Freeclimbing World Championship 2001

Freeclimbing World Championship 2001

Kletter-WM mit grossem Echo

Die Kletter-WM in den Sulzerhallen in Winterthur löste jene Begeisterung und Medienresonanz aus, die von den Beteiligten erhofft worden war. Auf der sportlichen Ebene zeigte sich, dass das Niveau der Spitzenathleten in den letzten Jahren stark angestiegen ist. Aus Schweizer Sicht verliefen die Wettkämpfe erfolgreich, obwohl keine Medaillen aus den Wettkämpfen resultierten.

Ruhe vor dem Sturm Entgegen der allgemein gültigen Regel, dass einer sportlichen Leistung eine Auf-wärmphase vorangehen sollte, wurden die Helfer in der Registration von Anfang an « in die Finalrunde » katapultiert: Am Mittwochnachmittag, pünktlich um 16.30 Uhr, versammelten sich sämtliche Team-Coaches vor dem Registrations-büro, um die Athleten ihrer Nation für den Wettkampf anzumelden. Neuseeländer, Russen, Amerikaner, Franzosen, Italiener... standen Schlange, um die Wettkampf-Shirts sowie die Startnum-mern entgegenzunehmen. Spätestens in diesem Augenblick wurde allen Beteiligten klar: Jetzt gehts los!

Difficulty – von den Jeans auf die Showbühne Auf Grund der grossen Beteiligung im Schwierigkeitsklettern – difficulty – der Herren wurden für die erste Qualifika-tionsrunde, den Viertelfinal, zwei Routen eingerichtet, wobei jeder Athlet lediglich eine Route klettern musste. Je die besten 13 qualifizierten sich für den Halbfinal, was erfreulicherweise gleich vier von fünf gemeldeten Schweizer Athleten gelang. Von den vier nominierten Athletinnen aus der Schweiz vermochten sich drei für die nächste Runde zu qualifizieren – ein Auftakt nach Mass also.

Dass die Anforderungen sowie Ansprüche an die Athleten in den letzten Jahren stets gestiegen sind, zeigte sich spätestens in den Halbfinals. Routinierte Spitzenkletterer wie der Franzose François Legrand oder der Deutsche Andreas Bindhammer, aber auch Nachwuchs-talente wie Nastja Guzzi und Natalija Gros aus Slowenien, bekannt vom Ju-gend-/Junioren-Europacup, mussten sich in den anspruchsvollen Routen geschlagen geben und schieden aus dem Wettkampf aus. Trotz hervorragender Leistungen ging es den Schweizern nicht anders. Für eine echte Überraschung sorgte der St. Galler Thomas Achermann, der im Endklassement den ausgezeichneten 17. Rang belegte. Bemerkenswert war auch die Darbietung von Stéphanie Louis aus Genf, die sich im Halbfinal unermüdlich von Griff zu Griff kämpfte und letztlich auf dem 18. Platz landete. Annatina Schultz aus Bern qualifizierte sich als einzige Schweizerin für den Final, was angesichts der souveränen Leistung in den beiden vorangegangenen Qualifikationsrunden Spannung für die Schluss-runde versprach.

Die für den Final qualifizierten Athleten und Athletinnen wurden am Samstag von einem zahlreich erschienenen Publikum, das aus der ganzen Schweiz und dem grenznahen Ausland angereist war, begeistert unterstützt. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass in die Sportkletter-Weltmeisterschaften involvierte und vom Sportklettern faszinierte Medienleute sogar in ihrer Freizeit den Sulzerhallen einen Besuch ab-

Sehr geschickt und mit viel Bewegungskreativität kam Martina Cufar ( SLO ) bis zum Zapfen im Schlussdach und sicherte sich damit den WM-Titel Schwierigkeitsklettern Damen.

Die wettkampferfahrene Muriel Sarkany kämpfte sich um die Dachkante, um anschliessend mit grosser Konzentration weiterzuklettern und die Finalroute als Vizeweltmeisterin abzuschliessen.

DIE ALPEN 10/2001

statteten. Die WM als Event und vor allem das Wettkampfklettern lösten erstmals ein Echo aus, das weit über die Insiderkreise hinausging.

Mit den Siegen von Martina Cufar aus Slowenien und Gérome Pouvreau aus Frankreich setzten sich nicht die absoluten Favoriten durch, die Weltmeistertitel haben sie sich allemal hoch verdient. Die 24-jährige Annatina Schultz kletterte unter Anfeuerungsrufen und Daumendrücken auf den zehnten Schlussrang. Bouldern als Premiere Wie eine Karawane zogen die Boulderspezialisten entlang der so genannten « Probleme » durch die Sulzerhallen, im Kampf gegen die Schwerkraft und auf der Suche nach den entsprechenden Lösungen. Am erfolgreichsten waren dabei die Französin Myriam Motteau und der Italiener Mauro Calibani, der als einziger Athlet alle sechs Probleme im Finaldurchgang meistern konnte. Seinen Freudenschrei beim erlösenden Festhalten des Topgriffes im letzten Boulder vermochte man bis in die hinterste Ecke der vorübergehend zur Sportstätte umgewandelten Fabrikhalle zu hören. Der eigentliche Spezialist aus den Reihen der Schweizer, der Berner Oberländer Matthias Müller, verpasste die Finalqualifikation ganz knapp. Raphaël Lachat gelang diese jedoch, und er bewies mit dem 17. Rang, dass in Zukunft durchaus mit dem einen oder anderen Topergebnis gerechnet werden kann.

Speed – Achtung, fertig, los! Im Gegensatz zur Wand im Schwierigkeitsklettern drohte die Wand im Geschwindigkeitsklettern fast ein wenig zu

Simon Wandeler von der Equipe Suisse erkämpfte sich den 14. Platz – ihm fehlte das berühmte Quäntchen Wettkampfglück; angesichts der grossen internationalen Konkurrenz aber eine beachtliche Leistung.

Bernardino Lagni ( ITA ), Weltmeister von 1999, konnte seinen Erfolg nicht wiederholen: Er beendete den Wettkampf auf dem 8. Platz.

Von Gérome Pouvreau ( FRA ) erwartete man eine gute Leistung; dass er sich allerdings gleich den Weltmeistertitel holen und damit alle Favoriten hinter sich lassen würde, war dann doch eine Überraschung.

Fo to s:

Ra ine r Ed er DIE ALPEN 10/2001

verblassen. Doch die sagenhaften Leistungen, allen voran der Ukrainer und der Russen, machten den Speed-Wett-kampf zu einem eigentlichen Spektakel. Wer am Donnerstag in den Qualifikationsrunden noch zweifelte, ob manche Athleten das Top der Route in weniger als neunSekunden erreichen würden, wurde am Samstag im Final eines Besseren belehrt: Gleich mehrere Athleten schafften es unter dieser Marke. Die Titel der schnellsten Kletterer gingen nicht überraschend an die Ukrainer Maxim Stenkovoi und Elena Repko. Gegen die übermächtigen Kletterer aus den Ostblockstaaten gelang es dem Schaffhauser Urs Schönenberger sowie dem Brüderpaar Cédric und Raphaël Lachat aus der Westschweiz nicht, für eine Überraschung zu sorgen. Zu erwähnen ist, dass die Schweizer diese Disziplin bei weitem nicht mit dem gleichen Einsatz trainieren, wie es die Favoriten tun. a

Christian Blaser, Bereichsleiter Administration Leistungssport SAC

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