Filmfestival Città di Trento 2003. Goldener Enzian an «Your Himalayas»

Goldener Enzian an

« Your Himalayas »

Anfang Mai fand in der norditalieni- schen Stadt Trient die 51. Auflage des bekannten Berg- und Abenteuer- filmfestivals statt. Abgesehen von den 71 selektionierten Filmen wurde den Zuschauern ein grosses Rahmen- programm geboten. Dennoch waren sich viele Anwesende einig, dass das Festival in diesem Jahr einen Teil sei- ner Anziehungskraft eingebüsst hat. Den Wettbewerb gewann der bewegende und technisch überzeugende Film von Alberto Innurategi « Your Himalayas ».

Der bekannte baskische Höhenbergstei- ger, der inzwischen alle vierzehn Acht- tausender bestiegen hat, macht darin den Verlust seines Bruders zum Thema:

Felix Innurategi verunglückte am zwölf- ten gemeinsamen Achttausender durch den Riss eines Fixseils. Ein künstlerisch gelungenes Werk Der Film, der diesen tragischen Tod zu verarbeiten sucht, gleitet nie ins Patheti- sche oder Sentimentale ab, sondern ist ein künstlerisch gelungenes, tiefsinniges und hervorragend geschnittenes und vertontes Werk über diese dramatische Erfahrung und über die Nähe von Leben und Tod. Unter den weiteren Ausgezeichneten ist der österreichische Film « Schwaben- kinder » von Jo Baier hervorzuheben, der ein tristes Kapitel in der Geschichte auf beeindruckende Art aufgreift: Es geht um jene Kinder, die Ende des 19. Jahrhun- derts aus verschiedenen Tiroler Tälern als « Sklaven » nach Deutschland verkauft wurden, wo sie unter furchtbaren Be- dingungen arbeiten mussten. Unge- wöhnlich und gelungen auch « Wetter- küche Alpen », der ein Alltagsthema – Wetter und Klima – intelligent und ori- ginell behandelt. Zwei Spezialpreise gin- Foto: Martin und Daniel Rebetez Querschnitt der Pont de Pérolleq D I E A L P E N 7 / 2 0 0 3 gen an Schweizer Filme: « Scarnuz Peru- an – Purs da Muntogna en dus munds » ( der Vergleich von zwei Berggemein- schaften in den Schweizer Alpen und in Peru ) von Marianne Pletscher sowie « G4 – una cresta tra passato e guerra » der bekannten Tessiner Filmemacher Fulvio Mariani und Mario Casella. In diesem langen Film werden der Versuch einer Gasherbrum-Besteigung und die aktuellen politischen Ereignisse mitein- ander verwoben. Für sein Gesamtwerk wurde nach dem Deutschen Gerhard Baur der Engländer Leo Dickinson von der « International Alliance for Mountain Film » ( der Vereinigung der Filmfestivals ) ausgezeichnet.

Gut besuchter « Everest Day » Auch in Trient war das 50-Jahr-Jubiläum der Erstbesteigung des Everest ein Schwerpunktthema. Dazu wurde ein Abend veranstaltet, an dem viele « Everest Summiters » präsent waren – von Kurt Diemberger ( der auch die Jury präsi- dierte ) über die italienischen Besteiger zu Peter Habeler, Alberto Innurategi und Krzystof Wielicki. Diese Alpinisten, von denen man einige gerne sprechen gehört hätte, wurden allerdings an den Rand gedrängt von einem rund zwei- stündigen Vortrag von Reinhold Mess- ner, der den Abend weitgehend für sei- nen persönlichen Auftritt nutzte. Damit ging eine Chance verloren, den Anlass etwas anders zu gestalten und auch an- dere Protagonisten zu Wort kommen zu lassen. Das grosse Publikum zeigte sich zum Teil von den Ausführungen Mess- ners fasziniert, zum Teil ermüdet. Weitere Anlässe – zum Beispiel eine grosse Bücherschau mit aktuellen und antiken Publikationen; Ausstellungen; ein Preis, der an einen bekannten Alpi- nisten für sein « bergsteigerisches Lebens- werk » ging; Podiumsgespräche und Diskussionsrunden – ergänzten das um- fangreiche, wie üblich eine knappe Wo- che dauernde Programm im schönen Städtchen, in dessen Umgebung zudem Klettergebiete, Vie Ferrate und Wande- rungen lockten. Quo vadis, Trento?

Trotz der gebotenen Vielfalt waren viele Anwesende von der diesjährigen Auflage enttäuscht: Es fehlte der « Tendone » ( ein grosses Zelt, das in früheren Jahren als Treffpunkt und Restaurant genutzt wurde und jetzt nur zum Teil als Open-Air-Bar zur Verfügung stand, während die Mahl- zeiten in eine « anonyme » Studenten- mensa verlegt wurden... ), es fehlte damit der Zusammenhalt unter den Alpinisten und anderen Stammgästen des Festivals, es fehlte auch ein illustres Publikum ( ab- gesehen von den geladenen Gästen ) aus der in- und ausländischen Alpinszene.

Umstritten waren einmal mehr auch ge- wisse Aussagen und Entscheide der ( mehrheitlich « alten » ) Jury. Die Administration des Festivals liegt in neuen Händen, und man kann nur hoffen, dass aus den Anfangsfehlern ge- lernt wird, damit die Auflage vom nächs- ten Jahr – 2. bis 9. Mai 2004, dem 50-Jahr- Jubiläum der italienischen Erstbestei- gung des K2 gewidmet – wieder zum fröhlichen Stelldichein der Bergfreunde wird. Das traditionsreiche Festival hat es verdient, und Trient und Umgebung ge- ben nach wie vor einen fantastischen Rahmen ab für diesen wichtigen Anlass, der eine kulturelle und intellektuelle Verarbeitung des in der Bergwelt Erleb- ten bietet. a Alberto Innurategi, der baskische Höhenbergsteiger, der mit seinem bewegenden Film « Your Himalayas » – er themati- siert den Verlust seines Bruders Felix an einem Achttausender – das Filmfestival Città di Trento 2003 gewann.

Filmfestivals sind immer Begegnungsorte, drinnen wie draussen! Beim « Filmfestival Città di Trento » ergeben sich stets Möglichkeiten, gemeinsam etwas zu unternehmen – etwa, ein paar Kletterrouten in der Nähe der Stadt zu begehen:

John Porter, Direktor des Berg-filmfestivals im englischen Kendal, im Klettergebiet Massone. Sergio Martini, der bekannte italienische Höhenbergsteiger – er hat alle 14 Achttausender bestiegen –, am « Everest-Abend » anlässlich des Filmfestivals Città di Trento 2003.

Fotos: Christine Koppq D I E A L P E N 7 / 2 0 0 3

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