Die ganze Geologie im Namen | Schweizer Alpen-Club SAC

Die ganze Geologie im Namen Finsteraarhorn (4274 m)

Das «finstere Horn» besteht aus dem dunklen Amphibolit – einem in vielerlei Hinsicht wichtigen Gestein, das aber fast niemand kennt. Um die Finsteraarhornhütte SAC herum kann es bequem bewundert werden.

Finster. Aar. Horn. Da steckt die ganze Geologie schon drin. Finster, weil der ganze Berg aus dem dunklen Gestein Amphibolit besteht. Aar, weil diese Amphibolite ein Teil des geologischen Aarmassivs sind, das die Berner Hochalpen bildet. Horn, weil Amphibolit hart ist und zu spitzen Bergformen neigt.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit können alle Bergsteiger mit den Begriffen Gneis und Granit etwas anfangen. Sie kennen diese Gesteinsarten von Klettereien und Hochtouren. Es gibt zahlreiche hochalpine Tourengebiete, die von den beiden oder von einem davon geprägt sind – etwa das Mont-Blanc-Massiv, die Berner Hochalpen, die Tessiner Berge, die Silvretta- oder die Berninagruppe.

Im letzten Beitrag wurde mit der Bernina ein beliebter Viertausender vorgestellt, der auch nicht aus Granit, sondern aus dem eher ungewöhnlichen Gestein Diorit besteht. Mit dem Finsteraarhorn liegt der Fokus in dieser Ausgabe auf einem weiteren speziellen Gestein, das in vielen Grundgebirgseinheiten der Alpen neben den weit verbreiteten Gneisen und Graniten als dritter im Bunde vorkommt – eben der Amphibolit.

Es gibt zwei grosse Amphibolitzüge im Aarmassiv. Der eine zieht sich vom Studerhorn über das Finsteraarhorn und das Grünhorn bis zum Sattelhorn – wobei auch das Grünhorn seinen Namen vom im frischen Zustand eher grünlichen Amphibolit hat. Der andere Zug zieht sich vom Lötschenpass über die Hockenalp bis zu den Burstspitza im Lötschental. Der Name des Gesteins kommt daher, dass es wesentlich aus der schwarz bis schwarzgrünen Hornblende besteht, einem Mineral der Amphibolfamilie. Sie gibt ihm auch seine dunkle Farbe. Daneben enthält es weisslichen bis grünlichen Plagioklasfeldspat, und zuweilen kann auch ein wenig glänzend schwarzer Dunkelglimmer, rotbrauner Granat oder pistaziengrüner Epidot vorhanden sein.

Kopfzerbrechen für Geologen

Amphibolite sind hoch metamorphe Gesteine. Ihre chemische Zusammensetzung verrät, dass sie ursprünglich Basaltvulkangesteine waren. Vielerorts in den Alpen zeigen sie eine deutliche Bänderung mit hellen, fast hornblendefreien und mit dunklen Lagen. Dies hat den Geologen viel Kopfzerbrechen bereitet, denn derart geschichtete Vulkanablagerungen sind äusserst selten. Neuere Forschungen deuten nun auf eine andere Entstehungsgeschichte in der tieferen Erdkruste bei alten Gebirgsbildungen hin.

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Auch der Berninadiorit («Die Alpen» 07/2021) besteht aus Hornblende und Plagioklas. Aber er ist magmatisch entstanden, der Amphibolit dagegen durch Metamorphose. Seltsam, die Geologie, nicht wahr?

Geologisch spannende Berge der Schweizer Alpen

Die Geologie der Alpen ist furchtbar kompliziert, die Vielfalt an Gesteinen fast unendlich. Doch es gibt viele bekannte Berge, die auch für den Geolaien spannende und spektakuläre geologische Phänomene bieten, die gut zu erkennen und einfach zu verstehen sind. Davon erzählt diese Serie des bekannten «Vermittlungsgeologen» und Bergführers Jürg Meyer (www.rundumberge.ch).

Praxistipp Gesteine bestimmen→ Hauptgesteinsmineral Nr. 2: Feldspat

Ach, die Feldspäte! Sozusagen das Proletariat unter den gesteinsbildenden Mineralien. Rund zwei Drittel der Erdkruste bestehen aus Feldspäten – und fast niemand kennt sie. Sie sind meist ziemlich unauffällig, milchigweisse Körner, manchmal mit etwas Verfärbungen. Und sie sind eine grosse Familie. Für die meisten Gesteine sind der Kalifeldspat und der Ca-Na-Feldspat namens Plagioklas wichtig. Woran sind sie erkennbar? Im Gegensatz zum gut spaltbaren Quarz sind sie etwas weniger hart und häufig etwas verfärbt: Plagioklas grünlich, Kalifeldspat rosarötlich. Vielleicht können Sie sie auf den zahlreichen Granitplatten in Toiletten oder Bars entdecken.

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