Die Geschichte der kleinen, blauen Beeren Doppelgänger in der Natur

Haben Sie schon bemerkt, dass der Mensch seit Anbeginn der Zeit im Guten oder im Schlechten eine Unmenge an blauen, kleinen Früchten verwendet hat? In der Schweiz hüllen 93 von 3541 Arten ihre Samen in blau schimmerndes Fruchtfleisch ein. Dabei sind die Unterschiede zwischen ihnen oft so klein, dass sie einem auf den ersten Blick entgehen können.

Lassen Sie mich in dieser Vielzahl von Doppelgängern die gängigsten zwei erwähnen: die Heidelbeere und den Wacholder. Bevor wir allerdings weitermachen, müssen noch zwei Dinge erwähnt werden. Erstens kann man die beiden Arten deutlich an ihren Blättern unterscheiden, und zweitens haben beide in der Schweiz ihre giftigen Doppelgänger, namentlich als Rauschbeere und als Sadebaum bekannt.

Als Antioxidans oder Gewürz

Wacholder und Heidelbeere jedoch produzieren Beeren, die bekanntlich kulinarisch auf grosses Interesse stossen. Tatsächlich erfreuen beide sowohl im Glas wie auf dem Teller. Letztere wird von Früchtenarren als Dessert mit antioxidantischer Wirkung gefeiert, und Erstere gilt als unverzichtbares Gewürz für Liebhaber von Sauerrüben, würzigen Brühen oder milden Wildgerichten. Und wie könnte man nach einem solchen Essen Nein zu einem Heidelbeer-Grappa oder Wacholder-Gin sagen?

Beide Beeren laden auf ihre Art ein, unsere Grenzen zu testen. Die wissenschaftlichen Namen der Heidelbeere und des Wacholders deuten auf die zeitlose Verbindung zwischen Pflanzen und Menschen hin. Vom Namen her ist die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) die Tochter der Myrte (Myrtus communis), genetisch eine Cousine der Myrrhe (Commiphora myrrha) und sehr nah verwandt mit der Muskatnuss (Myristica fragrans). Alle Pflanzen, deren gemeinsames Merkmal ihr süsser Duft ist, haben das griechische Präfix myr- erhalten. Der gemeine Wacholder (Juniperus communis) wiederum bezieht seinen Namen vom Sadebaum (Juniperus sabina), dessen Beeren wegen ihrer abtreibenden Eigenschaften verwendet wurden, wobei sich «juni» auf Frühreife und «perus» auf die Geburt bezieht.

Tiere im Dienste der Frucht

Aber kehren wir am Ende zu den Ursprüngen zurück! Die gemeinsamen Vorfahren von Wacholder und Heidelbeere existierten bereits vor 350 Millionen Jahren. Damals hatten die Pflanzen gerade den Samen entwickelt und ein ganz besonderes Transportmittel für sich gefunden. Alles, was sie dafür tun mussten, war, eine besonders attraktive Hülle für die Tiere zu gestalten, will heissen süss und sichtbar! Die Verdauung der Tiere stellte sich für die Samen als gänzlich unschädlich heraus und verwandelte die schöne Hülle in eine Masse, die sicherlich nicht sehr elegant, aber ungemein fruchtbar war. Nach dem Stuhlgang landete das alles wieder auf der Erde, wurde oft sogar vergraben und lag manchmal sehr weit von den Mutterwurzeln der Pflanze entfernt. Genial, oder?

Doppelgänger

Es gibt sie nicht nur unter den Menschen, sie sind in der Natur auch sonst vorhanden. In dieser kleinen Serie, die dem Pflanzenreich gewidmet ist, lädt uns der Biologe, Bergführer und Wanderleiter Bertrand Gentizon ein, einige überraschende und manchmal gefährliche Ähnlichkeiten zu entdecken.

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