Europacup Genf. Drei Podestplätze für die Schweiz

Europacup Genf

Die neu formierte Jugend-National-mannschaft hatte am Wochenende vom 3. und 4. April in Genf den ersten internationalen Jugendwettbe-werb im Schwierigkeitsklettern dieses Jahres zu bestreiten. Das Team konnte mit drei Podestplätzen und weiteren guten Resultaten aufwarten.

Für die meisten Athleten war bereits dieser erste, in der Schweiz ausgetragene Wettkampf Höhepunkt des Jahres. Internationale Veranstaltungen im eigenen Land haben immer einen speziellen Charakter, und die Kletterer stehen unter hohem Erwartungsdruck.

Standortbestimmung Der Europa Cup wurde von Athleten und Trainern mit besonderer Spannung erwartet, stand er doch ganz im Zeichen einer ersten ernsthaften Standortbestimmung. Wenn man die internationale Konkurrenz mehrere Monate nicht gesehen hat, ist es jeweils schwierig, seine eigene Leistung objektiv einzuschätzen. Der Wettbewerb in Genf hat gezeigt, dass die Schweizer Spitze international keinen Vergleich zu scheuen braucht. Er hat aber auch deutlich gemacht, wie es mit dem jüngsten Nachwuchs steht und in welcher Richtung unsere Arbeit weitergehen muss.

Das Nachwuchsteam wurde zu Beginn des Jahres neu zusammengesetzt und mit vielen jungen Athleten ergänzt. Die Erwartungen an die Kletterer der Nationalmannschaft waren deshalb sehr unterschiedlich. Bei den erfahrenen Wettkämpfern ging es darum, sich zu positionieren und Resultate zu bringen, was den meisten gut gelang. Für die Neulinge wurde dieser Wettkampf in erster Linie dazu genutzt, Erfahrungen zu sammeln und das Niveau sowie die Konkurrenz kennen zu lernen. Nicht wenige sind von der Intensität der Routen und der Härte der Konkurrenz überrascht worden.

Hohes Niveau und hohe Leistungsdichte Auffallend waren das allgemein hohe Kletterniveau in allen Kategorien und die, im Vergleich zum letzten Jahr, sehr hohe Leistungsdichte im Nachwuchsbereich. Die schönen, aber sehr anspruchsvollen Routen haben den Athleten ein hohes Mass an Kletterkönnen abverlangt. Nichts desto trotz wurden beinahe alle Finalrouten einmal top geklettert, was eine optimale Leistung voraussetzt. Entsprechend dieser Tatsache war es für die Neulinge im Schweizer Team nicht leicht, sich vorteilhaft zu platzieren. Nach einer glücklichen Finalqualifikation musste die vierzehn Jahre alte Christina Schmid aus Neuenegg im Final vom Sonntag gleich als Erste in die entscheidende Route einsteigen. Nach einer bravourösen Leistung scheiterte sie erst knapp unter dem Umlenkpunkt. Danach erreichte keine andere Athletin auch nur annähernd ihre Höhe. Für Christina bedeutete dieser Sieg in ihrem zweiten internationalen Wettkampfjahr

Anouk Piola hat ihr Ziel erreicht: eine Qualifikation im Finale während ihrer ersten Saison in der Kategorie Jugend A.

Im Finale holte sich der Berner Thomas Schmid den phänomenalen zweiten Platz in der Kategorie Jugend A. Der Genfer Anthony Sapey kletterte bravourös im Finale, verfehlte jedoch den zweiten Platz nur um ein paar Zentimeter.

Fo to s: M ic hel Piol a DIE ALPEN 6/2004

den bisher grössten Erfolg ihrer jungen Karriere. Nach einer etwas verpatzten zweiten Qualifikationsroute schaffte ihr 17-jähriger Bruder Thomas Schmid ebenfalls knapp den Einzug ins Finale der besten zehn. Mit seinem flüssigen und technisch sauberen Kletterstil bewies Thomas im Final seine momentan gute Form. Mit Rang zwei in Genf erkletterte er den zweiten Podestplatz seiner Karriere und egalisierte seine bisher beste Platzierung von Kranj ( SLO ) vor zwei Jahren. Der Genfer Anthony Sapey, Lokalmatador und mehrfacher Europa-cupsieger, konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllen. Er musste sich im Finale vom bestechend starken Holländer Jorg Verhoeven und dem kämpferischen Flavien Guerimand aus Frankreich auf den dritten Platz verdrängen lassen, komplettierte aber damit das gute Schweizer Ergebnis.

Wichtige Schweizer Wettkämpfe Für die Nationalmannschaft war dieser Europacup eine wertvolle Erfahrung. Sich im eigenen Land mit anderen Wettkämpfern zu messen und eine gute Leistung zu erbringen, ist für jeden Kletterer eine besondere Herausforderung und Motivation. Weiter bietet ein Europacup im eigenen Land ein optimales Lernfeld für junge Athleten, das es auszunutzen gilt. Es wäre deshalb erstrebenswert, auch in Zukunft internationale Wettbewerbe in unserem Land zu organisieren. Die nötige Infrastruktur und das Know-how dazu sind auf jeden Fall vor-handen. a

Lukas Iseli, Langnau Christina Schmid, Siegerin am Europacup in Genf in der Kategorie Jugend B. Hier am YCC Winterthur 2003 Fo to :R oge r K ne ch t

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