Der Steinbock war Zeuge

Südostschweiz Buchverlag 2010, ISBN 978-3-905688-69-6. Fr. 38.–

Die Anreicherung von trockenem, quellengesichertem Wissen mit fiktiven persönlichen Erlebnissen der Protagonisten macht den Reiz historischer Romane aus. Dies gilt auch für den ersten Roman von Bruna P. Moehl Der Steinbock war Zeuge. Der « Historische Roman über die Feudalherren und die Walser von Davos » beginnt 1272 mit der Einweihung der Kathedrale in Chur und reicht bis ins 19. Jahrhundert, als der Silberberg, die Silbermine beim Eingang zur Zügenschlucht, geschlossen wird. Dabei begegnet der Leser berühmten Figuren wie den Freiherren von Vaz, dem Bündner Freiheitskämpfer Jörg Jenatsch oder Hans Conrad Escher, wobei sie alle wegen ihren Bezugs zu den Walsern in Davos auftreten. Deren Leben wird nicht nur durch persönliche Gedanken den Lesern nahegebracht, sondern auch durch ungeschminkte Schilderungen tödlicher Unfälle oder Krankheiten. Aber auch nackte Zahlen, beispielsweise die Betriebskosten für den Silberberg, werden aufgelistet. Schafft die Autorin durch diese Quellennähe Glaubwürdigkeit, so wirken die Personen im Buch blutleer. Das hängt mit der grossen Zeitspanne zusammen, die der Roman abdeckt, was den einzelnen Figuren wenig Entfaltungsmöglichkeiten lässt. Andererseits liegt es aber auch an der Sprache von Moehl, die eher altertümelnd daherkommt und Klischees bedient. Wem die Landschaft Davos und das Bündnerland vertraut, die geschichtlichen Zusammenhänge aber unklar sind, dem kann die Lektüre gerade wegen der vielen Details empfohlen werden.

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