Flurnamen ein weisser Fleck

Leider werden die ursprünglichen Flurnamen, das ist häufig ein weisser Fleck, nicht genannt. Sprachminderheiten sollte man nicht mit geschichtsfremden Namen demütigen. Der Name «Aostatal» («Die Alpen», 4/2011) ist ein völliges Unding dieser frankoprovenzalisch und deutsch besiedelten Region. Seit über 800 Jahren sind Augsttal-Vallée d' Aoste – oder frankoprovenzalisch Val d' Ota – ein Namenspaar. Erst im 19. Jahrhundert kamen italienische Bezeichnungen auf. Der Gletscherberg, örtlich meist einfach «der Gletscher», heisst frankoprovenzalisch bedeutungsgleich Mont-Roise, woraus das sinnleere «Monte Rosa» entstand! Der ganze Gebirgsstock liegt übrigens im deutschen Siedlungsgebiet, das leider amtlich nicht anerkannt wurde. Der Talfluss heisst Doire Baltée (deutsch: die Dur), Grand Paradis statt «Gran Paradiso», Aoste (Augst) statt «Aosta», Mont/Monte, Château/Castello, Seupa/Zuppa und so weiter sind andere Beispiele. Wer Fremdsprachen gebrauchen will, nennt die Einwohner Valdôtains oder Augsttaler, nicht «Valdostani»! Eine «carta delle franchezze» gab es 1185 nicht. Beim Weiler Arbaz (mit deutscher Erstbetonung, Arben) hätten die leider verfallenden Holzhöfe mit baulicher Besonderheit des Eckbalkens wie im Berner Oberland auffallen dürfen. Von dort führte vom Saanenland über Sanetsch- und Eringpass ins Val d' Ayas die Auswanderung hin. Bis 1952 hiessen Pass und Berg amtlich in Emarèse «Kec Horn» (deutsch geschrieben Getschhorn) statt Zuccore, nun Tête de Comagne. Der Theodulpass führt von Zermatt ins Valtournenche, nicht nach Ayas. In Ayas sprach man bis ins 2O. Jahrhundert noch deutsch, heute immer noch hinter dem Mont Néry oder Närrischthore im Lystal (Kressenau, Einsimmen-Eischeme).

 

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