Everest Event 2006. 1956–2006: Schweizer Expedition zu Everest und Lhotse

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1956–2006: Schweizer Expedition zu Everest und Lhotse

Everest Event 2006

Im Mai 1956 gelangen der Schweizer Himalaya-Expedition grosse Erfolge: Erstbesteigung des Lhotse und als erste Schweizer auf dem Everest. Am 3O. April 2006 findet im Kultur-Casi-no Bern dazu eine grosse Erinne-rungsveranstaltung – das EvEv06 – mit Podiumsdiskussionen, Diashows, Filmen und Referaten statt.

Nach dem knappen Scheitern der Genfer Expedition von 1952 ca. 200 m unter dem Gipfel des Everest lancierte die 1956er-Expedition unter der Leitung von Albert Eggler mit Wolfgang Diehl, Hans Grimm, Fritz Luchsinger, Ernst Reiss, Jürg Marmet, Hansrudolf von Gunten, Adolf Reist, Ernst Schmied, Eduard Leuthold und Fritz Müller einen neuen Angriff. 1 Dieses Mal waren die Schweizer erfolgreich: Am 23. Mai 1956 flatterten auf dem Gipfel des Everest die Schweizer, die Berner und die nepalesische Flagge, auf-gepflanzt von Marmet und Schmied. Die beiden blieben fast eine Stunde lang oben, um die grossartige Aussicht in vollen Zügen zu geniessen. Reist und von Gunten realisierten ihren Traum ebenfalls und erreichten den Gipfel am nächsten Tag. Die Schweizer Expedition unter der Leitung von Albert Eggler konnte aber noch mehr Erfolge aufweisen: Am 18. Mai hatten Reiss und Luchsinger den Lhotse erstbestiegen.

Eine Expedition, drei Erfolge

Aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums dieser Ereignisse findet am Sonntag, 3O. April 2006, im Kultur-Casino Bern eine öffentliche Veranstaltung statt. Sie bietet die einmalige Gelegenheit, Mitglieder der Expedition von 1956 – Jürg Marmet, Hansrudolf von Gunten und Ernst Reiss – zu treffen, Diskussionen unter Everest-Spezialisten zu verfolgen und berühmte Fotos zu betrachten. War damals das Bergsteigen ausschliesslich Männersache, so sind heute auch Frauen bei der Besteigung der prestigeträchtigsten Berge der Welt mit von der Partie. 1 Diese Expedition wurde wie die vorangehenden zwei Genfer Expeditionen von Frühjahr und Herbst 1952, von der Schweizerischen Stiftung für Alpine Forschung SSAF initiiert und zu wesentlichen Teilen organisiert und finanziert.

Fritz Luchsinger am 18. Mai 1956 auf dem Gipfel des Lhotse. Seine Ausrüstung unterstreicht noch zusätzlich die Bedeutung dieser Pionierleistung.

Das Dreigestirn ( v.l .) mit Everest, Lhotse und Nuptse, so wie es sich den Teilnehmern der 1956er-Expedition präsentierte. In der linken Bildmitte der Khumbu-Eisfall, der über das Gletscherhochtal des West Cwm an den Fuss der Lhotse-Flanke ( im Hintergrund ) führt. Beim Einschnitt zwischen Everest und Lhotse befindet sich der Südsattel ( South Col ). Albert Eggler, der Expeditionsleiter der erfolgreichen Everest-Lhotse-Expedition von 1956 Bergsteigen mit Kleidung und Ausrüstung von 1956. Test-einsatz der Sauerstoffgeräte in der Lhotse-Flanke Fotos: aus Jubiläumsbuch « E ver estLhotse », A SV erlagS SAF EvEv06 im Kultur-Casino Bern Besuchen Sie www.evev06.ch, wo sich alle notwendigen Informationen finden. Eintritt Fr. 12.– inkl. Gutschein für ein Getränk und ein Sandwich; Kinder unter 16 Jahre gratis. Tickets nur an der Tages-kasse. In Anbetracht des grossen Interesses wird empfohlen, die Plätze für das Everest-Event 2006 frühzeitig zu reservieren, www.evev06.ch oder Tel. 0900 55 22 50/Fr. 2.–/Min. Die Nepalesin Pemba Doma Sherpa, die den Everest zweimal von verschiedenen Seiten bestiegen hat, wird uns in Bern persönlich an ihren Erlebnissen teilhaben lassen.

Das Jubiläumsprogramm ist reich befrachtet. Am Morgen werden in einer Diashow die Expedition an Lhotse und Everest sowie anhand eines Films des Alpinen Museums der Rückmarsch der Schweizer 1956 vom Everest miterlebbar. Dazu kommt eine Hommage der Genfer Expedition von 1952, die knapp unter dem Gipfel umkehren musste. Präsentiert wird weiter das neue Buch von Oswald Oelz, Everest Lhotse. Schweizer am Everest 1952 und 1956, das auf Wunsch vom Autor signiert wird. Den Nachmittag eröffnen Referate zu zwei wesentlichen Aspekten von Everest-Expeditionen: « Die Bedeutung der Sherpas in der Besteigungsgeschichte des Everest » sowie « Wandlung und Bedeutung des Materials ». Zwei Podiumsgespräche runden den Tag ab: « Expeditionsbergsteigen gestern und heute » bietet die Gelegenheit, Mitglieder der Expedition 1956 zu sehen und zu hören. Und für « Jedem sein eigener Everest » werden sich auf dem Podium Persönlichkeiten einfinden, die unterschiedliche Richtungen und Entwicklungen des Bergsteigens vertreten. Das Aufeinandertreffen verschiedener Ansichten und Standpunkte verspricht animiert und kontrovers zu werden.

Den Kopf voller Bilder

Der Everest fasziniert. Er stellt für jeden Bergsteiger, Mann oder Frau, die grösste Herausforderung dar, weshalb sie in immer grösserer Zahl an den Berg strömen. Während die Besteigung des höchsten Bergs der Welt einem Exploit gleichkommt und deshalb zum Ruf des Everest beiträgt, sind doch viele von uns vor allem von der grossartigen Landschaft fasziniert. Deshalb wird dieser Tag durch die Schönheit in den Bildern von Robert Bösch, dem berühmten Fotografen der Extremen, abgerundet. Seine Everest- Diashow wird für all jene ein besonderes Ereignis, die den höchsten Berg nie bestiegen haben und ihn auch nie besteigen werden. Für jene aber, die sich am Dach der Welt versucht haben, wird sie zur unvergleichlichen Erinnerung. Zu empfehlen ist auch der Besuch der Ausstellung « BergAuftritt: Mt. Everest– Lhotse 1956, 50 Jahre Schweizer Expedition » im Alpinen Museum Bern. 2 Sie wird speziell für diese Veranstaltung zusammengestellt und umfasst Bilder, Dokumente – so das Tagebuch von Albert Eggler – sowie Ausrüstungsgegenstände aus der Zeit der Expedition. Der von der Schweizerischen Stiftung für Alpine Forschung ( SSAF ), dem SAC, der SACSektion Bern sowie dem Alpinen Museum organisierte Anlass ist allen Bergfreunden herzlich empfohlen. a Karine Begey ( ü ) 2 Die Ausstellung dauert vom 28. April bis 13. August 2006.

Everest ( l. ) und Lhotse, die beiden Himalaya-Riesen, die 1956 von der Schweizer Expedition unter Albert Eggler bestiegen wurden. Blick auf den Westgrat und die dahinter liegende dunkle Pyramide des Mount Everest. Rechts der Lhotse mit der vergletscherten Lhotse-Flanke und dem sich als feine weisse Linie von links her zum Gipfel ziehenden Lhotse-Couloir Bergsteiger bei ihren letzten Schritten zum Mount Everest. Der Wandel des Materials seit 1956 zeigt sich hier deutlich. Blick gegen die Bergwelt Tibets Fotos: Robert Bösch

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