Dünne Luft und kleine Griffe

Herausragendes geleistet hat Ueli Steck am Everest. Bemerkenswert sind auch andere Schweizer Exploits an Leisten, Löchern und im Wettkampffieber. Rückblick auf den Frühsommer.

Im Mai bewies der Berner Ueli Steck1 erneut seine Vielseitigkeit. Er bestieg den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff und kam auch ohne wieder im Basislager an – als erster Schweizer seit der Begehung von Loretan und Troillet im Jahr 1986. Er war diesmal über die Normalroute von der nepalesischen Seite aufgestiegen. «Für mich kam eine Begehung mit der Benutzung von Flaschensauerstoff nie infrage. Von Anfang an war klar, dass ich real auf dem Gipfel stehen will, ohne falsche Luft», so Steck. Wie stark er an diesem Ziel festgehalten hat, bewies er letztes Jahr: Nur hundert Meter unter dem Gipfel musste der 35-Jährige umdrehen. Es war zu kalt, die Zehen drohten abzufrieren.

Stefan Siegrist besuchte im Mai das Matterhorn, allerdings nicht nur zum Klettern: Er balancierte über eine Highline, die er in 4478 Meter Höhe am Gipfel gespannt hatte.

Im Juni hat sich Roger Schäli2 mit der Magie der Dolomiten beschäftigt. Er konnte die vor 22 Jahren von Christoph Hainz eröffnete Route Zauberlehrling (7c, 500 m) an einem Tag rotpunkt klettern, gemeinsam mit Gian Sebregondi, einem jungen Talent des SAC-Expeditionsteams.

 

Nina Caprez3meisterte in den Gorges du Verdon einige schwere Routen: Sie flashte Graphique (8a), kletterte Les braves gens (8b) im zweiten Versuch, und zum Abschluss kletterte sie noch Dame Cookie (8a+, 180 m).

Nicola Vonarburg kletterte im Mai im Sektor «Nivo» in Chironico eine Route im Grad 8c, für die er den Namen K*19 vorschlägt – ob er allerdings wirklich der Erste war, dem die Route gelang, dessen ist er sich nicht sicher. Mitte Mai gelang dem 39-Jährigen im italienischen Valbrona noch die Erstbegehung von Il parasitto arcuatore (8b+).

Wahlschweizer Pirmin Bertle4 lieferte Ende März den Beweis, dass man auch als frisch gebackener Vater, der unter chronischem Schlafmangel leidet, Höchstleistungen im Klettersport vollbringen kann: So gelangen ihm binnen weniger Stunden gleich zwei Erstbegehungen in Charmey, die er beide mit 9a bewertet hat: Chromosom X und Chromosom Y.

 

Auch beim Bouldern ist einiges passiert: Im Mai knackte Ronny Birchler5 im Murgtal Double Infra-ction (Fb 8a+). In Chironico hakte er noch Second Life (Fb 8a+) ab.

Dem 22-jährigen Benjamin Blaser6gelang im Mai in Vernayez Creatures of Comfort (Fb 8b) und im schwedischen Västervik Namaste (Fb 8a+). Am Grimselpass hakte er im Juni eine weitere 8a+ ab.

Der 41-jährige Stefan Schibli7 beging Anfang Juli Rammelstein (Fb 8a+) am Stein Knonau.

David von Allmen aus Igis war im Magic Wood aktiv. Er konnte dort im April Sofa Surfer (Fb 8a+) bouldern, im Mai gelangen ihm Body Count (Fb 8a+), The left hand of darkness (Fb 8a+) und die Erstbegehung von Samurai Tango (Fb 8a).

Fabian Herger aus Wassen kletterte mit Dulcifer sit down (Fb 8a+ oder 8b) im Juni seinen bislang schwierigsten Boulder.

 

Auch sind die diesjährigen Schweizer Bouldermeister mittlerweile gekürt: Die Entscheidung im Kampf um den Titel Schweizer Meister im Bouldern fiel am 9. Juni in Grindelwald. Bei den Damen konnte Petra Klingler8 aus Bonstetten ihren Titel gegen die stark kletternde Rebekka Stotz aus Urdorf verteidigen. Auf den dritten Platz kam Nadja Pfister aus Spiegel.

Bei den Herren wurden die Plätze aus dem letzten Jahr munter getauscht. Den Titel holte sich Kevin Hemund9 (28) aus Biel, Vorjahressieger Remo Sommer aus Zürich boulderte auf den zweiten Platz, Dritter wurde Benjamin Blaseraus Ried.

In der Damenkategorie der U18 siegte Theodora Heubrandner10 aus Céligny vor Lisa Binggeli aus Steffisburg und Rebekka Walther aus Oberthal.

Bei den U18-Männern boulderte Marco Müller11 aus Küssnacht stärker als Sandro Pfister aus Spiegel. Dritter wurde Moritz Waldleben aus Udligenswil.

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