Flammendes Signal für die Erhaltung der Alpen. Feuer in den Alpen

Feuer in den Alpen

Im Jahr der Berge 2002 kam den Höhenfeuern in der Nacht zum 11. August besondere Bedeutung zu: als weithin sichtbares Zeichen, dass den Menschen die Zukunft des Gebirgsraums nicht egal ist. Auch SAC-Sektionen beteiligten sich an der Aktion und zeigten so ihre Verbundenheit mit den Bergen. 1

Höhenfeuer gehen auf eine uralte Tradition zurück. Schon im Mittelalter dienten sie als Warnsysteme bei drohender Gefahr. Mitte der Achtzigerjahre wurde die Idee einer europäischen Lichterkette wieder aufgenommen, um auf die schleichende Beeinträchtigung des Ökosystems Alpen aufmerksam zu machen: Auf Anhieb brannten Hunderte von Feuern. Jahr für Jahr wiederholen Älplerinnen und Älpler, regionale Berg-gebiets-Vereinigungen, Solidaritäts- und Umweltbewegungen aus vielen Alpenstaaten diese alpenverbindende Aktion. Sie setzen so ein Zeichen für die Erhaltung des natürlichen und kulturellen Erbes des Alpenraumes und dokumentieren damit gleichzeitig ihre Bereitschaft, darauf Rücksicht zu nehmen. Die von Wien bis Nizza lodernden Höhenfeuer sind ein Symbol der Solidarität zwischen den Alpenländern und den alpinen Regionen sowie zwischen den Menschen aus den städtischen Agglomerationen und der Bevölkerung der Alpen.

Spiegel brennender Probleme Die durch die Höhenfeuer kommuni-zierten Botschaften sind alljährlich ein Spiegel der aktuellen Problemfelder in den Alpen. So wurden zum Schutze der letzten frei fliessenden Gewässer in den Achtzigerjahren Höhenfeuer unter anderem im Val Madris, im Grimselgebiet und auf der Alp Bernina-Palü entzündet. Viele dieser letzten naturnahen Hochtäler bleiben wahrscheinlich den kommenden Generationen urtümlich und ohne Pumpspeicherseen erhalten. Ein Dauerbrenner ist der ständig wachsende Transitverkehr, der durch die Täler im Alpenraum strömt. Ende der Achtzigerjahre begannen sich in verschiedenen Alpenregionen Gruppen zu bilden, die sich bis heute für eine Umlagerung auf die Schiene engagieren. Auch im UNO-Jahr der Berge 2002 steht die Thematik « Transit » wieder zuoberst auf der alpen-politischen Agenda.

Zusammenarbeit statt Konfrontation Heute haben sich die Botschaften der Höhenfeuer leicht verändert. Neben umweltpolitischen Themen werden neu auch Fragen der wirtschaftlichen Zukunft des Alpenraumes sowie der sozio-kulturellen Identität aufgeworfen. Darin drückt sich der immer mehr ins öffentliche Bewusstsein rückende Gedanke einer « Nachhaltigen Entwicklung » 2 aus. Dies ist auch die Grundlage der Alpenkonvention: der Dreiklang von Umwelt, Kultur und Wirtschaft. Die Zeit der harten Konfrontation ist zumeist vorbei. Heute steht die Zusammenarbeit aller Alpenfreunde – ob Einwohner oder Gäste – über alle Grenzen im Vordergrund.

Kulturelles Rahmenprogramm Die Aktion « Feuer in den Alpen » ist aber nicht nur eine die Alpenstaaten übergreifende Aktion, sondern bietet auch ein für alle Teilnehmenden einzigartiges Erlebnis. In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag des 1O./11. Augusts 2002 brannten wiederum im ganzen Alpenraum von Wien bis Nizza viele Höhenfeuer, sei es in einem Hochtal, auf einer Alp, auf einem Bergkamm oder sogar auf einem Gipfel. 3 Auch dieses Jahr bleiben wieder viele unvergessliche Momente im Gedächtnis zurück: Fackelketten, Musik von Jazz bis zu neuen Alpentönen, welche die traditionelle Volksmusik mit neuen progressiven Elementen verknüpfen, Poesie, Theater, philosophische Lesungen, Kunst usw. Ort, allfällige Rah-menprogramme und thematische Leitmotive waren frei wählbar, standen aber im Kontext der Idee der nachhaltigen Entwicklung. Feuer in den Alpen ist dieses Jahr ein Projekt vom UNO-Jahr der Berge in der Schweiz: « Berge verbinden !» a

Reto Solèr, Geschäftsleiter CI PRA Schweiz 1 Bis Ende Juni ( Redaktionsschluss ) haben folgende Sektionen bei der Koordinationsstelle ein Höhenfeuer angemeldet: Huttwil, Ledifluh, Prättigau, Pilatus 2 Definition « Nachhaltige Entwicklung »: Eine Generation soll so leben und wirtschaften, dass den nachkommenden Generationen dieselben Chancen erhalten bleiben. 3 Seit dem Jahre 2001 hat CIPRA Schweiz, der Dachverband der Alpin-, Umwelt- und Heimat-schutzorganisationen, die Koordination von « Feuer in den Alpen » übernommen. Als Informa-tionsdrehscheibe dient die Homepage www.feuerindenalpen.org.

Feuer in den Alpen – eine Idee, die Mitte der Achtzigerjahre wieder aufgenommen wurde. Mahnfeuer auf der Alp Ciurciusa 1990 Fo to :WWF /S ta ld er

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