FIFAD 1998

Sie gehen zu schnell und reden zuviel In der zweitletzten Septemberwoche fand in Les Diablerets das 29. Festival International du Film Alpin ( FIFAD ) statt. Wie schon bei früheren Anlässen verhinderte eine wenig aktive Informationspolitik einen grösseren Widerhall vor allem im deutschsprachigen Raum. Unter den 33 von der Jury ausgewählten Filmen gab es einige « Highlights ». Den « Prix du CAS » erhielt hochverdient der Film Le Cri du Cœur.

Der Rahmen Das rhythmische Klacken von Pfer-dehufen hallt durch die weitgehend verkehrsfreie, beschauliche Hauptstrasse von Les Diablerets. Ein beinahe jugendlich wirkender Herr reitet Bernhard Rudolf Banzhaf Wer wollte schon den Teufel an die Wand malen?

Der Rahmen des Filmfestivals in Les Diablerets: behäbige Chalets, kurz vor Herbsteinkehr noch in reicher Blumenpracht bequemen Sitze. Das Foyer jedoch strahlt eine gewisse Kälte aus, die auch unser « Foyer du CAS » nicht aufzuwärmen vermochte. Zudem war der Besuch zu Beginn der Woche eher schwach, erst am Freitagabend gab es einen Grossaufmarsch von Schaulustigen, unter denen sich erfreulich viele jugendliche Gesichter befanden. Bei den SAC-Mitgliedern hielt sich der Andrang in den üblichen Grenzen.

Das Tagesprogramm war immer sehr abwechslungsreich, herrschte doch ein ständiger Wechsel zwischen eher ( zu ) langen Werken und Kurzfilmen, zwischen eher mittelmässigen Streifen und guten Produktionen. Durchwegs fiel auf, dass die auf den Film gebannten Alpinisten und Wanderer eine sehr schnelle Gangart anschlugen. Diese Beobachtung deckt sich durchaus mit den Erfahrungen in der Natur, wo die Menschen offensichtlich den Rhythmus des Alltags in die Berge zu übertragen pflegen.

... und reden zu viel Ein weiterer roter Faden, der sich durch die meisten dokumentarischen Werke hindurchzog, waren die zahlreichen und nicht mehr abreissen wollenden Interviews, in die die Hauptprotagonisten verwickelt wurden. Einige Filme bestanden eigentlich nur aus Standbildern mit befragten Personen. Hier täte sicher etwas mehr Kreativität gut.

Die Preise und die Preisträger Auch 1998 waren viele Preise zu vergeben. Darunter konnten einige an echte Perlen verliehen werden. Erstaunlicherweise erhielt der Deutsche Hartwig Erdenkäufer mit Totenkirchl Westwand keine Auszeichnung, obwohl dieses Dokument durchaus gefiel. Die drei Besteigungen der gleichen skelettbleichen Wand mittels dreier ganz verschiedener alpinistischer Vorgehensweisen ( vom Aufstieg mit dem Hanfseil zum Freiklet-ter-Durchstieg ) waren mit dem Kommentar im echten fränkischen Dialekt des Regisseurs, der leider in der französischen Übersetzung unterging, untermalt.

Jury-Mitglieder in heissen Gesprächen mit dem Direktor des Festivals von Trento Prix SSR Dieser ging an Le Défi du Khan-Tengri von K-soul Cherix, dem Lokalmatador. Dieser hatte letztes Jahr ein erstaunliches Erstlingswerk ( L' Echo du Tien-Shan ) vorgestellt. Der diesjährige Film war zwar gut, technisch perfekt zusammengestellt, mit zeitgemässer Musik untermalt, aber er war eigentlich nur eine Kopie seines Vorgängers: gleicher Ort, gleiche Menschen, gleiches Thema.

« Die goldenen Teufel » Von den « Diables d' Or » wurden zwei verliehen: jener für den Gebirgsschutz an den Deutschen Gerhard Baur mit Der Grosse Aletschgletscher: Wenn das Eis schmilzt. Dieses monumentale Werk zeigt einerseits eine neue Sportart, die Gletscher- Speläologie, andererseits offenbart es die beinahe dramatischen Vorgänge in einem Gletscher während einer Wärmeperiode, wie wir sie im Moment erleben.

In der Kategorie « Identität mit dem Leben im Gebirge » gewann Jean Périsse ( F ) einen weiteren Diable d' Or. Sein Film Les Forçats du Pic war allein die Reise nach Les Diablerets wert! Da sind einmal die historischen Aufnahmen des Observatoriums auf dem Pic du Midi in den Pyrenäen. Ebenfalls Zeugen der Geschichte sind die zwei alten, zahnlosen Männer, die vor einem warmen Kaminfeuer sitzen, genüsslich aus ihren funkelnden Rotweingläsern schlürfen und frisch von der Leber weg aus ihrem Leben erzählen. In einem sehr stark südlich gefärbten Französisch lassen sie das Leben als Träger und Säumer wiedererstehen: Über 40 Jahre lang versorgten sie sommers und winters die Forscher auf dem Gipfel ihres Berges mit Lebensmitteln, Post und Neuigkeiten aus der weiten Welt. Ein äusserst köstliches, historisch wertvolles und sehr unterhaltendes Dokument!

Der SAC-Preis Menschen, die krankheitsbedingt eine Herztransplantation über sich ergehen lassen mussten, können durchaus fähig sein, den Montblanc zu besteigen. Eine Equipe von Bergführern und Ärzten begleitete die Teilnehmer dieses Experiments, das zu einem sehr emotionalen Doppel-blick auf die Operierten und ihre Spender führt. Der Film mit diesem aufwühlenden Thema heisst Le Cri du Coeur und wurde von Christophe Delachat ( F ) gedreht. Er erhielt hochverdient den « Prix du CAS ».

Le Grand Prix Auch hier muss man der Jury ein Kränzchen winden. Tamangur von Stephen Macmillan ( CH ) holte sich diese Trophäe sehr verdient. Der nur 18 Minuten dauernde eindrückliche Film zeigt den Maler Andrew Ward, der mitten in der grossartigen Landschaft des hinteren S-charl-Tals im Unterengadin riesige Bilder mit den blossen Händen malt. Er vermittelt in wunderschönen Sequenzen sowohl die grosse körperliche und kreative Anstrengung, mit der der Maler konfrontiert ist, als auch kontrastierend die einmalige Ruhe und kontemplative Ausstrahlung dieses an den Schweizerischen Nationalpark grenzenden Tals.

Bernhard Rudolf Banzhaf, Saas Feeat à Alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen Im Bergabsturzgebiet Einer ist zwischen den Nebelschwaden immer wieder zu sehen: der Tödi.

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