Flüssigkeitsaufnahme bei Bergtouren (Teil II)

Der erste Teil dieses medizinischen Beitrags ( ALPEN 1/99, Seite 11 ff. ) handelte von der Verteilung der wichtigsten Mineralstoffe in unserm Körper und ihrem Ersatz während grosser körperlicher Leistungsphasen. Was heisst dies nun für die Praxis? Welche Getränke sollen in den Rucksack gepackt werden, wann und wieviel soll überhaupt getrunken werden? Und von welchen Gewohnheiten sollen - oder müssen - wir Abschied nehmen?

Was trinken?

Die Verpflegung während einer Bergtour hat die Aufgabe, sowohl die Energie- als auch die Flüssigkeits-defizite so gering wie möglich zu halten. Dies lässt sich nur verwirklichen, wenn der Flüssigkeitsnachschub mit einer Energiezufuhr gekoppelt wird. Anderseits sollten die Getränke den Magen möglichst zügig passieren können und eine rasche Wiederauffüllung des Körpers erlauben.

Eine Kohlenhydratkonzentration ( empfohlene Kohlenhydrate: normaler Rübenzucker, Glukose, Polysac-charide, jedoch nicht Fruktose !) von 50 bis 80 g pro Liter Wasser stellt für diesen Zweck den optimalen Kompromiss dar. Niedrigere Kohlenhy-dratkonzentrationen bewirken einen schlechteren Energienachschub, höhere setzen die Magenpassage herab ( vgl. Tab. ). Als Kochsalzersatz kommen pro Liter Wasser noch 1 bis 3 g dazu ( Natrium 35 bis 50 mmol, Chlorid 25 bis 40 mmol ). Viele gebräuchliche Sportlergetränke, die Kohlenhydrate und Mineralstoffe enthalten, erfüllen diese Bedingungen, nicht aber verdünnte Fruchtsäfte. Diese enthalten fruchtsaftspe-zifische Substanzen ( Pektine ), die den Magendurchgang auch bei optimaler Kohlenhydratkonzentration vermindern.

Wer sein Getränk nach dieser Formel herstellt ( es kann auch Tee sein ), darf die « Doktrin der Isotonie » vollständig vergessen, denn Getränke mit einer optimalen Kohlenhydrat-konzentration liegen bereits im iso-tonischen Bereich. Zudem spielt das Prinzip der Isotonie beim Bergsteigen weder wissenschaftlich noch praktisch eine Rolle.

Wer erst trinkt, wenn sich der Durst meldet, trinkt zu spät: Schon beim ersten Stundenhalt sollte Flüssigkeit zugeführt werden.

Noch eine Bemerkung zur Kohlensäure: Wer kohlensäurehaltige Getränke problemlos erträgt, darf ruhig solche trinken. Die experimentellen Untersuchungen konnten keine Beeinträchtigung der Magenpassage durch Kohlensäure in den Getränken nachweisen.

Wann trinken?

Die Frage nach dem Wann lässt sich recht kurz beantworten. Da sowohl die belastungsbedingte ansteigende Körpertemperatur als auch die Entwässerung des Körpers die Ma-genpassage herabsetzen, ist so früh wie möglich mit dem Trinken zu beginnen. Dies bedingt bereits beim ersten Stundenhalt - eine bis zwei Stunden nach dem Aufbruch - eine Zwischenverpflegung in flüssiger, aber auch in fester Form. Die weitere Getränkezufuhr muss anschliessend in regelmässigen Abständen erfolgen. Als völlig falsch erweist es sich, erst dann mit dem Trinken zu beginnen, wenn sich der Durst meldet. Da sich das Durstgefühl unter Belastung erst mit ( zu grosser ) Verzögerung einstellt, funktioniert zu diesem Zeitpunkt unser Körper nicht mehr optimal. Dazu gehört auch bereits eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit.

Wieviel trinken?

Ein Problem stellt das Wieviel dar. Wir müssen davon ausgehen, dass die Verluste an Körperflüssigkeit unter Umständen mehrere Liter betragen können. Da das Mitschleppen von grösseren Trinkmengen - übertrieben formuliert - die Schweissverluste zusätzlich ansteigen lässt und die Fort-bewegungsgeschwindigkeit herabsetzt, muss jeweils ein Kompromiss eingegangen werden. Manche Touren erfordern die Mitnahme eines Kochers sowie die Planung einer Zeitreserve, um unterwegs aus Schnee eine genügende Menge von Flüssigkeit herstellen zu können. Ansonsten hängt das Quantum der mitgenommenen Getränke in erster Linie von der Länge der Tour sowie von der Umgebungstemperatur ab.

Eine Menge von 1 bis 2 Litern deckt das Flüssigkeitsdefizit der meisten grösseren Unternehmungen nicht ab, dürfte aber einen vertretbaren Kompromiss darstellen. Als wesentlich erscheint dabei, dass unmit- Ein feiner Tropfen zum Abschluss eines gelungenen Bergtags - dem steht nichts entgegen. Sonst haben alkoholische Getränke auf Bergtouren nichts zu suchen.

Am Ende einer Tour muss das Flüssigkeitsdefizit konsequent ausgeglichen werden. Ganz ungeeignet sind alkoholische Getränke.

gung, dass derartige Wasserreserven in fester Form unterwegs auch schmecken sollten, schränken die Auswahl jedoch massiv ein. Der Vorschlag von Gurken und Paprika erscheint mir insofern heikel, als diese erfahrungsgemäss zu den schwerver-daulichen Gemüsen gehören! Es steht jedoch jedem offen, gut verträgliche und transportierbare Früchte oder Gemüse in den Rucksack zu packen, um später das Flüssigkeitsde-fizit zu verkleinern.

Alkohol Auch wenn unsere Vorfahren auf ihren pionierhaften Unternehmungen allerlei alkoholische Getränke mittransportierten, rate ich heute von einem derartigen Vorgehen unbedingt ab. Alkohol gehört wegen seiner beeinträchtigenden Wirkung auf die physische und psychische Leistungsfähigkeit nicht auf eine Bergtour. Als ebenso falsch erweist es sich, nach bestandenem Unternehmen sein Flüssigkeitsdefizit mit alkohol-haltigen Getränken zu decken. Ent- telbar nach der Tour das Flüssigkeits-defizit konsequent ausgeglichen werden muss. Da wir nie genau wissen, wie gross das Defizit wirklich ist, gilt die Regel, lieber zu viel als zu wenig trinken. Einen Indikator für ein Flüssigkeitsdefizit stellt das Wasserlösen dar. Spärliche Urinausscheidung und dunkler Harn bedeuten einen Mangel an Körperflüssigkeit.

Wasservorräte in fester Form Aus der Februarnummer 1998 des Bergsteiger entnahm ich den Ratschlag, für die Zwischenhalte wasser-haltige Gemüse wie Gurken oder Paprika ( dies sind in unserem Sprachgebrauch Peperoni ) mitzunehmen. Die Idee, Wasservorräte in fester Form anzulegen, erscheint an sich als richtig und originell. Solche Wasserspeicher in Form von Gemüsen oder Früchten sollten aber sowohl leicht verdaulich als auch problemlos trans-portierbar sein. Dies sowie die Bedin- spricht dann aber die Körperflüssigkeit wieder dem Sollwert, steht für den Tagesabschluss einem feinen Tropfen oder einem Schlummerbecher nichts entgegen.

Wie wichtig ist Trinken?

Der schon früher zitierte Satz, wonach ein Mensch drei Wochen lang ohne zu essen, aber nur drei Tage ohne zu trinken leben kann, unterstreicht die Bedeutung eines möglichst effizienten Flüssigkeitsersatzes. Das Ignorieren einer angepassten Flüssigkeitszufuhr kann sich beim Bergsteigen im schlimmsten Fall als lebensgefährlich auswirken. Spezielle Verhaltensweisen von Alpinisten, die nach jahr(zehnt)elanger physischer und psychischer Anpassung extreme Ziele anstreben, ändern daran nichts. Das oberste Ziel ( fast ) aller Bergsteiger ist, gesund und glücklich wieder heimzukehren. Eine wichtige Vorbedingung dafür stellt das möglichst erfolgreiche Vermeiden eines Flüssig-keitsdefizits dar.

Dr. med. Peter Schürch, Muri ( BE ) Glukosekonren- Trinkmenge Entleerte Menge trationml/h] [ml/h] Entleerte zuekiP*« menge [g/h] 0 5 10 20 40 1000 1000 1000 1000 1000 1000 800 600 350 200 0 40 ^TOH ro mKÊ 70 80 Einfluss der Glukosekon-zentration von Flüssigkeiten auf die Magenentlee-rung.

Schürch, Peter: Flüssigkeitsaufnahme und Sport. Peri-med-Fachbuch-Verl.. " " .Ges., 1991 ( Beiträge zur Sportmedizin; Bd. 37 )

ILPEN-Nachrichten

II notiziario delle ALPI

schnellste Begehung dieser Route innehatte. Kaji liess sich von mehreren Sherpas begleiten, die ihn unterstützten und für ihn spurten. Sein eigentliches Ziel war, die Besteigung in 18 Stunden zu vollbringen, was er in den nächsten zwei Jahren auch versuchen will. Allerdings tauchte nach der Rekordbesteigung die Frage auf, ob Kaji überhaupt auf dem Gipfel gestanden habe: Ein japanischer Bergsteiger, Norichika Matsumoto, zweifelt den Gipfelerfolg Kajis an. Zudem ist aus dem « Gipfelfoto », das Kaji zeigte, nicht ersichtlich, wo es aufgenommen wurde und wie alt es ist. Die einzige andere Everest-Bestei-gung in diesem Herbst - sie wird allerdings auch angezweifelt - gelang einem Spanier namens Carlos Pitarch, der ebenfalls auf der nepalesischen Seite aufstieg. Die fünf Teams auf der tibetischen Seite brachten wegen der starken Schneefälle und Winde keinen einzigen Bergsteiger auf den Gipfel. Allerdings gelang hier dem Japaner Masafumi Todaka ein bemerkenswerter Besteigungsversuch - den er ganz allein, ohne jegliche Unterstützung durch andere Bergsteiger, Sauerstoff oder Sherpas unternahm -durch das Japaner- und das Great Couloir bis auf eine Höhe von 8500 m.

Lhotse-Mittelgipfel: nach wie vor unerreicht Ein russisches Team hatte sich für diesen Herbst die Besteigung des noch unberührten Lhotse-Mittelgip-fels vom Lhotse Shar ( 8400 m, Ostgipfel des Lhotse ) aus vorgenommen. Einmal auf dem Lhotse Shar angelangt, waren die Alpinisten jedoch zu müde und zu schlecht vorbereitet, um die Gewalttour in lebensgefährlichen Höhen weiterzuführen. Als sie den extrem schwierigen Grat, den sie hätten begehen müssen, vor sich sahen, kehrten sie um. Sie äusserten später, der Mittelgipfel müsste besser vom Lhotse-Hauptgipfel her bestiegen werden.

Wenig Erfolg an den Achttausendern Sieben Expeditionen waren am Manaslu unterwegs, vier am Makalu, je eine an der Annapurna I und am Kangchenjunga - und keine einzige dieser Gruppen erreichte den Gipfel; zu schlecht waren die Wetterbedingungen. Am Dhaulagiri I erreichten nur Bergsteiger eines einzigen von insgesamt sieben Teams den Gipfel.

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