Entdeckung einer Landschaft. Reisende, Schriftsteller, Künstler und ihre Alpen. Claude Reichler

Rotpunktverlag, Zürich 2005. Fr. 42.– « Nieder mit den Alpen – freie Sicht aufs Mittelmeer » sprayten unzufriedene Jugendliche Anfang der 1980er-Jahre an bürgerliche Hausmauern Helvetiens. Kein Zufallsprotest: Die Alpen beherrschen in der Schweiz weit mehr als ihr Gelände. Der Lausanner Literatur- und Kulturwissenschaftler Claude Reichler beschäftigt sich in einer Studie mit der Entdeckung der Schweizer Alpen. Er erzählt die Geschichte der alpinen Landschaft vom 18. bis ins 2O. Jahrhundert, die Wandlungen ihrer Wahrnehmung von der reinen Betrachtung über die Mythenbildungen bis zur Eroberung. Er dechiffriert künstlerische Darstellungen – etwa eines Caspar Wolf, dessen Gemälde leider nicht ganz überzeugend reproduziert sind – und sprachliche Zeugnisse – von Horace Bénédict de Saussure, dem Montblanc-Entdecker, bis zu den schweizerischen Reduit-Ideolo-gen – und landet schliesslich bei Max Frischs Dekonstruktion des alpinen Mythos. Da allerdings unterläuft Reichler ein Fehltritt, da er Frischs « Antwort aus der Stille. Eine Erzählung aus den Bergen » von 1937 nicht miteinbezieht. Das kann passieren, studieren sollte man Reichlers Buch trotzdem, weil es des Schweizers heiligste Landschaft neu entdeckt.

Daniel Anker, Bern Frost Rob/Siegrist Stephan

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