Der Umbau der Chamanna da Tschierva. Symbiose von Alt und Neu

Der Umbau der

Chamanna da Tschierva

Nach einem langwierigen Planungs- verfahren und einer kurzen Bauzeit konnte die SAC-Sektion Bernina am 29. Juni die umgebaute und erwei- terte Chamanna da Tschierva feierlich einweihen. Der Neubau-Teil bedient sich der klaren und schnörkellosen Sprache zeitgemässer Architektur. Hier thront er also, der König, der Piz Bernina. Bis auf 4049 m ragen seine höchsten Gipfelfelsen. Als östlichster Viertausender der Alpen wird er um- rahmt von der Bündner Bergprominenz:

Piz Morteratsch, Piz Scerscen und Piz Roseg, die unzählige Tourenmöglichkei- ten bieten. Ausgangspunkt dafür ist die Chamanna da Tschierva, zuhinterst im Val Roseg bei Pontresina. Den heutigen Vorschriften und Bedürfnissen angepasst Die eher ungewöhnliche Gebirgsunter- kunft krallt sich auf 2583 m ü. M. in die steilen Flanken des Piz Tschierva. Zu ihren Füssen der Vadret da Tschierva.

Dieser Gletscher, oder richtiger sein Rück- zug, war Grund zur Aufgabe der ersten Tschiervahütte aus dem Jahre 1899, die damals noch auf der Gletschermoräne lag. Die heutige Tschiervahütte wurde 1951 an den steilen Berghang gebaut und 1969 vergrössert. Im Jahr 2002 wurde sie modernisiert und den heutigen Vorschriften und Bedürfnissen angepasst.

So wurden z.B. die Küche vergrössert, Waschgelegenheiten und Toilettenan- lagen ins Gebäude integriert, der Flucht- weg über eine breite Treppe ermöglicht, der Verpflegungsbereich um Sitzplätze für alle Gäste erweitert, eine Kläranlage gebaut und eine Wasserversorgung mit Turbinen zur Stromerzeugung erstellt.

Ein schwieriges Projekt Für diese Erneuerung musste sich die Sektion Bernina einem – wie sich für sie mit der Zeit herausstellte – kräfte- und nervenaufreibenden Bewilligungsver- fahren unterziehen. Beseelt vom Wunsch, die Missstände zu beheben und dem heutigen Bergsteiger eine zeitgemässe Unterkunft zu bieten, wurde ein langer Planungsweg in Angriff genommen.

Über die Jahre entstand ein Projekt, das den Erwartungen der Sektionsmitglieder und der Gemeinde Samedan entsprach.

Diesem Projekt erwuchs beim BAB 1 -Ver- fahren mit dem Kanton jedoch Wider- stand. Die Kantonale Denkmalpflege legte ihr Veto ein. Die Vertreter der Kantonalen und Eidgenössischen Natur- und Heimat- schutzkommission sowie des Kantonalen Amtes für Umwelt schienen unser Pro- jekt als Spielball ihrer Strategie zu benut- zen. Dabei ging es nicht so sehr um die Sache, sondern um die Durchsetzung einer neuen Bewilligungspraxis, was uns auch wörtlich so mitgeteilt wurde. Der Wettbewerb Uns wurde nahe gelegt, unser Projekt zurückzuziehen und einen Projektwett- bewerb unter namhaften – sprich den einspracheberechtigten Organisationen genehmen – Architekten zu veranstalten.

Schliesslich liess uns die Aussicht auf eine lange und kostspielige juristische Auseinandersetzung einsichtig werden.

Das Amt für Raumplanung bot uns Hilfe bei der Durchführung des Projektauftra- ges durch den Kantonsbaumeister. Das Projekt des St. Moritzer Architekten Hans-Jörg Ruch gewann schliesslich den Wettbewerb.

Auch wenn heute die Freude über das gelungene Bauwerk überwiegt, bleibt doch ein bitterer Nachgeschmack. So konnte das Kostendach gemäss den Be- dingungen des Projektwettbewerbes nicht eingehalten werden. Statt 1,3 Mio.

sind wir trotz einiger Abstriche bei 1,65 Mio. Franken gelandet. Ausserdem werden die Sektionen des SAC auf Grund der fehlenden Einbindung unserer SAC- Hütten in gesetzlich geregelte Bauzonen vermehrt den Launen Dritter ausgesetzt sein und sich dem Druck des Architek- tenwettbewerbes unterziehen müssen. Eine zeitgemässe Architektur Die neue Erweiterung der Tschiervahütte bedient sich der klaren und schnörkel- losen Sprache zeitgemässer Architektur.

Alt und Neu werden in Formgebung und verwendetem Material auseinander gehalten. Hier der Altbau mit Naturstei- nen aus der Umgebung und dort der Neubau mit einem Kleid aus massiven Lärchenbohlen, eingespannt zwischen verzinkten Stahlträgern. Ein wahrlich gelungenes Bauwerk! a T o n i S p i r i g, C e l e r i n a

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