Der König der Wetterhörner

Eine solche Erstbesteigungstrilogie können nicht viele Alpinisten vorweisen: Hintereinander bestieg der Bergführer Johann Jaun die drei Wetterhörner – das Rosenhorn (3688 m) am 28. August 1844, das eigentliche Wetterhorn (3690 m) am 31. August 1844 und das Mittelhorn (3701 m) am 9. Juli 1845. Nicht allein die forsche und elegante Erstbesteigung eines so dominanten Gipfels der Berner Alpen wie des Wetterhorns lässt uns gut 175 Jahre später noch staunen, sondern auch die Route: ein Vorstoss über drei neue, unbegangene Übergänge in eine weitgehend unbekannte Welt aus Firn und Fels. Klar, die Gletscherstände waren damals noch viel höher, was die Fortbewegung begünstigte. In nur 13 Stunden legten Jaun und sein Berufskollege Melchior Bannholzer folgende Route zurück: von Rosenlauibad (1327 m) über den Rosenlauigletscher (bis etwa 3000 m) bis zum Wellhornsattel (3199 m); durch das Gletschertal in den nördlichen Wettersattel; durch die Südostflanke aufs Wetterhorn; zurück auf den südlichen Wettersattel; durch ein Couloir südöstlich davon hinab auf die oberen Firnhänge des Oberen Grindelwaldgletschers; unter dem Mittelhorn, dem Rosenhorn und dem Berglistock durch in die Mulde (ca. 3000 m) unter dem Lauteraarsattel; zum Lauteraarsattel (3124 m); auf den Lauteraar- und den Unteraargletscher bis unterhalb (ca. 2300 m) des Pavillons Dollfus und hinauf zur Hütte (2392 m). Macht rund 2600 Meter Aufstieg und 1500 Meter Abstieg auf gut 20 Kilometern. «Auf der Spitze angekommen, pflanzten wir das uns von Herrn Dollfus nur zu diesem Zweck mitgegebene rothe Tuch an einem unserer Bergstoecke als Fahne auf», lesen wir im Bericht, den Jaun verfasst hat.

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