«Eben nicht die ganze Nordwand» Historischer Moment

 

«Flüssig geschrieben, ab und zu pikant.» So begann «Die Alpen»-Redaktor Max Oechslin im Juliheft 1961 seine Besprechung von Toni Hiebelers Buch Im Banne der Spinne. Im Winter durch die Eigerwand. Im zweiten Untertitel heisst das Buch 6. März bis 12. März 1961. Der erste Dokumentar-Bericht.

Das stimmte so aber nicht: Die erste Winterdurchsteigung der Nordwand gelang Walter Almberger, Toni Hiebeler, Toni Kinshofer und Anderl Mannhardt in zwei Etappen. Am 28. Februar mussten sie den ersten Versuch auf der Höhe des Stollenlochs (2770 m) abbrechen. Am 6. März nahmen sie die Kletterei wieder auf – vom Stollenloch aus. Dass Hiebeler anfänglich verschwieg, die Wand nicht in einem Zug durchstiegen zu haben, löste Unverständnis aus. Oechslin: «So hat die Seilschaft Hiebeler eben nicht die ganze Nordwand durchstiegen, sondern lediglich die obern 1420 Meter.» Seitenlang wurde im SAC-Organ über den Extremalpinismus diskutiert. Anders 1938, als Heckmair und Gefährten im Juli die Erstdurchsteigung gelungen war: Diese wurde auf gerade mal sechs Zeilen gemeldet.

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