Der Königsadler

Schon immer hat der Königsadler ( aquila chryseatos ) die Menschen fasziniert. In vielen Ländern symbolisiert er Herrschaft, Mannhaftigkeit, Stolz und Mut. Auch die Wanderer und Alpinisten in unsern Bergen sind voller Bewunderung, wenn sie seine majestätische Silhouette über den verschneiten Kämmen entdecken.

Die Gestalt Wie auch bei andern Raubvögeln ist beim Königsadler das weibliche Tier grosser, kräftiger und schwerer als das männliche. Es wiegt 3840 bis 6 G50 g bei einer Spannweite zwischen 215 und 227 cm. Das männliche Tier ist durchschnittlich 30% leichter ( 2840 bis 4550 g ), seine Spannweite beträgt 188 bis 212 cm. Das ausgewachsene Tier hat ein fahlbraunes, auf dem Kopf, im Nacken und auf der Oberseite der Flügel goldiges Gefieder. Ein Jungtier ist an seinem kontrastreichen dunkelbraunen Gefieder mit grossen weissen Stellen auf der Ober- und der Unterseite der Flügel und am Ansatz des Schwanzes kenntlich. Der Adler hat äusserst kräftige Fänge ( geschätzte Kraft: 250 kg/cm2 ) mit langen ( 46 bis 57 mm ) gekrümmten Krallen. Seine Sehschärfe ist drei-bis sechsmal grosser als die des Menschen. In der freien Natur verhält sich der ausgewachsene Adler sehr ruhig, die Jungen im Horst sind dagegen gut zu hören, denn ihr klagendes « Kliup » trägt fast einen Kilometer weit.

Lebensraum und Bestände In Europa ist das Vorkommen des Adlers auf die Gebirgsmassive beschränkt. Er liebt offene Gebiete mit guter Sicht, dort ist es für ihn einfacher, die Beute auszumachen und zu packen. In den Alpen trifft man ihn im allgemeinen in Höhen zwischen 1000 und 2500 m. Der Adler ist ortstreu: Hat er von seinem Revier, das eine Ausdehnung von 75 bis 120 km2 haben kann, Besitz ergriffen, so bleibt er sein Leben lang innerhalb dessen Grenzen. Nach einem starken Rückgang der Bestände in der ersten Hälfte des 2O. Jh. machte der in allen Alpenländern angeordnete totale Schutz der Art eine Erholung und Erneuerung der Populationen möglich. Zur Zeit sind die alpinen Bestände gesichert, und in mehreren Regionen ist eine Sättigung mit dort « sesshaften » Paaren zu beobachten. In der Schweiz leben mehr als 200 Paare, in den französischen Alpen ungefähr 175 und rund 100 in den italienischen Alpen.

Nahrung Der Königsadler, ein wählerischer Raubvogel, ernährt sich sehr abwechslungsreich, je nachdem, welche und wieviel Beute für ihn erreichbar ist. Im grössten Teil der Alpen bildet das Murmeltier während fast der Hälfte des Jahres ( Mai bis Oktober ) seine Ernährungsgrundlage und kann mehr als 80% seiner sommerlichen Nahrung ausmachen. Es muss auch erwähnt werden, dass der Adler vorwiegend « lohnende » Beute greift, das heisst solche, bei der das Verhältnis der Energie, die sie liefert, zu der Das Gefieder des ausgewachsenen Königsadlers ist auf dem Kopf, im Nacken und auf der Oberseite der Flügel gelblich braun, fast goldig. Das hat ihm auch den Namen Goldadler ( englisch: golden eagle ) eingetragen.

Während der ersten 15 Tage bleibt das Jungtier fast ständig geschützt unter der Mutter, die es mit dem, was das Vatertier bringt, füttert. Dieser ungefähr 30 Tage alte Jungadler wurde gerade beringt. In diesem Alter bleibt er allein im Horst, und es gelingt ihm bereits, ohne Hilfe der Eltern zu fressen.

Energie, die ihr Fang beansprucht, günstig ist. Wie allen Raubvögeln gelingt auch ihm nicht jeder Angriff; die Erfolgsquote beträgt, wie Spezialisten schätzen, etwa 15%. Seine bevorzugte Beute - nach dem Mur-meltier-sind Hühnervögel ( Birkhahn, Schneehuhn ), Schneehasen, junge Huftiere ( Steinbock, Gemse, Reh ) und Füchse. Er nimmt aber auch Igel, Eichhörnchen, Marder, Wiesel, Ratten, Maulwürfe, Schermäuse, Raben- und kleine Sperlingsvögel, Reptilien. Der Winter ist für den grossen Raubvogel eine schwierige Jahreszeit, denn die meisten Beutetiere - abgesehen von den Murmeltieren, die Winterschlaf halten - haben sich in die Wälder zurückgezogen und sind dort viel schwerer zu greifen. Er beschränkt sich also auf junge Huftiere, häufig auch auf Kadaver; in Schlechtwetterperioden kann er während mehr als einer Woche hungern. Ich habe übrigens selber Adler angelockt, indem ich auf einem Bergkamm tote Tiere ( Fuchs, Reh, Kalb ) ausgelegt habe. Dabei musste ich erfahren, dass viel Die häufigste Flugart des Adlers ist der Gleitflug. Bei schönem Wetter nutzt er in der Tagesmitte die aufsteigenden Luftströmungen aus und gleitet dann ohne die geringste Anstrengung lange in grossen Kreisen.

An den weissen Stellen unter den Flügeln und am Ansatz des Schwanzes ist zu erkennen, dass es sich hier um ein noch nicht ausgewachsenes Jungtier handelt.

Geduld nötig ist, denn der Adler wartet oft mehrere Tage, ehe er auf einen Kadaver hinunterstösst.

Fortpflanzug Ein Königsadlerpaar bleibt lebenslänglich zusammen. Die Rituale der Werbung spielen sich während des Winters ab, und zwar in Form von Flugkunststücken: Scheinangriffe, bei denen die Fänge gezeigt werden, Rollen und andere Flugfiguren, Verfolgungen, Sturzflüge und darauffol-gendes steiles Aufsteigen. Die Paarung erfolgt überwiegend im Februar und in der ersten Märzhälfte. Das Paar besitzt mehrere Horste, die es abwechselnd benutzt. Sie befinden sich im Jagdgebiet, gewöhnlich in einer Höhe zwischen 1300 und 1900 m im oberen Teil einer senkrechten Felswand. In der zweiten Märzhälfte legt das Weibchen im Abstand von zwei bis fünf Tagen zwei Eier. Vom ersten Ei an beginnt die Zeit des Brütens, sie dauert 43 bis 44 Tage. Die Jungen schlüpfen also nicht gleichzeitig. In 80 % der Fälle überlebt nur das zuerst geschlüpfte Tier; das ältere, grössere und kräftigere greift das jüngere an und tötet es schliesslich. Man bezeichnet dieses aggressive Verhalten, das zwischen der zweiten und fünften Woche auftritt, als « Kainis-mus ». Das Jungtier bleibt 77 bis 81 Tage im Horst. Während der letzten 15 Tage übt der Jungadler, der Der aus dicht ineinander gefügtem Astwerk gebaute Horst des Königsadlers befindet sich meist vor dem Wetter geschützt unter einem Überhang oder in einer Höhlung des Gesteins.

Dieser Jungadler, schon mit vollem Gefieder, schreit heftig, als ein Elternteil vorbei-fliegt; er ist bereit, den Horst zu verlassen.

bereits sein volles Gefieder besitzt, regelmässig seine Flügel, um die Muskeln zu stärken. Gewöhnlich verlässt er den Horst des Elternpaares Ende Juli oder Anfang August, bleibt aber in seiner Ernährung noch weitere drei Monate von den Alten abhängig. Das Revier seiner Eltern verlässt er am Ende des Jahres oder, falls das Paar nicht nistet, auch später.

Das Verhalten des Königsadlers wirkt sich auf die alpine Tierwelt sehr günstig aus. Als beherrschender Raubvogel bewirkt er eine echte Selektion und Regulierung: Er eliminiert schwache, kranke und verletzte Tiere, beseitigt Kadaver und gebietet Tierseuchen durch die Vernichtung kranker Tiere Einhalt.

Eric Dragesco, Gryon/VD ( ü )

alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen

>toria, cultura, letteratura alpina

listoire, culture

it littérature alpines

Inventarisierung Die Erfassung solcher nachteiligen Veränderungen macht es nötig, alle erhaltenswerten Landschaftselemente zu bezeichnen, um der Planung in Form von Hinweisinventaren wichtige Entscheidungsgrundlagen zu liefern.

Das IVS ( Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz ) ist ein solches Arbeitsinstrument, eine Bestandesaufnahme von schützenswerten historischen Wegen. Dank ihm wurde es möglich, eine detaillierte Übersicht über die Verkehrsgeschichte der Schweiz zu gewinnen. Es ergänzt sehr sinnvoll das BLN ( Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung ) und das ISOS ( Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz ). Der Auftrag für das IVS wurde 1984 vom BUWAL ( Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft ) an Prof. Dr. Klaus Aerni vom Geographischen Institut der Universität Bern übertragen. Er und sein engagierter Mitarbeiterstab haben es verstanden, über den eigentlichen Inventarisierungsauftrag hinaus beispielhafte Projekte für die Erhaltung und Pflege historischer Saumpfade und Passwege sowie der alpinen Kulturlandschaft durchzuführen.

Preisverleihung in Frauen feld Berge trennen, Passwege verbinden. Die Anlage dieser Pfade ist oft eine Kunst, die Verbindung der Menschen durch diese Wege ist bereichernde Kultur und macht ihren Austausch im Berggebiet erst möglich.

Feedback