostbarkeiten wie die Kiste Sigristiana. Alpiner Humor des alten Uto, das Fremdenbuch des S.A.C. für die Göscheneralp, 1886–1890, oder die schön gestalteten Prospekte für Sektionsabende, so derjenige von der Sektion Uto für den Familienabend im Kaufleuten Zürich am 20. Januar 1934.

Überschaubar: «Im Ganzen also 594 Nummern»

Eine erste zentrale Bibliothek gab es im SAC bereits von 1874 bis 1877. Allerdings ohne grossen Erfolg, sodass sie wieder aufgelöst und der Bücherbestand an die Sektionen verteilt wurde. Das war aber keine praktische Lösung. Deshalb wurden die Bücher 1891 wieder zusammengelegt, wie Pfarrer und SAC-Vizepräsident Ernst Buss im 26. Geschäftsbericht des SAC festhielt: «Theils um dem weitesten Publikum die alpinistische Litteratur, die allmälig einen bedeutenden Umfang gewonnen hat, theils und vor Allem aber, um dem Verein selbst das wegen der Zerstreutheit des Materials sehr erschwerte Studium alpiner Fragen zu erleichtern und zu demselben aufzumuntern, hat die Abgeordnetenversammlung des vorigen Jahres auf Anregung des Centralcomites die Errichtung einer allgemeinen Bibliothek für Gebirgskunde und Touristik beschlossen und dieselbe auf Grund eines eingehenden Vertrages der Stadtbibliothek Zürich zur Verwaltung übergeben.»

So eine Bibliothek war und ist natürlich mit Kosten verbunden. Der für das Jahr 1891 bewilligte Kredit von 1000 Franken wurde für Neuanschaffungen und Buchbinderarbeiten gebraucht. Im SAC-Jahrbuch von 1891 ist auch der erste Jahresbericht der «Bibliotheks-Commission des S.A.C.» zu finden. Darin listet Kommissionsmitglied Ernst Walder folgenden Bestand auf: «357 Bände, 139 Brochuren, 8 Berichte, 65 Blätter (Panoramen, Ansichten etc.) und 25 Karten, im Ganzen also 594 Nummern.» Ziemlich überschaubar also, dieser Anfang der Zentralbibliothek des SAC. Heute ist sie mit rund 60 000 Büchern, Zeitschriften, Broschüren, Karten und Panoramen eine der grössten Bergbibliotheken weltweit. Und wird mit jedem Jahr noch grösser. Im Jahr 2018 kamen 356 neue Werke dazu. Zudem wurden 379 Werke erschlossen, welche die Bibliothek von verschiedener Seite geschenkt erhalten hatte. Wobei: Auch diese Geschenke kosten, wenn sie nicht einfach auf einem Gestell abgelegt werden. Sie wollen bibliotheksmässig aufbereitet und zugänglich gemacht werden. Laut Jahresbericht von 2018 beliefen sich die Kosten für Neuanschaffungen, Bindearbeiten und Verwaltung auf gut 23 000 Franken.

Bücherwünsche melden

Die Zentralbibliothek des SAC enthält lebendige Geschichte zur ganzen Welt der Berge. Einst und heute, und bestimmt auch morgen. Denn wer in die Berge geht, greift nicht nur zum Pickel, sondern zum Glück auch immer wieder zum Stift. Für sich und für die Nachfolgenden. Wer ein Buch im Bestand nicht findet, jedoch der Meinung ist, es gehöre in die Zentralbibliothek des SAC, soll der Bibliothekskommission einen Anschaffungsvorschlag zukommen lassen. Die Chancen stehen gut, dass er angenommen wird.

Zugang zur SAC-Zentralbibliothek

Die Benutzung der SAC-Bibliothek in Zürich ist kostenlos. Die Bücher müssen aber online bestellt und dann in der Zentralbibliothek Zürich abgeholt werden. Alte und kostbare Exemplare sind nur vor Ort im Lesesaal konsultierbar. Ausleihbare Bücher lassen sich aber auch per Post oder über alle Universitäts-, Kantons- und Gemeindebibliotheken bestellen. Die Portokosten werden dem Bestellenden in Rechnung gestellt. Für die Ausleihe braucht es einen Benutzerausweis.

Zentralbibliothek des Schweizer Alpen-Clubs, Zentralbibliothek Zürich, Zähringerplatz 6, 8001 Zürich, Telefon 044 268 31 00, E-Mail zb(at)zb.uzh.ch

www.zb.uzh.ch, www.nebis.ch

Anschaffungswünsche melden

Wer will, dass der SAC ein bestimmtes Buch in seine Bibliothek aufnimmt, schickt am besten eine E-Mail an den Präsidenten der Bibliothekskommission, Hans Grimmer, hans.grimmer@bluewin.ch.

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