Freier Zugang zur Natur. Der SAC positioniert sich

Freier Zugang zur Natur

Das heikle Thema Natursport versus Naturschutz wird auch den SAC vermehrt beschäftigen. Angesichts der zunehmenden Konflikte zwischen Anliegen des Natursports und des Naturschutzes hat der Zentralverband eine Position sowie Umset-zungsstrategien und -massnahmen, die die Sektionen aktiv mit einbinden, verabschiedet. Ziel ist der möglichst weitgehende Erhalt des freien Zugangs unter Berücksichtigung von Naturschutzanliegen.

Was das Gesetz sagt Das schweizerische Zivilgesetzbuch hält in Artikel 699 das Prinzip des freien Zugangs zu « Wald und Weide » fest. Der freie Zugang zur Natur wird bei uns als hohes Gut betrachtet – so auch im SAC, wollen wir doch unsere bergsportlichen Aktivitäten wie Wandern, Klettern, Skitouren, Schneeschuhwandern, Canyoning usw. in grösstmöglicher individueller Freiheit ausüben können.

Diese Freiheit ist jedoch nicht grenzenlos und erfordert eine hohe Selbstverantwortung. Auch von Gesetzes wegen sind verschiedene Begrenzungen vorgesehen wie im Waldgesetz, in der Verordnung über die Jagdbanngebiete, im Ge-wässerschutzgesetz, in der Auenverord-nung usw. 1 Ziel all dieser Begrenzungen ist, in den entsprechenden Lebensräumen die Tier- und Pflanzenwelt in ihrer Vielfalt zu erhalten.

Immer mehr Natursport In den letzten 10 bis 20 Jahren entwickelte sich eine immer stärkere Konkurrenz zwischen Natursport und Natur-schutzanliegen. Verschiedene Gründe haben dazu geführt. So suchen immer mehr Menschen durch sportliche Betätigung in der Natur einen Ausgleich zum Alltag. Neu entstandene Natursportarten wie Canyoning, Rafting, Gleitschirmfliegen, Schneeschuhwandern bewegen sich in zum Teil bislang nicht genutzten Lebensräumen. Gewisse Natursportarten erlebten eine Breitenentwicklung ( Skitouren, Sportklettern, MTB ) oder eine Kommerzialisierung mit entsprechend hohen Benutzerfrequenzen ( Canyoning 2, Schneeschuhwandern ). Der Verlust an Artenvielfalt und an wertvollen Lebensräumen ist in der Schweiz nach wie vor zunehmend. In vielen Kantonen wurde die Umsetzung von Naturschutzplanun-gen, des neuen Waldgesetzes ( Waldreser-vate ) oder der nationalen Inventare ( Moore, Auen ) an die Hand genommen. Die sich daraus ergebende Konkurrenz-situation zwischen Nutzen und Schützen gelangte auch vermehrt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und damit der Politik. Der SAC-Zentralvorstand reagiert Gemäss dem SAC-Leitbild 95 ging der ZV davon aus, dass der freie Zugang möglichst weitgehend erhalten bleiben soll. Konflikte mit Naturschutzanliegen sollten in den allermeisten Fällen durch flexible und lokale Massnahmen statt mit pauschalen Verboten oder massiven Einschränkungen gelöst werden. Parallel dazu wird der Ausbildung und Eigenverantwortung der aktiven Sportler ein hoher Stellenwert zugemessen.

Angesichts von zunehmenden Meldungen über Konflikte zwischen Klettern und Naturschutz im Jura entschloss sich der ZV, aktiv zu werden. Er erteilte einer Arbeitsgruppe 3 den Auftrag, SAC-Positionen sowie Strategien und Massnahmen zum Erhalt des freien Zugangs zu erarbeiten.

Der ZV entschied ferner, dass die Thematik des freien Zugangs durch das Ressort « Schutz der Gebirgswelt » abgedeckt werden soll. Dies betrachten wir als richtig. Es bedeutet allerdings für unser Ressort eine Gratwanderung zwischen Schutz- und Nutzungsanliegen. Wir sind uns bewusst, dass wir es wohl kaum allen werden recht machen können. Doch im Sinne des Nachhaltigkeits-

Manche Natursportarten spielen sich in sensiblen Lebensräumen ab. Notwendig sind grösste Rücksicht und die Bereitschaft zur sinnvollen Begrenzung. Sich frei in einer grossartigen Naturlandschaft bewegen zu können – welch ein hohes Gut!

DIE ALPEN 10/2001

prinzips ist unser Ziel, die berechtigten Anliegen der SAC-Mitglieder zur freien Sportausübung in der Natur mit den ebenso berechtigten Forderungen des Arten-, Biotop- und Lebensraumschut-zes möglichst sinnvoll zu vereinen. Dies erfordert die Bereitschaft zum ständigen Dialog und zu Kompromissen von beiden Seiten.

Umsetzung Von der Arbeitsgruppe wurden Grundsätze zum freien Zugang erarbeitet ( vgl. Kasten ), die vom ZV und der Präsidentenkonferenz noch im letzten Jahr verabschiedet und an der Abgeordnetenversammlung dieses Jahres präsentiert wurden. Basierend auf diesen Grund-

sätzen erarbeitete die Arbeitsgruppe dieses Jahr Strategien zur Umsetzung und einen detaillierten Katalog ( Checkliste ) von Handlungsvorschlägen für die Mitglieder, Sektionen und den Zentralverband, welche ebenfalls an der AV vorgestellt und abgegeben wurden. Zurzeit sind wir daran, für die Sektionen ein Dossier als Arbeitsinstrument zusammenzustellen, das noch in diesem Jahr zur Verfügung stehen soll. Wesentlichste Elemente der Umsetzung sind Grund-lagenbeschaffung, Lobbying, Dialog, Information, Ausbildung und aktives Gebietsmanagement ( z.. " " .B. Klettergarten-Betreuung durch eine Sektion ).

Vorgesehen ist auch der Aufbau einer Struktur, um das Thema von Sektion bis Zentralverband bearbeiten zu können, wobei bestehende Strukturen nach Möglichkeit genutzt werden sollen. Dazu gehört, dass jede Sektion eine verantwortliche Person für den freien Zugang bezeichnen soll. 4 Pro SAC-Region soll –

1 Eine Zusammenstellung der wichtigsten gesetzlichen Einschränkungen von Natursportarten wird den Sektionen mit der Arbeitsdokumentation « Freier Zugang – Naturschutz » noch dieses Jahr zur Verfügung gestellt. 2 Beispielsweise hat die nach dem Canyoningunfall im Saxetbach 1999 bekannt gewordene Frequentierung der Schlucht in der Grössenordnung von vielen tausend Personen pro Jahr in ihrer Dimension alle überrascht. 3 In der Arbeitsgruppe ( 6 Personen ) vertreten waren das Ressort Schutz der Gebirgswelt, Alpinismus, Skialpinismus, Bergführer sowie Etienne Gross als Delegierter des SAC für den freien Zugang in der UIAA. 4 Dies kann beispielsweise der Sektionsbeauf-tragte Schutz der Gebirgswelt, der Tourenchef, der Jugendverantwortliche usw. oder eine neue Person sein.

Natursportler und Naturschützer im Dialog: Konfliktlösungen müssen in Verhandlungen mit Sachargumenten gefunden werden.

Nicht nur die beschauliche Naturbetrachtung, auch Natursport ist intensive Naturerfahrung.

Fo to s: Ar chi v Jür g M ey er DIE ALPEN 10/2001

in einer neu zu schaffenden Funktion – ein/e Regionalbeauftragte/r die Interessen und Anliegen der Region koordinieren. Auf der Zentralverbandsebene überwacht ein permanenter Ausschuss, in dem die Regionalbeauftragten vertreten sind, die Entwicklung; die konkrete Umsetzung auf Zentralverbandsebene obliegt dem Ressort « Schutz der Gebirgswelt ». Die internationale Vertretung des SAC in der UIAA-Kommission « Access and Conservation » schliesslich wird durch Etienne Gross, Chefredaktor ALPEN, wahrgenommen.

Ihr Beitrag! Wir bitten die Sektionen, den Zentralverband bei seinen Bemühungen zu unterstützen, den freien Zugang zur Natur im Dialog mit dem Naturschutz auch für unsere Kinder sicherzustellen. Gleichzeitig appellieren wir intensiv an die Eigenverantwortung jedes Mitglieds, sich in der Natur mit Respekt und grösstmöglicher Rücksicht auf andere Lebewesen zu bewegen sowie bestehende Einschränkungen einzuhalten. a

Für die Arbeitsgruppe « Freier Zugang – Naturschutz »: Jürg Meyer, SAC-Beauftragter für den Schutz der Gebirgswelt

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