FIFAD 2001. Buntes Allerlei

Buntes Allerlei

FIFAD 2001

Zum 32. Male trafen sich die Freunde des Bergfilms in Les Diablerets, um sich einen repräsentativen Überblick über die Szene zu verschaffen. Die Themenvielfalt prägte das FIFAD 2001, ein buntes Allerlei sorgte für Kontraste, Spannung und Abwechslung. Trotz des regen Zuschauer-stroms hat der Anlass seinen familiären Charakter nicht verloren.

Das FIFAD hat investiert: Eine neue Pro-jektionstechnik und eine neue Leinwand sorgten für den – dringend notwendigen – echten Kinogenuss, der in Zukunft bestimmt zu einer noch grösseren Beliebtheit des Anlasses beitragen wird. Was aber die Öffentlichkeitsarbeit betrifft, so ist man wieder in unprofessionelle Verhaltensmuster zurückgefallen: keine Vorinformationen, kein Programm im Vorfeld. Das ist schade, wird doch so eine gezielte Anreise verhindert. Die Filme werden seit jeher von einem Sprecher kommentiert, was zu grotesken Situationen führen kann: Das Englisch des Protagonisten wird im Film auf Italienisch kommentiert und im Saal vom Französisch des Speakers überlagert. Kommt dieser direkte Kommentar zu früh oder zu spät, wirkt das Ganze nicht unbedingt genussfördernd. Leider waren die Bemühungen der Kulturkommission, etwas mehr Clubisten zu mobilisieren, nicht gerade von Erfolg gekrönt. Ob im SAC das Thema « Bergfilm » wenig verankert ist oder ob es in der zweiten Wochen-hälfte am schönen Herbstwetter lag, auf jeden Fall war der Aufmarsch unserer Mitglieder bescheiden.

Mutige Jury Die Jury, mit Olivier Walther als SAC-Vertreter, bewies erneut Mut und Gespür in der Vergabe von neun Preisen. Dabei offenbarte sich eine interessante Konkurrenz zwischen französischen und erfreulicherweise auch schweizerischen Realisatoren, gingen doch je vier Preise an diese Länder. Und dazwischen stand der deutsche Vorreiter des Bergfilms, Gerhard Baur, der einmal mehr einen Preis zugesprochen bekam, und zwar den SAC-Preis. Im Übrigen erhielt der kürzeste Film den Grossen Preis, was für den Mut der Jury spricht.

SAC-Preis für Eigernordwand Bei Eigernordwand – durch das Tor des Scheiterns ( 42 Min. ) handelt es sich um eine wahre Begebenheit, die Gerhard Baur während seiner Dreharbeiten zum Eigernordwand-Epos erlebte. Zwei junge, etwas naive, aber draufgängerische deutsche Bergsteiger steigen kompromisslos und nicht angeseilt in die Wand ein. Sie werden vom schlechten Wetter überrascht und versuchen den Abstieg. Dabei geraten sie in tiefen Schnee und in eine ausweglose Situation. Als Baur bei seiner Arbeit ein leeres Zelt antrifft, schlägt er Alarm. Die Rettungsmannschaft findet und birgt die beiden Hasardeure in letzter Minute. Trotzdem gibt es kein Happyend: Der eine Protagonist stürzt kurz darauf bei einer anderen Tour ab, der andere ist enorm gezeichnet vom erlittenen Trauma und steckt noch stark in der Verarbeitungsphase. Dieser dramatische Film, der bei den Zuschauern Emotionen auslöste, überzeugte mit seinen gekonnten Sequenzen.

Publikumspreis für La vie malgré tout Das Publikum entschied sich für den längsten Film der Konkurrenz ( 75 Min. ), der mit einer gelungenen Mischung von spannendem Geschehen, schönen Landschaften und wissenschaftlicher Tiefe

FIFAD-Preisträger

Preis des SAC Eigernordwand – durch das Tor des Scheiterns von Gerhard Baur ( D ) Preis der SSR El fuorn – dis cul cavacristallas von Peter Kreiliger ( CH ) Preis der Gemeinde Cantonniers de l' impossible von K-soul Cherix ( CH ) Ormont-Dessus Grain d' Or Mort au Barbu ou le crash du Gypaëte von Claude Delieutraz ( CH ) Diable d' Or, Cat. III Los cueveros – I signori dell'oscurità von Fulvio Mariani ( CH ) Diable d' Or, Cat. II La grande cordée von Gilles Chappaz ( F ) Diable d' Or, Cat. I Les Alpes en musique von Gilles Perret ( F ) Publikumspreis La vie malgré tout von Gilles Santantonio ( F ) Grand Prix du Festival Porteurs de misère von Philippe Lespinasse ( F ) Fo to s:

Die te r S pinnle r Aufmerksame Zuschauer bei der Preisverleihung Jacqueline Veuve, die diesjährige Preisträgerin des « Mérite alpin » DIE ALPEN 11/2001

Neue Routen und Gebiete

Vie e siti nuovi

Voies et sites nouveaux

aufwartet. Gilles Santantonio ( F ) hat ihn im Auftrag von « Ushuaïa nature », einer beliebten Serie im französischen Fernsehen, im Grenzgebiet zwischen Chile, Argentinien und Bolivien gedreht. Eine Gruppe von Sportlern und Wissenschaftern gelangt auf verschiedenen Wegen und mit verschiedenen Mitteln zum Vulkan Licancabur, in dessen auf 6000 m gelegenem Krater sich ein kleiner See befindet. Mit Hilfe von Tauchgängen wird nachgewiesen, dass auf dieser Höhe noch Leben in Form von Algen und kleinen Krebsen existiert. Insgesamt etwas « gedehnt », aber mit grossartigen Landschaftsaufnahmen und interessanten Erkenntnissen über die Grenzen des Lebens.

Grosser Preis für Porteurs de misère Dieser Kurzfilm ( 12 Min.15 Sek .) von Philippe Lespinasse ( F ) zeigt den harten und trotzdem lebenswerten Alltag der ewig stummen und verleugneten Arbeiter bei Himalaya-Expeditionen. Diese nützlichen Handlanger des Unnützen schuften Wochen vor Beginn der Belagerung des Berges das Material durch Hitze, Kälte, Staub und Hagel zum Basislager, während die Bergsteiger dort später knatternden Helikoptern entsteigen. Mit grossem Gespür für diese Menschen, die ihren Lebensunterhalt durch schwierige Tragdienste verdienen, hat Lespinasse ein erstaunliches Werk realisiert, in dem jeder Schnitt sitzt, jeder Ton passt und jedes Bild mitreisst. a

Bernhard Rudolf Banzhaf, Saas Fee

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