Erhard Loretan Ein Leben am Abgrund

Das Klettern lernte er an einem Apfelbaum im heimischen Garten, den Tod fand er an seinem 52. Geburtstag am Grünhorn. Dazwischen lag ein Leben in der Vertikale, in seiner alpinistischen Heimat, den Gastlosen, und auf den Achttausendern der Welt. Alpinistische Höhepunkte wie die Besteigung des Mount Everest in nur 40 Stunden kontrastierten mit tragischen Tiefpunkten: Seine langjährige Lebensgefährtin und Seelenverwandte Nicole Niquille wurde 1994 durch Steinschlag gelähmt, 2001 kam sein Sohn ums Leben, weil er ihn während eines Schreikrampfs mehrere Sekunden lang geschüttelt hatte. Loretan wurde verurteilt und trug den Rest seines Lebens schwer an seiner Schuld. Dem Journalisten und Bergkenner Charlie Buffet ist ein einfühlsames Porträt des Menschen Erhard Loretan gelungen. Er zeichnet die Biografie des Freiburger Ausnahmebergsteigers mit all ihren Widersprüchlichkeiten nach. Was Loretan antrieb, woher er seine Energie nahm, welche Kräfte in ihm wirkten, bleibt dennoch im Verborgenen. Loretan hatte es wohl so gewollt – er habe sich immer in der Rolle des schwer Fassbaren gefallen, schreibt Buffet.

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