Ein Gebäude wie ein Kristall. Neue Monte-Rosa-Hütte

Neue Monte-Rosa-Hütte

Ein Gebäude wie ein Kristall

Diesen Sommer wird mit dem Bau der neuen Monte-Rosa-Hütte begonnen. Läuft alles rund, wird das Gebäude, das die ETH Zürich in enger Zusammenarbeit mit der Zentralen Hüttenkommission des SAC entwickelt hat, bereits 2009 eingeweiht. Ein virtueller Rundgang durch die Hütte, welche das nachhaltige Bauen in den Alpen weiterbringen soll.

Nach mehreren Jahren Planung und Vorbereitung sollen diesen Sommer die Handwerker aktiv werden, um das Fundament der neuen Monte-Rosa-Hütte zu legen. Wo genau der Baubeginn gefeiert wird, war bei Redaktionsschluss noch offen. Klar ist, dass die Feier nicht am Bauplatz am Fusse der Dufourspitze selbst sein wird. Denn für ein Hüttenprojekt, das als Massstab für Nachhaltigkeit dienen soll, wäre es unsinnig, gleich zu Beginn mehrere Helikopterflüge zu organisieren, meint Peter Planche, Präsident der Bauherrin Sektion Monte Rosa.

Idee aus Saas Fee

Die Grundidee, eine SAC-Hütte mithilfe modernster Technik zu bauen, entstand nicht in Zermatt, sondern in Saas Fee. Dort besitzt Meinrad Eberle, der Projektleiter der ETH Zürich für die Monte- Rosa-Hütte, ein Ferienhaus. Als er darüber nachdachte, welche Projekte die Hochschule für ihr 150-Jahr-Jubiläum im Jahre 2005 sich vornehmen könnte, brachten ihn die umgebenden Berge auf die heisse Spur. 2003 kontaktierte Eberle den SAC. Zusammen diskutierte man verschiedene Möglichkeiten. Die Wahl der ETH, die den Stichentscheid hatte, fiel auf die Monte-Rosa-Hütte. Studenten des Architekten Andrea Deplazes erarbeiteten in einer Art internem Wettbewerb 2004 verschiedene Vorschläge. Da entstanden achtgeschossige Türme oder eine Ansammlung von Containern auf den Plänen. Die konkrete Ausarbeitung für die Baueingabe, bei der auch Peter Büchel als Fachleiter Hüttenbau SAC und Experte mithalf, ergab nochmals eine ganz neue Form. Zusätzlich führten Forscher verschiedenster Richtungen Studien durch, um die Gebäudetechnik zu optimieren. Die Wand, die wie eine Thermoskanne funktioniert, erfuhr beispielsweise verschiedene Fassadentests. Das ganze Gebäude wurde auch digital so erfasst, dass man mit den entsprechenden Daten direkt Holzfräsen ansteuern kann. Diese « Druckbarkeit » der Hütte führte auch zu einer Kostenreduktion.

Ein Haus ohne Dach

Doch wie sieht dieser « Meilenstein im hochalpinen Bauen », wie es in der Begleitbroschüre heisst, schliesslich aus? Aus den studentischen Arbeiten ist ein kristallförmiger, fünfgeschossiger Holzbau mit einer glänzenden Verkleidung entstanden ( vgl. auch ALPEN 8/2005 ). Diese Aussenhülle führte dazu, dass das Projekt den inoffiziellen Namen « Glänzling » erhielt. Die Form mit den verschieden stark geneigten Aussenflächen führt zu einem Haustyp, bei dem es keine klare Trennung zwischen Wand und Dach mehr gibt. Nach aussen richten sich zwei grössere Öffnungen in der Gebäudehaut: die Fenster des Panoramarestaurants und der Erschliessungstreppe, die entlang der Aussenwände führt. Sonst sind nur kleine Fenster vorhanden, was den Schutzcharakter des Gebäudes betont.

Zukunftsweisende Energietechnik

Die Hütte, deren Stahlfundament im Fels verankert ist, ist im Innern ein Holzbau. Es sind 120 Schlafplätze vorhanden, aufgeteilt auf Zimmer mit maximal acht Betten. Auf jedem Stock stehen den Gästen Nasszellen zur Verfügung. Diesen vermeintlichen Luxus als Indiz für ein energiefressendes Gebäude zu betrachten, wäre aber völlig falsch. Denn der « Glänzling » glänzt auch bei der Energieversorgung. Man geht davon aus, dass 90 Prozent des Energiebedarfs durch die Hütte selbst gedeckt werden können. Dies ist möglich dank ausgeklügelter Energieversorgung, Heizung und Lüftung. Dabei kommen Fotovoltaikpaneele, deren überschüssige Energie in Batterien gespeichert wird, ein mit Rapsöl betrie-Geschoss um Geschoss: das Innenleben der neuen Monte-Rosa-Hütte benes Blockheizkraftwerk und ein Wär-merückgewinnungssystem bei der Abluft zum Einsatz. Nicht eingerechnet in die 90 Prozent ist die Energie für das Kochen. Hier kommt vorläufig Gas zum Einsatz, wobei Forscher bereits an einer Alternative arbeiten. Diese Form von Energieeffizienz ist für Meinrad Eberle, Projektleiter aufsei-ten der ETH Zürich, zukunftsweisend. Dem pflichtet auch Peter Planche bei. Ein Exempel für ein nachhaltiges Gebäude will man aber nicht nur beim Betrieb setzen, sondern auch beim Errichten. Bereits wurden mehrere Szenarien durchgerechnet, unter welchen Bedingungen es beispielsweise am besten wäre, nur Raumteile oder ganze vorgefertigte Räume zum Bauplatz zu fliegen. Auch die Transportlogistik wurde bereits evaluiert. Während sich solche Sachen berechnen lassen, gilt dies für den Zeitplan nur bedingt, sind sich sowohl Eberle wie Planche bewusst. Da nicht von einem Jahrhundertsommer wie 2003 ausgegangen werden kann, bleiben nicht viele Bautage bis zum Herbst. Bis dann, hofft man, sollte die Fundierung des Bauwerks abgeschlossen sein. Die Einweihung ist vorerst für den Herbst 2009 vorgesehen. Innerhalb des sogenannten Studios Monte Rosa erarbeiteten Studenten der ETH Zürich das Modell für die neue Hütte. Fotos: ETH Zürich

Deckung von Zusatzkosten noch ungewiss

Eine gewisse Unruhe bereiten den Verantwortlichen noch die Finanzen. Die 5,69 Mio. Franken, die man für den Bau veranschlagte, sind zwar gesichert. So trägt der SAC 2,15 Mio. Franken bei, und für 3,54 Mio. konnte die ETH Zürich Gönner und Sponsoren gewinnen. Für Abweichungen von diesem Budget und zusätzliche Aufwendungen, beispielsweise im Bereich Kommunikation, müssten noch weitere Sponsoren gefunden werden, meint Meinrad Eberle. Peter Planche weist auch darauf hin, dass man nicht in der komfortablen Lage sei, eine finanzielle Risikogarantie zu besitzen, mit der man Zusatzkosten, die durch eine Bauverzögerung entstehen, auffangen Die erste Monte-Rosa-Hütte wurde 1895 als Legat des Ingenieurs François Bétemps, dessen Name sie bis 1939 trug, erbaut. Der Zahn der Zeit hat an der 1984 erweiterten Hütte so stark genagt, dass sie ersetzt werden muss. Ihr gehört die Zukunft: die neue Monte-Rosa-Hütte mittels Computer an ihrem Standort über dem Grenzgletscher platziert Foto: SA C-Clubhüttenbuch Foto: Dr es Balmer Foto: ETH Zürich

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